Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

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Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » So 21. Jan 2018, 13:11

Das etwa 27 Kilometer lange Teilstück des GR 130 zwischen Garafia und La Tosca bei Barlovento dürfte was das Wander - und Landschaftserlebnis betrifft, zu den absoluten Höhepunkten der Kanaren gehören. Der Wanderweg, der größtenteils noch seinen alten Belag und Wegführung aufweist führt durch eine der dünnst besiedelten und ursprünglichsten Landschaften des gesamten Archipels und quert dabei mehrere beeindruckende Barrancos und verschiedene Vegetationszonen. Die abgeschiedenen, verträumten Dorfer, entlang des Weges vermitteln immer noch einen Hauch der "alten" Kanaren, als noch nicht jedes Dorf ans Straßennetz angebunden war.

Direkt nach dem Verlassen von Garafia durchquert man den Barrano de La Luz, der den schönen, aber eher beschaulichen Auftakt zu einer ganzen Serie von Baranco-Durchquerungen bildet. Hier beginnt der äußerste Norden der Insel.


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Garafia


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Barranco de La Luz


Nachdem man den Barranco mit seinen Drachenbäumen und Höhlen, die als Ziegenställe benutzt werden, durchquert hat, erreicht man eine karge, weite Hochfläche auf der sich einzelne, noch bewirtschaftete Fincas verteilen. Die Vegetation wird merklich karger, was hauptsächlich an der starken Beweidung durch die Ziegenherden liegt, aber auch am oft präsenten, starken Wind der vom Nordkap der Insel herüber bläst.


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Drachenbäume
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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » So 21. Jan 2018, 13:34

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Vereinzelt trifft man nun auf verlassene Häuser auf diesen windgepeitschten, von Tabaiben bewachsenen Hochflächen.


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Opuntienbäume und Kolonien von Säuleneuphorbien mischen sich in die eher spärliche Vegetation.


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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Hartmut » So 21. Jan 2018, 14:56

Sehr schöner Bericht, leider haben wir den Weg noch nicht in einem Zug durchlaufen, sondern sind zurückgelaufen. Wehmütig habe ich auch schon dieses schön geschnittene Haus mid den bodentiefen Fenstern /Türen betrachtet, schade das es wohl auch dem Verfall preisgegeben ist. :sad2

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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » So 21. Jan 2018, 15:21

Überraschend botanisch abwechslungsreich präsentieren sich hingegen die kleinen Barrancos die zum Meer hin auslaufen und immer wieder durchquert werden müssen – sie sind von üppigen Sukkulentenwäldern bewachsen. Nach kurzer Wanderzeit bietet sich beispielsweise ein botanisch sehr interessanter Abstecher landeinwärts auf dem PR LP 9.3. an. Der Wanderweg führt in kurzer Zeit in einen üppigst bewachsenen Barranco hinauf, der neben Baumheide – und Sukkulentenwald auch Obst – und Mandelbäume und einen der größten Drachenbaumhaine der Kanaren beherbergt: Die Dragos Salvtierra.


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Romantischer PR LP 9.3.

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Ein Teil der Dragos Salvatierra


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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » So 21. Jan 2018, 18:32

Zurück auf dem Camino de la Costa, dem GR 130, wandert man wieder auf der kargen Hochebene und das Nordkap der Insel rückt näher.


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Nach etwa einer Stunde Gehzeit ab Garafia erreicht man dann den kleinen, noch teilweise bewohnten Weiler El Palmar.


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El Palmar


Danach geht hinab in die nächste kleine Schlucht, den Barranco El Palmar, der im Frühling von einem dichten, faszinierenden, in allen Farben blühenden Sukkulentenwald bedeckt ist.


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Barranco El Palmar
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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » So 21. Jan 2018, 19:46

Wieder auf der Hochfläche erreicht man die wenigen, verstreut liegenden Häuser des einsamen kleinen Weilers El Mudo:

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El Mudo

Kurz danach tut sich die erste größere Schlucht der Wanderung auf, der stark erodierte, von vielen Höhlen durchzogene Barranco de Domingo Diaz, der zudem zusammen mit dem dahinter liegenden Nordkap noch wenig bekannte, eher abenteuerliche Wandermöglichkeiten bietet. Alte teils, verfallene Felssteige führen durch die Flanken des Barrancos und weiter hinab direkt durch die Steilküste zu versteckten Stränden und Felstöpfen am Meer. Mit der Rother Tour Nr. 26 können erfahrene, schwindelfreie Wanderer dieses Gebiet erkunden - eine Tour die uns leider auch noch fehlt. Genauso wie der waghalsige Abstieg durch die Steilküste, der zum Eingang zu einer faszinierenden, blau illuminierten Meereshöhle führen soll, die durch unterirdische Zugänge vom Atlantik mit Wasser gespeist werden soll. Eine sehr schwierige, extrem gefährliche Kraxeltour, die wir aber gar nicht erst versuchen werden.


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Barranco de Dominge Diaz

Der Camino führt nun in gemütlicher Wegführung als Traverse durch die Flanken des Barrancos und gibt den Blick auf die Gipfelkuppe des Cerro del Cerradero frei, den ein kleiner Festplatz und ein kleiner Heiligenschrein zieren. Hier wird jährlich die Fiesta von Juan Adalid gefeiert, des nächsten kleinen Dorfes, was der Camino de la Costa erreicht.


