Eindrücke vom Wandern auf Gran Canaria

Was fasziniert Euch an den Schwesterninseln?
Antworten
Benutzeravatar
sido
*********
Beiträge: 1688
Registriert: Mo 30. Jun 2014, 12:33
Wohnort: Im Süden des Nordens

Eindrücke vom Wandern auf Gran Canaria

Beitrag von sido » Do 9. Okt 2014, 16:56

Da Gran Canaria viermal so groß ist wie La Gomera oder doppelt so groß wie La Palma, lassen sich Bade- und Wanderurlaub wegen der zeitraubenden Anfahrtswege vom Strand in das Landesinnere nur schwer miteinander verbinden.
Die gängigen deutschen Reiseveranstalter bieten nur eine geringe Auswahl an preisgünstigen Unterkünften im Landesinneren an (in der Regel ohne Transfer oder inklusive Mietwagen ab Flughafen). Wer sich mit diesem mageren Angebot nicht zufrieden geben will, muss sich entweder an spezielle Veranstalter von Wanderreisen wenden oder Flug, Unterkunft und Mietwagen nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen. In diesem Falle würde ich mich nach einem Quartier in

Tejeda umsehen. Wenn man eine Autofahrt auf unbekannten Bergstraßen bei Dunkelheit vermeiden möchte, sollte man auf dem Hinflug mindestens zwei Stunden vor Sonnenuntergang auf Gran Canaria landen.

Wer Wanderungen auf Gomera, La Palma oder Teneriffa, gewohnt ist, wird die Infrastruktur fürs Wandern auf Gran Canaria als recht rückständig empfinden. Die Markierung und Beschilderung der Wanderwege nach den Normen der Europäischen Wandervereinigung steckte 2011 noch in den Anfängen. Daneben gab es im Raum Santa Lucia de Tirajana

Santa Lucía vom Aufstiegsweg zum Cruz del Siglo, bei klarem Wetter ein prachtvoller Aussichtspunkt


Weg von Santa Lucía über Sorrueda zur Fortaleza de Ansite, wo die Spanier die Unterwerfung von Gran Canaria 1483 vollendet hatten.

noch einige von der Gemeinde ausgewiesene Wanderwege.

Ohne Mietwagen sind nur wenige Ausgangspunkte von Wanderungen erreichbar. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann man am ehesten noch im im Norden westlich von Las Palmas (z.B. Teror, Fontanales)

Landschaft im Norden zwischen Fontanales und Guía

wandern. Das Inselinnere wird nur durch eine Buslinie von Maspalomas über Tejeda nach Vega de San Mateo erschlossen (vier Busse am Tag). Relativ gut ausgebaut sind Richtung Ostküste die Straßen von Tejeda über Cruz de Tejeda (1510 m über NN)

Cruz de Tejeda
Bei schönem Wetter einer der belebtesten Punkte im Inneren der Insel, denn hier kommen Straßen aus vier Himmelsrichtungen zusammen. Recht leer ist es bei Regen, Nieselregen und Temperaturen um 10 Grad, wie ich es an einem Tag Anfang Juni 2011 erlebt habe.

oder den Pico de las Nieves, mit 1951 m der höchste Berg der Insel,

Pico de Las Nieves
Vor 2006 krönten den Gipfel statt einer zwei Kuppeln einer militärischen Einrichtung. Daher wurde der Berg im Volksmund "Los Pechos" ("Die Brüste") genannt.

und in den Süden über San Bartolomé de Tirajana

San Bartolomé de Tirajana, aufgenommen vom Balkon des Hotels Las Tirajanas

nach Maspalomas. Die Straßen von Tejeda Richtung Westküste sind nur für nervenstarke Autofahrer geeignet.

An Ruhetagen bieten sich Ausflüge an den Strand

Playa del Inglés nach Feierabend
Schon um 17:00 Uhr wird der Strand offiziell geschlossen.

oder nach Las Palmas – wenn man Großstadtverkehr und Parkplatzsuche in Kauf nehmen will – an. Für Pflanzenliebhaber ist ein Ausflug zum Jardín Canario

Jardín Botanico Canario Viera i Clavijo

bei Tafira in der Region Las Palmas zu empfehlen. Die recht anstrengende Inselrundfahrt mit dem Mietwagen erfordert einen ganzen Tag.

Wegen der langen Anfahrten habe ich nicht alle Wandergebiete auf Gran Canaria erkunden können. Davon am Schluss eine kleine Auswahl:
Das Inselinnere wird beherrscht von der markanten Silhouette des Roque Nublo (Wolkenfels, 1813 m) beherrscht.

Roque Nublo
Auf dem Plateau links vom Roque Nublo die Felsgebilde Roque Rana und in der Bildmitte El Fraile (Der Mönch)

Vom Parkplatz La Goleta – vor allem an Wochenenden oft überfüllt – gelangt man in ca. 40 Minuten an seinen Fuß; eine Umrundung des Felsplateaus beansprucht etwa zwei Stunden.

