Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Benutzeravatar
Lee
Don Lee
Beiträge: 13774
Registriert: Di 11. Mär 2008, 18:50
Wohnort: Norddeutschland

Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » Mi 28. Feb 2018, 23:05

Nun wendet sich der Camino wieder von der Steilküste ab und verläuft ein kurzes Stück ebenerdig entlang von verwilderten Terrassen, die von sehr großen Tabaiben überwuchert sind.

Bild


Bild

Kurz darauf erreicht der Wanderweg einen Steilabbruch innerhalb des Barranco Melchor und wird zum schmalen Felspfad, der in wunderschöner Manier durch die Steilwand absteigt.

Bild


Bild


Bild

Der Camino zieht jetzt - natürliche Felsbänder und Steinplatten nutzend - unter herrlichen Ausblicken in Richtung Mündung des Barranco Melchor in den Barranco de Franceses. Auf diesem Teilstück gilt es etwas aufmerksamer zu wandern, denn die Wegführung ist hier nicht an jeder Stelle sofort klar, und die Markierungen sind ein wenig spärlicher gesetzt. Außerdem gibt es hier ein paar steile Passagen an denen man Trittsicher sein sollte. Aber trotzdem ist dieses wunderschöne Wegstück bei normaler Witterung eigentlich recht problemlos zu gehen.

Bild

Im Zentrum dieser Felslandschaft steht ein Roque, der den Kräften der Erosion, und der Vereinigung des Barranco Melchor und des Barranco de Franceses zu einer breiten Doppel-Mündung bisher erfolgreich widerstanden hat. Durch den trotzigen Felsklotz wird der Barranco Melchor nach links in den Barranco de Franceses umgeleitet kurz bevor er ins Meer münden kann, wodurch ein Felskessel entstanden ist. Der Grund dieses engen Kessels ist von einem dicken Polster von Tabaiben bedeckt.

Bild

Irgendwo auf diesem Abstiegsstück sollte man sich ein schönes Rastplätzchen mit Meeresblick suchen - am besten auf einer der großen Steinplatten - um die Atmosphäre dieses wildromantischen Ortes aufzusaugen. Die Akustik dieses Felskessels ist außerordentlich. Und durch die Nähe zum Atlantik mit seiner auflaufenden Brandung hat man das Gefühl zugleich in einer engen Schlucht und am Ozean zu sitzen....ein zauberhafter Ort!

Bild
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

Benutzeravatar
Lee
Don Lee
Beiträge: 13774
Registriert: Di 11. Mär 2008, 18:50
Wohnort: Norddeutschland

Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » Do 1. Mär 2018, 23:53

Nach gut 20 Minuten Wanderns durch die Schlucht erreicht man die Mündung des Barranco Melchor und somit auch den Talgrund des dicht bewachsenen Felskessels. Man befindet sich jetzt nur noch auf etwa 30 Höhenmetern und der Atlantik ist ganz nah.

Bild


Bild

Wendet man seinen Blick nach links kann man erstmals einen Blick in den Barranco de Franceses werfen, dessen Durchquerung den würdigen, aber anstrengenden Abschluss dieser Tour bilden wird.

Bild

Im Grund des Barranco Melchor erhebt sich eine Basaltpyramide, die von Säuleneuphorbien und Tabaiben besiedelt wird.

Bild


Bild

Wie schon von oben im Abstieg auszumachen war, präsentiert sich der Schluchtgrund als äußerst grün, der Sukkulentenbusch ist hier wirklich sehr dicht. Der direkte Abstieg zum Meer durch den Barranco de Franceses, der angesichts der Meeresnähe als der nächste natürliche Wanderschritt erscheinen mag, ist hier allerdings nicht möglich. Der Zugang durch den Barranco zum Atlantik wird hier leider durch eine unüberwindbare Steilstufe verwehrt.Wer hier trotzdem zum Meer absteigen möchte, sollte der Beschreibung des Rother Wanderführers folgen, in dem ein schmaler, luftiger Pfad beschrieben wird, der durch die rechte Flanke des Barranco de Franceses zum Meer absteigt.