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Cerro del Cerradero
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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Don Uvo » So 21. Jan 2018, 21:01

Unfassbar schön!
Und Danke für die tollen Fotos und den fachkundigen Bericht!
Ich glaub das gönn ich mir am kommenden Donnerstag. Nur das hin- und zurück wird zeitaufwändig..

LG Don Uvo
lieber manchmal übermüdet als immer überwacht..

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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » So 21. Jan 2018, 22:23

Man ist jetzt (ohne den etwa 20 minütigen Abstecher zu den Dragos de Salvatierra) gut zwei Stunden seit Garafia unterwegs, und wer nicht eine längere Streckenwanderung, inklusive Rücktransport-Fragen unternehmen will, sollte sich hier auf der Traverse des Barranco de Dominge Diaz eine schöne Stelle mit Aussicht suchen, den Ausblick genießen und umdrehen. Man verpasst dann zwar einige der reizvollsten Passagen des Küstenwegs, hat aber auch so eine schöne Tour erlebt und ist insgesamt etwa 12 Kilometer unterwegs gewesen, inklusve circa 500 m Aufstieg.

Wer weitergeht Richtung El Tablado wird schon im Grund das Barranco de Domingo Diaz bemerken, dass sich hier eine kleine Wetterscheide befindet. Die Waldgrenze, die bisher immer weiter oben in den Hängen verlief, sackt in der Mitte der Schlucht plötzlich ab und der Sukkulentenbusch wird von Fayal Brezal Wald verdrängt - man ist in der direkten Einflusszone des Nordostpassat angekommen, hat den trockeneren Nordwesten ganz plötzlich hinter sich gelassen. Und auch der teils heftige Fallwind, der einen bisher eventuell begleitet hat, flaut hier zumeist stark und abrupt ab.

Nach kurzem Aufstieg erreicht man die oberen, der verstreut liegenden Häuser Juan Adalids, passiert die schon von weit her zu hörenden Windkrafträder des Ortes und taucht vollends in den Wald und damit in eine ganz andere Landschaft ab. Der Wanderweg führt nun im Auf und Ab durch Schluchten, die von dichtem Fayal- Brezal Wald und thermophilen Lorbeerwald bestanden sind hinab.


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In herrlicher Wegführung steigt man immer weiter hinab und auffällig ist dabei, wie weit der Wald hier noch bis zur Küste hinabreicht und auf welch niedriger Höhenstufe er hier noch wächst. Wobei es im zentralen Norden noch Lorbeerwaldbestände gibt die noch weiter herunterreichen, teils bis auf 200 Höhenmeter, wie z.B. im Barranco de los Hombres.


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Verwilderte Callas im Wald
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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » So 21. Jan 2018, 22:56

Don Uvo hat geschrieben:
So 21. Jan 2018, 21:01
Ich glaub das gönn ich mir am kommenden Donnerstag. Nur das hin- und zurück wird zeitaufwändig..
Don Uvo :hut

Der Rücktransport ist ein kleines Problem, aber der Aufwand lohnt. Von Garafia bis El Tablado bist Du ungefähr 5 Stunden reine Wanderzeit unterwegs und hast etwa 800 m im Aufstieg zu bewältigen. Die 1200 m Aufstieg, die im MM Wanderführer stehen, stimmen absolut nicht. :wink

Von El Tablado kostet das Taxi etwa 30 Euro nach Garafia zurück. Tel: 922 40 01 03.
Der Fahrer braucht gut 30 Minuten aus Garafia bis El Tablado. Zeit, die man gut bei einem Drink im La Garza verbringen kann.

https://www.lagarzalapalma.com/

Am besten bevor man in den Fagundo absteigt bei Claire anrufen...

Falls Du die nächste Bushaltestelle bevorzugst, dann mußt Du bis Franceses weiter, durch den grandiosen Barranco de los Hombres...absolut traumhaft, aber noch einmal 2 Stunden und 400 Höhenmeter mehr...
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Re: Der GR 130 zwischen Garafia und La Tosca

Beitrag von Lee » So 21. Jan 2018, 23:45

Nach einem steilen Anstieg aus der letzten, der Waldschluchten, dem Barranco de Valle Rey erreicht man das Dorf Don Pedro, dass auf einem Hochplateau liegt, und zwar über eine Straßenanbindung verfügt, aber wie so einige Weiler des Nordwestens und Nordens keine Busanbindung hat. Und auch hier sieht man einige aufgegebene Häuser.


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In Don Pedro kreuzen sich der GR 130 und der ebenfalls wunderschöne PR LP 9.2., der von La Zarza herunterkommt und dabei wunderschöne Lorbeerwaldschluchten durchquert. Dieser Wanderweg ermöglicht eine andere schöne Möglichkeit den Nordwesten zu erwandern: Man fährt von Garafia mit dem Bus nach La Zarza und wandert von dort aus mit dem PR LP 9.2. über Don Pedro und dem bisher beschriebenen Teil des GR 130 zurück nach Garafia. Eine herrliche, aber lange Abstiegswanderung, mit etwas weniger, über die gesamte Strecke verteilten, Aufstiegen.


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Baobab-Dragos und das alte, etwas überdimensionierte Schulhaus von Don Pedro.


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Don Pedro


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Halbstarke
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