Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

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Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von roling » So 19. Nov 2017, 17:26

Etwas zur Geschichte der Meerwasserentsalzungsanlagen auf den Kanaren

Das Leben auf einigen Kanarischen Inseln ist für die meisten Menschen aufgrund des hohen Wasserverbrauches der vielen Touristen nur möglich, weil es auf den Inseln insgesamt 349 Meerwasserentsalzungsanlagen gibt. Dies geht aus einen Bericht des Ministeriums für Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und Wasserwirtschaft hervor. Insgesamt wurden zu diesem Zeitpunkt 600000 m³ Wasser am Tag in den Anlagen bearbeitet. Die Anlagen werden benötigt, da es aufgrund der vielen Touristen dem Archipel ausreichend an natürlichen Wasserläufen, Brunnen, Wasserstollen und Stauseen mit Trinkwasser mangelt.

Die erste Anlage dieser Art wurde schon 1964 auf Lanzarote von den Brüdern Diaz Rijo installiert. Sie hatte damals eine Nennleistung von 2500 m³ Wasser am Tag. 1974 übernahm die Inselverwaltung die Anlage. Seither wurde die Produktionsleistung auf der Insel um etwa das 265-fache erhöht.
Besonders die östlichen Inseln können nur wirtschaftlich überleben und wachsen, denn durch diese Anlagen gibt es keine Begrenzungen mehr im „natürlichen“ Rohstoff Wasser. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in der Provinz Las Palmas (Gran Canarias) die meisten Entsalzungsanlagen (278) errichtet wurden. Auf Teneriffa gibt es hingegen nur 41 Anlagen. Sie dienen alle der Herstellung von Trinkwasser. Auf La Gomera sind dagegen bis zum heutigen Tag aufgrund der guten Planung der Trinkwasserversorgung der gesamten Insel keine Meerwasserentsalzungsanlagen für das Trinkwasser erforderlich.

Arbeitsweise der Meerwasserentsalzungsanlagen

Alle Meerwasserentsalzungsanlagen auf den Kanaren werden nach dem Prinzip der Umkehrosmose betrieben. Dazu ist bei Wikipedia in Kurzform folgendes zu lesen:

Bevor das Meerwasser in der Anlage behandelt wird müssen grobe Verunreinigungen durch Siebe und Grobfilter zurückgehalten werden.
Bei der Umkehrosmose wird die Lösung (Meerwasser) zur Überwindung des osmotischen Druckes unter hohem Druck durch eine semipermeable (halbdurchlässige) Membran aus Polyamid, PTFE oder sulfonierten Copolymeren mit einem Porendurchmesser von 0,5 bis 5 nm gepresst. Diese wirkt wie ein Filter und lässt nur bestimmte Ionen und Moleküle durch. Somit erhält man eine Auftrennung der ursprünglichen Lösung. Durch den Membranfilter lassen sich Salze, Bakterien, Viren, ein Überangebot an Kalk und Gifte wie Schwermetalle zurückhalten.

Der osmotische Druck steigt mit zunehmender Salzkonzentration, der Prozess würde somit irgendwann zum Stehen kommen. Um dem entgegenzuwirken, wird das Konzentrat abgeführt. Da das Auskristallisieren des Salzes oder der Mineralien in den Membranen verhindert werden muss, ist die Benutzung der Umkehrosmose nur bis zu einer gewissen Maximalkonzentration des Rückflusses sinnvoll. Je nach Salzkonzentration muss aufgrund des hohen Drucks auch in optimalen Anlagen mit einem Energieaufwand zwischen 2 und 4 kWh pro Kubikmeter aufbereitetes Wasser gerechnet werden.

Die Membranen einer Umkehrosmoseanlage sind nicht wartungsfrei. Belagsbildung, hervorgerufen durch mineralische Ablagerungen, biologische Stoffe oder kolloidale Partikel, vermindert den Durchfluss der Wassermoleküle durch die Membranen. Um dem entgegenzuwirken, ist in regelmäßigen Abständen eine kurzzeitige Spülung der Membranen mit geringen Mengen von chemischen Reinigern nötig.

