La Rajita 1974

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Wild West

La Rajita 1974

Beitrag von Wild West » Di 13. Mär 2012, 02:32






Mafalda

Re: La Rajita 1974

Beitrag von Mafalda » Di 13. Mär 2012, 20:24

Hab heut morgen im Büro (nur dort hab ich DSL) den ersten Teil angeguckt.

:blumen Wo hast Du diese vermutlich Super-8 oder sogar noch ältere Formate ausgebuddelt und aufbereitet? Selbst, wenn Du dieses Geheimnis nicht preisgeben willst: ein regenreicher Alltag in La Rajita. Und der Barranco fließt - im Oktober. Beeindruckende Bilder, wie das Wasser die umgebenden Felswände runterkommt und sich dann in den Ozean ergießt ( :wink der mit Ebbe und Flut dagegen hält). Und die Menschen strömten zur Brücke ...

Beeindruckend auch zu sehen, die frischen Fänge, die dann mit dem Gabelstapler an die entsprechenden Orte gefahren werden und - den 2. Teil muß ich noch gucken, kann nur vermuten - eingedost werden. Atún at it´s best, jedenfalls ursprünglich. Die "Cabo Blanco" war wohl auch Taxi.

Am meisten beeindruckt war ich von der Lebendigkeit an einem Ort, der heute ... :achselzuck verlassen ist. :cry:

Wild West

Re: La Rajita 1974

Beitrag von Wild West » Di 13. Mär 2012, 20:43

Mafalda, ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken.
Es ist ein bei youtube aktuell eingestelltes Fundstück von einem user namens Gomeramayombe
Ich fand es auch sehr spannend. :hut

Quelle: http://www.youtube.com/user/gomeramayombe

Wild West

Re: La Rajita 1974

Beitrag von Wild West » Mi 14. Mär 2012, 02:35


Mafalda

Re: La Rajita 1974

Beitrag von Mafalda » Mi 14. Mär 2012, 09:02

:blumen Gracias Wild West :huhu

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wulf
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Re: La Rajita 1974

Beitrag von wulf » Mi 14. Mär 2012, 21:06

:freu danke wild west, sehr ergreifend,
nach der Auflösung der Firma wurden eine Vielzahl von den Leuten in der sogenannten "La Bariada" un Borbalan untergebracht.
Diese Häuser hatte man extra dafür gebaut.
das Lächeln das du aussendest, kehrt zu dir zurück
(Birmanische Weisheit)

Mafalda

Re: La Rajita 1974

Beitrag von Mafalda » Mi 14. Mär 2012, 21:24

:blumen wulf.
Möglicherweise daher bereits auch Filmsequenzen (im 2.Teil vor allem) vom Valle Gran Rey? :achselzuck

Mafalda

Re: La Rajita 1974

Beitrag von Mafalda » Mi 14. Mär 2012, 21:43

Mmmm :lupe nää, als ich "Fischfabrik La Rajita La Gomera" googlete, stellte ich fest, sie wurde erst 10 Jahre später geschlossen.

:wink Immerhin stellte ich fest, daß eGomera, da auch Buba´s Bilder, unter dieser Anfrage mehrfach anklickbar ist :mrgreen: :freu

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Re: La Rajita 1974

Beitrag von Buba » Mi 14. Mär 2012, 22:16

Weil es vielleicht ganz gut zum Film passt, hier noch einmal die Geschichte von Juanillo, dem Zimmermann von la Rajita:


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Vor ein paar Tagen bin ich auf einer Facebook-Seite von "Isla de la Gomera" auf eine kleine, spannende Reportage über den heute etwa neunzigjährigen Juan Gonzáles Martín gestoßen, der früher als Zimmermann in der Fischkonservenfabrik von La Rajita gearbeitet hat. Frau Buba hat daraus einige Abschnitte übersetzt, und ich habe zusätzlich einige Fotos herausgesucht.

Doch zunächst ein paar Sätze zur ehemaligen factoría de conservas in La Rajita:

Blickt man von La Dama hinunter in den Barranco de La Rajita, sieht man tief unter sich in der flachen Mündung der langen und engen Schlucht ein paar übrig gebliebene Gebäudereste der Fischfabrik "Lloret y Llinares".



