Alojera – Wanderung durch den Wind

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Alojera – Wanderung durch den Wind

Beitrag von sido » Fr 28. Jul 2017, 18:55

Teil I

An diesem Tag hatte ich mir vorgenommen, mit Hilfe der Buslinien 1 und 4 von Valle Gran Rey nach Chorros de Epina zu fahren und von dort entweder die Runde über Tazo in Angriff zu nehmen oder auf dem Höhenweg zur Ermita de Santa Clara zu wandern und von dort nach Vallehermoso abzusteigen. In Valle Gran Rey schien noch strahlende Sonne, aber nachdem der Bus Arure passiert hatte, war über dem Wald eine graue Wolkendecke zu sehen. So begann ich schon während der Anfahrt, einen Plan B ins Auge zu fassen. Nach Verlassen des Busses bei Chorros de Epina sah die Wolke im Norden noch bedrohlicher aus und es war sehr windig. Zunächst zögerte ich noch und suchte nach einem besseren Blick in Richtung Norden, den ich schließlich oberhalb des Dorfes Epina fand.
Alojera_1-Epina.jpg
Wolken im Norden
Dieser Blick war ausschlaggebend für die Wahl des Plans B: Auf dem Wanderweg GR-132 über Alojera nach Arure. Den Weg war ich schon einmal vor 9 Jahren in umgekehrter Richtung gegangen – nur war ich damals nicht nach Alojera abgestiegen, sondern hatte die Straße nach Taguluche als Aussichtsbalkon bis zum Aufstieg nach Chorros de Epina gewählt.

Ausschlaggebend für meine Entscheidung waren dieses Mal folgende Überlegungen:

1. Der Weg war wesentlich kürzer als der ursprünglich geplante, bei der Wetterlage ein Vorteil.
2. Die Gegend war mir nicht ganz unbekannt.
3. Über Alojera schien mehr Sonne.
4. Ich hoffte, irgendwann in den Windschatten der Berge über Alojera zu kommen – darin wurde ich aber für etwa ¾ der Strecke arg enttäuscht.
Alojera_2-Wind.jpg
Palmen im Wind
Es hatte etwa eine halbe Stunde gedauert, bis mein Entschluss gefasst war und etwa 9:30 Uhr schlug ich den Weg GR-132 in Richtung Alojera ein. Kaum hatte ich den Wald verlassen, erfassten mich die ersten Windböen, sodass ich den Sturmriemen meines Hutes fester zog. Und Fotografieren war unbequemer als sonst, wenn ich nicht gerade ein Nachlassen des Windes nutzte. Trotzdem genoss ich das Panorama von Alojera mit seinen Palmenhainen.
Alojera_3-Alojera2a.jpg
Tal von Alojera
Etwas mehr rechts zeichnete sich am Horizont die Silhouette von La Palma ab, später, während des Aufstieges, kam auch El Hierro in Sicht.

Etwa zwei Stunden nach dem Aufbruch von der Ermita San Isidro erreichte ich gegen 11:30 Uhr den Kirchplatz von Alojera.
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? :muetze

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Re: Alojera – Wanderung durch den Wind

Beitrag von sido » Fr 28. Jul 2017, 19:05

Teil II
Während der Rast stellte ich fest, dass der Nachmittagsbus nach Valle Gran Rey erst in etwa fünf Stunden Arure passieren würde; mir stand also sehr viel Zeit zur Verfügung. Trotzdem verzichtete ich auf eine Einkehr und brach schon gegen 12:00 Uhr auf, denn ich wollte so schnell wie möglich aus dem Wind herauskommen.

In dieser Erwartung wurde ich jedoch enttäuscht. Vielmehr, je höher ich kam, um so stärker empfand ich den Wind, vor allem als der Weg über einen Bergrücken führte, der den Böen voll ausgesetzt war. Noch heftiger erfasste mich der Wind nach Überquerung der Straße von Epina nach Taguluche kurz nach 13:00 Uhr. Wiederholt zwangen mich besonders starke Böen, stehen zu bleiben, bis sie vorüber waren. Den Höhepunkt bildeten die gut 20 Minuten, in denen ich das Fotografieren unterließ – trotz der phantastischen Ausblicke. Nach etwa einer Dreiviertelstunde steilen Aufstiegs begann der Wind im Schutz von Felsen und Kiefern endlich nachzulassen. Ich gelangte in den Windschatten der Felswand des Lomo del Carretón. Dafür erkannte ich im Norden, dort, wo ich hergekommen war, Wolken mit Schauerfahnen – auch über Alojera. Zum Glück bekam ich davon nur eine Handvoll Tropfen ab.
Alojera_4-Schauer.jpg
Schauerwolken über Alojera
Knapp zehn Minuten später hatte ich den Höhenweg, der in ständigem Auf und Ab zur Ermita del Santo führte, erreicht. Hier empfand ich es als geradezu windstill, vor allem im Vergleich zu dem letzen Wegstück.
Alojera_5-Hoehenweg.jpg
Auf dem Höhenweg
Immer wieder hielt ich an, um die grandiosen Tiefblicke in das Tal von Taguluche zu genießen. Einen Abstiegsweg, wie er mir vor acht Jahren so viel Probleme bereitet hatte – eine Beule in meiner Trinkflasche erinnert mich noch heute daran – konnte ich aus der Höhe nicht eindeutig ausmachen. Nur Teile des unterhalb des Höhenwegs verlaufenden Zugangs zum Abstieg meinte ich zu erkennen.
Alojera_6-Taguluche.jpg
Taguluche
Nach etwa einer Stunde Höhenweg erreichte ich gegen 15:00 Uhr den Mirador Ermita del Santo. Nach zehnminütiger Rast passierte ich den Torbogen in der Felswand – und der Wind hatte mich wieder, aber wesentlich schwächer als vor dem Höhenweg. Nach einem Bummel durch Arure wartete ich bei etwas Wein und einigen Tapas die Durchfahrt des Busses nach 16:30 Uhr ab.

Valle Gran Rey erlebte ich als relativ windschwach, ganz im Gegenteil zum folgenden Tag, für den auch eine Wind- oder Sturmwarnung ausgesprochen war. Wandern im Bergland wäre unter diesen Umständen noch ungemütlicher gewesen, als ich es erlebt hatte.
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? :muetze

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Re: Alojera – Wanderung durch den Wind

Beitrag von Lee » So 30. Jul 2017, 17:56

Ja, Alojera kann manchmal extrem windig sein, vor allem wenn der Passat sich mit Macht zurückmeldet, dann fliegen schon einmal die Gartenstühle und Wäscheständer über die Terrasse - dafür ist es aber zumeist sehr sonnig. Wir haben bei unseren Aufenthalten aber zumeist eher Wetterglück gehabt, denn die richtig windigen Tage waren immer deutlich in der Minderzahl. Jetzt gerade im April ging dort fast kein Wind, es war zumeist sommerlich warm und sehr diesig. Da hätte es für meinen Geschmack ruhig ein paar Tage mit moderatem Passat geben können, damit man in den Genuss des herrlichen Kanarenlichts hätte kommen können.

Für deine Alternativroute hätte ich mich bei dem heftigen, sturmartigen Wind keinesfalls entschieden! Der Wanderpfad durch die Steilwand des Lomo del Carreton war bei unserer einzigen Begehung vor ein paar Jahren an einigen Stellen sehr schmal, geröllig und abschüssig und zudem an diesen Stellen sehr von Opuntien bedrängt, so dass man diese zwar wenigen, aber bei starkem Wind wirklich unangenehmen Passagen nicht umgehen konnte.

Wir sind damals bei wenig Wind gewandert, so dass es nicht wirklich gefährlich war, wenn man aufpasste und sich als trittsicher erwies, aber bei dem von dir beschriebenen orkanartigen Wind, wäre mir der Lomo del Carreton zu risikoreich gewesen, auch wegen der Steinschlaggefahr.

Aber glücklicherweise flaute der Wind ja bei dir ja an den schmalsten Wegstücken ab. :freu....und von den Ausblicken her gehört das Wegstück zischen Arure und der Straße nach Taguluche zu meinen liebsten Pfaden auf den Kanaren.
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

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Re: Alojera – Wanderung durch den Wind

Beitrag von sido » Mi 2. Aug 2017, 16:54

Lee hat geschrieben:
So 30. Jul 2017, 17:56
... aber bei dem von dir beschriebenen orkanartigen Wind ...
Als "orkanartig" habe ich den Wind nicht empfunden, nur als ausgesprochen ungemütlich - vor allem die Böen. Eine Windwarnung galt übrigens ab dem nächsten Tag 0:00 Uhr. Und ab Mitternacht wurde der Wind auch in Vueltas sehr spür- und hörbar.
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? :muetze

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