Bild

Aufgrund der schon etwas fortgeschrittenen Uhrzeit und unseres recht langen Heimwegs nach Tijarafe konnte ich Nancy leider nicht mehr zu diesem Abstieg überreden. Ich bin dann aber trotzdem diesem Camino noch ein paar Minuten Richtung Meer gefolgt um ihn wenigstens einmal anzutesten. Er ist wirklich recht schmal und nach kurzer Zeit kam zudem ein unangenehm verwachsenes Wegstück in dem man sich an Opuntien vorbei drängen musste - aber trotzdem war der Camino recht gut begehbar und führte unter schönen Ausblicken schnell aus dem Barranco hinaus und zur Steilküste hinüber.

Bild

Nachdem ich kurz den Ausblick über einen Teil der Küste genossen hatte, drehte ich um, um Nancy nicht zulange warten zu lassen. Wahrscheinlich hätte ich dem Camino nur noch gut fünf Minuten ostwärts folgen müssen und hätte unten am Meer gestanden. Es scheint auf jeden Fall ein sehr lohnenswerter Abstecher zu sein! Otra vez...

Bild


Bild
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

Benutzeravatar
Lee
Don Lee
Beiträge: 13774
Registriert: Di 11. Mär 2008, 18:50
Wohnort: Norddeutschland

Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » Mo 5. Mär 2018, 00:05

Ganz gleich ob man den Abstecher zum Meer gemacht hat, oder nicht, irgendwann gilt es sich loszureißen von diesem schönen Ort, denn es wartet noch ein steiler, anstrengender Schlussanstieg auf die Wanderer. Bis zum Dorf Franceses sind noch etwa 450 Höhenmeter zu bewältigen.

Bild

Am Anfang geht es noch recht gemütlich im Grund des Barranco de Franceses durch den im Nachmittagslicht leuchtenden Sukkunlentenbusch bergan, doch sehr rasch zieht der alte Camino in herrlicher Wegführung steil bergauf.

Bild

Nach kurzer Strecke trafen wir auf die nächste Ziegenherde, die misstrauisch die Flucht in die Steilwand antrat und den Weg freimachte.

Bild


Bild

Mit zunehmender Höhe werden die Ausblicke über die wilde, stark erodierte und zerfaltete Schluchtenlandschaft immer beeindruckender, wobei die Räumlichkeit - wie schon einmal erwähnt - fototechnisch etwas schwerer einzufangen ist. Ebenfalls auffällig ist aus dieser Höhe, wie dicht und üppig der Sukkulentenwald hier wächst und wie weit er bis zum Meer herab reicht.

Bild


Bild

Der steile Aufstieg hat es in sich, zumal man ja schon ein paar Höhenmeter in den Beinen hat. Diese Tour sollte man nur machen, wenn man über eine gute Grundkondition und Trittsicherheit verfügt.

Bild

Schon bald trafen wir auf die nächste Ziegenherde, oder war es die von vorhin, die Hase und Igel mit uns spielte...

Bild

Zwischendurch bietet der herrliche Camino auch immer wieder Meeresblicke - wobei sich diese im ersten Teil des Aufstiegs auf die Nordostküste beschränken.

Bild

Der imposante Barranco de Franceses reicht als tiefe Schlucht bis weit ins Inselinnere herein.

Bild


Bild

Nach einer Weile des steilen Aufstiegs lässt man den markanten, direkt am Meer stehenden, 120 m hohen Roque und die großartige Erosionslandschaft des unteren Barranco de Franceses und des Barranco Melchor hinter sich zurück.

Bild


Bild

Kurz darauf erreicht man ein kleines Plateau, das direkt an die Steilküste grenzt und von nun an ändert sich der Charakter der Tour wieder.