Gegründet wurde sie im Jahre 1909 von den aus Valencia stammenden Unternehmern Vicente Lloret und Miguel Llinares und spielte bis zu ihrer endgültigen Schließung im Jahr 1986 eine herausragende Rolle im Wirtschaftsleben der Insel La Gomera.



Zunächst noch eine kleine, aus Holz gebaute Fabrik zum Einsalzen [salazón] von Fischen entwickelte sie sich im Laufe der Zeit zu einer stattlichen Fischkonservenfabrik, in der mehrere Generationen von Gomeros aus allen Dörfern der Insel Arbeit fanden.



Auf der zwischen den Barrancowänden sehr beengten Fläche der Barrancomündung gab es neben den Fabrikgebäuden auch einen kleinen Hafen, außerdem Wohnblocks, eine Ermita, eine Schule, Läden, eine Gofio-Mühle, einen Fußballplatz, Hühner- und Ziegenställe.








Laut Gomera-Handbuch der Inselregierung (1992, S. 129) lebten 1981 in La Rajita 279 Einwohner. Täglich wurden auch viele Bewohner des Valle Gran Rey per Schiff von Vueltas zur Arbeit nach La Rajita gebracht.



Obwohl heute niemand mehr in La Rajita lebt, wurde 2009 für mehr als 3 Millionen Euro die Piste von La Dama hinunter nach La Rajita zu einer breiten, allerdings nach Unwettern regelmäßig verschütteten Asphaltstraße ausgebaut , offenbar als Vorleistung für ein 5-Sterne-Hotel , das dort einmal entstehen soll.

Und nun, wie oben angekündigt, ein paar Abschnitte über Juan Gonzáles Martín, der in La Rajita kurz "Juanillo" gerufen wurde:
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Juanillo, der Zimmermann von La Rajita


In der Fischfabrik von la Rajita arbeitete bereits als Fünfzehnjähriger bis zu seiner Pensionierung Juan González Martín, Sohn und Bruder von Bootsbauern. Mit einem dicken weißen Haarschopf und schon über neunzig, erinnert er sich an die vielen Jahren, die er dort, Tag und Nacht, in dieser ständig von Arbeitslärm erfüllten Fabrik arbeitete.



Juanillo, wie man ihn in La Rajita nannte, kannte die Fabrik schon, als es dort noch keine Maschinen gab und alles von Hand gemacht werden musste.

"Es gab nur einige Werkshallen aus Holz." erzählt er. "Damals wurden die Thunfische und Makrelen noch nicht in Dosen konserviert, sondern durch Einsalzen. Wo heute die kleine Hafenmole ist, gab es damals nur einen Anlegesteg. Später brachte man dort einen per Hand betriebenen Kran an, der dann irgendwann sogar elektrifiziert wurde. Dort arbeiteten wir die ganze Nacht über, wenn die Frachter vom Festland kamen. Wir arbeiteten ununterbrochen."

Der an der Mole von den Schiffen geladene Fisch wurde von den Männern in Wagen auf Schienen zur Fabrik geschoben.



"Damals stand die hölzerne Fabrikhalle noch!" setzt Juanillo die Schilderung seiner ersten Jahre in La Rajita fort. Er unterscheidet diese von der späteren Zeit, in der es dann das gemauerte Fabrikgebäude mit dem von ihm gebauten Dach gab. "Alle Dächer habe ich gemacht. Ich habe geschuftet wie ein Ochse, um diese Dächer mit Zinkblechen einzudecken."

Die vielseitigen Arbeiten des Zimmermanns und Bootsbauers Juanillo waren für La Rajita von großer Bedeutung. "In der ersten Zeit, als wir mit dem weißen Thunfisch begannen, wurden die Fische noch am Strand abgelegt. Wir hatten hölzerne Tragen, von denen ich viele hergestellt habe. Einer fasste sie vorne an, der andere hinten, und dazwischen lagen die Thunfische."



Eine weitere Aufgabe Juanillos war das Reparieren der Salzfässer. "Sie waren sehr schwer. Deshalb brachen oft die Böden der Fässer ein."

