Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Orte auf La Gomera, die Euch etwas besonderes bedeuten: Schön, geheimnisvoll, abscheulich...
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Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Fr 12. Mai 2017, 17:31

Bei unserem letzten Aufenthalt auf La Gomera hatten wir die Möglichkeit im Hotel in ein paar alte handgeschriebene Aufzeichnungen und Notizzettel über den Bau von Wasserstollen und die Wasserverteilung auf den Kanarischen Inseln Einsicht zu nehmen. Über die geplante Verwendung und den Autor ist leider nichts bekannt. Zusammen mit einigen Recherchen im Internet und vorliegenden Berichten entstand die folgende Abhandlung.

Mit der Eroberung der kanarischen Inseln im 15. Jahrhundert durch Spanien – als letzte fiel 1496 Teneriffa – wurde neben dem Land und auch die Wasservorkommen unter den Eroberern aufgeteilt. Das Wasser war dabei enorm wichtig, da es für den Zuckerrohranbau zwingend erforderlich war. Zucker besaß zur damaligen Zeit in Europa einen hohen Wert. Der Export boomte.

Die ersten Dörfer und Städte mit Anbauflächen entstanden daher zwangsläufig in der Nähe der Wasservorkommen. Das Wasser wurde von den in unterschiedlicher Höhe in den Bergen liegenden Quellen über Wasserrinnen zu den tiefer liegenden Feldern geleitet. Da dieses Wasser aber mit der Zeit nicht mehr ausreichte wurden bereits Mitte des 16. Jahrhunderts erste kurze Stollen (Socavones) zur Erhöhung des Zuflusses in den Berg getrieben.

Die Kenntnis über im Gestein eingelagertes Wasser war schon damals vorhanden, jedoch gab es noch keine Möglichkeiten tiefer in das Gestein vorzudringen.

Die Konkurrenz aus der Karibik beendete schon bald den kurzen Boom des Zuckerrohranbaues. Für die nun auf den Eigenbedarf ausgerichtete Landwirtschaft und den nicht hohen Wasserbedarf für die Weintrauben zur Weinherstellung für den Export nach Europa war der Wasseranfall bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ausreichend.

Bananen und Tomaten gaben der Landwirtschaft Ende des 19. Jahrhunderts einen enormen Anschub. Der Export nach Europa erhielt einen neuen Aufschwung. Schnellere Dampfschiffe mit Kühleinrichtungen brachten die leichtverderblichen Waren schnell an ihr Ziel. Aber schon bald reichte das zur Verfügung stehende Wasser für den immer schneller steigenden Bedarf durch die Bananenstauden und die Erweiterungen der Anbauflächen nicht mehr aus.

Neue Wasserreservoirs mussten erschlossen werden. Überwiegend wurden auf Teneriffa, Gran Canaria und La Palma durch den Einsatz neuer Maschinen, Sprengstoffe und Techniken vorhandene Wasserstollen (Galerias) weiter vorgetrieben und neue Wasserstollen angelegt. Auf La Gomera dagegen entstanden nur wenige Galerias, hier wurden zusätzlich zu den schon bestehenden traditionellen Brunnen als Alternative schon früh Stauseen und Tiefenbrunnen in den Barrancos angelegt. Dieses begann in großen Maßstab mit der von Olsen und Rodriguez Lopez erwirkten Lizenz für die Nutzung der Wasserresourcen im Barranco de Santiago im Jahre 1923.

In der Folge konnte die Landwirtschaft von dem bis dahin überwiegend betriebenen „Trockenfeldanbau“ in eine sehr viel profitablere Landwirtschaft mit Bewässerung umgestellt werden. Auch erweiterten sich die Anbauflächen in Gebiete weitab von den natürlichen Quellen.

Eine Galeria ist ein in den Berg gebohrter / gesprengter leicht ansteigender Stollen. Ziel ist es dabei auf eine wasserführende Schicht zu stoßen und dessen Wasser abzuleiten. Nur äußerst selten wurde dieses Ziel verfehlt.

Nach dem spanischen Bergbaugesetz muss der Stollen einen Mindestquerschnitt von 2 Meter Breite und 2 Meter Höhe aufweisen. Aufgrund der vielen durch den Kanal geführten Bauteile (Belüftungsrohre, Pressluftschläuche, Kabel, Schienen für den Transport von Material und Abraum sowie ein Kanal oder Rohr für das abzuführende Wasser) sind aber oft größere Querschnitte vorhanden. Die Stollen haben eine durchschnittliche Länge von 1,5 bis 4,5 km, die längste misst ca. 8 km.

Die Bohrer für den Vortrieb wurden mit Druckluft betrieben. Zwingend erforderlich war auch eine ständige Belüftung des Stollens. Beide Aggregate müssen in einem Gebäude außerhalb des Stollens aufgestellt sein. Treibstofftanks, Lagerschuppen, ein Bunker für Sprengstoffe, Unterkünfte für die Arbeiter oder zumindest ein Sozialraum mit Toilette und Erste Hilfe Bereich vervollständigten die technischen Erfordernisse.

Trotz relativ guter Bezahlung war es schwierig qualifiziertes Personal für den Bau der Stollen zu bekommen. Häufig gab es keinen Arbeitsvertrag. Hohe Temperaturen in der Nähe einer noch vulkanisch aktiven Stelle und weitere Unwägbarkeiten konnten zu schweren Gesundheitsbelastungen führen. Und besonders gefährlich wurde es, wenn vulkanische Gase austraten. Einige Stollen mussten daher sogar vor Fertigstellung aufgegeben werden.

Es wurde meistens in zwei Schichten von je 8 – 12 Stunden gearbeitet. Die Arbeiter fuhren bis zum Vortrieb in den Stollen ein. Bei den ersten Stollen arbeitete man noch mit Hammer, Pickel, Schaufel, Hacke und handbetriebenen Bohrgeräten. Später wurden Pressluftbohrer, -hämmer und dieselbetriebene Maschinen eingesetzt. Mit den Pressluftbohrern wurden in Abhängigkeit von der Größe der Stirnwand mehrere Löcher in diese gebohrt und anschließend mit Sprengstoff bestückt und verkabelt. Nach Rückzug hinter die Loren erfolgte die Sprengung. Nach ausreichender Lüftung mit Abführung des Staubes erfolgten das Beladen der Transportwagen, die Rückfahrt aus den Stollen und das Entladen des Gesteins.

Um die Jahrhundertwende gab es für die Arbeiter noch keine Schutzkleidung. Stiefel, Schutzhandschuhe, Schutzhelme und Gehörschutz wurden erst viele Jahre später zur Verfügung gestellt. Gegen die Gase aus dem Vulkangestein wurden Masken eingesetzt, die mit einem Schlauch mit der Frischluftzufuhr verbunden wurden. Karbidlampen waren die einzigen Lichtquellen. Jeder war für deren Funktion selbst verantwortlich. In den Stollen war es stellenweise so heiß, so dass oft nur mit Hemd und Unterhose gearbeitet werden konnte.

Die Arbeit am Stollenbau hatte eine vielbeschäftigte Patrona, die Virgen de la Carmen; denn Unfälle gab es im Laufe der Stollengeschichte leider sehr oft.

Je nach Härte des Gesteins und Querschnitt des Stollens konnte ein Vortrieb von 1 bis 2 Meter je Schicht erreicht werden.

Landbesitzer, die für ihre Felder kein oder zu wenig Wasser besaßen, waren ab ca. 1860 die ersten Investoren in neu anzulegende Wasserstollen. Vielfach schlossen sie sich auch zu einer Aktiengesellschaft zusammen, kostete doch der Meter Stollen zwischen 60000 und 90000 Peseten (ca. 380 -550 €). Wurde den Aktionären die finanziellen Mittel knapp, musste oft die Arbeit unterbrochen werden. Daher zog sich bei einigen längeren Wasserstollen oft auch die Zeit bis zur Fertigstellung über viele Jahre hin.

Es kam auch vor, dass finanziell erschöpfte Aktionäre ihre Anteile an reiche Kapitalgeber verkauften. Eine lohnende Sache. Schon bald betrieben diese die Wassersuche eigenständig. Immer schneller wurden neue Galerias eröffnet. Diese Entwicklung führte oft zu politischen Spannungen. Zwischen dem Wasser und den Verbrauchern gab es plötzlich Investoren, die das Wasser nur verkaufen wollten. Das Wasser wurde somit zu einem Spekulationsobjekt in Privatbesitz. Es ging ihnen mehr um einen schnellen Gewinn als um den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserwirtschaft.

Im Gegensatz zu den Regelungen auf anderen Inseln und in den Gemeinden im Süden Gomeras, kann im Norden Gomeras das Wasserrecht d. h. der Anliegeranteil nicht verkauft werden, sondern ist fest an die zu bestellende landwirtschaftliche Fläche gebunden. Die gerechte Verteilung wird hier von den Wassersyndikaten geregelt.

Die traditionelle Bewässerung durch Überschwemmung des Landes war so organisiert, dass bei jedem Turnus im Bewässerungsumlauf pro „fanega“ (165 m²) 15 Minuten Wasserentnahme zugeteilt wurde. Da jede Minute mindestens 1 m³ durch die Bewässerungsrinne fließt, sind dies 91 Liter/m². Der Abstand der Umläufe kann bei Wasserknappheit im Sommer bis zu 50 Tage betragen. Die wasserspeichernde Bananenstaude kann dieses vertragen. Für andere Kulturen benötigte man aber Wasserbehälter als Speicher und auch ein Bewässerungssystem.

Bei der Überschwemmungsbewässerung versickert ein wesentlicher Anteil des Wassers in so tiefe Bodenschichten, dass die flachwurzelnde Bananenstaude nur etwa 50% verwerten kann. Deshalb wurde bereits in den siebziger Jahren begonnen, auf eine wassersparende Tropfbewässerung umzustellen. Wegen der hohen Kosten wurde sie jedoch nur zögerlich eingesetzt.

Erst mit dem am 26. 07. 1990 von der autonomen Regierung der Inseln verabschiedeten Kanarischen Wassergesetz gelang es die schlimmsten Auswüchse zu beschneiden. Trotzdem gelang es den Investoren immer wieder nachfolgenden Verordnungen in ihrem Sinne mitzugestalten. So wurde z. B. die Übergangsfrist bis zur vollen Wirksamkeit des Gesetzes und der nachfolgenden Verordnungen bis auf 50 Jahre ausgedehnt.

Seit Mitte der 90-er Jahre wurden auf den Kanarischen Inseln nur wenige neue Wasserstollen eröffnet, aber doch ein größerer Anteil alter wasserführender Galerias erweitert.

Eine Folge der hohen Wasserentnahme durch die auf einigen Inseln verhältnisweise sehr vielen Wasserstollen ist, dass der Wasserspiegel der Inseln immer weiter abfällt. Ein weiterer Grund ist die Lage der Galerias. Sie wurden an Stellen gebaut wo mit hoher Wahrscheinlichkeit Wasserableitungen vermutet wurden. Vorhergehende Untersuchungen über evtl. negative Einflüsse auf das hydraulische System der Grundwasserreserven fanden nicht statt. Daher sind auch schon einige in höheren Lagen liegende Stollen auf Teneriffa trocken gefallen.

Das entnommene Wasser ist fossiles Wasser, das sich in Millionen Jahren angesammelt hat und mengenmäßig durch die heutigen Niederschläge nicht gänzlich ausgeglichen werden kann.

Die Wasserentnahme der anfänglichen Galerias kann nicht gesteuert, d. h. dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Große Wassermengen fließen vor allen im Winter oft ungenutzt ins Meer. Es gibt daher Überlegungen Zwischenspeicher anzulegen. Bisher scheiterte dieses jedoch oft an den hohen Investitionen.

Auch die Wasserqualität ist durch Verschmutzungen immer weniger für die hohen Ansprüche von Menschen und Tieren geeignet.

Auf La Gomera wurden bereits in den 1970er Jahren erste Untersuchungen vom Geological Survey of Public Works im Barranco de la Negra zur Sicherstellung des Trinkwasserbedarfs aus Grundwasser vorgenommen. Neben einer hohen Ergiebigkeit (ungefähr 50 l/sec.) wurde auch eine ausgezeichnete Qualität des Wassers festgestellt.

Geologen der Universität Rey Juan Carlos in Madrid haben dann in den 80er Jahren den Einfluss von Wasserentnahmen durch Brunnen und Galerias auf die vorhandenen natürlichen Quellen in den Bergen La Gomeras erforscht. Dabei wurden neben den natürlichen Wasserabflüssen und Wasserentnahmen auch der Einfluss und die Lage der Gesteinsarten im Inselinneren und deren Auswirkungen auf die Abflüsse der Niederschläge (Regen, Nebel = „waagerechter Regen“) in den höheren Lagen der Insel in die Beurteilung mit einbezogen.

Während der nördliche Inselbereich weitgehend aus nicht wasserdurchlässigen Gesteinsschichten besteht, weist die südliche Inselseite ein lockeres Gefüge auf und bildet somit einen Grundwasserleiter (Aquifer) mit Grundwasserräumen (mit überwiegend stehendem Grundwasser gefüllter Gesteinskörper). Schätzungen zufolge fließen über die Grundwasserleiter ca. 750000 m³ Wasser je Kilometer Küste und Jahr ungenutzt ins Meer.

Wasserabfluss.jpg
Wasserabfluss über Aquifer

Das vorläufige Ergebnis dieser Studie ist, dass sich im Barranco Seco (hier befindet sich schon die Galeria Ipalan), im Bereich der Staumauer der Embalse de Chejelipes und im Barranco de Negra wohl größere Mengen Wasser ohne negative Einflüsse auf den Ertrag der natürlichen Quellen entnehmen ließe. Unter Einbezug der Galeria El Altito, einiger vorhandener Tiefenbrunnen und einiger neu zu erstellender Speicherbecken ließe sich dann ein ausreichendend leistungsfähiges Trinkwassernetz für die gesamte Insel ohne negativen Einfluss auf den Grundwasserspiegel herstellen.

Daraufhin wurde ein erster Wasserbewirtschaftungsplan mit den erforderlichen Maßnahmen zur Trinkwasserversorgung der Insel über ein Trinkwasser-Leitungssystem mit Wasserdepots mit entsprechendem Zeitplan erstellt. Baubeginn 2005, Abschluss der Arbeiten Ende 2015. Festgelegt sind die Orte an denen Grundwasser entnommen werden darf und Bereiche in denen jegliche Wasserentnahme zum Schutz der Natur und der natürlichen Quellen La Gomeras verboten sind.

Die Galerias Ipalan im Bereich San Sebastian und Altito im Valle Gran Rey sollen entsprechend der im Untergrund gespeicherten Wasserresourcen ausgebaut und im Barranco de la Negra ein neuer Wasserstollen oder Sondeos angelegt sowie eine Ringleitung mit Speichermöglichkeiten als Versorgungsleitung für alle Orte und Städte, aber auch zur Löschwasserversorgung bei Bränden hergestellt werden. Auf eine weitere Galeria am Stausee Chejelipes soll verzichtet werden

Leitungsnetz.jpg
Trinkwasserwasser- Verteilungsnetz mit Wasserspeichern

Die erforderlichen Arbeiten an den Galerias Ipalan und El Altito sind inzwischen fast abgeschlossen. Im Barranco de la Negra ruhen die Arbeiten an dem Wasserstollen / Brunnen und der Anbindung an das Trinkwassernetz zurzeit aus finanziellen Gründen. (Kostenüberschreitung der genehmigten Mittel für die Gesamtmaßnahmen)

Während es auf Teneriffa insgesamt über 1000 Galerias gibt, auf La Palma über 100 sind auf La Gomera bis zum Jahr 2010 nur 9 (Bericht aguasgomera 2010, nach Bericht 2016 sind es 8)angelegt worden. Die Gesamtlänge der Stollen auf Teneriffa soll unglaubliche 1800 km betragen; deren Wasserentnahme insgesamt 6300 l/sec. im Jahr 1970. Seitdem geht sie aber durch den weiter abfallenden Grundwasserspiegel Jahr für Jahr weiter zurück.

Von den neun Wasserstollen auf La Gomera sind 7 in den offiziellen Statistiken von aguasgomera vorhanden:

Bild Galerias.jpg
Übersichtsplan über die Lage der Wasserstollen auf La Gomera

Die Galeria Lepe im Bereich Agulo mit einer Stollenlänge von 311 m. Obwohl bei der Nutzung ein hohes Risiko bestand wurde sie aufgrund des hohen Ertrages an Wasser (180000 m³/Jahr) betrieben. Nach der neuesten Überprüfung in 2026 wird das Risiko als tolerierbar eingestuft. Die Höhenlage beträgt 325 m über NN.
Keine Beleuchtung, Keine Sicherheitseinrichtungen, Gasaustritt, Gefahr kleiner Erdrutsche. Nutzung für Landwirtschaft.

Die Galeria Ipalan im Bereich San Sebastian mit einer Stollentiefe von ca. 1500 m. Da sie jedoch eine Verästelung sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung aufweist, beträgt die Gesamtlänge 2090 m (im Jahr 2016) und wird noch erweitert. Sie ist mit nur einem geringen Risiko behaftet. Die jährliche Fördermenge beträgt zurzeit max. 166000 m³. Die Galeria hat einen Zwischenspeicher, über den das in sehr guter Qualität geförderte Wasser direkt in das Trinkwassernetz eingespeist wird. Der Zugang liegt auf einer Höhe von 208 m über NN. Der Querschnitt des Stollens wird mit 4,5 m / 4,5 m angegeben. Da ein unterirdischer natürlicher Wasserspeicher (Grundwasserraum) an mehreren Stellen angezapft wurde und ein Pufferspeicher vorhanden ist, kann die Wasserentnahme gemäß dem Bedarf über die Anzahl der Zuflüsse gesteuert werden. Bei gefülltem Pufferspeicher wird das überschüssige Wasser in den Aquifer zurückgepumpt. Verluste werden dadurch vermieden und der Grundwasserspiegel nicht unnötig belastet. Das Trinkwasser hat Mineralwasserqualität. Deshalb wird auch über den Bau einer Abfüllanlage nachgedacht.
Keine Beleuchtung, Keine Sicherheitseinrichtungen, Gasaustritt, keine Erdrutschgefahr. Nutzung als Trinkwasser.

Die Galeria Benchijigua in Bereich San Sebastian mit einer Stollenlänge von 1518 m und einem moderaten Risiko liefert jährlich 84000 m³ Wasser. Der Querschnitt beträgt an der engsten Stelle nur 1,5 m / 1,7 m, der Zugang befindet sich auf einer Höhe von 500 über NN direkt an der Zufahrtsstraße nach Lo del Gato.
Keine Beleuchtung, Keine Sicherheitseinrichtungen, Gasaustritt, Gefahr kleiner Erdrutsche. Nutzung für Landwirtschaft.

Die ursprüngliche Galeria El Altito im Valle Gran Rey traf auf keine wasserführende Schicht und wurde daher geschlossen. Der gemäß der Studie neu erstellte Wasserstollen hat eine Stollenlänge von 680 m, ebenfalls mit Verästelungen. Der Betrieb stellt ein geringes Risiko dar. Die Fördermenge beträgt bis zu 310000 m³/Jahr. Höhenlage des Zugangs 109 m über NN. Da ein unterirdischer natürlicher Wasserspeicher an mehreren regelbaren Stellen angezapft wurde und durch einen Damm eine Zwischenspeicherung geschaffen wurde, kann die Wasserentnahme gesteuert und dadurch dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Überschüssiges Wasser wird in den Aquifer zurückbefördert. Die Galeria ist noch nicht gänzlich fertiggestellt (11/ 2016).
Keine Beleuchtung, Keine Sicherheitseinrichtungen, Gasaustritt, keine Erdrutschgefahr. Nutzung als Trinkwasser.

Die Galeria Rajita IV im Bezirk Vallehermoso hat nur eine Stollentiefe von 40 m und weist dementsprechend auch das geringste Risiko auf. Die Fördermenge beträgt 16000 m³/Jahr. Höhenlage 100 m über NN.
Keine Beleuchtung, Keine Sicherheitseinrichtungen, kein Gasaustritt, keine Erdrutschgefahr. Nutzung für Landwirtschaft.

Die Galeria Los Gallos, oberhalb des gleichnamigen Stausees im Bezirk Vallehermoso gelegen, hat eine Stollenlänge von 750 m und eigentlich ein nicht mehr vertretbares Risiko. Bei einer Leistung von 38000 m³/Jahr wird sie aber weiterhin betrieben. Höhenlage des Stollens 676 m über NN.
Keine Beleuchtung, Keine Sicherheitseinrichtungen, Gasaustritt, Gefahr kleiner Erdrutsche. Zufluss in Stausee.

Die Galeria Los Berrales im Bezirk Alajero ist außer Betrieb. Sie ist trockengefallen und fördert kein Wasser. Die Stollenlänge beträgt 850 m und liegt oberhalb Imada am Wanderweg 19 auf einer Höhe von 1003 m über NN.
Keine Beleuchtung, Keine Sicherheitseinrichtungen, Gasaustritt, Gefahr kleiner Erdrutsche. Stillgelegt, kein Wasseranfall.

Ebenfalls außer Betrieb ist die Galeria Orilla Erese im Bezirk Alajero. Weitere Daten sind im neuen Bericht nicht angegeben. Sie liegt auf einer Höhe von 648 m über NN in geringen Abstand zur GM3 an der Abbruchkante zum Barranco de Ereses (nur im Bericht aus 2016 enthalten).
Keine Beleuchtung, Keine Sicherheitseinrichtungen, Gasaustritt und Gefahr kleiner Erdrutsche nicht geprüft.

Alle Wasserstollen wurden im zwanzigsten Jahrhundert angelegt und erstmals in Betrieb genommen. Während die Galerias Ipalan und El Altito für die Trinkwasserversorgung herangezogen werden, dienen alle anderen im Betrieb befindlichen Galerien in der letzten Zeit überwiegend der Landwirtschaft.

Neben von der Öffentlichen Hand gebauten und betriebenen Galerias gibt es auch welche die von privaten Investoren erstellt wurden und auch weiterhin betrieben werden, z. B. die Galeria Benchijigua durch Olsen. Die im Abstand von 5 Jahren regelmäßig durchzuführenden Sicherheitsüberprüfungen werden allesamt von amtlicherseits beauftragten Fachfirmen ausgeführt.

Über die Galerias Ojila und Bailadero (nur namentlich und ohne Daten im Bericht aus 2010 aufgeführt) ist fast nichts bekannt. Nur ganz vereinzelt findet man ein paar Hinweise, wie z. B. in dem Übersichtsplan mit der Lage aller Wasserstollen. Danach befindet sich die Galeria Bailadero im Talkessel oberhalb von Benchijigua auf einer Höhe von ca. 800 m und die Galeria Ojila im Barranco de La Laja auf etwa gleicher Höhe. Eine Verwechslung? El Bailadero liegt doch nördlich vom Ojila. Während in den Berichten von aguasgomera alle anderen Wasserstollen mit allen Beschreibungen und Überprüfungen einschließlich der GPS-Daten ersichtlich sind, gibt es für diese nur die Namensnennung und den Hinweis, dass sie aktiv seien.

In einer nicht offiziellen kurzen Notiz im Internet wird die Galeria Bailadero in Verbindung mit einer Quelle genannt (evtl. Quellausfluss in Berg hinein erweitert oder zusätzlicher Zufluss aus einer Quelle am Ausfluss des Stollens?) und die Galeria Ojila in Verbindung mit einem Brunnen. Aber auch der Begriff „Filterstollen?“ wird für beide Stollen in diesen Zusammenhang genannt.

Oder handelt es sich hier gar nicht um Wasserstollen sondern um Tunnel unter dem Mirador del Bailadero und unter dem Roque de Agando? Ein Vergleich des Übersichtsplanes mit einer Wanderkarte schließt dieses nicht aus. Eine Aufgabe dieses beim nächsten Aufenthalt einmal zu versuchen zu klären.

Für Interessierte, die mehr über die Untersuchungen und Auswertungen der Universidad Rey Juan Carlos erfahren möchten,
Hier ein Link zu dem sehr interessanten Bericht (in Englisch):

Die allgemeinen Ausführungen sind stark gekürzte Auszüge aus den in spanischer Sprache verfassten Originalschriften. Unser Dank gilt dabei unserem Wanderkameraden aus dem Hotel, der uns bei der Übersetzung maßgeblich geholfen hat.

Weitere Quellen: Berichte von aguasgomera aus dem Jahren 2010 und 2016, Berichte des Geological Survey of Public Works und der Universität Rey Juan Carlos sowie später von amtlichen Stellen veröffentlichten Informationen.
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von J.I. » Sa 13. Mai 2017, 00:41

:pray Uff - Riesenarbeit die ihr da geleistet habt. :prost2 :prost2
:hut :hut :hut



Werde mich mal sukzessive durch diesen riesigen Berg von Information durcharbeiten .
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von Lee » Sa 13. Mai 2017, 01:01

Vielen Dank für diesen ausführlichen und interessanten Bericht, roling! :hut
Todas las islas pequeñas son bonitas y mágicas!

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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von Aesculus » Sa 13. Mai 2017, 11:52

Sehr informativ. Vielen Dank.
Ich sitze dann immer vor solchen Berichten und versuche die genannten Orte auf der Karte zu finden. Das ist nicht immer einfach, da die Karten unterschiedliche Stärken haben und manche Orte auch noch verschiedene Bezeichnungen. Auf jeden Fall hat man dann bei dem nächsten Aufenthalt interessante Ziele abseits von den gängigen Punkten.
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.

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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von roling » Sa 13. Mai 2017, 22:17

Ab morgen 2 Wochen in Playa Santiago auf La Gomera. Sicherlich auch Zeit für die angekündigten Erkundungen.
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Re: Wasserstollen auf den Kanarischen Inseln, speziell auf La Gomera

Beitrag von J.I. » Sa 13. Mai 2017, 23:06

roling hat geschrieben:
Sa 13. Mai 2017, 22:17
Ab morgen 2 Wochen in Playa Santiago auf La Gomera. Sicherlich auch Zeit für die angekündigten Erkundungen.
Dann Euch mal zwei ereignisreiche Wochen :freu :muetze
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