Tejeleche Berge - ein Werkstattbericht

Eure Lieblingswanderungen können hier gepostet werden.

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Beitragvon woga am Mi 28. Dez 2011, 14:23

Eine kleine Warnung vorweg: Dies ist keine Wanderbeschreibung zum Nachwandern, sondern ein Bericht über einen misslungenen Versuch, die Tour Rother 36 (9. Auflage) in Verbindung mit dem Track 26 Tagaluche Bco de Guaranet Cicruit von Walk and Trail zu gehen. Vielleicht gibt es jemanden, der die Tour schon erfolgreich gegangen ist und der mehr berichten kann. Vielleicht hat diese Bericht auch eine Fortsetzung, wenn wir den nächsten Versuch erfolgreicher beenden. Doch jetzt eins nach dem anderen:

Die Gegend um Taguluche hat uns schon immer fasziniert und die bizarren Felsen reizten zum Erkunden. Zwei Anläufe hatten wir schon hinter uns. Den Ersten haben wir abgebrochen, weil es zu heiß war und den zweiten, weil es zu windig war. Jedes Mal haben wir stattdessen kleine Spaziergänge in Taguluche gemacht - war auch nett :mrgreen: Jetzt, im November 2011 sollte es aber sein! Mit Rother auf Papier (wie früher auch schon) und neu mit dem Track von Walk and Trail im Garmin ging es also los. AEMET hatte 0% Regen verkündet, ein paar kleine Wolken waren uns willkommen in der schattenlosen Gegend. Auf dem Weg dorthin überraschte uns in den Bergen so ein heftiger Regen, wie wir ihn diesen Herbst noch nicht erlebt hatten. Ab Chorros de Epina kam aber wieder die Sonne durch und der Himmel wurde blau. :freu Allerdings sahen wir auf dem Weg nach Taguluche noch eine triefnasse Gruppe Wanderer :shock:

Wir parkten an der Ermita de San Salvador (dort wird im August immer die Fiesta del Buen Viaje gefeiert) :ausheck und fanden problemlos den Einstieg in den Weg in der letzten Kurve vor der Ermita, wie bei Rother beschrieben. Der Weg war gut zu finden. Erst später merkte ich, dass der Walk and Trail Track uns eigentlich weiter unten am Berg entlangführen wollte. Dass dies zu ignorieren ein grober Fehler war, wurde leider erst viel später klar. Einstweilen setzte ich darauf, dass die Wege schon wieder zusammenführen würden.

Eine bizarre Landschaft empfing uns und der Weg war gut zu gehen.

Um den Roque de Mona


Natur - Skulptur

Die Ermita konnten wir nun rückblickend einmal von ungewöhnlicher Perspektive erleben.

Ermita de San Salvador

Nun denn: ¡Buen viaje!

Bizarre Landschaft

Der Weg ging relativ eben, leicht ansteigend dahin und ich fragte mich immer häufiger, wann und wie denn nun wohl der Abstieg in den Barranco de Guarañel kommen würde, denn der war unvermeidlich. stattdessen ging es aber immer weiter leicht bergauf.

Dort wollen wir hin


Da kommen wir her

Hier war der Weg noch gut erkennbar und zweifelsfrei begehbar. Auf dem nächsten Bild kann man aber schon ahnen, wie es weiter geht:

Trockene Wiesen und geröllige Einschnitte

Die Einschnitte mit sandig gerölligem Untergrund wurden immer mehr, die Wege vielfältiger und die Zahl der Steinmännchen unüberschaubar:

Steinmännchen weisen die Irrwege

Seit diesem Tag beherzige ich (meistens) einen Grundsatz: Trau' keinem Steinmännchen!

Immer häufiger mussten wir im Geröll herumkraxeln, entschlossen uns dann einen Einschnitt, der halbwegs passierbar aussah herunterzusteigen, mussten dann aber im Angesicht einer 5-6m hohen Steilwand aufgeben. Mein Garmin zeigte derweil, dass wir höchstens noch 20m vom Track entfert sein sollten, von einem Weg war aber bis tief unten in den Barranco nichts zu erkennen. In den Himmel blickend sahen wir nun dicke Wolken über den Bergen und ein leichtes feuchtes Sprühen kam von dort. Das war das endgültige Signal zur Umkehr! Der Weg zurück war dann problemlos. Wir wurden nicht nass, weil die Wolken es doch nicht ganz bis ins Tal schafften und wir konnten uns mal wieder überlegen, was wir mit dem Rest vom Tag machen konnten. :achselzuck Für einen Neuen Versuch mit neuem Einstieg war es zu spät.

Was haben wir daraus gelernt? Wenn Du zum Wandern Orientierungshilfen benutzt, musst Du Dich entscheiden, wem Du folgst: Papier ODER Elektronik. Wir haben das vermischt und sind prompt in Schwierigkeiten geraten. Das Papier nach dem wir gegangen sind war in dem ersten Abschnitt allerdings nicht wirklich hilfreich. Rother schreibt:

Rother hat geschrieben:Im Auf und Ab passieren wir einen kleinen, tief eingeschürften Graben. Gleich danach hält der Pfad links kurz hinab und führt dann rechts in einen unangenehm schmalen, abschüssigen Quergang in den Grund des Barranco de Guarañel (1/2 Std. ab Ermita)

Das war in dem Gelände definitiv zu ungenau.

Als wir dann abends unsere (seelischen) Wunden geleckt hatten, machte ich mich daran, den aufgezeichneten Track zu analysieren, um genauer zu erforschen, was denn nun schief gelaufen war. Mit wenig Hoffnung zwar, aber immerhin, machte ich noch einen Versuch, die GPS Tracks von Rother herunterzuladen. Und siehe da, es waren nun viele Tracks in der Datei. Hätte ich das doch nur einen Tag früher versucht :autsch

So hatte ich denn 3 Tracks über den selben Weg: WalkAndTrail, Rother und unsere Aufzeichnung des Tages. Im folgenden Bild ist der Beginn des Weges an der Ermita dargestellt: Rother in rot, WalkAndTrail in grün und unser Track in Grau (der ist zweimal vorhanden, weil Hin- und Rückweg dargestellt sind)

Beginn des Weges

Die Ermita erscheint als rotes Viereck und die Straße ist als schwarzer Strich erkennbar. Zu meiner Überraschung erkannte ich nun im Nachhinein, dass der Track von Rother und die Wanderbeschreibung überhaupt nicht übereinstimmten, denn der Track (rot) geht über den Vorplatz der Ermita und die Wanderbeschreibung, nach der wir auch losgegangen sind, von der letzten Kurve. Nach einigen zig Metern kommen beide Wege zwar zusammen, aber wie die Ersteller des Tracks das gegangen sind, bleibt mir ein Rätsel. Man sieht deutlich, dass der WalkAndTrail Track (grün) gleich in Richtung des Barrancogrundes abwärts geht. ... hätten wir man ... :achselzuck

Das folgende Bild zeigt dann den Umkehrpunkt unserer Wanderung. Zu meiner Überraschung konnte ich nun sehen, dass wir nur ca. 200 m. zu weit gegangen waren (wie viele andere vor uns auch, wie man an den Mengen statistisch verteilter Steinmännchen sehen konnte)

Abstieg und Umkehr

(Dargestellte Tracks: Bildschirmausdrucke von Mapsource, Garmin mit TopoEspana 3.0)

Fazit: Das nächste Mal gehen wir diese Tour nach dem englischen Track!

Als ich nun schon dabei war, die Tracks zu vergleichen, machte ich eine ziemlich verstörende Entdecktung: Der Track von Rother und WalkAndTrail war ab dem Abzweig zu den Galion Bergen (bis dorthin waren wir gar nicht gekommen) vollkommen identisch! Nicht nur, dass die Tracks übereinander lagen, sondern auch die Trackpunkte waren in Anzahl und Ort komplett identisch. Das bedeutet: Hier ist kopiert worden! Das ist ja nicht weiter schlimm, wenn man die Quellen angibt. Dazu habe ich aber keinen Hinweis gefunden. Darüber hinaus ist der englische Track von 2003, also keineswegs aktuell. Ist Rother so sehr unter Druck, dass sie so etwas nötig haben?
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Beitragvon Lee am Mi 28. Dez 2011, 21:39

woga hat geschrieben:Ist Rother so sehr unter Druck, dass sie so etwas nötig haben?


Keine Ahnung, aber im Falle der Wolfspergers bedeutet, auf die neue Technologie umzustellen, konkret:

75 Touren auf Korsika
70 Touren auf Teneriffa
63 Touren auf La Palma
53 Touren auf La Gomera
36 Touren auf El Hierro

...alle noch einmal in einem relativ kurzem Zeitraum abzuwandern, um sie aufzuzeichnen. :roll1

Das dürfte gehörig Druck machen. Darunter sind dann teilweise auch noch Touren, die man nur an relativ wenigen Tagen im Jahr überhaupt gehen kann, auf La Palma weiss ich allein von Zweien. Ob der Druck so weit ging, das Tracks eventuell kopiert wurden, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall sind für La Gomera und die Nachbarinseln in den letzten Jahren diverse (oft schlechtere) Konkurrenzprodukte auf den Markt geworfen worden (Bruckmann, Michael Müller, ADAC usw.), die teilweise schon vorher GPS-tauglich waren, da mußte der Rother Verlag schnell nachziehen.

Eure Touren-Beschreibung aus dem Rother war scheinbar nicht die Beste und es ist nicht das erste Mal, dass ich das höre, aber die meisten anderen Wanderführer sind, glaube ich, mindestens so fehleranfällig wie der Rother. Wir haben bisher eigentlich sehr gute Erfahrungen mit dem Rother gemacht. In 5 Wanderurlauben auf La Palma und 2 auf La Gomera haben wir nur zweimal Probleme gehabt, auf La Palma bei der Cubo de Galga Tour und auf La Gomera bei der El Cedro Rundtour, wobei bei der gerade alle Wanderschilder fehlten, weil sie ausgetauscht werden sollten und bei der Cubo Wanderung haben wir dann auch relativ schnell noch den richtigen Weg gefunden.

Der El Hierro Wanderführer der Wolfspergers war allerdings wirklich total veraltet, da stimmte vieles gar nicht mehr, das war teilweise schon fast abenteuerlich. Der Wanderführer hätte schon vor drei Jahren nicht mehr verkauft werden dürfen. Ich habe ein gewisses Maß an Verständnis für die Fehlerhaftigkeit der Bücher, man kann als Autor einfach nicht jedes Jahr jede Tour überprüfen und die Kräfte der Natur gestalten ja gerade in den Bergen permanent das Landschaftsbild und die Wegführung um, aber in der El Hierro Ausgabe gingen die Fehler zu weit.

Die Rundwanderung um die Tejeleche Berge möchte ich aber auf jeden Fall auch noch machen. Die ganze Ecke dort gehört für mich zu den faszinierendsten Landschaften der Inseln.
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Beitragvon woga am Mi 28. Dez 2011, 22:32

Lee hat geschrieben:...alle noch einmal in einem relativ kurzem Zeitraum abzuwandern, um sie aufzuzeichnen. :roll1

Das verstehe ich sehr gut und ich halte den Rother weiterhin für den besten Gomera-Wanderführer auf Papier, der im Moment zu bekommen ist. Deshalb ärgert mich die Eile, mit der die 2012er Auflage schon in 2011 unfertig auf den Markt geworfen wird, so kurz nach der letzten Auflage - unnötig.

Sie ramponieren damit völlig unnötig ihren Ruf der Zuverlässigkeit, ohne mit der neuen Technik wirklich Geld verdienen zu können. Es ist nämlich ungeheuer viel einfacher, nach einer Wanderung einen hilfreichen Track zu verbreiten, der ja copyrightfrei ist, sobald er selbst aufgezeichnet wurde, als eine brauchbare Wanderbeschreibung zu erstellen. Die GPS-Track-Communities explodieren geradezu. Da können die Verlage GPS-Tracks nur als kostenträchtige (und in diesem Fall rufschädigende) Zugabe verschenken. Da wird in ein Strohfeuer investiert. Schade drum.
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Beitragvon woga am Mi 28. Dez 2011, 22:48

Lee hat geschrieben:Die Rundwanderung um die Tejeleche Berge möchte ich aber auf jeden Fall auch noch machen. Die ganze Ecke dort gehört für mich zu den faszinierendsten Landschaften der Inseln.

:ja Das nächste Mal muss ich wohl der Señora del buen viaje ein paar Blümchen vor die Tür stellen :roll1
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Beitragvon Lee am Mi 28. Dez 2011, 23:00

woga hat geschrieben:
Lee hat geschrieben:Die Rundwanderung um die Tejeleche Berge möchte ich aber auf jeden Fall auch noch machen. Die ganze Ecke dort gehört für mich zu den faszinierendsten Landschaften der Inseln.

:ja Das nächste Mal muss ich wohl der Señora del buen viaje ein paar Blümchen vor die Tür stellen :roll1


Schaden könnte das nicht! :ausheck :mrgreen:
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Beitragvon Mafalda am Mi 28. Dez 2011, 23:50

:freu :blumen Danke für den Werkstattbericht. Und die wunderbaren Bilder.

Was mir bei Deinem, aber auch bei Bubas und sonstigen Wanderberichten immer wieder klar wird:
sicher ist, daß nichts sicher ist beim Wandern auf der Insel. Egal ob auf Papier oder per Tamagochi. Und die Steinmanderls geben ebenfalls allein Zeugnis vom Zeitpunkt ihrer Errichtung.
"Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann."
Francis Picabia, französischer Schriftsteller, Maler und Grafiker (22.1.1879 - 30.11.1953)
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Beitragvon woga am Mi 28. Dez 2011, 23:58

¡De nada! :hut
Mafalda hat geschrieben:Was mir bei Deinem, aber auch bei Bubas und sonstigen Wanderberichten immer wieder klar wird:
sicher ist, daß nichts sicher ist beim Wandern auf der Insel. Egal ob auf Papier oder per Tamagochi. Und die Steinmanderls geben ebenfalls allein Zeugnis vom Zeitpunkt ihrer Errichtung.

Freut mich, wenn das 'rüberkommt. :freu Sich allzu sicher zu fühlen, ist m.E. einer der größten Fehler, den man machen kann in diesem Gelände. :ja
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Beitragvon herbi am Do 29. Dez 2011, 00:06

Taguluche

Nun noch eine Autowanderer Perspektive vom "Strandparkplatz" Taguluche aus geknipst. :herbi :herbi :herbi
Besser is das!!(Werner)Ach was(Loriot)Sagen Sie nichts(Loriot)
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Beitragvon mojorojo am Do 29. Dez 2011, 19:21

Ich kenne das Wegstück eher "umgekehrt", durch den Barranco nach Taguluche runter (zuletzt 2009):

http://egomera.de/phpBB3/viewtopic.php?f=25&t=13854#p84083

Da ist mir auch schon aufgefallen, dass gerade dies letzte (für euch erste) Wegstück nicht gerade
leicht zu finden ist.... Zumal Gomera da wirklich sehr bröselig ist und also Erosion sicher auch die Lanschaft
verändert.... Irgendwann bin ich auch mal von unten rauf, das ist aber laaaange her und ich glaube, ich habe es
auch damals schon vor allem deshalb gefunden, weil ich wusste, wie die Stelle aussieht, wo man den Barranco queren muss.
Und - verdammt, fällt mir grade ein - schon 1999 standen da unten im Barranco Steinmännchen, die in die Irre führten...!
"Von allem Notwendigen" las der Bisam. "Aber das ist ja ganz falsch. Mein Buch handelt ja von 'von allem Unnötigen'!
Aber der Zauberer lachte nur.
Tove Jansson: Eine drollige Gesellschaft. Würzburg 1992, S. 138
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Beitragvon woga am Do 29. Dez 2011, 19:59

mojorojo hat geschrieben: - schon 1999 standen da unten im Barranco Steinmännchen, die in die Irre führten...!

Manchmal glaube ich, dass Steinmännchen der Erosion besonders widerstehen :ausheck
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