Die mit Salz und Fisch gefüllten Fässer wurden über die Schienen zum Anlegesteg gerollt und an einen vom Kran herunterhängenden Strick gebunden. Dann hob der Kran sie an, schwenkte sie vorsichtig zur falua [= kleineres Boot für den Transport von Waren und Personen] und senkte sie dort auf Deck ab. Die falua brachte nun die Fracht zu den Schiffen, wo sie mit einer Winde an Bord gehoben wurde.

Während Juanillo davon erzählt, beginnen seine Augen zu funkeln. "Ich möchte Ihnen gerne erzählen, was einmal einer aus Chipude gemacht hat! Er befestigte den am Kran hängenden Strick an einem Fass, ließ diesen aber zu lang, so dass der Kran, obwohl in der höchsten Position, das Fass nicht vom Boden hochziehen konnte. 'Kürze ihn!' rief ihm also der Kranführer zu. Und was macht der Typ aus Chipude? Zückt sein Messer und will den Strick durchschneiden! 'Nein, doch nicht mit dem Messer!' kann ihn der im Kran gerade noch aufhalten, bevor der mit seinem Messer den Strick durchtrennen kann. 'Du musst noch einmal mit dem Strick um das Fass, damit es nicht zu lang ist!' Das war nämlich mit ‚kürzen‘ gemeint, und der Mann wusste es nicht, sondern griff gleich zum Messer!" beendet Juanillo lachend seine kleine Anekdote.

Der alte Veteran Juanillo errichtete damals in La Rajita nicht nur Fabrikdächer, er baute nicht nur Tragen und ersetzte nicht nur die Böden der Salzfässer, sondern er wusste auch, wie man für die Gofio-Mühle Zähne aus Holz anfertigen konnte.



Hauptsächlich aber baute er Fischerboote. [...] Juan González Martín fuhr selbst "mit einer Packung Kreide", wie er erzählt, nach La Palma, um das dafür richtige Holz zu finden. Dort kennzeichnete er die Bäume, die er für geeignet hielt, und diese wurden dann von Männern mit Äxten geschlagen. Die Frauen, "die fleißigsten, die ich je gesehen habe, luden sich die Stämme auf den Rücken, als seien sie nichts. Und dann kam eine falua und holte mich wieder ab."

Juanillio baute die Boote für die Fischer in La Rajita. "Wenn einer sagte 'Ich brauche eines von der und der Größe!' war die Antwort: 'Geh und sag es Juanillo!' Und der nächste machte es genauso und der übernächste auch. So gab es Zeiten, da kamen richtig viele."

Er erinnert sich, wie er eines Tages gerade unterwegs war von seinem Dorf Arguayoda hinunter nach La Rajita. An der Stelle, von der aus man die Fabrik schon sehen konnte, kam ihm seine Mutter entgegen, die ihn zur Eile antrieb: 'Du sollst ganz schnell herunterkommen!'

Unten wurde er schon erwartet, weil er den Eigentümer des Schiffes Maruja nach La Palma begleiten sollte, der dort noch nie gewesen war und den Seeweg dorthin nicht kannte. 'Juanillo, gleich gehst Du auf große Fahrt! Du wirst gleich nach La Palma reisen!' teilte ihm Don Bartolo mit. 'Aber guter Mann, Sie sind ja verrückt!' erwiderte Juanillo, denn er war ja ganz ohne Gepäck und Reiseausrüstung. 'Ich schicke Dir gleich morgen mit der Post einen Koffer mit Kleidung nach!'

"Nach drei Tagen con el patron auf dem Schiff gab ich ihm das Ruder und sagte 'Ich zeige dir, wie's geht!', schaute aus dem Bullauge und sagte 'ein bisschen Backbord, ein bisschen Steuerbord', und als er es schließlich konnte, sagte ich ihm: 'Hör mal! Gleich morgen will ich wieder zurück nach La Gomera!' "

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Hier findet man die spanische Originalfassung der Reportage.

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Margit P.
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Re: La Rajita 1974

Beitrag von Margit P. » Mo 16. Apr 2012, 23:43

Einfach traumhaft und vielen Dank für diesen Beitrag. :knuffel

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