Blick vom Weg von La Goleta zum Roque Nublo in das Tal von Ayacata. Durch das Tal verläuft die Hauptstraße von San Bartolomé nach Tejeda, auf die im Ort die vom Roque Nublo über La Goleta führende Nebenstrecke stößt.


Ein weiterer markanter Felsklotz in der Caldera de Tejeda ist der Roque Bentaiga (1415 m),

Roque Bentaiga. Dahinter das Plateau von Acusa, der Gipfel des Altavista und der Teide.

in vorspanischer Zeit ein wichtiger Kultplatz. Eine Rundtour durch die einsamen Dörfer an seiner Südseite würde mindestens sieben Stunden reine Gehzeit erfordern. Wesentlich kürzer (ca. 4 Stunden) ist die Umrundung des Berges, vom Dorf La Solana an auf der wenig befahrenen, aussichtsreichen Straße über Cuevas del Rey.

Das Tal am Fuß des Roque Bentaiga. Im Talgrund die Dörfer La Solana und El Chorrillo, darüber am Berghang das Dorf El Carrizal


Westlich von Artenara zieht ein Bergkamm in südwestlicher Richtung. Dessen höchster Punkt, der Altavista (1376 m) bildet eine prachtvolle Aussichtswarte.
Blick vom Altavista auf den Südteil der Caldera de Tejeda. Mit Acusa Verde und Roque Bentaiga, rechts im Hintergrund Roque Nublo


Zwischen Roque Bentayga und Altavista erhebt sich der Tafelberg von Acusa, auf seiner Hochfläche das Dorf Vega de Acusa, in seinen Hängen die Höhlensiedlungen

Acusa Seca und

Acusa Verde.

Auf dem Rundweg von San Bartolomé de Tirajanes über die Degollada de las Manzanillas und Cruz Grande gelangt man am leichtesten in die Kiefernwälder von Pilancones.

Kiefernwald von Pilancones. Im Hintergrund der Stausee von Chira


Der beste Zugang zu den Kiefernwäldern von Pajonales

Naturschutzgebiet Pajonales mit Stausee Embalse de las Cuevas de las Niñas, auf manchen Karten auch Embalse de las NIñas de las Cuevas genannt.

geht vom Dörflein El Juncal aus.Dort empfiehlt es sich, schon vor dem Dorfeingang zu parken, denn im Dorf sind Wendemanöver nicht gerade einfach.

El Juncal. Auf dem Felsklotz im Hintergrund erhebt sich der Roque Nublo


Den Stausee von Soria

erreicht man entweder vom Stausee Cuevas de las Niñas oder vom Stausee von Chira über den Bergrücken Lomo de La Palma.


Vom Pico de la Nieve nach Südosten zieht der Barranco de Guayadeque, eine der wichtigsten archäologischen Fundstätten der Insel. Vom Ende der Asphaltstraße führt eine fünf- bis sechsstündige Rundwanderung durch den Talgrund

zur Caldera de los Marteles

Caldera de los Marteles
Rechts ist ein Stückchen der Straße vom Pico de las Nieves nach Telde zu erkennen.

hinauf, zurück zunächst über die Hochfläche unter dem Pico de la Nieve und schließlich als Quergang durch den Steilhang des Barranco.

Barranco de Guayadeque.
Ausgangspunkt der Rundwanderung ist ein Parkplatz (Häusergruppe in der Bildmitte) nach Ende der durch den unteren Teil des Barranco führenden Asphaltstraße. In der Nähe befinden sich zwei Höhlenrestaurants.
Wenn Du es eilig hast - geh langsam!
Sprichwort aus Asien

Benutzeravatar
wulf
Doña Bombera
Beiträge: 6540
Registriert: So 1. Nov 2009, 15:56

Re: Eindrücke vom Wandern auf Gran Canaria

Beitrag von wulf » Do 9. Okt 2014, 17:30

:freu vielleicht komm ich doch irgendwann mal nach Gran Canaria wandern
danke für die Einstellung :blumen
das Lächeln das du aussendest, kehrt zu dir zurück
(Birmanische Weisheit)

Benutzeravatar
Puistola
****
Beiträge: 209
Registriert: Fr 28. Sep 2012, 19:05

Re: Eindrücke vom Wandern auf Gran Canaria

Beitrag von Puistola » Do 9. Okt 2014, 21:13

Danke für die vielen Wandervorschläge, von denen wir einige schon in ähnlicher Form
gegangen sind. Ein Leid auf GC sind die schlechten Karten, doch in Zeiten von
OSM und OCM auf dem IDingens ist das relativ.

Als Unterkunft hatten wir Lastsecond eine Touristenburg an der Südküste gebucht,
in der Meinung gelegentlich was Anderes zu finden.
Das war mit Flug billiger, als ein Flug allein. Mit einem Mitwagen gelangt man
rasch in den wilden Westen, wo einige der schönsten Wanderziele liegen, inklusive
dem Güi-Güi- Strand. Dem Auto mutet man aber einiges mehr zu, als man es
der heimischen Karrosse tun würde.

