Quellen auf La Gomera

Orte auf La Gomera, die Euch etwas besonderes bedeuten: Schön, geheimnisvoll, abscheulich...
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Quellen auf La Gomera

Beitrag von roling » Fr 26. Jan 2018, 23:17

Als letzten Beitrag der Reihe zur Wassergewinnung auf La Gomera – nach Brunnen, Stauseen, Galerias und Meerwasserentsalzungsanlagen – noch ein paar Anmerkungen zu der ursprünglichsten Art der Wassernutzung auf La Gomera, den Quellen.

Nach dem Plan Hidrológico Insular aus dem Jahr 2013 gibt es auf La Gomera insgesamt 387 Quellen. Die meisten davon werden für die Wasserversorgung der Insel genutzt. Entweder wird das Wasser direkt an den Quellen mittels Rohrleitungen in einem Auffangbecken zusammengeführt und dann über Rohrleitungen in das Wassernetz eingespeist, oder es fließt in ein Bachbett mit einer Talsperre. Von dort aus wird es in Wasserkanälen verteilt oder über Rohrleitungen zu den Verbrauchern geführt.

Etwa 80 % des so erlangten Wassers gelangt in die Hände von Wassergenossenschaften, 20 % direkt an Privatpersonen. Im obigen Plan wird ein Gesamtertrag von im Mittel 6,61 hm³/Jahr für das Quellwasser angegeben. Die meisten der erfassten und genutzten Quellen weisen nur einen geringen Wasserfluss von weniger als 0,5 l/sec auf. Dies hört sich erst einmal relativ wenig an. Aber bei 0,5 l/sec. sind dies 1,8 m³/Stunde, 43,2 m³/Tag und über 15700 m³ im Jahr.

An den Bächen/Flüssen waren früher (vor Bau der Stauseen) vor allen im Osten und Norden der Insel noch einige durch das Wasser angetriebene Wassermühlen in Betrieb. Noch heute sind Überreste dieser Anlagen in einigen Barrancos zu sehen.
Wassermühle Ansicht.jpg
Ehemalige Wassermühle im Barranco de Benchijigua
Wasserrad.jpg
Horizontales Wasserrad
Getreidetrichter.jpg
Getreidemühle
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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von roling » Fr 26. Jan 2018, 23:23

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Anzahl der Quellen und Ertrag nach Gemeinden
Anzahl und Ertrag Quellen.JPG
Die Verteilung und die Lage der Quellen sowie ein ungefährer Ertrag an Wasser sind aus der folgenden Karte der Insel La Gomera zu ersehen.
Übersicht Quellen.JPG
Aus dem Plan und der Tabelle ist ersichtlich, dass sich die meisten Quellen im Norden und Westen der Insel in Höhenlagen zwischen 500 und 1000 Meter befinden. Am ertragreichsten sind die Quellen von Guada im Barranco del Valle Gran Rey oberhalb von Las Vinas/ Las Descansaderos und die Quellen von Erques im Barranco de Erque in der Nähe seines oberen Beginns. Warum allerdings die Quellen des ganzjährig fließenden Cedrobaches nicht bei den Ertragsreichsten mit aufgeführt sind ist mir ein Rätsel.

Das Wasser der Quellen bildet sich aus Niederschlagswasser, das so tief im Untergrund versickert bis es auf eine nahezu wasserundurchlässige Gesteinsschicht oder wasserundurchlässigen Boden trifft. Auf diesem Weg wird es gefiltert, kann aber auch eine Vielzahl von Mineralien aus dem Gestein lösen. Die Zeit der Versickerung bis zur wasserundurchlässigen Schicht ist in Abhängigkeit von mehreren Faktoren sehr unterschiedlich. Es kann Wochen aber auch Jahre dauern. Beim schnellen Durchsickern kann es daher nach längerer Trockenheit zu einer Verringerung des Wasseraustritts oder gar zu einem Trockenfallen der Quelle kommen.

Oberhalb dieser wasserundurchlässigen Schicht wird das Wasser entsprechend dem jeweiligen Gefälle abgeleitet. Im Bereich der Barrancos und an steilen Felswänden ist die wasserundurchlässige Schicht unterbrochen. Durch Risse und Spalten im Gestein kann dort daher das Wasser in diese Bereiche abfließen. Es tritt in Form von einer Quelle zu Tage.

