Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

udalriche
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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von udalriche » Di 26. Apr 2016, 12:57

Sooo lange ist es also noch gar nicht her!


Hallo Buba,

damit hast Du sicher Recht: Die Terrassen sind noch erstaunlich gut im Schuss; der Hafer auf ihnen hält sich sicher auch nicht für ewig, sondern wird von einheimischen Wildpflanzen verdrängt; die Dächer in El Magro sind teilweise noch recht gut erhalten - ganz anders als z.B. in Azadoe (der Schuh war sicher auch nicht 200 Jahre alt ;-)) und bei manchen Häusern sah es so aus, als käme noch manchmal jemand dort vorbei - überall wies auch frischer Ziegenschiss darauf hin, dass dort noch geweidet wird. Natürlich wäre es auch interessant zu wissen, wie das "Aussterben" des Dorfes vor vielleicht 60 Jahren vonstatten ging: Ist die verbliebene Dorfgemeinschaft komplett zu einem Zeitpunkt gegangen? (Die ausgebleichten Knochen sprechen dafür, dass zum Schluss Rinder geschlachtet worden sind).Wohin sind sie gegangen? In eine neue Heimat? Oder jeder woanders hin? Oder blieben vielleicht noch ein paar Alte zurück, die sich der neuen Welt nicht mehr anvertrauen wollten/konnten? Wer hat sie zum Schluss versorgt? Wurden sie dort beerdigt? (Wir haben im gesamten Dorfbereich überhaupt keine Gräber entdeckt).
Schade, dass es keine Zeitmaschine gibt: Ich würde mich zu gerne für eine begrenzte Zeit in solche alten Perioden zurückversetzen lassen!
mfg Ulrich

P.S. Deine PhotoShop-Zeitmaschine hat auch etwas für sich ... selbst ein Rind gab es in Seima ;-). Ob aber die Leute bei der täglichen, schweren Handarbeit auf den Feldern noch so gerade Rücken hatte, bezweifle ich doch ein wenig.

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von sido » Di 26. Apr 2016, 20:07

Dass und warum die Aufgabe vieler Dörfer und Felder oft gar nicht so lange zurückliegt, wie es auf den ersten Blick scheint, wurde mir erst bei der Lektüre dieses Beitrags von Buba deutlich.
Wenn Du es eilig hast - geh langsam!
Sprichwort aus Asien

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von udalriche » Di 26. Apr 2016, 21:54

sido hat geschrieben:Dass und warum die Aufgabe vieler Dörfer und Felder oft gar nicht so lange zurückliegt, wie es auf den ersten Blick scheint, wurde mir erst bei der Lektüre dieses Beitrags von Buba deutlich.
Vielen Dank, sido, für Deinen Hinweis ... jetzt weiß ich auch mehr.
mfg Ulrich

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von Fritzlore » Mi 27. Apr 2016, 10:18

Danke für die Auffrischung. Immer wieder lesenswert!

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von ulrich » So 23. Apr 2017, 08:48

Hallo Buba,
(falls Du noch im Forum aktiv bist): Aufgrund Deiner informativen Anmerkungen und Wegbeschreibungen sind wir in diesem Frühjahr doch noch einmal nach La Gomera gereist, um einige für uns neue Pfade zu erwandern - u.a. waren wir auch von Jerdune zu den Häusern von Tacalcuse (und dann wieder zurück) gelaufen ... wunderbar!
Unterwegs habe ich auch einige, für mich neue, Flechten entdeckt und fotografiert. Um den Fundort nun eingermaßen sicher angeben zu können, habe ich "zwischen Jerdune und den Häusern von Tacalcuse" notiert, bin dann aber unsicher geworden, weil der letztere Ort auch als "Tacaculse , bzw. Tacaluse" auf Karten benannt wird. Frage: Ist "Tacalcuse" richtig?
Weitere Frage: Heißt der Ort nördlich (also küstennäher) unterhalb von Arguamul "Guillama"? Leider sind sich die Kartenhersteller in La Gomera über Ortsbezeichnungen oft nicht einig (weiteres Beispiel "Cichere" bzw. Chiguere" usw.).
Vielleicht können auch Andere sich dazu äußern?
mfg Ulrich

P.S. Wetter, Blüte und Landschaft waren wieder so umwerfend schön, dass wir erwägen, auch im nächsten Jahr wieder La Gomera zu besuchen. ("Was kümmert mich mein Geschätz von gestern")!

