Azoren

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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Di 9. Okt 2018, 22:54

Das unbesiedelte, eher karge und oft wolkenverhangene zentrale Hochland von Flores hat seinen ganz besonderen Reiz. Weite Mooslandschaften, die in allen möglichen Grün und Gelbtönen leuchten umfassen Kraterseen, die als letzte Zeugen des auf der Insel längst erloschenen Vulkanismus zurückgeblieben sind. Wie Flickenteppiche verteilen sich kleine, lockere Reste des eigentlich endemischen azoreanischen Lorbeer, Baumheide- und Wacholderwaldes über die Hochflächen. Dazwischen trifft man immer wieder auf Hortensienhecken und große Kolonien von Ingwerlilien. Zumeist sanft ansteigende Hügelketten und Reste von erodierten, ehemaligen Vulkanen und herausgewitterte, kleine Felsformationen überziehen das sich ansonsten als eher flaches Hochplateau gebärdende Inselinnere.

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Die Flächen, die in der Bildmitte so stark gelblich leuchten, sind übrigens keine Ingwerlilienkolonien, sondern welche der beeindruckend farbigen azoreanischen Moose, von denen es über 400 verschiedene Arten auf dem Archipel geben soll. Die Moosschichten sind teilweise so dick und luftig, dass sie fast trampolinartig federn, wenn man sie über sie geht - viel stärker als z.B. ein weicher Waldboden.

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Die kleinen Kraterseen erinnern ein wenig an die Maare der Eifel, sind aber zum Teil aufgrund der steilen Kraterwände sehr schwer - oder für Normalwanderer gar nicht - zugänglich.

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Die Ingwerlilienblüte ist gerade auf Flores im Spätsommer ein Traum - nirgendwo haben wir solch prächtige Bestände gesehen. Leider ist diese stark duftende Blütenpflanze eine sehr dominante und invasorische Pflanze, die eingeschleppt wurde und nun die endemische Flora bedroht - wie auch schon auf vielen tropischen Inseln (z.B. La Reunion und Hawaii).

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Ein Bild das verdeutlicht, dass es ein eher ungewöhnlich trockener Azorensommer war.

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Der Pico da Sé gehört zu den markantesten Bergen des Hochlands. Er liegt schon im östlichen Teil des Hochlands von wo aus sich - im Gegensatz zur Westseite - viele kleinere und größere, tief bewaldete Täler gen Ostküste ziehen.
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Mi 10. Okt 2018, 22:54

Das Licht ist im Hochland in Verbindung mit den tief und schnell über die Insel ziehenden Wolkenformationen immer wieder faszinierend und lässt die Autotrips durchs Inselinnere oft zum puren Genuss werden.

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Der zur Ostküste hin gelegenen Teil des Hochlands zeigt sich weniger karg und entspricht durch seine Lieblichkeit vielleicht eher dem gängigen Azoren Idyll, inklusive Hortensienhecken, kleinen Wäldchen, saftigen Wiesen und vielen Kuhweiden.

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Wenn man in der östlichen Inselhälfte unterwegs ist, sieht man oft Corvo, die kleinste Azoreninsel, regelrecht am Horizont schweben. Das winzige Eiland misst gerade einmal 17 km2 und besteht aus kaum mehr als dem einzigen Ort, Vila Nova do Corvo (430 Einwohner), und einer gewaltigen, oft von Wolken verhangenen Caldeira. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen die Insel im Rahmen eines Tagesausfluges zu besuchen und die Caldeira von Corvo zu durchwandern, aber der eher unsichere Wetterbericht und unsere zudem begrenzte Anzahl der Tage, die wir auf dem schönen Flores (was wir ja auch noch nicht kannten) zur Verfügung hatten, ließ uns leider zurückschrecken. Auf Sao Jorge und Pico trafen wir dann immer wieder andere Urlauber, die von ihrem Corvo Trip und der Caldeira Wanderung schwärmten...Menno!

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Ende August/Anfang September ist der letzte Zeitpunkt, wenn man noch eine Ahnung von der berühmten Hortensienblüte der Azoren bekommen möchte. In manchen Höhenlagen sind sie dann allerdings auch schon komplett verblüht - Als beste Zeit gelten Juni und Juli.