Für die Aufbereitung als Trinkwasser wären weitere Filter erforderlich, gegebenenfalls auch eine Bestrahlung mit UV-Licht.

La Gomeras Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz (kein Trinkwasser)

Der Golfplatz „Tecina Golf“ hat eine Fläche von etwa 30 Hektar, also rund 300000 m². Nach fast 3-Jähriger Bauzeit wurde er im Oktober 2003 eröffnet. Parallel dazu wurde im Barranco de Tapahuga eine Meerwasserentsalzungsanlage nach dem Prinzip der Umkehrosmose gebaut, die fast ausschließlich für eine ausreichende Bewässerung dieser Fläche sorgen soll. Als Trinkwasser ist das aufbereitete Wasser aufgrund einer fehlenden weiteren Aufbereitung (s. oben) nicht geeignet und auch nicht zugelassen.

Die Anlage befindet sich in der dem Strand nächstgelegenen Halle an der westlichen Barrancoseite. Sie nimmt dabei nur einen kleinen Teil der Grundfläche ein. Zwei Wasserbehälter, eine starke Pumpe zur Erzeugung des erforderlichen Druckes und in Regalform angeordnete rohrähnliche Druckbehälter mit den Membranen sowie Schalt- und Messstellen stellen das einzige Inventar dar.

Halle Meerwasserentsalzungsanlage.jpg
Halle für die Meerwasserentsalzungsanlage

Blick in die Halle.jpg
Pumpenstand in der Halle

Rohrmembranen.jpg
Rohrdruckbehälter mit Membranen

Das für den Betrieb der Anlage erforderliche Meerwasser mit etwa 38,5 g Salz / Liter wird in einiger Entfernung zum Strand an der Playa de Tapahuga entnommen und über eine Rohrleitung zum Gebäude geführt. Die durchschnittlich für die landwirtschaftliche Nutzung aufbereitete Wassermenge beträgt 1500 m³ je Tag. Dazu ist ein Druck von etwa 52 bar erforderlich. Dieser für solche Anlagen relativ niedrige Druck hält die Energiekosten in einer noch wirtschaftlichen Höhe.

Die max. mögliche aufbereitete Wassermenge beträgt 65000 m³im Monat. Hierfür wäre aber dann ein Druck von etwa 65 bar bei erheblich höherem Energieeinsatz erforderlich.

Das aufbereitete Nutzwasser (etwa 45% des zugeführten Wassers) wird zum Golfplatz hinaufgepumpt und dort bei Bedarf eingesetzt.
Bezogen auf die Fläche des Golfplatzes ergibt sich eine täglich mögliche max. Berieselung von ungefähr 5 Liter/m² Fläche.

Das mit Salz angereicherte Abwasser (etwa 55% des zugeführten Wassers) mit etwa 50 g Salz / Liter wird über eine Rohrleitung in größerer Entfernung zum Strand in den Atlantik eingeleitet und kann sich dort durch die Strömung sehr schnell verteilen.

Ökologische Schäden in der Bucht und im Umfeld der Abwassereinleitung wurden während der 14-jährigen Betriebszeit bei sporadischen Überprüfungen nicht festgestellt.
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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von Hartmut » So 19. Nov 2017, 18:54

Ich habe viel gelernt, z.B. habe ich mit einem weit höheren Energieaufwand gerechnet! :freu

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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von nemo » So 19. Nov 2017, 19:10

Vielen Dank für den,spannenden,Beitrag :freu
Nemo
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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von sido » So 19. Nov 2017, 20:02

:dd für diesen Beitrag! Aber auch insgesamt für Deine Beiträge zu Anlagen der Wasserwirtschaft, aus denen sich viel Neues lernen lässt.
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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von myrtel » So 19. Nov 2017, 20:12

:freu Vielen Dank für den Beitrag. Da habe ich wieder etwas dazu gelernt. :ja
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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von erimitano » Mo 20. Nov 2017, 14:05

:muetze
Danke für den Beitrag..sehr interessant..
:muetze
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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von Düren » Mo 20. Nov 2017, 18:59

:dd

auch von uns.
wandern auf La Gomera

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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von bine » Mo 20. Nov 2017, 22:45

:hut Ein sehr interessanter Beitrag!

