Der Weiler Aluce

Orte auf La Gomera, die Euch etwas besonderes bedeuten: Schön, geheimnisvoll, abscheulich...
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Der Weiler Aluce

Beitrag von roling » Fr 7. Apr 2017, 17:32

Der kleine Weiler Aluce liegt auf einem kleinen Plateau in 345 m Höhe an der Nordwestseite des Roque de Aluce, etwa 5 km nördlich von San Sebastian. Östlich grenzt das Plateau an den steil abfallenden Hang des Barrancos de la Sabina, westlich wird es vom Barranco de Avalo begrenzt.
Die überwiegende Fläche des Weilers liegt im Naturreservat Puntallana. Dieses Naturschutzgebiet befindet sich in seiner Gesamtheit in privatem Besitz (insgesamt 8 Eigentümer). Die größten Flächenanteile gehören dem Bistum von Teneriffa und den Eigentümern des Weilers Aluce. Für das Gebiet besteht ein Masterplan über die Ziele des Naturschutzes.

Ursprünglich bestand auf der kleinen Hochebene nur ein kleiner Bauernhof mit Viehhaltung und Landwirtschaft. Landwirtschaftlich genutzt wurden hauptsächlich Flächen im Barranco de Avalo und Flächen zwischen den Barranco de la Sabina und dem Barranco de Cheremia. Wege, ehemals genutzte Terrassen, verfallende Schutzhütten und Speicher usw. weisen noch heute auf diese längst aufgegebene Nutzung hin. Aber auch am südlichen steilen Abhang des Barrancos wurde fast hinab bis auf Meereshöhe auf angelegten Terrassen geerntet.

Die Viehhaltung wird auch heute noch betrieben. Während bis Anfang dieses Jahrhunderts hier die größte Ziegenherde der Insel mit über 400 Tieren beheimatet war, ist die Anzahl der Tiere heute behördlich begrenzt worden. Auch dürfen Kühe und Schweine nur noch in Ställen gehalten werden. Für die nächsten Jahre sind weitere Reduzierungen vereinbart.

Dieses wurde als notwendig erachtet, da durch die frei in der Landschaft weidenden Tiere erhebliche Schäden an der Natur entstanden. So ist dokumentiert, dass im Weidegebiet einige dort endemische Pflanzenarten nicht mehr vorhanden sind und weitere seltene Arten in ihrer Existenz bedroht sind.

Der kleine Ort besteht aus einer kleinen Wohnanlage, einigen Stallgebäuden und Lagerhallen. Der Wohnbereich mit den überdachten Terrassen und die angrenzenden Freiflächen sind aufgrund der verwendeten Naturbaustoffe sehr schön in die Landschaft integriert. Alles ist gegenüber einem Durchgang vor 16 Jahren sehr aufgeräumt und sauber. Leider stören die in den Fels gehauenen Unterstände den ansonsten positiven Gesamteindruck.

Die Wasserversorgung erfolgt über eine in der Nordwestseite des Roque de Aluce eingelassene Zisterne. Diese befindet sich in einer Höhe von ca. 465 m und wird durch eine Quelle gespeist. Die elektrische Versorgung erfolgt über einen Stromgenerator und Solarelemente.

Die Zuwegung über eine asphaltierte Straße beginnt an der Verbindungsstraße vom Barranco de Avalo zur Ermita N. S. de Guadalupe. Sie ist behördlich nur für die Bewohner des Weilers und die landwirtschaftliche Nutzung freigegeben und daher gleich hinter dem Abzweig im Barranco de Avalo durch eine Kette gesperrt.

Fußläufig gibt es zwei weitere Möglichkeiten den Weiler zu erreichen. Ein sehr schöner Wanderweg führt von San Sebastian über Weg 32 (Camina La Gomera) bei einem Rechtsabzweig oberhalb von El Molinito bis in den Barranco de Avalo. Von dort steil auf rolligem Untergrund aufwärts zu den Gebäuden. Aber Vorsicht vor den Ziegen, oft ist durch die sich oberhalb im Fels bewegenden Tiere mit Steinschlag zu rechnen. Ein weiterer Pfad führt von der Ermita N. S. de Guadalupe nach Aluce hinauf. Sehr gefährlich und nicht zu empfehlen.

Der Pfad von Aluce über die Terrassen am Südhang des Barranco de Sabina hinab zur Playa de Aguila ist in vielen Bereichen abgerutscht oder verschüttet und kaum noch zu erkennen. Der Pfad von Aluce in Richtung Jaragan zum Barranco de Jerecho und weiter zu den Casas de Jaragan oder den Casas de Cuevas Blancas führt über Privatgelände und darf nach Aussage einer Bewohnerin nicht begangen werden. Lediglich die Nutzung der Verbindung San Sebastian – Ermita über das Privateigentum wird geduldet.

Statt Einzelbilder über die Anlage und die Umgebung ein kurzes Video mit diesen Bildern.




Die Ende der achtziger / Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts durchgeführten Veränderungen und Erweiterungen am Weiler selbst, aber auch an der Infrastruktur sind auf nicht ganz legaler Art entstanden. Zwar wurden die Maßnahmen zunächst nach dem Besonderen Territorialen Tourismus Entwicklungsplan von La Gomera genehmigt. Es stellte sich aber schon bald heraus, dass der Weiler außerhalb der Grenzen dieses überplanten Bereiches liegt. Die durch den Eigentümer beantragte Erweiterung des Planes wurde nicht genehmigt, aber durch gute Beziehungen wurde seitens der heimischen Politik entgegen den Vorgaben der Regierung der Kanarischen Inseln eine Sondergenehmigung für die bereits durchgeführten Veränderungen und Erweiterungen erteilt.
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Re: Der Weiler Aluce

Beitrag von alisea » Sa 8. Apr 2017, 13:47

Sehr informativ.



Wir hatten vermutet das sich jmd (vlt der Typ von dieser Hotelgeschichte) dort ne Finca bauen wollte.
Der Pool, die Liegen u der Whirpool sprachen dafür.


Über einen in der Cabildo Karte grünen Camino sind wir oberhalb der Ziegenfarm herausgekommen.
Vermutlich war es der von roling beschriebenene Rechtsabzweig.


Den süßen Eseln sind wir auch schon begegnet.
Naja süß u kuschelig waren sie erst im Jahr darauf. Bei unserer ersten Begegnung waren sie mir noch etwas unheimlich. Die jungen waren aber auch etwas ungestüm. Und hatten wohl auch Angst.

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Re: Der Weiler Aluce

Beitrag von Aesculus » Sa 8. Apr 2017, 19:28

Sehr schöner, lesenswerter Bericht :freu
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.

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Re: Der Weiler Aluce

Beitrag von nemo » Sa 8. Apr 2017, 19:43

Danke für diesen interessanten Bericht :freu

Nemo
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Re: Der Weiler Aluce

Beitrag von roling » Sa 8. Apr 2017, 22:48

alisea hat geschrieben:
Sa 8. Apr 2017, 13:47
Über einen in der Cabildo Karte grünen Camino sind wir oberhalb der Ziegenfarm herausgekommen.
Vermutlich war es der von roling beschriebenene Rechtsabzweig.
Ja das ist der Weg von San Sebastian (Abzweig von Weg 32 der Karte Camina la Gomera). Er mündet links des Kuhstalles in die Hoffläche ein. Nach rechts geht es zur Zufahrtsstraße und dem Pfad zur Ermita N. S. de Guadalupe, nach links zu den seitens der Eigentümer gesperrten Pfad nach den Cuevas Blancas.
alisea hat geschrieben:
Sa 8. Apr 2017, 13:47
Wir hatten vermutet das sich jmd (vlt der Typ von dieser Hotelgeschichte) dort ne Finca bauen wollte.
Der Pool, die Liegen u der Whirpool sprachen dafür.
Typ von der aufgegebenen Hotelanlage nördlich San Sebastians? Nein, der ist nicht Eigentümer des Grundstücks. Über die ursprünglich geplante Nutzung der neuen Gebäude möchte ich hier aufgrund der rechtlich noch nicht gänzlich geklärten Situation keine Aussage tätigen.
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Re: Der Weiler Aluce

Beitrag von alisea » So 9. Apr 2017, 16:30

roling hat geschrieben:
Sa 8. Apr 2017, 22:48
alisea hat geschrieben:
Sa 8. Apr 2017, 13:47
Über einen in der Cabildo Karte grünen Camino sind wir oberhalb der Ziegenfarm herausgekommen.
Vermutlich war es der von roling beschriebenene Rechtsabzweig.
Ja das ist der Weg von San Sebastian (Abzweig von Weg 32 der Karte Camina la Gomera). Er mündet links des Kuhstalles in die Hoffläche ein. Nach rechts geht es zur Zufahrtsstraße und dem Pfad zur Ermita N. S. de Guadalupe, nach links zu den seitens der Eigentümer gesperrten Pfad nach den Cuevas Blancas.
alisea hat geschrieben:
Sa 8. Apr 2017, 13:47
Wir hatten vermutet das sich jmd (vlt der Typ von dieser Hotelgeschichte) dort ne Finca bauen wollte.
Der Pool, die Liegen u der Whirpool sprachen dafür.
Typ von der aufgegebenen Hotelanlage nördlich San Sebastians? Nein, der ist nicht Eigentümer des Grundstücks. Über die ursprünglich geplante Nutzung der neuen Gebäude möchte ich hier aufgrund der rechtlich noch nicht gänzlich geklärten Situation keine Aussage tätigen.

Naja dachten uns halt das jmd die Lage 'ausgenutzt' hat um sich was schönes hinzustellen.
:achselzuck
Da hätten doch sicher einige gerne ne Finca mit Panorama Fenstern.
:supercool

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