Bild

Ab jetzt bietet der Camino de la Costa auch wieder grandiose Ausblicke über die Nordküste bis zum Nordwestkap der Insel.

Bild
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

Benutzeravatar
Lee
Don Lee
Beiträge: 13774
Registriert: Di 11. Mär 2008, 18:50
Wohnort: Norddeutschland

Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » Mi 7. Mär 2018, 23:26

Der Camino steigt jetzt sehr steil in Serpentinen an und bietet dabei grandiose Ausblicke über El Tablado, La Fajana und den 56 m hohen vor einem aus dem Meer auftauchenden Pata del Roque. Für dieses letzte, recht kurze, direkt an der Steilküste verlaufende Wegstück dieser Tour sollte man sich etwas Zeit lassen, denn es ist der letzte landschaftliche Höhepunkt dieser an Attraktionen so reichen Wanderung.

Bild


Bild


Bild


Bild

Auch die Ausblicke zurück - in Richtung der bisher durch wanderten Region - haben ihren Reiz. Kurz darauf tauchen aufgelassene, verwilderte Terrassen, die direkt bis an die steil abfallende Küste heranreichen am Wegesrandes auf. Sie scheinen nun einen erstklassigen Lebensraum für Tabaiben zu bieten und sind sehr dicht von diesen Sukkulenten bewachsen.

Bild


Bild


Bild

Ein paar Serpentinen später erreicht der herrliche Wanderweg dann einen Felssporn, der einer natürliche Aussichtskanzel gleichkommt - ein großartiger Platz! Hier sollte man eine letzte Pause einlegen und den phänomenalen Ausblick genießen.

Bild

Die Küste fällt hier wirklich sehr steil ab und der Blick hinunter suggeriert fast, dass man über dem Pata del Poque und seinem kleineren Bruder schweben würde...Wer einigermaßen schwindelfrei ist, kann hier wahrhaft atemberaubende Ausblicke erhaschen.

Bild


Bild


Bild

Und auch die abgeschiedene, wunderschön gelegene Landzunge von La Fajana wirkt von diesem grandiosen Aussichtspunkt zum Greifen nahe.

Bild

Nach diesem letzten großen Highlight beginnt der gemütliche (obwohl schon noch ein paar Höhenmeter im Anstieg zu bewältigen sind) Ausklang der Wanderung.
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

Benutzeravatar
bine
*************
Beiträge: 6174
Registriert: Di 21. Jun 2011, 09:33
Wohnort: Stadt der "Otto's"

Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von bine » Do 8. Mär 2018, 21:21

:freu :knuffel :blumen
Was für eine grandiose Landschaft und so schön fotografiert!
Herrlich :blumen
Wenn du ein Gärtchen hast und eine Bibliothek, so wird dir nichts fehlen.
Cicero

Benutzeravatar
Lee
Don Lee
Beiträge: 13774
Registriert: Di 11. Mär 2008, 18:50
Wohnort: Norddeutschland

Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » Di 13. Mär 2018, 12:28

Kurz nach dem tollen Aussichtsplatz geht der Camino in eine Piste über die weiter ansteigend zu den ersten Häusern von Los Castros, des östlichsten Ortsteils von Franceses hinaufführt.

Bild


Bild


Bild

Recht bald erreicht man die ersten Häuser des Dorfes die sich über einen kleinen Bergrücken verteilen. Auffällig sind hier einige sehr schöne alte, zweistöckige Kanarenhäuser.

Bild


Bild

Nach kurzer Wanderstrecke gelangt man zu einem mit Blumen geschmückten Schrein, dem La Cruz del Lomo.

Bild


Bild


Bild

Dann erreicht der Wanderweg die wenig befahrene Straße die nach Franceses führt. Hier biegt man rechts ab und durchwandert auf ihr anfangs etwa Höhe haltend einen kleinen Seitenbarranco.

Bild


Bild

Die ruhige Straße führt entlang von schöner Vegetation und aufgegebenen Häusern durch den kleinen Barranco und steigt später noch ein letztes Mal an bevor sie nach Franceses gelangt.

