Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint

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Buba
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Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint

Beitrag von Buba » Do 23. Aug 2012, 23:40

Heute bin ich auf der website von Gomera Noticias auf einen von Álvaro Ladrón de Guevara geschriebenen Artikel gestoßen, der sich mit den ökologischen Folgen der Brände auf La Gomera beschäftigt. Hier ist er im Original auf spanisch zu lesen.



Ich habe versucht, den Text zu übersetzen.


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"Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint"

Aus ökologischer Sicht hatte das Feuer auch positive Effekte,
Unkraut wurde entfernt und die Böden angereichert


José Ramón Arévalo ist Professor für Ökologie an der Universität von La Laguna und Spezialist für Waldbrände. Bezüglich der Folgen des Feuers für die betroffenen Naturräume ist er optimistisch. Nach seiner Erfahrung ist "Feuer ein wesentlicher Faktor innerhalb der Dynamik von Ökosystemen" und im Yellowstone-National Park, wo er an einem Sanierungsprojekt beteiligt ist, konnte er das unglaubliche Phänomen beobachten, wie sich die Natur nach einem großen Waldbrand erholen kann. "In dem amerikanischen Nationalpark erhöhte sich sogar die Anzahl der Besucher dank der geführten Routen durch die vom Feuer betroffenen Gebiete", berichtet uns der Professor.




In diesen Tagen, in denen man mit der Diskussion von Aktionsplänen beginnt, zeigt sich der Professor nicht sehr angetan von einer massiven Wiederaufforstung in den Bergen. Der "Interventionismus" kann seiner Meinung nach in vielen Bereichen mehr Unheil als Nutzen bewirken. Nach seinem Verständnis kommt es nun darauf an, dass ein multidisziplinäres Team von Spezialisten langfristige Strategien entwickelt, die dann als Abfolge von Maßnahmen umgesetzt werden. "Man kann punktuelle Wiederaufforstungen durchführen, aber dabei müssen die Ökosysteme respektiert werden, sonst bewirkt man schnell mehr Schaden, als das Feuer selber anrichten konnte", meint Herr Arévalo.

Bezüglich der schnellen Ausbreitung des Feuers im Valle Gran Rey sieht der Professor als Ursachen das dichte Schilfrohr, das sich im gesamten Barrancobett ausgebreitet hatte, und die Wildpflanzen auf den nicht mehr bestellten landwirtschaftlichen Flächen. "Wäre der Barranco sauber gewesen, hätte das Feuer nicht in einem solchen Maße fortschreiten können und es wäre abgebremst worden, bevor es sich zu einem großen Brand entwickelt hätte", erklärt er uns.

Wir bitten den Professor, uns in Form einer chronologischen Abfolge zu beschreiben, wie sich eine schwarz verbrannte Landschaft wieder in eine verwandelt, in der das Grüne überwiegt. Er erklärt uns, dass als erstes das Schilfrohr und die Wildpflanzen nachwachsen werden. Dann wird das Buschwerk sich erholen, und im nächsten Frühjahr wird die Vegetation am Boden vollständig wiederhergestellt sein. Die Bäume werden mehr Zeit benötigen, ein bis zwei Jahre, je nachdem wie stark sie betroffen waren. "Einige Exemplare können Wachstumsstörungen aufweisen und sogar nach einigen Monaten absterben. Das hängt immer davon ab, wie stark das jeweilige Gebiet betroffen war."

Die Palmen im Valle Gran Rey wurden durch das Feuer am stärksten betroffen. Hunderte Exemplare wurden durch die Flammen verbrannt. Jedoch nur ein kleiner Prozentsatz der Kanarischen Palmen (Phoenix canariensis) wird absterben, sie gelten als Pyrophyten , das heißt, sie weisen ein hohes Maß an Feuerfestigkeit auf. "Nur diejenigen Palmen, bei denen die Meristeme (Bildungsgewebe) geschädigt wurden, gehen an dem Feuer zu Grunde. Die anderen Palmen werden sich erholen und sogar gesünder als zuvor weiterwachsen", sagt der Professor, der damit rechnet, dass in ein paar Jahren die Palmen wieder in ihrer alten Herrlichkeit zu bewundern sein werden.
Der Lorbeerwald [laurisilva] wird für seine Erholung zwangsläufig länger benötigen, etwa zehn Jahre, aber auch diesbezüglich zeigt sich Herr Arévalo optimistisch und meint, dass die Arten, die den Lorbeerwald bewohnen, "programmiert" seien, mit Feuern fertigzuwerden, entweder - wie die Baumheide (fayal-brezal) - indem sie an den Stämmen wieder ausschlagen oder mittels ihrer Samen. "Das Ökosystem wird aus der Asche auferstehen, allerdings nicht mehr dasselbe sein wie zuvor. Aber das ist kein ökologisches Drama, sondern ein ganz natürlicher Prozess."