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Uns hat auch das östliche Hochland, dass etwas mehr einer üppigen Kulturlandschaft gleicht, gut gefallen. Am meisten angetan war ich allerdings vom südlichen Hochland, aber dazu später mehr...
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Re: Azoren

Beitrag von bine » Do 11. Okt 2018, 10:46

Was für zauberhafte, atemraubende Bilder! :blumen
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Mi 17. Okt 2018, 21:22

Das südliche Hochland von Flores wird von vielen kleinen, teils sehr schmalen und steilen Straßen durchzogen die immer wieder herrliche Panoramablicke über das zumeist von gewaltigen Wolkenformationen gekrönte Bergland gewähren. Mir hat dieser Teil des Hochlands am besten gefallen, da er, wie ich finde über den schönsten und vielfältigsten Landschaftsmix verfügt, und zudem ein geradezu erstaunliches Weitegefühl vermittelt, wenn man die geringen flächenmäßigen Ausmaße diese Gebietes bedenkt.

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Die Straßen umrunden aussichtsreich die erodierten Flanken alter Bergkuppen , die wie die Reste von Vulkanen wirken. Dabei quert man wieder die für Flores so typischen Moos und Graslandschaften der oberen Höhenlagen.


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Die Licht - und Wolkenstimmungen waren während unserer Hochlandbesuche zumeist grandios und mein Eindruck war, dass sich aufgrund der geografischen Lage der Azoren hier ein wenig das Licht des Südens und Nordens vereinigen.


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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Mi 17. Okt 2018, 22:52

Auf der Fahrt durch das Hochland werden einem auch immer wieder weite Ausblicke über den Atlantik geboten.

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Egal aus welcher Richtung man das südliche Hochland durchfährt, irgendwann gelangt man automatisch an den Rand des Ribeira Seca, des großen, breiten Hochtals, dass den Inselsüden von Westen nach Osten hin abfallend durchzieht und gliedert.

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Mit seinen Flickenteppich-artigen, satten, in allen verschiedenen Grüntönen leuchtenden, von Hortensienhecken und kleinen Wäldchen begrenzten Weiden gleicht es ein wenig einem Azoren-Bilderbuchtal.

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Trotz seines Namens (seca - trocken) erschien uns das Ribeira Seca alles andere als trocken, sondern selbst nach diesem ungewöhnlich trockenen Azorensommer noch saftig - grün....wobei Flores mit durchschnittlichen 1500 mm Niederschlag (dreimal mal soviel wie in Berlin) als niederschlagsreichste Insel des Archipls gilt - wenn es dann z.B. mal in einem Jahr 30% weniger regnet, käme die Insel immer noch auf die jährliche Regenmenge von Los Tilos auf La Palma oder El Cedro auf La Gomera!
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Re: Azoren

Beitrag von bine » Do 18. Okt 2018, 20:31

malerische Bilder-so schön können Wolken sein...
:blumen
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Re: Azoren

Beitrag von Lee » Do 18. Okt 2018, 23:36

Auch im südlichen Hochland blühen Ende August Unmengen an Ingwerlilien, die entlang der schmalen, kaum befahrenen Sträßlein regelrechte Alleen bilden und einen intensiven Geruch verströmen.

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Dann erblickt man etwas nördlich gelegen - und durch einen Höhenrücken vom Tal des Ribeira Seca getrennt - den südlichsten der Kraterseen von Flores. Der Lagoa Funda füllt den Grund der gleichnamigen Caldeira aus und ist zugleich der größte der Kraterseen.

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Doch bevor man den Rand der Caldeira Funda erreicht, führt die Straße von Norden kommend erst einmal am Lagoa Rasa vorbei der laut Reiseführer bei warmen Wetter im Hochland durchaus die Möglichkeit zum Baden bieten soll.

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Kurz darauf gelangt man an die Steilabbrüche der Caldeira Funda und blickt hinunter zum idyllisch gelegenen Lagoa Funda, dessen Ufer teilweise von dichtem Wald gesäumt sind.

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Re: Azoren

Beitrag von Lee » So 21. Okt 2018, 11:09

Südlich vomTal des Ribeira Seca erhebt sich noch einmal ein knapp 700 m hoher Bergrücken, der auch wieder durch eine kleine Straße erschlossen ist. Der karge Höhenzug bildet den südlichen Abschluß der Insel und bietet herrliche weite Ausblicke übers Meer und den Ribeira Seca. Auffällig sind auch die Felsformationen auf die man hier oben trifft.

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Wohnen tut so weit oben, wie auch im Rest des Hochlands niemand. Aufgrund der hohen Luftffeuchtigkeit und der oftmals starken Winde befinden sich auf den Azoren die meisten Siedlungen in Küstennähe, wo auf Meereshöhe auch im Winter Tageshöchsttemperaturen von 16 Grad erreicht weden können, die sich aber bei Wind deutlich kälter anfühlen können. Unter den Inseln die wir besucht haben, bildet nur Sao Jorge eine Ausnahme, dort gibt es auch Dörfer im Hochland auf über 400 m höhe - vielleicht weil die Insel so dermaßen heftig steil ansteigt, dass in Küstennähe zuwenig Siedlungsraum vorhanden ist.

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Die kleine Straße verläuft hoch über dem Meer und sehr küstennah und bietet wirklich herrliche Ausblicke in alle Richtungen. Aussichtspunkte gibt es zwar keine, aber eigentlich ist die gesamte Straße ein einziger Miradouro. Und da es kaum Verkehr gibt, hält man einfach auf der Straße, wenn man schauen will.

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Und auch hier trifft man wieder auf deutlich weniger Menschen als auf Kühe und muss - wie eigentlich überall auf den Azoren - jederzeit beim Autofahren darauf vorbereitet sein, dass plötzlich Kühe auf der Straße stehen könnten.

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Das südliche Hochland endet abrupt und fällt in gewaltigen, steilen Felswänden zum Atlantik hin ab. Unten gibt es noch ein paar wenige der für die Azoren so typischen Fajas (vorgelagerte Landzungen) von denen man eine besonders schön gelegene, aber hier verdeckte während einer herrlichen Wanderung entdecken kann.
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Re: Azoren

Beitrag von Fritzlore » So 21. Okt 2018, 14:33

Wunderschöne Bilder, lee. Das muss für Euch Wanderer ja ein Paradies sein.

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Re: Azoren

Beitrag von Lee » So 21. Okt 2018, 22:32

Fritzlore hat geschrieben:
So 21. Okt 2018, 14:33
Wunderschöne Bilder, lee. Das muss für Euch Wanderer ja ein Paradies sein.
Ja, die Azoren eignen sich hervorragend zum Wandern und Flores, Sao Jorge und Sao Miguel gelten als die besten Wanderinseln des Archipels.

Wobei sich auch diese Inseln nicht ganz mit den Wanderparadiesen La Gomera und La Palma (Aber welche kleinen Inseln können das schon...sehr, sehr wenige) messen können was die Wanderwegdichte und Anzahl, oder die Unterschiedlichkeit der Wanderungen vom Charakter her angeht - dazu sind die einzelnen Azoreninseln einfach zu klein und die höchsten Erhebungen zu niedrig. Die höchsten Berge erreichen bis auf den Pico (2351 m) gerade einmal knapp über 1000 m höhe, und auch der Pico selbst ist eigentlich nur ein einzelner Inselberg, der aus einer 1000 m hohen Hochebene herausragt. Außerdem gibt es auf den Azoren viel weniger Schluchten als auf den Kanaren, auf manchen Inseln, wie z.B. Pico fehlen sie fast gänzlich - die grandiosen Barrancotouren der Kanaren vermisst man manchmal schon. Dafür gibt es aber natürlich auch andere reizvolle Landschaftselemente die es zu erwandern gilt, wie Kraterseen, die es dann auf den Kanaren nicht gibt, oder wie die Fajas die man auf den Kanaren nur selten vorfindet.

Man sollte sich als Klein Kanaren verwöhnter Wanderer also nicht zuviel erwarten, darf aber auf einige sehr beeindruckende, wunderschöne Touren hoffen.

Für die Planung der Touren kann ich wieder einmal den Rother Wanderführer empfehlen, die Azoren Ausgabe gehört zu den wirklich guten und ist zudem hervorragend fotografiert. Und sie ist viel konkurrenzloser als die La Palma und La Gomera Ausgaben, wo es noch nenneswerte Alternativen gibt. Die einzige Print Alternative zum Rother ist der Wanderteil des Michael Müller Reiseführers - diese Michael Müller Azoren Ausgabe ist zugleich auch der mit Abstand beste Reiseführer für die Inseln.

Als Karte würde ich mir die Freytag & Berndt Karte holen, sie ist was die neuesten Wanderwege und Straßen angeht zwar längst nicht so aktuell, wie z.B. die La Palma Ausgabe, aber immer noch besser als die der anderen deutschsprachigen Anbieter.
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