Die Schreckliche Hotelanlage mit ca. 200 Norwegern am Pool erwies sich als
ganz brauchbar: Das Frühstück in einer grossen Tasche am morgens noch einsamen
Geröllstrand eingenommen, samt nacktem Morgenbad liess die Massen vergessen,
und An- und Abreise per Mietwagen von und zum nahen Flugplatz schenkte
uns zwei halbe Ferientage gegenüber dem Fährtransfer auf die dennoch
geliebte Insel schlechthin.
Es gäbe bestimmt Romantischeres, aber für so ökologisch
bedenkliche Spontan-Kurzferien war das passend.

Puistola

Benutzeravatar
Lee
Don Lee
Beiträge: 13800
Registriert: Di 11. Mär 2008, 18:50
Wohnort: Norddeutschland

Re: Eindrücke vom Wandern auf Gran Canaria

Beitrag von Lee » Do 9. Okt 2014, 21:51

Das Inselinnere sieht sehr schön und geruhsam aus und bietet garantiert tolle Touren. Danke für die schönen Fotos. :hut

Wir mußten aber bei unserem Schnupperaufenthalt auf Teneriffa feststellen, dass wir auf den Kanaren eindeutig die Ruhe und Beschaulichkeit der drei kleinen Inseln bevorzugen. Die Teils extrem dichte Besiedelung und der dichte Verkehr schmälerte dort schnell im nachhinein die tollsten Erlebnisse in den Cañadas (absolute Weltklasse!!!) oder Anagagebirge (Taganana :supercool ). Und Gran Canaria ist ja noch einmal viel dichter besiedelt als Teneriffa.

Diese Dinge waren auch so ziemlich das einzige was uns manchmal auf La Réunion nervte, dort hat es uns aber irgendwie weniger gestört als auf Teneriffa. La Réunion hat uns eh viel besser gefallen. Und kulturell ist es eh spannender als die Kanaren.

Aber irgendwie sind die kleinen Inseln bei mir Herzenssache und La Palma, La Gomera und El Hierro liegen bei mir immer noch vorn.
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

Benutzeravatar
sido
*********
Beiträge: 1688
Registriert: Mo 30. Jun 2014, 12:33
Wohnort: Im Süden des Nordens

Re: Eindrücke vom Wandern auf Gran Canaria

Beitrag von sido » Fr 10. Okt 2014, 11:30

Lee hat geschrieben: Und Gran Canaria ist ja noch einmal viel dichter besiedelt als Teneriffa.
Mir persönlich erschien der Kontrast zwischen urbanen und touristischen Ballungsräumen auf der einen und dem streckenweise fast siedlungsleeren Inselinneren auf Gran Canaria ausgeprägter als auf Teneriffa. Vielleicht liegt das aber daran, dass ich mich auf Teneriffa von den Linienbussen habe fahren lassen, auf Gran Canaria dagegen mit dem Mietwagen selbst gefahren bin.
Wenn Du es eilig hast - geh langsam!
Sprichwort aus Asien

Benutzeravatar
Puistola
****
Beiträge: 209
Registriert: Fr 28. Sep 2012, 19:05

Re: Eindrücke vom Wandern auf Gran Canaria

Beitrag von Puistola » Sa 11. Okt 2014, 10:52

Lee hat geschrieben: Aber irgendwie sind die kleinen Inseln bei mir Herzenssache und La Palma, La Gomera und El Hierro liegen bei mir immer noch vorn.
Das unterschreibe ich gerne, aber gerade bezüglich DER Insel muss ich diese Spitze doch noch loswerden:
Die Markierung und Beschilderung der Wanderwege nach den Normen der Europäischen Wandervereinigung steckte 2011 (auf GC) noch in den Anfängen ...
... während gleichzeitig mit das best denkbare solcherart martkierte (aber nicht gebaute) Netz auf La Gomera
dem Verfall hingegeben wird (Naja, die neuen Wege sind auch recht, was fehlt ist die Systematik, aber immerhin
ist ein starker Wille verspürbar, nicht nur zu markieren, sondern auch zu bauen, wenn nicht gar streckenweise im
Übermass).

Mich hat es aus mittlerweile entfallene Gründen ins Hinterland von Benidorm, ja, furchtbar, verschlagen.
Die hier mit Doppelbalken und X für Fehlgänger markierten Wanderwege sind mit Agenmass ausgebaut.
Einspurig und gelegentlich auch mal mit höheren Stufen über Felsen die Bergwege, und Wege, auf denen
viele Spaziergänger zu erwarten sind, (wie etwa vergleichweise in den Bco. de Arure zum Wasserfall) so,
dass man leicht kreuzen kann oder auch plaudernd nebeneinander hergehen kann. Bei Hindernissen
wird es aber schon mal einspurig.
UND: Was markiert ist, ist begehbar. :grrr
Formidabel, hier scheint jemand die Bedürfnisse der Wanderer zu kennen, von denen es aber nicht sehr
viele gibt, wohl der schwülen Mittelmeerhitze wegen.

So, das ist gesagt, nun mach ich mich auf die Flucht nach Hause,
wo ich zwar keine Villa hab, dafür aber auch nicht 24 h Autobahnlärm.

Puistola

Antworten

Zurück zu „Inseln des ewigen Frühlings - jede für sich einzigartig“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast