Von Erquito nach Erque und Pavon mit zerkratzten Armen und Beinen

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Nicoloco
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Von Erquito nach Erque und Pavon mit zerkratzten Armen und Beinen

Beitrag von Nicoloco » Mi 3. Apr 2019, 20:58

Vor Jahren (2002) bin ich mal diesen Weg gegangen auf einer Tour um die Insel, Etape Chipude - Alajero.
Gemäss Wanderführer Rother 2015 und der Karte "Camina la Gomera", die ich mir im April 2014 beschaffen konnte handelt es sich dabei um eine mittelschwere Tour. In beiden Werken wird sie von oben nach unten empfohlen!

Ich habe die Tour jetzt wieder machen wollen, aber im Aufstieg, Start in Erquito also. Wunderbar schöner weisser Wegweiser mit Angabe "Chipude x.y km" bei der Kapelle. Schon bald aber keine Markierungen mehr. Nur mit viel Fantasie erkennt man die Wegspur noch. Zum Glück stehen alte Telephonmasten da, die den Weg zeigen. Gegen Erque zu zerfällt dann der Weg und die Bachquerung bei der alten Mühle in Erque geht abenteuerlich durch Gestrüpp und Agaven über zerfallene Terrassen. Hier habe ich mir den ersten blutigen Kratzer geholt.

Bei der Häusergruppe unterhalb des Miradors von Erque (Ende der Strasse) dann wiederum ein blütenweisser Wegweiser "Chipude y.x km". Also doch, denke ich. Aber bevor man noch in den Talgrund vor dem Steilaufstieg kommt verliert sich der Weg und die ersten Kämpfe mit der Vegetation beginnen.
Im Steilaufstieg dann keine Spur mehr eines Weges. Die Kletterpartien sind kaum mehr aufzufinden und und nur noch an den abgegriffenen und etwas fetten Steinen zu erkennen. Schafe und Ziegen haben jede Menge Wegspuren nach links und nach rechts angelegt. Von Zeit zu Zeit liegt noch ein zaghaftes Steinmännchen da.

Und dann stiess ich an die Vegetationsmauer: Opuntien und Agaven so weit das Auge reicht. Ich zwänge mich durch den ersten Wall durch. Arme zerschunden, es blutet heftig. Aber allerdings hatte ich als gewiefter Gomerawanderer natürlcih meine kleine Notfallapotheke dabei und verarzte mich. Wenn ich nicht schon mal da durch gegangen wäre hätte ich spätestens hier kehrt gemacht. Aber so eben nicht, wäre ja gelacht.
Mit meinem kleinen Taschenmesser konnte ich mir leider keine Gasse hauen, also: durchdrücken, weitermogeln, Wunden lecken (im wahrsten Sinn des Wortes). Nach einigen Versteigern komme ich doch langsam voran und habe schon bald eine Technik entwickelt um mehr oder wenig unbeschadet neben den Speerspitzen der Agaven durchzukommen. Endlich, endlich der Ausstieg, Ehrlich: ich habe nicht mehr daran geglaubt und war schon auf einen Abstieg gefasst.

Jetzt Dornen rausziehen, mit Jod desinfizieren, Heftpflaster ankleben und noch dreimal ro richtig fluchen, danach gings wieder besser.
Fazit: die Finger davon lassen, denn zu den Kletterpassagen, die eh recht anspruchsvoll waren, kommt jetzt als Erschwernis noch dazu im dichten Buschwerk den Weg zu finden und sich nicht allzustark zu verletzen.

Wenn jemand da durch will bitte unbedingt ein Buschmesser mitnehmen und die Spur wieder freihacken. Für sich selbst und weitere allfällige Mitstreiter, die es dennoch wissen wollen.

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myrtel
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Re: Von Erquito nach Erque und Pavon mit zerkratzten Armen und Beinen

Beitrag von myrtel » Sa 6. Apr 2019, 17:43

Wir wollten vor 5-6 Jahren die Tour auch einmal gehen, hatten aber den Abstieg von Pavon nicht so richtig gesehen und daher gelassen.
Danke für den Tourbericht und die Warnung.
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Re: Von Erquito nach Erque und Pavon mit zerkratzten Armen und Beinen

Beitrag von kunibert » Sa 6. Apr 2019, 20:38

Ebenfalls danke!

Wir haben es schon mehrfach besichtigt. Von oben und von unten. Aber jedesmal gelassen. :hut
Und der Ritter Kunibert
setzte sich verkehrt aufs Pferd
wollte er nach hinten sehn
braucht er sich nicht umzudrehn
Ja so warn´s, ja so warn´s die oiden Rittersleut....
:dalton

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Re: Von Erquito nach Erque und Pavon mit zerkratzten Armen und Beinen

Beitrag von roling » So 14. Apr 2019, 15:30

Wir sind die Tour im Dezember 2015 letztmalig gegangen. Wie bereits dreimal zuvor von Pavon über Erque, Erquito und Igualero zurück nach Pavon. Der Abstiegsweg war schon damals teilweise arg verfallen und bewachsen. Kein Vergleich zu den Wanderungen vor mehr als 10 Jahren, da war ein Abstieg noch fast ohne Probleme möglich. Wir haben aber den Abstieg ohne Verletzungen geschafft, hatten ein langes Messer und Wanderstöcke dabei. Zusätzlich sind wir ein paar zu stark bewachsene Bereiche umgangen, war allerdings mit leichter Kletterei verbunden. Hatten zur Sicherung, wie immer bei solchen Touren, auch ein kurzes Seil dabei.

Der direkte Weg von Pavon hinab nach Erque war schon damals nicht mehr empfehlenswert und wurde vom Zustand aus zu schließen wohl auch kaum noch begangen. Wir haben uns schon damals gefragt warum dieser Weg noch in den Wanderbüchern aufgeführt ist.

Da es an sich ein sehr schöner Weg ist hatten wir gehofft, dass er im Rahmen der vielen Weginstandsetzungen auf der Insel ebenfalls wieder mit hergerichtet wird. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall. Schade, wir hätten ihn in den nächsten Jahren gerne noch einmal begangen, diesmal mit Ziel La Dama.
Nicoloco hat geschrieben:
Mi 3. Apr 2019, 20:58
Ich habe die Tour jetzt wieder machen wollen, aber im Aufstieg, Start in Erquito also. Wunderbar schöner weisser Wegweiser mit Angabe "Chipude x.y km" bei der Kapelle. Schon bald aber keine Markierungen mehr. Nur mit viel Fantasie erkennt man die Wegspur noch. Zum Glück stehen alte Telephonmasten da, die den Weg zeigen. Gegen Erque zu zerfällt dann der Weg und die Bachquerung bei der alten Mühle in Erque geht abenteuerlich durch Gestrüpp und Agaven über zerfallene Terrassen. Hier habe ich mir den ersten blutigen Kratzer geholt.
Der Aufstieg beim Gebäude über die kleine Treppe auf den kleinen ansteigenden Bergrücken ist für Ortsfremde wirklich leicht zu übersehen. Ein Wegweiser wäre hier eigentlich zwingend erforderlich.

Beim Abstieg zwischen den beiden Felstürmen kurz vor Erque verführt ein nach rechts abzweigender Pfad zum Weiterweg Richtung Erque. Der Weg führt in nicht immer angenehmer Breite durch Kakteen, quert später den Bach und führt dann - nur ab und an Wegspuren - zu einem Treppenaufstieg zur Straße in Erque (zwischen Taleinschnitt und Turbinengebäude, verzeichnet in alter Kompass Wanderkarte). Dieser Weg ist aber nicht zu empfehlen.

Bei unseren Wanderungen im Bereich Erque und Erquito haben wir in den letzten Jahren noch nie andere Wanderer getroffen. Eigentlich schade, handelt es sich doch um eine sehr schöne Gegend. Vielleicht aber auch ein Grund warum hier auf Weginstandsetzungen und Beschilderungen bisher verzichtet wurde.
Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen.

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