Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Orte auf La Gomera, die Euch etwas besonderes bedeuten: Schön, geheimnisvoll, abscheulich...
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Mi 21. Jun 2017, 23:28

Hoffentlich entschädigt der Weiterweg durch den Barranco und die nach Google Earth zu erwartende schöne Landschaft wenigstens für diesen kleinen Misserfolg.

Oberhalb der Gebäude geht die Piste in einen mit Steinplatten belegten Weg über, der aber bereits nach etwa 50 Metern endet. Wir stehen nun mittig im Barranco. Großflächige graue Steinflächen und Blockgestein behindern den Weiterweg nur wenig. Die Wassergumpen sind leicht zu umgehen. Mit etwas Voraussicht und mit gebotener Vorsicht sind die Bögen im Flussbett bis zum Aufstiegsbeginn (Insgesamt etwas über 500 Meter) in etwa 20 Minuten überwunden. Abkürzungen über die in das Bachbett hineinragenden Landzungen haben sich nicht als vorteilhaft erwiesen. Nur einmal sind bei der Überwindung einer kleinen Höhendifferenz die Hände zur Hilfe zunehmen.

Aufstieg im Barranco.jpg
Aufstieg im Barranco

Barranco de la Negra.jpg
Verlauf des Barranco

Eine kleine Pause. Zeit sich in dieser attraktiven Landschaft einmal umzusehen. Seitlich des Bachbettes steil aufragende Terrassenfelder über mehrere Etagen, alle unbewirtschaftet. Daneben ein in der Breite durch diese Terrassen stark eingeengter Barranco mit Steilabbrüchen über die sich bei Regenfällen das Wasser in die Tiefe stürzt. Die ehemaligen Felder sind über Steintreppen miteinander verbunden. Oberhalb der Terrassen eine kleine Staustufe im Barranco von der aus die Felder über Rinnen mit Wasser versorgt wurden. Auf der südöstlichen Barrancoseite beginnt eine Wasserkastenrinne. Sie führt zu einem Wasserbehälter auf dem Lomo de la Sabinilla. (Achtung: in einigen Wanderkarten wird diese Rinne als Wanderweg dargestellt! Sie ist aber nicht zu begehen, da in einigen Bereichen nicht mehr vorhanden).

Terrassenbauten im Barranco de la Negra.jpg
Terrassenbauten
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Mi 21. Jun 2017, 23:33

Terrassen im Barranco de la Negra.jpg
Terrassenbauten

Der gut begehbare Aufstiegspfad beginnt im Barranco an einer kleinen Steintreppe. Nach ein paar Metern rechtshaltend erreicht der Pfad einen kleinen Nebenbarranco um nach etwa 10 Minuten ab Treppe in den GR 132 einzumünden.

Aufstiegsbeginn.jpg
Aufstiegsbeginn im Barranco

Aufstiegsweg.jpg
Ein bequemer Aufstiegsweg
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Mi 21. Jun 2017, 23:38

Aufstieg zum GR 132.jpg
Im Aufstieg GR 132

Diesem folgten wir bis nach Arguayoda nachdem ich aus Neugier bis zum Aufstieg aus den Barranco de la Negra in Richtung Alajero weitergegangen und dann umgekehrt war. Aber auch in diesem Bereich waren keine durchgeführten Maßnahmen zur Trinkwasserversorgung zu sehen.

Arguayoda.jpg
Arguayoda

Brunnenanlage im Barranco de la Rajita.jpg
Brunnen und Pumpstation im Barranco de la Rajita
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von Hartmut » Do 22. Jun 2017, 07:15

Genau wie Du habe ich vor einigen Jahren am Trafohaus gelauscht, auch alle zugänglichen Rohre sind warm, also fließt hier nichts. Teuer war es auf alle Fälle- wer das wohl bezahlt hat- Du und ich vielleicht?

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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Do 29. Jun 2017, 12:58

Einen Teil schon. Die EU hat das Projekt zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung auf La Gomera mit einem siebenstelligen Betrag gefördert. In Vergleich mit vielen anderen Fördermaßnahmen ist dieses Geld meines Erachtens aber wenigstens sinnvoll angelegt. Den genauen Betrag habe ich irgentwo in den mir vorliegenden Berichten gelesen. Bei Gelegenheit werde ich einmal nachschauen.
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Do 29. Jun 2017, 13:11

Erkundung am El Rejo

Eine GPS-Messung am östlichen Tunnelausgang des El Rejo Tunnels ergab gegenüber einer vor ein paar Jahren am Südausgang des Tunnels unter dem Roque Agando oberhalb von Benchijigua durchgeführten Messung eine Höhendifferenz von ca. 31 Metern. Diesses ist für den relativ kurzen Abschnitt zwischen diesen Punkten zum Wassertranssport mehr als ausreichend.

Am Ausgang des Tunnels ist der Wasserkanal als offene Rinne ausgeführt, ehe er auch oberseitig geschlossen weiterführt. Die Lage ist bergseitig (oberhalb) des Fußweges vom Tunnel zur Straße. Teilweise durch Bewuchs verdeckt führt er ungewohnt steil zur Straße hinunter. Auf diese trifft er etwa 100 Meter oberhalb des Wegbeginns zum Tunnel. Von den 31 Metern Höhendifferenz sind an dieser Stelle schon über 15 Meter verbraucht.

Tunnel El Rejo.jpg
Tunnelausgang

Kanalbeginn.jpg
Kanalanfang

Wasserkanal neben Wanderweg.jpg
Kanal neben Wanderweg
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Do 29. Jun 2017, 13:30

Kanal neben Straße.jpg
Kanal neben Straße

Jetzt wird auch der Grund für die starke Neigung ersichtlich, muss er hier doch unter der Straße hindurchgeführt werden. Dies geschieht durch ein Rohr, das im spitzen Winkel zur Straße zur anderen Straßenseite führt. Aufgrund des sehr starken Bewuchses entlang der Straße und der Steilheit des Geländes ist hier zunächst der weitere Verlauf nicht erkennbar.

Kanalrohr.jpg
Rohrführung unter der Straße

Da eine Suche in dem Gelände nicht angebracht erschien versuchten wir im weiteren Verlauf der Straße oberhalb des vermuteten Verlaufs des Wasserkanals an einer etwas lichteren Stelle zumindest ein kurzes Stück der Rinne zu erkennen. An einer kleinen Stelle war sie auch klar erkennbar, an einer zweiten Stelle konnte Form nicht klar einem Kanal zugeordnet werden. Aber der Verlauf entlang des abfallenden Hanges führt wohl eindeutig in Richtung El Bailadero, wo wir einen Tunnel in den Talkessel oberhalb von La Laja vermuten. (Bericht über diesen Bereich folgt).

Da die gesamte Anlage zur Wasserversorgung vom Tunnel El Rejo bis nach Jerdune und bis in den Barranco de los Jargus nicht in Betrieb ging, wurde offensichtlich schon sehr früh das anfallende Wasser im Kanal etwa 50 Meter vor der Straßenquerung gestaut und in einen Wasserbehälter unterhalb der Straße abgeleitet.

Späterer Abfluss.jpg
Abfluss Rohr Straße
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von C&A » Mo 4. Sep 2017, 18:19

Wie immer technisch hoch interessant!

Danke euch beiden für eure tollen Exkursionen in die Bauwerke der Infrastruktur! Finde ich total interessant. Ich merke mir Alles zum nachentdecken, wenn ich denn mal alleine komme.

C ist leider nicht so technisch interessiert... :sad2

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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Di 12. Sep 2017, 23:03

Erkundung im Talkessel oberhalb von La Laja

Nach dem Abstieg zur Degollada de Tanque (Casa del Manco) wollten wir auf einem alten Wanderweg in Richtung Cruce de la Zarcita bis zum Abstiegsbeginn zum nördlichen Ausgang des Tunnels unter dem Roque de Agando weitergehen. Bereits nach ein paar Metern wurden wir von einer zunächst nicht sichtbaren Person mit barscher Stimme aufgefordert zu stoppen und umzukehren. Vor der verfallenen Schutzhütte trafen wir dann auf zwei Ranger.

In guten Englisch erklärten sie uns, dass der ehemalige Weg im Parque National de Garajonay liege, nicht als Wanderweg ausgewiesen ist und daher nicht begangen werden darf. Als wir dann unser Anliegen vortrugen zum Tunnelausgang abzusteigen und den möglichen Verlauf des Wasserkanals in Richtung El Bailadero und weiter zum El Rejo zu erkunden erhielten wir hierfür ebenfalls eine Absage.

Da sie das betreffende Gelände aber sehr gut kennen würden, würden sie aber gerne unsere Fragen hierzu beantworten. Es entwickelte sich sogleich ein sehr aufschlussreiches Gespräch, wobei sie auch zweimal bei einem ihrer Arbeitskollegen nachfragten. Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild:

„Der Tunnel unter dem Roque de Agando sollte neben der Trinkwasserweiterleitung aus dem Bereich El Cedro zusätzlich auch als Galeria genutzt werden. Daher würde auch noch heutzutage das im Tunnel anfallende Wasser im Süden durch zwei Rohrleitungen zur weiteren Nutzung abgeführt. (Daher evtl. auch in den älteren Plan (von 2010) von Aguasgomera der Hinweis auf die Galeria Bailadero? Im Süden führen tatsächlich zwei wasserführende Rohrleitungen aus dem Tunnel. Eine große – etwa DN 100 mm - führt in Richtung Benchijigua, die Kleine von etwa 1 Zoll in Richtung Las Toscas.)

Eine Begehung dieses Tunnels ist aufgrund eines unzureichenden Luftaustausches sehr gefährlich und daher verboten. (Verbotsschilder sind jedoch nicht vorhanden) Zusätzlich steht in Teilbereichen bis zu 30 cm hoch Wasser auf dem unebenen Boden und zum Teil sind schon Steine aus der Überdeckung des Tunnels herabgefallen.

Im Tal oberhalb von La Laja verläuft ein Wasserkanal in teils offener und teils abgedeckter Ausführung. Der Kanal ist in einem guten Zustand und führt fast durchgängig über freies Gelände. Tunnel sind in diesem Bereich nicht vorhanden. Im Bereich von Nebenbarrancos ist der Kanal durch „Überbauten“ aus Stein geschützt; Wasser und evtl. Steinschlag soll hierdurch abgeleitet werden.

Der Wasserkanal endet im Bereich des Nordausgangs des Tunnels unter dem Roque de Agando etwa 70 Meter vor dem Tunnel, jedoch führt eine in Höhe der Sohle des Kanals verlaufende ebene Fläche weiter bis zum Tunneleingang.

Südlich von El Bailadero führt der Kanal in einen Tunnel oder Stollen, der in nördliche Richtung verläuft.
(Auch nach Rückfrage und Telefonat mit einem Arbeitskollegen konnte die Frage ob Tunnel oder Stollen nicht beantwortet werden).

Aus diesen Tunnel / Stollen fließen auf der Südseite geringe Mengen an Wasser aus dem Kanal ins Freie. In geringen Abstand zum Tunnel- / Stollenausgang wird dieses durch einen geöffneten Schieber in der talseitigen Wandung des Kanals in einen kleinen weiter oben beginnenden Nebenbarranco abgeleitet wird. (Deshalb auch hier der Hinweis auf eine Galeria Ojila?)

Oberhalb des Kanals und in der Nähe des Eingangs zum Tunnel / Stollen befindet sich ein Gebäude, dessen Zweck nicht bekannt ist. Vielleicht wurde es zum Bau des Tunnels / Stollen benötigt.

Obwohl auch die nördliche Seite des Gebirgszuges im Naturpark liegt ist sie uns nicht bekannt. Wir können deshalb nicht sagen, ob sich hier auch ein Tunnelzugang und / oder ein Wasserkanal befindet.

Wir haben im Kollegenkreis schon des Öfteren über die im letzten Jahrhundert geplante Wasserversorgung der Insel mit den vielen Wasserkanälen gesprochen. Sofern ich mich richtig erinnere wurde dieses Projekt noch vor Fertigstellung eingestellt und die Bauarbeiten in den 50-er Jahren des letzten Jahrhunderts beendet.“


Durch diese Auskünfte haben sich sicherlich einige Fragen –wenn auch sicherlich nicht zur Gänze - geklärt. Ein geplanter Verbindungskanal zur Trinkwasserversorgung vom El Cedro über den El Rejo bis zum südlichen Tunnelausgangs unter dem Roque de Agando und weiter nach Jerdune bzw. El Azadoe ist daher sehr wahrscheinlich. Fraglich ist aber ob die beiden Tunnel auch von Beginn an zusätzlich auch als Galerias geplant wurden oder diese Nutzung erst später aufgenommen wurde.

Und warum tauchen die Galerias Ojila und Bailadero nur in den Plan von 2010 auf?

Eine Begehung haben wir aufgrund des Verbotes und der Auskunft der Ranger dann nicht mehr vorgenommen. Mit deren Zustimmung durften wir dann aber vom gesperrten Weg aus ein paar Fotos vom Verlauf des Kanals machen. Weitere Fotos sind vom Mirador El Bailadero und vom Wanderweg El Bailadero – La Laja aus aufgenommen.

Tunneleingang Agando Südseite.jpg
Tunneleingang Agando Südseite

Vom Tunneleingang auf der Nordseite des Roque Agando habe ich leider kein Foto.
Es gibt aber ein Foto in Google Earth, eingestellt von panoramio.com. Eine Weiterverbreitung auch mittels Link ist hier nicht zulässig da sonst Lizenzgebühren anfallen. Wer sich das Foto anschauen möchte kann in Google Earth zu den Koordinaten 283118.60 / 3111488.48 gehen und dort das Foto durch Klicken auf den Button aufrufen.

kanal süd_bearbeitet-1.jpg
Kanalverlauf auf der Nordseite des Agandotunnels
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Di 12. Sep 2017, 23:07

kanal süd1.jpg
Kanalverlauf südlicher Bereich

kanal süd2.jpg
Kanalverlauf südlicher Bereich

kanal mitte.jpg
Kanalverlauf Mitte
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