Azoren

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Lee
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Di 23. Okt 2018, 13:48

Den würdigen nördlichen Abschluß des schon weiter vorn beschriebenen wunderschönen halbkreisförmigen Tales im Westen von Flores bilden die herrlich gelegenen Dörfer Faja Grande und Ponta da Faja. Von der Hafenmole Faja Grandes, an der man bei ruhiger See recht gut baden kann, hat man einen schönen Blick hinüber zum kleinen Weiler Ponta da Faja, der direkt am Fuß von gewaltigen Steilwände liegt.

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Der Talschluß und die Lage von Ponta da Faja erinnern wieder ein wenig an das Golfotal auf El Hierro. Wer schon einmal in Las Puntas im Golfotal war, wird unwillkürlich Parallelen entdecken. Wobei man eh sagen kann, dass El Hierro in vielerlei Hinsicht als verkappte zehnte Azoreninsel daherkommt.

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Von den Steilwänden sollen normalerweise mehrere imposante Wasserfälle hinabstürzen - nach diesem sehr trockenen Sommer konnte man aber leider nur den Wasserfall des Ribeira das Casas bestaunen, was das Erlebnis dieser Küstenlandschaft aber kaum schmälerte.

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Ein gut ausgebauter Camino führt entlang von Weiden, Terrassen und den Ruinen von Wassermühlen bis zum Fuß der Steilwand.

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Inmitten von herrlicher, üppiger Vegetation gelegen erreicht man den Poco do Bacalhau, den Stockfischteich, das natürliche Felsbassin in das der Wasserfall stürzt - ein sehr schön gelegener Ort erfüllt vom Rauschen des Wasserfalls.

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Hier kann man im Sommer herrlich erfrischend Baden, das Wasser ist zu dieser Zeit viel wärmer als man vermutet. Erstaunlich war, dass man selbst an diesem doch sehr einfach zu erreichenden Ort auf relativ wenig Menschen traf. Fotos vom Bassin habe ich aber leider nicht gemacht, da immer ein paar Besucher am Baden waren.
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Re: Azoren

Beitrag von bine » Di 23. Okt 2018, 17:00

:blumen Danke Lee für deine Berichte und die wirklich malerischen Fotos :knuffel
Wenn du ein Gärtchen hast und eine Bibliothek, so wird dir nichts fehlen.
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Di 23. Okt 2018, 23:22

bine hat geschrieben:
Di 23. Okt 2018, 17:00
:blumen Danke Lee für deine Berichte und die wirklich malerischen Fotos :knuffel
De nada!

Und mir bringt es einfach große Freude den Urlaub für mich noch einmal auf diese Art "nachzuerleben".
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Mi 31. Okt 2018, 01:11

Wer den weiter vorn beschriebenen äußersten Süden von Flores erkundet dem bietet sich zudem noch die Möglichkeit einer herrlichen Steilküstentour. Den wunderschönen - und zudem für den Besuch einer Azoren Faja recht kurzen Abstieg - sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

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Die Wanderung beginnt am Freizeitgelände des Parque de Merendes wo ein großes steinernes Kreuz den Beginn des Abstiegs markiert, der die Wanderer zu einer der frühest besiedelten Gebiete der Insel hinabführt. Die Landzunge der Faja de Lopo Vaz - ein kleiner Flecken tropischen Mikroklimas und das Ziel der Wanderung - kann man von diesem Standpunkt allerdings noch nicht einsehen, da sie hinter einem Steilabbruch der Steilküste verborgen liegt.

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Der Pfad führt sofort durch die gewaltigen Steilwände hinunter und taucht in dichten Wald ein. Stellenweise führt der alte Camino als Hohlweg durch einen Mischwald aus Lorbeerbäumen, Baumheide und Wacholder, während die offeneren Passagen von Schilfwald und Ingwerlilien gesäumt werden.

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Obwohl der manchmal etwas steile, aber teilweise Geländer gesicherte Pfad recht gut begehbar in Serpentinen die Steilküste hinunterzieht, wird auch hier, wie an vielen Orten der Welt himmlischer Beistand beim Abstieg erbeten. Bei Regen und Sturm dürfte dieser Weg durch die Steilküste auch nicht ganz ungefährlich sein, außerdem ist den Bewohnern der azoreanischen Fajas die Gefahr durch Hangrutschungen nach starken Regenfällen oder infolge von Erdbeben nur allzu bewusst.

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Nach einer Weile Abstiegs erhascht man dann die ersten Ausblicke auf die herrlich gelegene Faja de Lopo Vaz, die zum Land hin von gewaltigen Steilwänden abgeschirmt wird.

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Re: Azoren

Beitrag von Don Uvo » Mi 31. Okt 2018, 19:43

Vielen Dank, lieber Don Lee, für die ausführlichen Fotoreportagen.
Das ist für mich ja ein Vorgeschmack zur Verwirklichung meiner Makronesischen Insel- und Bergwandertour, die auf den Azoren beginnen wird.

LG Don Uvo
lieber manchmal übermüdet als immer überwacht..

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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Do 1. Nov 2018, 21:30

Der Camino steigt nun schnell in Serpentinen Richtung Meer ab und bietet immer faszinierendere Ausblicke auf die einsame gelegene Landzunge.

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Immer mehr realisiert man, wie dermaßen steil die Felswände sind, die die Faja umrahmen. Außerdem rückt die dahinter gelegene, beeindruckende Abbruchstelle der Quebrada Nova und die ihr vorgelagerte nächst folgende Faja immer näher.

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Von einer regelrechten Schilfallee gesäumt schwingt der Wanderweg nun sanft gen Atantik ab bevor er parrallel zum Meer verlaufend auf die Faja de Lopo Vaz hinausführt. Die Landzunge wurde nach der gleichnamigen spanischen Familie benannt die hier als erste siedelte und sie über Jahrhunderte bewohnt haben soll.

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Die Ausblicke auf die von bezauberndem Azorenlicht ausgeleuchtete Landzunge empfanden wir als regelrecht berauschend und beflügelnd.

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Dann erreicht man die Faja und wird von einem üppigen Vegetationsmix empfangen, der Pflanzen aus verschiedensten Klimazonen beinhaltet und zudem unterstreicht warum es sich hier um ein tropisches Mikroklimata handeln soll. Bananen, Kaffee, Ananas, Feigen, Taro und viele andere Früchte wachsen hier außerhalb von Gewächshausern. Die ganzjährigen Niederschläge, die sehr hohe Luftfeuchtigkeit und die milde Atlantik- und Südlage der Faja machen es möglich. Eine Charakterpflanze der Tropen und Subtropen vermisst man aber fast gänzlich auf der Insel - es gibt kaum Palmen auf Flores. Im Gegensatz zu z.B., Sao Jorge, wo es im Süden der Insel vor allem um Urzelina herum recht viele Palmen (auch Kanarenpalmen) gibt, scheint die Palme als Gartenpflanze auf Flores nur wenig beliebt zu sein. Genauso verhält es sich mit dem Drachenbaum - auf Sao Jorge scheinen die Menschen Drachenbäume zu lieben. Dort sieht man in vielen Gärten stattliche Exemplare, und in der Steilwand oberhalb der Faja de Sao Joao gar eine der eventuell zahlreichsten, wildwachsenden Drachenbaum Populationen weltweit - und nahezu unbekannt. Auf Flores hingegen sieht man nur ganz vereinzelt Dachenbäume.

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Kurz darauf gelangt man zu den wenigen Häusern von denen allerdings keine mehr dauerhaft bewohnt sein sollen. Sie werden von den Besitzern zumeist nur noch an den Wochenenden oder in den Ferien tageweise bewohnt. Die Gärten und Terrassenfelder werden aber teilweise noch bestellt.

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Man könnte hier bei den Häusern gleich nach links zum großen Strand der Faja abbiegen, es empfiehlt sich aber erst einmal dem Camino bis zum Ende der Landzunge zu folgen.

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Zwischen Terrassenfeldern mit allen möglichen Früchten und großen, verwilderten Taro-Kolonien führt der Pfad westwärts und durchquert dabei immer wieder sehr schöne Passagen in denen meterhohe Schilfwälder regelrechte Tunnel bilden.

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Nach knapp 15 Minuten ereicht man dann ein flaches Plateau, dass von völlig verwilderten, verwachsenen Terrassenfeldern und von einigen Hausruinen bedeckt ist. Hier habe ich keine Fotos mehr gemacht, da man sich in der dichten Vegetation sehr auf seine Schritte konzentrieren musste und keine Wege mehr erkennbar waren. Nach einiger Zeit Vortastens gelangten wir an die Abruchkante des Plateaus und das westliche Ende der Faja de Lopo Vaz.

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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Do 1. Nov 2018, 23:52

Auf dem Rückweg wurde uns beim Blick hinauf zur dicken Wolkendecke, die das Hochland verhüllte, noch einmal bewusst, was für ein Wetterglück wir an diesem Tag hatten. Überall war es stark bewölkt oder regnerisch gewesen, nur hier direkt an der südlichen Steilküste war es sonnig gewesen.

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Man folgt einfach wieder dem Hinweg zurück und biegt an den Häusern rechts ab und gelangt an den relativ langen Strand der Faja de Lopo Vaz.

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Laut den Reise - und Wanderführern soll sich hier Sommer ein sandiger, schwarzer Lavastrand befinden der bei ruhiger See sogar zum Baden einladen soll. Dieser Spaß war uns zwar Anfang September nicht mehr vergönnt, aber die Atmosphäre in dieser abgeschiedenen Bucht hatte trotzdem ihren Zauber. Eine schöne Brandung rollte an den Strand und erzeugte einen herrlichen Sound. Dazu das Rauschen des Windes und mächtige Wolkenformationen, die in schönstem Azorenlicht an der Insel vorbeizogen...einfach traumhaft!

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Dann hieß es sich an den zwar nicht allzu langen, aber teils steilen Aufstieg zu machen, der vor allem durch die hohe Luftfeuchtigkeit echt schweißtreibend war.

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Glücklicherweise gibt es auch immer wieder recht eben verlaufende Genußpassagen auf denen man "runterkühlen" kann.

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Ganz so steil, wie auf dem Foto verläuft der Camino dann doch nicht und schneller als man erwartet, ereicht man wieder das Hochland und den kleinen Freizeitpark, wo der Abstieg begann.

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Uns hat diese Küstenwanderung ausgesprochen gut gefallen. Wir hatten uns schon einiges von diesem Abstieg erwartet, aber unsere Erwartungen wurden sogar noch weit übertroffen. Die Faja de Lopo Vaz ist wirklich ein zauberhafter Küstenflecken und die Wegführung der Tour wunderschön.

Ich würde diese recht kurze Wanderunng zwar nicht als schwer einstufen, aber man sollte trittsicher und zumindest halbwegs Schwindelfrei sein. Bei Regen und/oder starkem Wind sollte man auf diesen Abstieg durch die Steilwände lieber verzichten. Der Weg ist auf jeden Fall Steinschlag gefährdet.
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Mi 7. Nov 2018, 00:48

Viele Abschnitte des Küstenwegs von Flores sind reizvoll und an diesem Tag wollten wir den Trillo das Barrosas antesten, der entlang der Nordostküste vom kleinen Nest Ponta Ruiva zum aufgegebenen Weiler Barrosas führt.

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Ponta Ruiva liegt sehr aussichtsreich auf dem gleichnamigen Kap hoch über dem Meer und bietet herrliche Ausblicke auf die Nachbarinsel Corvo.

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Folgt man der Rother Wanderung Nr.78 wird man zuerst etwas durch den Weiler geleitet und mit Tiefblicken auf die vorgelagerte, teils noch bewirtschaftete Faja da Ponta Ruiva (zu der man auch hinabsteigen könnte) und die gewaltige Steilküste verwöhnt.

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Nach Süden hin wird das Dorf durch die Steilabbrüche der Küste und eine tiefe, bewaldete Schlucht begrenzt.

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Dann verlässt man das Dorf, überquert die Hauptstraße und folgt einem von Hortensien gesäumten Feldweg hinaus in weites Weideland.

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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Mi 7. Nov 2018, 23:31

Der Trilho das Barrosas geht bald darauf in einen Saumpfad über und führt etwas abseits der Steilküste nordwärts. Weiter hinten erblickt man das auf einer flach auslaufenden Landzunge gelegene Ponta Delgada, dass man auch über diesen Wanderweg erreichen könnte.

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Der Pad überquert eine rein landwirtschaftlich genutzte Hochfläche auf der der ursprünglich vorhandene Lorbeerwald schon vor langer Zeit gerodet wurde. Und auch hier begegnet man wieder kaum einem Menschen, sondern vielen Kühen und anderen Tieren. Die Wegführung ist nicht unbedingt spektakulär - die Reize sind hier ganz andere. Die Weite, das Licht, die Leere, die Wolkenstimmungen. Es ist eine eher reduzierte Landschaft.

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Ständiger Begleiter am Horizont ist wie so oft an der Nord - und Ostküste die kleine Nachbarinsel Corvo, die auch an diesem Tag wieder ihre Wolkenhaube trug. Das Pferd erschien uns wie aus einem Western entsprungen - es erinnerte uns stark an ein Indianer Pony.

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Auf den Fotos mag es zwar nach einem richtigen Schönwettertag aussehen, aber nur ein paar Kilometer entfernt waren wir im Hochland abwechselnd durch dichtesten Nebel und ordentliche Schauer gefahren. Das sich das Wetter hier an diesem schmalen Streifen an der Nordostküste sogar wandertauglich gebärdete, hatten wir während der Fahrt schon nicht mehr erwartet.

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Der Wanderweg verläuft auf diesem Wegstück als geradezu klassischer Azoren Hochlandweg - von Lesesteinmauern und Hortensienhecken gesäumt.

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Dann nähert sich der Camino der Stelküste und gibt plötzlich großartige Ausblicke über die tief bewaldete und zerklüftete Küste frei - ein fantastischer Abschnitt! Senkrecht zum Meer hin abfallende Steilwände, schmale Landzungen und bewaldete Felsinseln.

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Landeinwärts blickt man auf die von dichtem Lorbeer - und Baumheidewald bewachsenen Hänge in denen das Hochland zum Meer hin abfällt.

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Auffällig - aber auf dem Foto nicht ganz so ersichtlich - ist die vordere extrem schmale Landzunge, die gleich einer (Stein)Schnitte Brot ins Meer hineinragt.

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Die wilde, tiefgrüne Küstenlandschaft, die Vegetation, die Wechsel des Lichts und die Ausblicke über den blauen Atlantik - dieses Wegstück hat uns wirklich total begeistert.

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Re: Azoren

Beitrag von bine » Do 8. Nov 2018, 14:21

:knuffel Lee
Ich freue mich immer wieder über die Berichte und die herrlichen Bilder!
Ein wirklich schönes Fleckchen Erde.
:blume
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