Als wir aber vor zwei Jahren im Internet das eGomera-Forum entdeckten und dort unter "Wandertipps" den Beitrag Wanderung zum alten Flugplatz von Gomera
Nun wollten wir es doch etwas genauer wissen! Wer hat den Flugplatz bauen lassen? Und wann? Und vor allem: Warum? Und so habe ich eifrig im Netz herumgegoogelt und auch einige Antworten auf diese Fragen gefunden. Also: Gebaut hat ihn der in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts sehr erfolgreiche Unternehmer Álvaro Rodríguez López, der auf Teneriffa seinen Firmensitz hatte und der neben seiner Tätigkeit als Reeder auch in der Landwirtschaft sehr aktiv war. Im Süden der Insel La Gomera besaß er große Ländereien und vor allem - wie auch die Familie Olsen - die dazugehörigen Wasserrechte. Damals fuhr nur zweimal pro Woche ein Postschiff von Teneriffa nach La Gomera, und so beschloss er kurzerhand, um regelmäßig seine Firmenableger auf Gomera besuchen zu können, einen privaten Flugplatz zu bauen. 1959 wurde dieser feierlich eingeweiht. Señor Rodríguez López kaufte sich ein Flugzeug, die "Miss Tecina", das allerdings irgendwann in den Atlantik fiel und unterging. All dies ist ausführlich unter "Einst und heute" in dem Beitrag Àlvaro Rodríguez López und sein Flugplatz
Im letzten Oktober haben wir uns endlich einmal selbst auf den Weg zum alten Flugplatz gemacht und wollen nun hier - etwas ausführlicher als in den bereits existierenden Berichten - die Wanderung dorthin beschreiben. Die Tour führt vom Startpunkt an der ehemaligen Kultureinrichtung LA ROSETA bis zum Flugplatz auf mittlerweile sehr ausgewaschenen Pisten, auf denen früher die Landarbeiter per LKW zu den Plantagen oberhalb des Flugplatzes gebracht wurden. Auch deren Besitzer Álavaro Rodríguez López ist bei seinen Besuchen auf diesen Pisten zu seinen Ländereien bei Playa de Santiago gefahren. Landschaftlich hat die Wanderung durchaus einiges zu bieten, aber ihren Reiz bezieht die Tour vor allem aus den unterwegs angetroffenen Relikten einer längst untergegangenen Zeit: dem alten Flugplatz, den ehemaligen Unterkünften der Landarbeiter, den erodierten Pisten. Und das alles in einer eher melancholischen Stimmung von Weite und Einsamkeit auf den verlassenen und vertrockneten Hochflächen des Inselsüdens.
Wir haben für die gesamte Wanderung inklusive vieler Fotografierpausen, Abstechern zu den Häusern und Picknick am Flugplatz etwa 5 Stunden benötigt.
Die Tour führt durch eine der einsamsten Gegenden der Insel. Wir haben unterwegs niemanden getroffen und auch zwischen den Ziegenspuren nirgends Abdrücke von Schuhen gefunden. Wenn man sich hier den Fuß bricht, kann man sehr lange auf Hilfe warten. Also: Besser diese Wanderung nicht alleine unternehmen!
Auf fast der gesamten Strecke ist man der prallen Sonne, so sie denn scheint, ausgesetzt. Dies macht die Wandertour, obwohl es nur mäßige Steigungen gibt, doch recht anstrengend. Unbedingt ausreichend Wasser mitnehmen!!!
Auf der Kompasskarte sind die Pisten als "nur für konditionsstarke Radler" geeignet gekennzeichnet. Allerdings ist es für uns, die sich nur mit normalen Tourenrädern auskennen, unvorstellbar, dass man auf diesen Pisten mit einem Fahrrad fahren können soll! Das überlassen wir lieber gomeradler und anderen Cracks!
Fährt man von Alajeró Richtung Playa de Santiago, passiert man bald den Weiler Targa und kurz danach das ebenfalls auf der linken Seite der Straße liegende Dorf Antoncojo. Nach einem etwas längeren, geraden Stück macht die Straße eine scharfe Linkskurve, und nun dauert es nicht mehr lange, und es taucht auf der rechten Straßenseite an einem Abzweig eine auffällige Werbetafel LA ROSETA auf.
Hier zweigt von der Hauptstraße in spitzem Winkel eine Piste ab: Man könnte nun bereits an dieser Stelle den Wagen parken und die Wanderung beginnen, wir biegen aber mit dem Wagen in die Piste ein und erreichen nach wenigen hundert Metern die schon von weitem sichtbaren Gebäude des "Club Cultural LA ROSETA", wo wir, weil eine querhängende Kette den Weiterweg versperrt, den Wagen abstellen.
Vor einigen Jahren haben ein paar Leute in liebevoller Kleinarbeit versucht, in und außerhalb einer langen Halle, die früher offenbar als Tomatenpackerei (Schild an der Wand: "Canary Islands Produce Selected Tomatoes") diente, ein Kulturprojekt auf die Beine zu stellen, das aber offenbar schon bald gescheitert ist.
Die Halle finden wir verschlossen vor, aber auch draußen lässt sich einiges entdecken, was damals mit viel Kreativität und offenbar großem persönlichen Einsatz gestaltet wurde. Es gibt sogar ein kleines Amphitheater (für Kleinkunst?) mit toller Aussicht bis zum Meer.
Unsere an den Gebäuden des Kulturprojekts LA ROSETA beginnende Wanderung führt uns auf der Schotterpiste zunächst durch eine Linkskurve und erreicht schon bald danach eine Verzweigung, an der wir uns rechts halten (der linke, mit einer Kette versperrte Weg würde uns zur ehemaligen Mülldeponie bringen).
Gemütlich wandern wir durch die terrassierte Landschaft leicht bergan. Ein Stück entfernt können wir links von uns die Zufahrt zum ehemaligen Müllbarranco als glitzernden Glasscherbenstreifen und in weiter Ferne auch schon den Hangar und den Kontrollturm des Flugplatzes, das Ziel unserer Wanderung, ausmachen.
Rechts über uns erkennen wir schon bald eine Kurve der Hauptstraße, auf der wir vorhin mit dem Auto gekommen sind. Offenbar führt auch ein Pfad dort hinauf. Wir aber bleiben auf der Piste, die nun die terrassierte Hochfläche verlässt und sich jetzt fast waagerecht wie eine herausgefräste Kerbe durch die rechte Barrancoflanke zieht.
Links von uns der tief eingeschnittene Barranco de Ereses, an dessen gegenüberliegender Seite wir schon den späteren Pistenverlauf erkennen können.
Rechts am Fels eine Vitrine mit Heiligenfiguren:
Immer leicht bergab wandern wir in die Schlucht hinein, die sich am Ende in zwei schmalere Barrancos aufteilt. Wir queren zunächst den rechten Seitenbarranco
und laufen anschließend auf der Piste über eine eindrucksvolle Höhle hinweg.
Schon nach wenigen Minuten haben wir auch den engeren, zweiten Seitenbarranco erreicht. Kurz nach dessen Durchquerung sehen wir links unten ein paar Feldterrassen mit einem kleinen, in den Fels gebauten Geräteschuppen und einer seltsamen "Tropfenhöhle".
Der Zustand der Piste wird nun zunehmend schlechter. Sie ist dermaßen erodiert, dass sie fast wie ein ausgewaschenes Bachbett wirkt und entsprechend anstrengend zu laufen ist. Für uns unvorstellbar, dass versierte Mountainbiker es schaffen, sich hier auf dem Rad zu halten!
Der Weg führt ohne größere Kurven stetig leicht bergab mit Blicken hinunter in den Barranco links von uns. Auf der gegenüberliegenden Barrancoseite erkennen wir die unschönen Hinterlassenschaften der ehemaligen Müllkippe. Selbst ganze Autos wurden hier noch vor ein paar Jahren kurzerhand in den Barranco geworfen.
Kurz danach beschreibt die Piste eine Rechtskurve um einen Bergrücken herum (der Barranco weitet sich hier), und nach der Querung einer kahlen Erosionsfläche erreichen wir am Beginn der früher landwirtschaftlich genutzten, terrassierten Hochfläche eine Pistenverzweigung. Hier wandern wir auf der linken Piste weiter, die zunächst auf ein verlassenes Haus (auf der Skizze "Haus 1") zuführt, dann aber links unterhalb von diesem an der Barrancokante weiterführt.
Es empfiehlt sich, einen kleinen Abstecher zu dem Haus zu unternehmen. An ihm führt eine nicht mehr genutzte, offene Wasserleitung entlang. Diese wurde früher von einer weiter oben gelegenen Zisterne gespeist und zieht sich an den auf der Hochfläche gelegenen Gebäuden entlang hinunter bis zum kleinen Tower des Flugplatzes.
Wir vermuten, dass dieses Haus (wie wohl auch die anderen auf der Hochfläche) von der Firma Rodríguez López für die Landarbeiter der Plantagen errichtet wurde. Im Inneren gab es eine Art Küchenzeile mit einer Esse und sogar ein richtiges Stehklo.
Die Piste führt weiter an der Barranco-Abbruchkante entlang, bis sie sich von dieser abwendet und Richtung eines weiteren Hauses mit einem länglichen Gebäude dahinter (auf der Skizze "Haus 2") weiterführt. Achtung! Kurz bevor wir die beiden Gebäude erreichen, beschreibt unsere ausgewaschene Piste eine scharfe Kurve nach links. Falls wir einen Abstecher zu den Häusern machen wollen, laufen wir anschließend am besten wieder bis zu dieser Kurve zurück, um von hier aus den Weg fortzusetzen, denn querfeldein ist die Piste kaum wiederzufinden.
Das längere Gebäude war offenbar einmal ein Unterstand für Vieh mit einer langen Tränke.
Deutlich sehen wir den Flugplatz mit Hangar und Tower schon vor uns liegen.
Nach dem kurzen Abstecher zu "Haus 2" kehren wir (siehe oben) zur scharfen Linkskurve zurück und wandern nun leicht bergab bis zur Rechtskurve und danach fast geradlinig auf das nächste, schon von weitem sichtbare Haus (auf der Skizze "Haus 3") zu.
Kurz bevor wir dieses erreichen, überschreiten wir die offene Wasserleitung und gehen das letzte Stück direkt rechts neben dieser bis unmittelbar vor das Haus. Hier wendet sich die Piste wieder nach links, bis nach nur vielleicht 50 Metern eine Verzweigung erreicht wird, an der wir uns rechts halten. Kurz danach überqueren wir wieder die Wasserleitung und laufen nun in fast gerader Linie auf das auf der Skizze als "Haus 4" bezeichnete Gebäude zu. Man könnte nun kurz vor dem Erreichen des Hauses nach links abbiegen und auf (auf der Skizze rot gepunktet) holprigem Weg zum ehemaligen Kontrollturm des Flugplatzes laufen. Wir aber wandern weglos bergab zum rechten Ende der Start- und Landebahn, wo wir auf der betonierten Aufsetzschwelle die verwitterten Ziffern der für die Piloten aufgemalten Landerichtung 09 erkennen können.
Auf der übrigens 513 Meter langen und 40 Meter breiten Start- und Landebahn spazieren wir nun gemächlich Richtung Flugzeughangar,
vorbei an verwitterten Holzgestellen, die früher offenbar weiß mit rotem Streifen gestrichen und mit Lampen bestückt waren und so den Piloten die seitlichen Begrenzungen der Landebahn signalisierten.
Schon bald haben wir den Hangar erreicht, in der früher die "Miss Tecina" untergebracht war, das Privatflugzeug von Álvaro Rodriguez López.
Weiter geht's zum ehemaligen Kontrollturm des Flugplatzes.
In der unteren Etage ein größerer Raum, vielleicht früher das Büro, und daneben eine Toilette und eine Dusche.
Oben eine Dachterrasse mit dem verglasten Kontrollturm. Im Inneren lassen Kabelenden erkennen, wo früher die elektrischen Instrumente installiert waren.
Unsere Erkundungstour führt uns weiter zum ehemaligen Generatorhäuschen, in dem früher der elektrische Strom für den Flugplatz erzeugt wurde.
In der Nähe rostet eine alte Pistenwalze vor sich hin.
Auch an diesem Ende der Start- und Landebahn stoßen wir auf eine betonierte Aufsetzschwelle. Diese trägt als Angabe der Landerichtung die gerade noch lesbare Zahl 27.
Nach unserem Erkundungsrundgang auf dem Flugplatzgelände lassen wir uns im Schatten des Towers zu einem ausgiebigen Picknick nieder. Danach geht's dann frisch gestärkt (Rückweg = Hinweg) zurück zum Kulturschuppen LA ROSETA, wo unser Wagen auf uns wartet und dann weiter zur ultimativen Strandbar LA CHALANA in Playa de Santiago...


Buba und Frau Buba
dort, wenn wir auf La Gomera sind!
spitze