Des Öfteren ist das Quellwasser für den menschlichen Genuss nicht geeignet, da es einen zu hohen Anteil an Sulfaten, Chloriden, Phosphaten usw. enthalten kann.
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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von roling » Fr 26. Jan 2018, 23:35

Im Mai 2017 hatten wir die Möglichkeit mit einem ausgewiesenen Fachmann ein längeres Gespräch über die Geschichte der Wasserversorgung der zu führen. Neben einigen anderen Themenbereichen kam dabei auch die Nutzung des Wassers aus Quellen im gesamten Inselbereich zur Sprache. Zusätzlich erhielten wir ein paar Hinweise auf die Lage einiger leicht erreichbarer Quellen. Nach etwas Literaturstudium bis zum Dezember 2017 wollten wir eigentlich einmal die bekannten Orte der Quellen auf der Inselsüdseite aufsuchen und ein wenig dokumentieren. Leider machte uns das Wetter (der Sturm) einen Strich durch die Planung. Daher konnten wir nur einen Standort aufsuchen. Selbst der Weiterweg zu einem bisher unbekannten Wasserstollen musste wegen der durch den Sturm als hoch eingeschätzten Gefahr entfallen.

An dieser Stelle daher nur ein paar Bilder mit einigen Erläuterungen.
Kanal als Tragkonstruktion.jpg
Alter defekter Wasserkanal über ein kleines Tal als Tragkonstruktion für ein neues wasserführendes Rohr im Rückblick beim Aufstiegsweg. Offensichtlich sind wir auf dem richtigen Weg.
Bienenkästen2.jpg

Bienenkästen am Aufstiegsweg. Bei dem Sturm und bei 8°C Temperatur sind keinerlei Aktivitäten an den Kästen feststellbar. Vielleicht hätten auch wir uns in unserem Zimmer oder zumindest in Strandnähe aufhalten sollen. Aber nun müssen wir da durch.
Rohrleitungen.jpg
Eine neue wasserführende Leitung, befestigt an einem alten teilweise schon stark angerosteten und teilweise sogar durchgerosteten Rohr. Also weiter aufwärts. Fotografiert beim Rückweg.
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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von roling » Fr 26. Jan 2018, 23:42

Quelle am Weg 1.jpg
Eine erste Quelle direkt oberhalb des Aufstiegsweges. Der Hauptzulauf erfolgt über ein Kunststoffrohr, das in einer Höhe von ca. 4 Metern aus einer Felsspalte kommt.
Quelle am Weg.jpg
Zusätzlich läuft Wasser aus einer Felsspalte auf der linken Seite. Das Wasser wird hinter einer kleinen Mauer in einem kleinen Einschnitt zwischen zwei Steinen gespeichert und durch ein Kunststoffrohr zur weiteren Verwendung talabwärts abgeführt.
Hähne.jpg
Zwei Hähne in dieser abgelegenen Gegend? Im weiten Umkreis kein Wohngebäude. Wurden sie hier ausgesetzt? Hühner sind keine zu sehen. Aber sie scheinen sich auch so pudelwohl zu fühlen.
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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von roling » Fr 26. Jan 2018, 23:49

Nah am Ziel.jpg
Langsam nähern wir uns unserem Ziel. In und an den steileren Passagen des ansteigenden Geländes sollen sich die Quellen befinden. Langsam wird es eisig. Winterkleidung wäre nun sicherlich angebracht.
Sammelbehälter.jpg
Ein schmaler Pfad führt uns zu einem ersten Sammelbecken. Drei Zuleitungen aus drei verschiedenen Quellen münden hier. Die ertragreichste befindet sich in dem Gebüsch hinter der Sammelstelle und ist nicht zugänglich. Die Ableitung vereinigt sich weiter hangabwärts im unwegsamen Gelände mit einem weiteren von links kommenden Rohr und führt dann weiter hangabwärts.
Sammelbecken 2.jpg
Ein paar Meter weiter aufwärts taucht eine weitere Sammelstelle mit zwei Zuläufen auf. Der Abfluss erfolgt in das erste Sammelbecken.
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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von roling » Fr 26. Jan 2018, 23:56

Quelle Abmauerung.jpg
Quelle Abmauerung1.jpg
Was ist das? Quelle oder Wasserstollen? Die gemauerte Öffnung hat eine Höhe von nur ca. 1 Meter. Ein Tritt ins gestaute Nass und Blick in den Zugang zeigt, dass sich dahinter ein Spalt im Fels befindet, der aber aufgrund der Größe nicht begehbar erscheint. Also eine Quelle. Auch hier erfolgt die Ableitung über ein Kunststoffrohr.
Quelle Rohranschluss.jpg
Diese Art des Anschlusses des Wasserflusses innerhalb einer Felsspalte wurde an mehreren Stellen ausgeführt und scheint sich bewährt zu haben. Die Ausführung haben wir schon des Öfteren bei unseren Wanderungen gesehen.
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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von roling » Sa 27. Jan 2018, 00:10

Quelle Felswand.jpg
Hier befindet sich eine Quelle in einer Spalte in der rechten Bildhälfte. Das Wasser fließt in einen gemauerten Kanal, der sich am Fuße der wasserableitenden Felswand befindet und somit auch das am Stein herablaufende Wasser aufnimmt. Am Ende des Kanals wird das Wasser über ein Rohr abgeführt.

Eine Rohrleitung und auch der Pfad führten noch weiter entlang des Steilhanges zu vermutlich weiteren Quellen aufwärts. Ein umgestürzter Baum versperrte jedoch den Weiterweg. Wegen des Wetters wurde daher auf eine bei dem feuchten Boden nicht ungefährliche Umgehung des Baumes mit leichter Kletterei verzichtet, zurückgegangen und dafür ein weiterer Pfad erkundet.
Sammelbecken3.jpg
Auch an diesem Pfad trafen wir als erstes wieder auf ein Sammelbecken, allerdings mit nur einer Zuleitung von einer Quelle etwas weiter aufwärts direkt in einer Steilwand.
Leitung vom Wasserstollen.jpg
Direkt neben der Quelle befindet sich ein gemauerter Stützpfeiler, der das Stahlrohr für das Wasser aus der weiter oben im Tal in der Steilwand befindliche Galeria ableitet.

Auch hier wurde aufgrund der schlechten Witterung mit Nieselregen und starken Windböen auf einen weiteren Aufstieg verzichtet. Sicherlich ergibt sich bei weiteren Aufenthalten auf der Insel bei besserem Wetter noch einmal die Möglichkeit zu weiteren Erkundungen.

Die obigen Daten (1. Beitrag) sind entnommen aus den „PLAN HIDROLOGICO DE LA GOMERA,
PROPUESTA DEPROYECTO
DOCUMENTO DE AVANCE
MEMORIA DE INFORMACION – TOMO II”,
erstellt im Juni 2013 vom
Consejo Insular de Aguas de La Gomera
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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von Don Uvo » Sa 27. Jan 2018, 20:22

Dank für den tollen, aufschlussreichen und informativen Bericht!

Das mach wirklich Lust, mal einige Quellen zu erwandern !


LG Don Uvo
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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von Harzerkese » Mo 29. Jan 2018, 12:32

Ein sehr informativer und interessanter Bericht, der für uns wieder einmal ein paar neue Erkenntnisse über die Insel gebracht hat.

387 Quellen auf la Gomera, das kann ich fast nicht glauben. Bei unseren Wanderungen haben wir doch nur sehr selten eine Quelle am Wegesrand gesehen.

Das Gebiet bei den beschriebenen Quellen scheint ja sehr interessant und einem Besuch wert zu sein. Aus Deiner Beschreibung ist leider aber nicht der Weg zu und der Standort der Quellen zu ersehen. Kannst Du den Bericht nicht um eine genaue Wegbeschreibung ergänzen?

Übrigens sind wir Samstag gut in San Sebastian angekommen und haben gestern eine kleine Eingewöhnungswanderung zur Playa de la Guancha unternommen.

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Re: Quellen auf La Gomera

Beitrag von wulf » Mo 29. Jan 2018, 13:55

Harzerkese hat geschrieben:
Mo 29. Jan 2018, 12:32
Aus Deiner Beschreibung ist leider aber nicht der Weg zu und der Standort der Quellen zu ersehen. Kannst Du den Bericht nicht um eine genaue Wegbeschreibung ergänzen?
:nein Persönlich bin ich absolut gegen eine Veröffentlichung der Standorte.
Es geht nicht jeder sorgsam mit dem Wissen um und nicht dass ich es dir unterstellen mochte,
aber es lesen hunderte von Leuten mit.
Rolling und Frau machen wirklich eine tolle Arbeit teilen die Erfahrung auch mit uns,
sie gehen dabei sehr sorgsam mit dem Wissen und den Wanderungen dazu um (ist auf jeden Fall mein Gefühl)
aber das tut nicht jeder und es sollte nicht gutgläubig alles veröffentlicht werden.

Wenn du spezielle Interessen daran hast kannst du Roling ja persönlich anschreiben :hut
das Lächeln das du aussendest, kehrt zu dir zurück
(Birmanische Weisheit)

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