Danke für die Wissenserweiterung, auch ich hatte, genau wie Hartmut,
mit einem höheren Energieaufwand gerechnet. Gut, das es nicht so ist.

Vieleicht sollte Gomera über weitere Anlagen nachdenken um Wasser für die Landwirtschaft auf diese Weise zu mehren...
die Energie von Sonne oder Wind dafür verwenden...
:blume
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Cicero

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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von roling » Di 21. Nov 2017, 13:48

bine hat geschrieben:
Mo 20. Nov 2017, 22:45
Vieleicht sollte Gomera über weitere Anlagen nachdenken um Wasser für die Landwirtschaft auf diese Weise zu mehren...
die Energie von Sonne oder Wind dafür verwenden...
In einem offiziellen Bericht über die Infrastruktur der Insel aus den Jahr 2015 ist ersichtlich, dass bezüglich des Wasserbedarfs für die Landwirtschaft kein weiterer Nachholbedarf besteht. Fast in allen Bereichen der Insel wird durch ortsnahe Anlagen (Stauseen, Brunnen, Wasserquellen und Wassergalerien mit den erforderlichen Verteilungskanälen bzw. -leitungen) die Versorgung als sichergestellt angesehen. Im Süden der Insel sei der Bedarf an Wasser für die Landwirtschaft sogar seit der Mitte des letzten Jahrhunderts durch die Aufgabe großer vorher landwirtschaftlich genutzter Flächen (z. B. Felder nördlich und nordwestlich des alten Flugplatzes und dem Loma de Tecina) so stark zurückgegangen, dass sogar ein Überangebot vorhanden sei. Auch im Norden soll der Bedarf an Wasser durch die weitgehende Umstellung der Bewässerung auf die Tropfbewässerung so rückläufig sein, dass auch ein Zuwachs an neuen landwirtschaftlichen Feldern kein Problem darstellt.

Durch das neue Trinkwassernetz mit den durch Erweiterungen der Galerias Ipalan und El Altito sowie der neuen Galeria im Bco. de Erque (voraussichtliche Inbetriebnahme in 2018) werden zudem einige bisher für die Trinkwasserversorgung zuständige Brunnen für landwirtschaftliche Zwecke frei, ebenso einige Kapazitäten aus den Stauseen, die vorher ebenfalls für das Trinkwasser genutzt wurden.

Auch unabhängig von evtl. Meerwasserentsalzungsanlagen wäre es sicherlich zu begrüßen, wenn zur Stromerzeugung vermehrt auf die Stromerzeugung durch Sonne und Wind gesetzt würde. Gerade die entlegenen südlichen Landflächen unterhalb von Quise und Los Almacigos würden sich hier für die Installation von Solarpaneelen anbieten.

Aber aufgrund der Antworten auf meinen Beitrag „Klimaneutralität, Juist und La Gomera wollen kooperieren“ ist wohl in kürze nicht mit einer derartigen Maßnahme zu rechnen. Scheinbar gibt es trotz des Abkommens aus dem April 2014 noch keine Planungen für derartige Maßnahmen zur Nutzung regenerativer Energien.
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Re: Die Meerwasserentsalzungsanlage für den Golfplatz des Hotels Jardin Tecina

Beitrag von bine » Di 21. Nov 2017, 15:29

:nein Freunde von uns, sie sind Obst-und Weinbauern, sehen das allerdings ganz anders.

Es wurde in diesem Jahr viel Trinkwasser von dem Zuständigen für landwirtschaftliche Zwecke verkauft
und nun ist es schlecht bestellt um Trinkwasser/Wasser...

Wenn man jetzt in Stauseen ect. schaut: es sind nur noch "Pfützen".
Regen? Na, schauen wir mal.
Da wären Meerwasserentsalzungsanlagen für "Brauchwasser" eine echte Entlastung.

Sicherlich hat das diesjährige Inselwetter-eine Calima nach der Anderen- die Problematik verstärkt.
Wer aber garantiert, das im nächsten Jahr nicht das Gleiche passiert?
Und was wird sein, wenn die Bettenzahlen sich erhöhen? Mehr Touristen auf die Insel kommen?
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Cicero

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