Am Ende spricht der Professor José Ramón Arévalo mehr über Veränderungen als über Schäden, mehr über Transformation als über Verödung. "Die Insel wird ihre natürliche Schönheit zurückgewinnen, und wir werden das Wunder der Wiedergeburt begleiten können. Sie wird dabei aber nicht dieselbe bleiben. Ihre Landschaft wird in Zukunft einfach anders sein - nicht besser und nicht schlechter."

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Re: Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint

Beitrag von La rana » Do 23. Aug 2012, 23:52

Danke Buba :blumen wollte mich grade dransetzen, aber mir fallen die Augen zu
¡¡¡Pa´delante!!

Man lebt ruhiger, wenn man nicht alles sagt, was man weiss, nicht alles glaubt, was man hört und über den Rest einfach lächelt

Mafalda

Re: Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint

Beitrag von Mafalda » Fr 24. Aug 2012, 00:01

Buba hat geschrieben:"Die Insel wird ihre natürliche Schönheit zurückgewinnen, und wir werden das Wunder der Wiedergeburt begleiten können. Sie wird dabei aber nicht dieselbe bleiben. Ihre Landschaft wird in Zukunft einfach anders sein - nicht besser und nicht schlechter."
Das betrifft die Natur. Es ist sicher spannend zu beobachten, was wird..

Doch darauf kommt es an:
Buba hat geschrieben:Er erklärt uns, dass als erstes das Schilfrohr und die Wildpflanzen nachwachsen werden.
Buba hat geschrieben:Bezüglich der schnellen Ausbreitung des Feuers im Valle Gran Rey sieht der Professor als Ursachen das dichte Schilfrohr, das sich im gesamten Barrancobett ausgebreitet hatte, und die Wildpflanzen auf den nicht mehr bestellten landwirtschaftlichen Flächen. "Wäre der Barranco sauber gewesen, hätte das Feuer nicht in einem solchen Maße fortschreiten können und es wäre abgebremst worden, bevor es sich zu einem großen Brand entwickelt hätte", erklärt er uns.
Das betrifft die Menschen, die mit ihr zu tun haben.


:blumen Buba, Danke.

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Re: Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint

Beitrag von bine » Fr 24. Aug 2012, 08:44

Ein sehr interessanter Artikel, :blumen Danke Buba und Frau Buba für das Übersetzten.
Wir werden Zeuge einer sehr spannenden Entwicklung sein.
Und ich wünsche mir, daß die Menschen im Tal diese Möglichkeit nutzen...
Wenn du ein Gärtchen hast und eine Bibliothek, so wird dir nichts fehlen.
Cicero

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Re: Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint

Beitrag von woga » Mi 30. Jan 2013, 19:57

Auf einer Wanderung oberhalb von Erquito im Januar 2013 durchquerten wir ein Feld mit cistrosen, die alle vollständig verbrannt waren. Um jedes schwarze Gerippe zeigte sich eine Wiese kleiner frischgrüner Cistrosenpflänzchen. Nur daran konnten wir erkennen, welche Pflanze da verbrannt war.

Wo Du hinschaust, das wird mehr! Bild

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Re: Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint

Beitrag von bine » Mi 30. Jan 2013, 22:03

:freu Ich habe gelesen, das die Cistrosen sogar das Feuer brauchen um keimen zu können. Die Natur ist immer wieder voller Überraschungen :blume
Wenn du ein Gärtchen hast und eine Bibliothek, so wird dir nichts fehlen.
Cicero

Mafalda

Re: Das Feuer war nicht so verheerend wie es scheint

Beitrag von Mafalda » Mi 30. Jan 2013, 22:39

Das ist alles richtig :ja

Verheerend war das Feuer allerdings für Menschen - :wink DIE sollten wir nicht vergessen.
Es gibt die, die nicht alle Papiere in Ordnung hatten ... :troest2
Es gibt die, die alle Papiere in Ordnung hatten und dennoch retteten die Papiere nicht Persönliches und brauchte es viel, zumindest "Basics" wiederzuerlangen.

Que nunca olvidaremos - die Brandstifter :ausheck Da! war allerdings noch was ... noch stets offen :ja

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