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von woga » So 23. Apr 2017, 21:07

ulrich hat geschrieben:
So 23. Apr 2017, 08:48
Vielleicht können auch Andere sich dazu äußern?
Moin Ulrich!
Ortsbezeichnungen auf La Gomera sind schon etwas Eigenes. Jede Häuseransammlung hat einen Namen, manchmal auch mehrere. Dass das nicht so sicher festgelegt ist, liegt vor allem daran, dass die Schriftsprache auf La Gomera noch nicht so lange verankert ist. Alles Wichtige wurde von alters her durch das geprochene Wort weitergegeben ... und gesprochen wird viel auf La Gomera. Und so kommt es denn, dass sich je nach Familie unterschiedliche Bezeichnungen eingebürgert haben.

Gemeingut ist, dass dieser Wanderweg bei dem Dörfchen Berruga beginnt und am markanten Roque de Berruga vorbei geht. Der Weg zu den Felsenhäusern Casas Tacalcuse führt an der Fortaleza entlang (auch dieser Berg heißt Fortaleza) In den Wanderführern wird er aber auch oft Tacalcuse genannt. Der Wanderweg führt weiter auf die Ebene Seima, an deren Rand das Dorf Morales liegt. Dies wird oft auch mit Seima bezeichnet. Die Seite IDE Canarias visorweb gibt Aufschluss über die vielfältigen Ortsbezeichnungen (rechts "integrierte topografische Karte" wählen). Einheimische, die in der Gegend groß geworden sind, haben aber durchaus manchmal ihre eigene Meinung über die richtige Bezeichnung. :ausheck
Wo Du hinschaust, das wird mehr! Bild

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von ulrich » So 23. Apr 2017, 22:52

Hallo Woga,

vielen Dank für Deine Ausführungen und den Karten-Tip; auch darin habe ich Tacalcuse gefunden, werde es also bei diesem Namen lassen. Außerdem gebe ich noch die Koordinaten dazu - das sollte dann reichen.

mfg Ulrich

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von kunibert » Mo 24. Apr 2017, 06:27

woga hat geschrieben:
So 23. Apr 2017, 21:07
Jede Häuseransammlung hat einen Namen, manchmal auch mehrere. Dass das nicht so sicher festgelegt ist, liegt vor allem daran, dass die Schriftsprache auf La Gomera noch nicht so lange verankert ist. Alles Wichtige wurde von alters her durch das geprochene Wort weitergegeben ... und gesprochen wird viel auf La Gomera. Und so kommt es denn, dass sich je nach Familie unterschiedliche Bezeichnungen eingebürgert haben.
Nicht nur auf Gomera weichen die überlieferten Ortsangaben oft erheblich voneinander ab.

Nur wurde bei uns schon vor längerer Zeit kartografiert und die Ortsbezeichnungen in amtlichen Karten festgehalten.

Wobei es dabei oft zu skurrilen Verballhornungen kam. In der k&k Monarchie waren viele Kartografen aus Böhmen. Die verstanden die ortsüblichen Dialekte oft nicht.

So gibt es beispielweise einen Ort „Trübersbach“. Der liegt nicht an einem trüben Bach, sondern „drübers Bach“. Was so viel heißt, wie „über dem Bach“, auf der anderen Seite.

Oder: die „Tierfeuchtalm“ ist nach einer „dirren Feichtn“, also einer dürren Fichte benannt.

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. :kiwi
Und der Ritter Kunibert
setzte sich verkehrt aufs Pferd
wollte er nach hinten sehn
braucht er sich nicht umzudrehn
Ja so warn´s, ja so warn´s die oiden Rittersleut....
:dalton

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von ulrich » Mo 24. Apr 2017, 08:15

Problem: In der Biologie ist der Fundort einer Art möglichst genau anzugeben (damit jemand anderes das überprüfen kann). Wenn in zwei Karten die Ortsangaben unterschiedlich sind, kann es passieren, dass der Nachsuchende in die Irre läuft.
Zum Glück gibt es aber heute dank GPS relativ genaue Koordinatenangaben - sofern man ein entsprechendes Gerät dabei hat ... und es Empfang gibt :-(
mfg Ulrich

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Re: Filmchen: Durch die verlassenen Dörfer des Inselsüdens

Beitrag von la isla » Mo 24. Apr 2017, 09:33

Unterwegs habe ich auch einige, für mich neue, Flechten entdeckt und fotografiert.

Das liest sich sehr interessant und ich würde die Flechten gerne einmal auf dem Foto sehen. Wenn Du die Fotos hier in das Forum einstellen könntest, würde ich mich sehr freuen. :hurra2
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht!

Franz Kafka

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