Olivia M. Stone: La Palma im Jahr 1887

Was nicht in die anderen La Palma-Unterforen passt.
Antworten
Benutzeravatar
Buba
buble earth
Beiträge: 8057
Registriert: Di 8. Dez 2009, 19:34
Wohnort: Norddeutschland

Olivia M. Stone: La Palma im Jahr 1887

Beitrag von Buba » Mo 31. Dez 2012, 19:24

In ihrem 1887 herausgegebenen zweibändigen Reisebericht Tenerife and its six Satellites hat die englische Schriftstellerin Olivia M. Stone auch von ihren Erlebnissen und Beobachtungen auf der Kanareninsel La Palma erzählt. Das Buch ist von der Fundación Canaria Orotava de Historia de la Ciencia vollständig digitalisiert worden und hier kann man in dem dicken Schinken nach Herzens Lust herumblättern.




---------------------------------------------------------------------------------------
Hier nun als Auszug aus dem ersten Band die Seiten 290 bis 309,
die sich mit der Insel La Palma beschäftigen:





















Mafalda

Re: Olivia M. Stone: La Palma im Jahr 1887

Beitrag von Mafalda » Mo 31. Dez 2012, 20:32

:blumen Danke Buba :knuffel

Mafalda

Re: Olivia M. Stone: La Palma im Jahr 1887

Beitrag von Mafalda » Di 1. Jan 2013, 14:56

Vale, fangen wir an :mrgreen:

"S.291 Kapitel XVII
Palma - Argual - Caldera


Wir wanden wir uns durch den dichten Wald
mit dicken Ästen, grün behangen
mit Flechten zwischendrin gefangen

Joaquin Miller

Lieber reite ich auf einem Hintern, der mich trägt,
als auf einem Pferd, das mich abwirft.

Spanisches Sprichwort

Freitag, 12. Oktober
Wir erwachten nächtens von freudiger Geschäftigkeit an Bord und dann endlich hörten wir das Zischen des Wassers, als das Schiff die Wellen durchschnitt. Kurz vor 6 standen wir auf und gingen an Deck, als wir uns bereits dicht vor [La] Palma befanden. Um 6 Uhr ankerten wir bei 15-20 Faden Wasser auf der Reede vor Santa Cruz, der Hauptstadt, 4 1/4 Tage nachdem wir Orotava verlassen hatten. Ein Dampfer braucht dafür nur 4 oder 5 Stunden, beträgt doch die kürzeste Strecke zwischen Tenerife und [La] Palma lediglich 50 Meilen!

Santa Cruz de La Palma, oder, wie es auf der ganzen Insel genannt wird "La Ciudad", liegt an einem Hang. Seine weißen Häser mit ihren Flachdächern liegen zusammengeschart eins über dem anderen am Fuß der Berge. Es ist vergleichbar mit Funchal, Madeira, nur daß sich dort die Berge abrupter hinter der Stadt erheben, als auf [La] Palma. Von See her gesehen scheint die Stadt am Fuße der Berge zu liegen, die sich in Wahrheit jedoch in der Inselmitte befinden, und zwischen zwei [S.192] abschüssigen Klippen. Der Boden steigt vom Meer her an und die Häser liegen in vertreuten Grüppchen hügelaufwärts. Im Süden stehen die weißen Häuser ziemlich dicht gedrängt am Abhang zwischen den Bergen und dem Meer. Dazwischen erheben sich immer wieder Eruptionsmaulwurfshügel, die der Szenerie einen einzigartigen Charakter verleihen, da sie inmitten der Bebauungen herausragen. Im Norden steigt die Hauptgebirgskette steiler an. Überall sind Bäume und Grün.

Es ist früh am Tag und die Nebel sind noch nicht über die Gebirgskämme heruntergewallt. Doch während ich schreibe, berührt die Sonne den unteren Rand einer Nebelwolke auf halbem Weg hangaufwärts, formt einen Regenbogen und fällt schräg über die grünen Wälder: gemeinsam mit den weißen Häusern auf rotem Grund ein leuchtendes und schönes Farbenspiel.Die nach unten gerichteten Sonnenstrahlen verschwinden hinter dem Nebel und leuchten auf halber Höhe des Berges horizontal daraus hervor, was einen eigenartigen Effekt verursacht. Die untere Hälfte der Insel ist klar zu sehen, doch noch im Schatten liegend. Die obere Hälfte in Nebel gehüllt. Zwischen beiden ein Lichtstreifen. Nach und nach wird der Hintergrund klarer und Barrancos eröffnen sich dem Blick.

Am Südrand ist die Stadt [S.293] begrenzt und geschützt durch einen kleinen Krater, einen Mini-golfo. Die Nordseite ist ein sanft ansteigender Hang, doch hinter dem mittleren Teil der Stadt steigt das Land steil an und ist zerklüftet von Barrancos. Die nackten Klippen nahe dem Meer sind bedeckt von Euphorbia [Wolfsmilchgewächsen], derweilen sich mittig der Stadt ein Steilhang erhebt. [La] Palma kann als Hochland des Archipels bezeichnet werden, denn obwohl Tenerife höher hinausragt, hat [La] Palma als zweithöchste Erhebung die größere Ausdehnung an hohen Bergen als jede andere Insel [des Archipels]."

Benutzeravatar
Lee
Don Lee
Beiträge: 13773
Registriert: Di 11. Mär 2008, 18:50
Wohnort: Norddeutschland

Re: Olivia M. Stone: La Palma im Jahr 1887

Beitrag von Lee » Di 1. Jan 2013, 18:05

Vielen Dank an Euch Buba und Mafalda, der Bericht liest sich gleich interessant an und die Wetterbeschreibungen könnten fast von mir sein. :angel :ausheck :mrgreen:
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

Benutzeravatar
Liza
**********
Beiträge: 2735
Registriert: Di 25. Mär 2008, 12:04
Wohnort: Tazacorte

Re: Olivia M. Stone: La Palma im Jahr 1887

Beitrag von Liza » Mi 2. Jan 2013, 02:00

:blumen
Nicht im Wissen liegt das Glück, sondern im Erwerben von Wissen.

Edgar Allen Poe

Mafalda

Re: Olivia M. Stone: La Palma im Jahr 1887

Beitrag von Mafalda » Mi 2. Jan 2013, 18:24

Fortsetzung S. 293

"Wir versuchten, von der `Matanzas´ aus einige Bilder von der Stadt zu machen, doch wir lagen ein bißchen zu weit draußen. Freunde der Offiziere kamen an Bord und waren erstaunt, wie lange wir in Kalmen unterwegs gewesen waren. Eine leichte Dünung herrschte, daher blieb das Landvolk nicht lange; die wenigen Momente an Bord hatten bereits genügt, einige von ihnen hors de combat (=außer Gefecht) zu setzen. Wir fuhren gemeinsam mit ihnen eilends zurück an Land und beschlossen, da niemand eine Pension empfehlen konnte, zuerst unser Empfehlungsschreiben bei Don Manuel Yanes abzugeben, einem Herrn, der in England gewesen war. Wir trafen Don Manuel in seinem Büro an und erfuhren von ihm, daß der Dampfer aus England, der zunächst La Palma anläuft bevor er weiter nach Teneriffa fährt, anfangs der kommenden Woche erwartet wurde. Daher beschlossen wir, nach dem Frühstück ins Inselinnere aufzubrechen. Don Manuel führte uns freundlicherweise zu einer Pension am Meer, wo wir ein Zimmer und ein dringend notwendiges (!) Bad bekamen. Danach gab es Frühstück. Das Essen war nicht sonderlich gut, das Fleisch zäh und die Beilagen mäßig. Vom Speisesaal gab es einen schönen Ausblick und unter anderer Leitung wäre es sicher ein sehr komfortables kleines Hotel gewesen. Die Zimmer waren von ausreichender Größe und luftig.

Da es hieß, es dauere nur 4 Stunden über den Gipfel nach Argual, gingen wir nicht sofort los sondern besichtigten noch die Kirche San Salvador. Der Altar hat einen eigenartigen Mechanismus, durch den der obere Teil und der Vorhang von hinten angehoben werden, woraufhin zwei Cherubine hervortreten. Der Boden ist in schwarzen und weißen Quadraten gefliest. Es gibt ein einizgartiges
[S.294] Bild vom heiligen Petrus, der mit einem Hahn abgebildet ist. Das Taufbecken ist aus massivem weißem Marmor und steht auf einem quadratischen Sockel. Dies und eine englische Stickerei, die uns gezeigt wurde, sind mit Sicherheit von englischen Händlern während der Regierungszeit Heinrichs VIII. aus der St.Paul´s Cathedral nach La Palma gelangt - die in England stattfindende Reformation war der Grund für ihr Auftauchen auf der Insel. Diejenigen, die uns durch die Kirche führten, sagten uns allerdings nicht, daß das Taufbecken bereits so alt war.

Man erinnert sich sicher, daß es Alonzo de Lugo* war, der 1492 La Palma eroberte. Es dauerte 6 Monate, bis er die heldenhaft kämpfenden Bewohner unterwerfen konnte, bevor er dann auf Teneriffa einmarschierte. Bereits zuvor wurde die Insel mehrfach von Spaniern und Portugiesen erfolglos angegriffen, denn die Einwohner wehrten sich tapfer und wirkungsvoll. Gefangene wurden nur selten gemacht. Azurara, der einen Bericht über die Eroberung Guineas und eine Expedition zu den Kanaren durch Heinrich den Seefahrer in 1448 geschrieben hatte, gab die Anzahl der männlichen Bewohner La Palmas zu dieser Zeit mit 500 an.

De Lugo landete 1491 in Tazacorte, verstärkte dort seine Stellung, baute eine Kapelle zu Ehren von St.Michael und machte die Bewohner des Südwestteils der Insel mit Geschenken und Versprechungen gefügig. Es scheint, daß die Menschen des Nordteils aus anderem Holz geschnitzt gewesen waren, da sie Widerstand leisteten. Doch indem er Gefangene freundlich und gerecht behandelte, eroberte er sie ebenso. In der Caldera allerdings kam es zu einem Kampf. Unter ihrem Häuptling Tanause leisteten die Menschen hartnäckigen Widerstand. De Lugo und seine Truppen stiegen durch das am Talgrund befindliche Flußbett - heute Barranco de Angustia genannt - bergan. Sie wurden geschlagen, doch Tanause [Tanausú]** wissend, daß er in einer Sackgasse saß - willigte ein, ehrenvoll zu kapitulieren. Auf Grund eines Fehlers allerdings, ein Mißverständnis, das die Spanier nur allzu gerne ausnutzten, entbrannte in dem Moment, als die Kapitulation erfolgen sollte, erneut ein Kampf und Tanause [Tanausú] wurde am 3.Mai 1492 gefangen genommen. Häuptling Tanause [Tanausú], der De Lugo des Wortbruchs beschuldigte, wurde gemeinsam mit anderen Gefangenen
[S. 295] als Trophäe auf den Weg nach Spanien geschickt. Er empfand die Gefangenschaft als schmachvoll und hungerte sich während der Überfahrt zu Tode.

Die Palmeros holten noch einmal zu einem Schlag im Kampf um ihre Freiheit aus, als De Lugo nach Teneriffa abgezogen war. Doch nachdem er einen gewissen Talavera und einige Soldaten zurück [nach La Palma] geschickt hatte, verbundete sich ein Teil der Bewohner mit den Spaniern und halfen, die anderen zu unterwerfen. Es kam zu einem Blutbad, Häuptlinge und Anführer wurden getötet und die Insel war endgültig und für immer besiegt."

* http://de.wikipedia.org/wiki/Alonso_Fer ... ez_de_Lugo
** http://es.wikipedia.org/wiki/Tanaus%C3%BA
http://en.wikipedia.org/wiki/Tanausu
http://de.wikivoyage.org/wiki/La_Palma

- to be continued -

Antworten

Zurück zu „Quatsch mit La Palma Freunden“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast