Azoren

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Lee
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Fr 9. Nov 2018, 15:40

Nach diesem sehr schönen, aber recht kurzen aussichtsreichen Wegstück, dass mit einem herrlichen Küstenpanorama verwöhnte, taucht der Wanderweg nun in dichten Wald ein und die Weitblicke sind erst einmal vorbei. Es gilt sich jetzt auch wieder mehr auf die Schritte zu konzentrieren, da der teils steile Pfad völlig von einer feuchten, glittschigen Blätterschicht bedeckt ist.

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Eigentlich ähneln die ursprünglichen Wälder der Azoren von der Zusammensetzung der Bäume her dem Kanarischen Monteverde: Lorbeerbäume, Baumheide und Gagelstrauch - nur werden die Bäume auf den Azoren nicht ganz so groß. Außerdem wurden auf den Azoren um Raum für die Viehhaltung zu schaffen viel größere Flächen gerodet. Außer in ein paar Bergregionen existiert der ursprüngliche Lorbeerwald auf den Azoren fast nur noch in Taleinschnitten oder in den sehr schwer zugänglichen Steilküsten. Ein weiterer Grund für die viel hemmungsloseren Abholzungen auf den Azoren dürfte auch das Wissen darum sein, dass man hier viel weniger abhängig vom Wald für den Wasserhaushalt der Inseln ist als auf den Kanaren. Die meisten Inseln der Azoren verfügen über viel kleinere Waldflächen als La Palma oder La Gomera, sind aber trotzdem viel grüner - und das ganzjährig. Es scheint aber mittlerweile ein Umdenken zu passieren, da zunehmend die früher mit schnellwachsenden japanischen Sicheltannen aufgeforsteten Gebiete wieder gerodet werden und mit dem heimischen azoreanischen Lorbeer wieder bepflanzt werden.

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Plötzlich hörten wir dann dumpfes Grollen über uns, und das die ganze Zeit trügerisch wirkende Wetter hatte doch noch eine feuchte Überraschung in Form eines ordentlichen Gusses für uns parat. Zum Glück hatten wir unsere Regenjacken dabei und konnten den Regen zudem halbwegs unter einem kleinen Felsvorsprung abwettern. Das Donnergrollen, dass aus dem Hochland zu uns herunter schallte, hörte sich etwas bedrohlich an und Blitze waren auch zu sehen. Glücklichweise befanden wir uns wohl nur am Rand der Niederschlagszelle und der Regen hörte auch rasch wieder auf. So wurde aber für kurze Zeit aus der mochila roja eine mochila azul...

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Der Wanderweg führt in lockeren Auf und Ab durch den tiefen Wald und trifft in Talabschnitten immer wieder auf kleine gurgelnde Bäche.

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Nur selten lichtet sich das dichte Blätterdach und gibt Auslicke auf die schon wieder wieder sonnigen Berge frei. Das Wetter der Azoren ist wirklich sehr wechselhaft.

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An manchen Stellen ist die Vegetation dschungelartig dicht - hier erinnert Flores dann wirklich eher an eine tropische Insel und die Hawaii Vergleiche kommen einem wieder in den Sinn.

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Ein Bach nach dem anderen kreuzt den Weg....

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Dann erreicht man den Grund eines tiefen, schluchtartigen Taleinschnitts und überquert einen herrlich gurgelnden Wildbach der vom Hochland herabkommt. Ein wildromantisches Fleckchen erfüllt vom Rauschen des Wassers, prädestiniert für ein Päuschen in schöner Atmosphäre.

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Nun führt der Weg noch einmal kurz hinauf, der wird Wald plötzlich lichter und man betritt eine kleine Hochfläche auf der Landzunge der Ponta das Barrosas, wo sich der Blick auf die steil abfallenden, bewaldeten Bergflanken öffnet.

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Von dem schon vor langer Zeit aufgegeben Weiler Barrosas ist außer ein paar komplett überwucherten Ruinenresten kaum mehr etwas zu sehen, der Wald hat sich alles wieder zurückgeholt.

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Dafür gibt dieses kleine Plateau noch enmal herrliche - nun schon etwas nähere - Blicke auf Ponta Delgada und die vorgelagerte Küstenlandschaft frei. Man könnte jetzt von hier aus auch in knapp drei Stunden Wanderzeit bis Ponta Delgada weiter laufen, was wir auch noch vor der Tour als eventuelle Variante im Sinn hatten, aber aufgrund des unsicheren Wetters lieber gelassen haben. Außerdem soll dieses Wegstück laut Rother Wanderführer deutlich anspruchsvoller sein und der Pfad nur unregelmäßig freigeschnitten werden. Nach unseren Informationen soll der letzte Freischnitt zwar erst höchstens zwei Jahre her sein, aber nur ein kurzes Anschauen des nächsten Aufstiegs zeigte, dass selbst dieses sehr nah an Barrosas gelegene Wegstück schon wieder am zuwachsen ist. Machbar wäre der Weg in diesem Jahr aber bestimmt gewesen.

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So gingen wir einfach wieder auf dem selben Weg zurück.....und La mochila roja war nun auch wieder dabei.

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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Mi 26. Dez 2018, 23:51

Das Licht der Azoren fand ich bei unseren bisherigen beiden Archipel-Besuchen immer besonders faszinierend. Hier ein paar Versuche das Erlebte einzufangen. Die Mischung aus tiefhängenden, dunklen Regenwolken und Sonnenlöchern war immer wieder reizvoll.

Zuerst vom schon vorher präsentierten Miradouro oberhalb von Fajazinha:

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Hier ein paar Aufnahmen von einer schönen Stimmung im Hochland von Flores:

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Re: Azoren

Beitrag von Fritzlore » Do 27. Dez 2018, 00:12

Sooooo schöne Fotos, Lee! :herz :herz :herz

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Re: Azoren

Beitrag von Don Uvo » Fr 28. Dez 2018, 11:56

Eine tolle Mischung mit Ähnlichkeiten von Schottland, Gomera, und anderen schönen Inseln!

Freut sich
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Fr 28. Dez 2018, 23:31

Don Uvo hat geschrieben:
Fr 28. Dez 2018, 11:56
Eine tolle Mischung mit Ähnlichkeiten von Schottland, Gomera, und anderen schönen Inseln!
Ja, der Landschaftsmix der Azoren ist toll, und ich musste auch öfter an Schottland, Irland und manchmal auch an Hawaii denken. Und wenn Kanaren, dann deutlich weniger an La Gomera, sondern ganz klar an El Hierro. El Hierro ist in vielerlei Hinsicht eine verkappte Azoreninsel und würde, wenn es auch im Sommer von frischem grün überzogen sein würde, auch völlig als solche durchgehen.
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Mi 2. Jan 2019, 23:37

Der kleine Weiler Ponta da Faja liegt auf einer langgestreckten, schmalen Landzunge am Fuß von gewaltigen Steilwänden und bildet den nördlichen Abschluß des schon vorher ein paar mal erwähnten großen, halbkreisförmigen Tals, das den Inselwesten dominiert. Von Faja Grande, dem einzig etwas größerern Ort der Westküste, ist er mit dem Wagen in ein paar Minuten, oder zu Fuß in einer knappen halben Stunde zu erreichen.

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Zwischen Faja Grande und Ponta da Faja passiert man sogleich den herrlich gelegenen und hier schon einmal vorgestellten, durch einen Wasserfall gespeisten Poca da Bacalhau.

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Kurz darauf erreicht man den Weiler Ponta da Faja, der bedrohlich nah an der Steilwand liegt und durch Steinschlag gefährdet ist. 1987 kam es hier beinahe zu einem großen Unglück als sich große Brocken aus der Wand lösten und eine Kapelle, ein Haus und eine Garage unter sich begruben. Glücklicherweise wurde niemand dabei verletzt. Seitdem sollte der Ort eigentlich unbewohnt sein, da die Regierung die Räumung des Dorfes veranlasste. Die Bewohner kamen dieser Anweisung aber nur teilweise nach, denn noch heute sollen ein paar Familien dauerhaft im Dorf wohnen.

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Nach dem Verlassen Des Weilers führt der Weg durch saftig grüne von Lesesteinmauern eingefasste Felder und Weiden gen Talschluß.

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Der Camino steigt nun fast unmerklich an und man bekommt langsam einen Überblick über das dem Inselsockel vorgelagerte Plateau auf dem Faja Grande liegt. Im Hintergrund sieht man Faja Grande, den mit knapp über 200 Einwohnern schon größten Ort der Westküste.

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Der Camino nähert sich jetzt der Steilküste und die Ausblicke über diese wunderschöne, wildromantische Küstenlandschaft werden immer faszinierender. Diesen Küstenabschnitt fanden wir wirklich ganz besonders bezaubernd.

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Kurz darauf verkäuft der Camino dann endgültig als schmaler Pfad entlang der Steilküste. Man ist jetzt auf dem nordwestlichen Abschnitt des Inselrundwegs und könnte auf einer anspruchsvollen, schwarzen Wanderung bis zum Ort Ponta Delgada weiterwandern. Eine Tour, die sich nur erfahrene,trittsichere, konditionsstarke und schwindelfreie Wanderer bei wirklich trockenem und möglichst windstillem Wetter zumuten sollten. Der Pfad soll schmal und äußerst (Betonung auf äußerst) steil durch die Steilküste zum Hochland ansteigen, und man soll ihn keinesfalls in Gegenrichtung, also bergab gehen. Da es unser letzter Tag auf Flores und zudem schon Nachmittag war, stellte sich für uns die Frage aber leider eh nicht mehr. In unserer Unterkunft hatten wir andere nette, sehr erfahrene Wanderer kennengelernt, die den Weg am Anfang unseres Urlaubs, nach einer längeren Phase der Trockenheit gegangen waren, und sie hatten all die Warnhinweise aus dem Rother Wanderführer bestätigt - den Weg aber auch als machbar beschrieben. Danach hatte es leider zu regelmäßig geregnet um diese Tour anzugehen. Erst heute schien der Pfad wieder trocken genug und das Wetter stabil, nur leider zu spät für uns...

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Rasch wurde der Pfad noch schmaler und die Ausblicke immer schwindelerregender....aber kurz bevor das wirklich steile Sück begann, drehten wir um und gingen nach Ponta da Faja zurück. Von den Dingen in diesem Urlaub zu denen wir nicht gekommen sind, fand ich es um diese Tour und den nicht geschafften Abstecher nach Corvo ganz besonders Schade.

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Aber auch so war es immer noch eine schöne Spazier - und Erkundungswanderung die wir unternommen hatten. Und die Ausblicke aufs Meer, das Dorf Ponta da Faja, den Wanderweg und die traumhafte Küstenlandschaft ließen das Verpasste schnell vergessen.

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Re: Azoren

Beitrag von nemo » Do 3. Jan 2019, 12:45

WOW, total schön, da werde ich auch mal hinfahren, danke Lee!
Nemo
:nemo

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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Di 5. Feb 2019, 14:53

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Frühstücksfernsehen
: Blick von Pico hinüber zur Nachbarinsel Faial kurz nach Sonnenaufgang.
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Re: Azoren

Beitrag von Don Uvo » Do 7. Feb 2019, 01:04

Jaaa! So mag ich das im September gern haben, wenn ich auf Fogo den Pico erklimmen will!


Träumt
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Do 7. Feb 2019, 01:52

Don Uvo hat geschrieben:
Do 7. Feb 2019, 01:04
Jaaa! So mag ich das im September gern haben, wenn ich auf Fogo den Pico erklimmen will!
Vom Pico de Fogo wirst Du bestimmt einen tollen Blick hinüber nach Santiago und Brava haben. :supercool

Auf Pico (Azoren) wartet hingegen er auf Dich....

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