Bild


Bild


Bild

Und gerade als einem erste Gedanken kommen, dass sich dieses letzte Stück dieser tollen Tour doch wirklich etwas zieht, und das es genug ist mit den Anstiegen, erreicht man Los Machines, den Hauptort von Franceses - und somit das Ziel der Wanderung.

Bild


Bild


Bild


Bild


Für diese sehr schöne Streckenwanderung - deren landschaftlicher Höhepunkt für mich die Durchquerung des Barranco Melchors und des Barranco de Franceses ist - sollte man aufgrund der zahlreichen Schlucht Durchquerungen und des anstrengenden, teils steilen Schlussanstiegs nach Franceses, der alleine schon gut 400 Höhenmeter überwindet, über eine gewisse Grundkondition verfügen. Und Trittsicherheit ist an einigen Stellen auch nötig. Diese Tour ist auch als Nr.19 im Rother Wanderführer beschrieben. Im Michael Müller Wanderführer kann man diese Wanderung in einer Kombi aus den Touren Nr. 24 und 25 nach wandern. Bei unseren bisherigen beiden Begehungen (Mai 2012 und April 2015) trafen wir jeweils auf kaum mehr als eine handvoll anderer Wanderer, was sich aber aufgrund der gerade steigenden Touristenzahlen durchaus ändern kann.

Alle drei hier vorgestellten Touren auf dem Camino de la Costa sind großartig....würde ich mich allerdings für eine von ihnen entscheiden müssen, so würde meine Wahl auf die Tour Garafia - El Tablado fallen. Es ist zwar die einzige unter ihnen bei der man ein Taxi oder ähnliches für den Rücktransport braucht, dafür bietet sie die größte landschaftliche Vielfalt, den faszinierendsten Barranco und die schönste Wander-Dramaturgie.

Die gesamte Region dürfte für viele Inselfreunde mit der Gegend um Las Tricias herum und Teilen von Puntagorda und Tijarafe, sowie einigen anderen Inselecken aus dem Stoff sein, aus dem die La Palma Urlauber Träume gemacht sind. Nicht wenige eingefleischte La Palma Fans antworten spontan "Norden und Nordwesten" auf die Frage nach ihrer Lieblingsregion der Insel. Aber richtig erleben tut man diese Region in all ihren Facetten meiner Meinung nach nur, wenn man auch einen Teil des Urlaubs im Nordwesten verbringt. Die Anfahrt vom Aridanetal ist jedes mal recht weit und das Nordwetter zudem von dort aus schwer kalkulierbar, so dass es viele Aridanetal-Urlauber bei einem Besuch im Norden oder Nordwesten belassen, was meiner Meinung nach viel zu wenig ist. Und bei Erst - oder Einmalbesuchern habe ich schon öfter in deren Reiseberichten gelesen, dass sie die Caldera, die Cumbre Vieja, die Salinen, Santa Cruz, Los Tilos usw. gesehen hätten, und damit doch eigentlich alles besucht hätten, was man auf La Palma gesehen haben müsse...weit gefehlt: Eine der schönsten Landschaften der Kanaren hat man so komplett verpasst!
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

klauswo
**
Beiträge: 63
Registriert: Mi 8. Jan 2014, 23:25

Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von klauswo » Di 13. Mär 2018, 18:23

bine hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 21:21
:freu :knuffel :blumen
Was für eine grandiose Landschaft und so schön fotografiert!
Herrlich :blumen
Nicht nur das: Lee, du bringst die Atmosphäre so rüber, als wäre ich gerade selber dort! Ja das Wegstück Bco Melchor/Franceses ist wunderbar - es ist zwar nur relativ kurz, aber die wilde Landschaft mit dem (meist) tosenden Atlantik ist einfach nur großartig.
Danke !!!

Antworten

Zurück zu „Wandern auf La Palma“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste