Aber als ich während unseres Kurzurlaubs am 21. Oktober nach dem Frühstück unseren nagelneuen Wanderführer „Gomera“ (2009) aus dem Michael-Müller-Verlag zu Hand nahm und Frau Buba aus der Beschreibung der Wanderung Nr. 29 „Von Hermigua bis Vallehermoso“ vorlas und ein Blick von der Dachterrasse Richtung Norden gutes Wanderwetter versprach, war klar: Heute machen wir’s! In dem vom Oliver Gerhard und Rasso Knoller geschriebenen MM-Wanderführer ist (bei anderer Wegführung als im Rother-Führer) die Wanderzeit mit nur 5 Stunden 15 Minuten angegeben, und statt der "problematischen" Wegstücke nördlich von Vallehermoso wird hier von Süden her (am Fuße des Roque Agando entlang) nach Vallehermoso gewandert.
Hier eine Karte des Inselnordens, in die ich zum Vergleich die Touren aus beiden Wanderführern eingezeichnet habe:
Im folgenden möchte ich nun die auf der Karte rot eingezeichnete Wandertour beschreiben:
Sie beginnt im unteren Hermigua. Läuft man dort die Straße hinab und am ausgeschilderten Straßenabzweig (dort ist heute eine etwas unübersichtliche Straßenbaustelle) nicht schräg links hoch Richtung Agulo sondern schräg rechts Richtung Playa de Hermigua, erreicht man bald die scharfe Rechtskurve, von der ulandra das schöne Foto "Wo die Zeit manchmal stillsteht..." von dem unter dem Baum sitzenden Mann gemacht hat. Hier biegen wir nach links in das kleine Sträßchen ein.
Gemütlich steigt die schmale Straße, immer direkt über dem Atlantik, bis zum Dörfchen Lepe an.
In Lepe stoßen wir auf den kleinen kleinen Dorfplatz (vom Beginn bis hier ca. 30 Minuten), von dem wir links mit schönen Rückblicken auf Lepe den steilen und langen Treppenaufstieg hinaufsteigen bis zur Carretera del Norte.
Oben angekommen laufen wir nun, eine Erholung nach dem anstrengenden Aufstieg, am Rande der Straße nach Agulo hinein bis zum in einer Linkskurve liegenden Bekleidungsgeschäft „Casa Aixa“. Links neben dem Laden führt ein Treppenaufstieg zur Carretera hinauf.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite (Wanderschild PR LG 5 Juego de Bolas) beginnt nun der grandiose, aber anstrengende Aufstieg durch die berühmte „rote Wand von Agulo“ (vom Beginn bis hier 50 Minuten).
Zunächst führt der Camino fast geradlinig extrem steil bergan, dann geht’s in steilen Kehren, aber auch mal mit ebenen Abschnitten weiter. Beim großen Eukalyptusbaum ist das schlimmste überstanden. Nach ein paar Minuten ist das Ende der Steilwanderklimmung erreicht, ein schönes Plätzchen für eine Rast mit grandiosen Blicken auf das nun tief unten liegende Dorf Agulo (vom Beginn bis hier 1 Stunde 35 Minuten).
Der Weg führt weiter an der Staumauer des Embalse de la Palmita vorbei und trifft bald darauf auf eine Straße, die sich nach wenigen Minuten oberhalb des auffälligen touristischen Landhausprojekts „Las Casas del Chorro“ gabelt. Wir gehen hier auf der nach rechts führenden Straße weiter bergauf.
Schon bald erreicht die Straße einen Abzweig. Die Straße links, der wir nicht folgen, würde direkt zum Besucherzentrum Juego de Bolas führen. Wir aber wandern auf der Piste rechts weiter.
Nach wenigen Minuten erreichen wir den eindrucksvollen Aussichtsplatz „Mirador de Abrante“ (im Michael-Müller-Wanderführer heißt er "Mirador de Agulo"), der zur Zeit zu einer großen touristischen Anlage ausgebaut wird.
Von der Mauer am Abgrund hat man einen spektakulären Blick hinunter auf Agulo (vom Beginn bis hier 1 Stunde 50 Minuten).
Am Beginn der Baustelle geht links unser Wanderpfad ab (Schild GR 132 Juego de Bolas). Er steigt bergan und erreicht bald eine Verzweigung. Hier wandern wir nicht rechts bergab sondern links bergauf!
Der sandige Camino führt durch eine bizarr wirkende rote Erosionslandschaft, durchzogen von tiefen Rinnen. Der manchmal nur durch die Trittspuren von Wanderern erkennbare Weg steigt stetig an und geht schließlich in einen holprigen bergauf führenden Fahrweg über, der schließlich auf die Kurve einer Piste stößt, in der wir uns links halten.
Die Piste geht bald in eine asphaltierte Straße über und erreicht unvermittelt auf der rechten Seite das Besucherzentrum „Juego de Bolas“. (vom Beginn bis hier 2 Stunden 25 Minuten).
Ab Besucherzentrum gehen wir in bisheriger Wanderrichtung geradeaus am Parkplatz des Zentrums vorbei und erreichen bald eine Straßenverzweigung. Hier gehen wir die rechte Straße bergauf, passieren an ihrer Rückseite die Bar „Juego de Bolas“ und biegen nach ca. 100 Metern am Schild Las Rosas/Vallehermoso von der Straße rechts in den Wanderweg ein.
Bereits nach ca. 50 Metern kreuzt der Wanderweg eine Asphaltstraße und führt nun ein Stück ziemlich rutschig und etwas steil bergab. Es folgt ein Wegstück mit unangenehmen Zuwachsungen von Dornen, in denen man leicht hängen bleiben kann. Vor einer völlig zugewachsenen Stelle wendet sich der Weg an ein paar Trittstufen (rotweiße Markierung an der linken Seite) nach rechts und führt an einem kleinen Anwesen vorbei hoch zu einer hier beginnenden Asphaltstraße.
Unser Camino führt hier geradeaus (!) als schmaler Wanderweg weiter und steigt an bis zu Strommasten auf der Höhe. Hier steht derzeit an einen Baum gelehnt ein aus dem Boden gerissener Wegweiser „Las Rosas/Vallehermoso“. Richtige Laufrichtung ist an dieser Stelle schräg links. Der Weg ist als solcher deutlich zu erkennen. Schon bald erreichen wir einen erodierten Bergrücken. Prinzipiell in Geradeausrichtung führt der nicht immer deutlich erkennbare Pfad in Kehren bergab und stößt schließlich bei der „Finca Mariolga“ auf eine Asphaltstraße, der wir nach rechts bergab folgen (vom Beginn bis hier 3 Stunden).
Links unter uns ist bald der Stausee „Embalse de las Rosas“ sichtbar.
Direkt nach einem Haus auf der linken Seite unmittelbar vor einer Rechtskurve führt ein langer, gerader Treppenabstieg zur Staumauer hinunter. Wir überqueren die Staumauer und biegen dahinter links ab. Die asphaltierte Straße bleibt bis zum Ende des schönen Sees in Ufernähe. Bei der Straßenverzweigung wandern wir rechts weiter und ignorieren den unmittelbar danach abzweigenden Wanderweg „GR 132“. Stetig steigt die Straße an mit schönen Ausblicken in die Landschaft mit ihren verstreut liegenden bäuerlichen Anwesen.
Die Umgebung wird waldiger, und schließlich biegt an einem Wanderschild (GR 132 Vallehermoso por el camino de Roque Cano) ein Fahrweg rechts ab (vom Beginn bis hier 3 Stunden 50 Minuten).
Dieser Weg führt schließlich bis vor ein breites Tor, vor dem auf der linken Seite der wunderschöne Camino beginnt, der uns nun nach Vallehermoso führen soll.
Zunächst hält sich der Roque Cano noch hinter einem Bergrücken ziemlich versteckt, aber schließlich baut er sich in seiner ganzen beeindruckenden Schönheit vor uns auf. Was für ein gewaltiger Klotz!
Tief unter uns Vallehermoso mit seinen wunderschönen Seitentälern. Schließlich erreichen wir den Fuß des Roque Cano, und in vielen Kehren auf (ungewöhnlich für Gomera) hellem Gestein geht’s bergab. Auch nach den Anstrengungen der langen Wanderung ein Genuss!
Die Häuser von Vallehermoso rücken immer näher, bis schließlich die Asphaltstraße erreicht wird, der wir hinab in die Stadt folgen. Wir erreichen am Kinderspielplatz mit den seltsamen Betonfiguren die Carretera del Norte, die uns links hinauf zur Plaza führt (vom Beginn bis hier 5 Stunden 15 Minuten).
Kurz vor der Plaza links der Taxistand. Die Fahrt nach Hermigua, wo unser Leihwagen abgestellt ist, kostet 25 Euro.
Eine anstrengende, aber tolle Streckenwanderung!
Der Weg von Hermigua nach Lepe direkt über dem Meer wunderschön, der lange Treppenaufstieg zur Carretera mit frischer Energie kein Problem. Der steile Aufstieg durch die „rote Wand von Agulo“ eines der ganz großen Wandererlebnisse auf La Gomera, das uns allerdings (in der noch heißen Oktobersonne!) einiges an Kondition abgefordert hat. Die roten, erodierten Flächen oberhalb von Agulo ließen uns nachdenklich werden, sind sie doch von Menschenhand gemachtes Ergebnis von Rodungen. Besonders gefallen hat uns der Abstieg zur Staumauer und die anschließende halbe Umrundung des Stausees „Embalse de las Rosas“. Auch der anschließende Aufstieg zur Waldfläche war landschaftlich sehr reizvoll. Purer Wandergenuss der hell und heiter wirkende Abstieg zum Fuße des Roque Cano und dann vom Roque Cano hinunter nach Vallehermoso. Im Buch ist die reine Wanderzeit mit 5 Stunden und 15 Minuten angegeben. Wir haben etwa eine Stunde länger gebraucht, einerseits wegen einiger Foto- und Verschnaufpausen, andererseits und vor allem wegen sehr ärgerlicher Fehler in der Tourenbeschreibung, die uns zweimal lange nach dem richtigen Weg suchen ließen.
Die oben beschriebene Wanderung Nr. 29 war die erste, die wir mit dem Wanderführer „Gomera“ von Oliver Gerhard und Rasso Knoller (Michael Müller Verlag, 1. Auflage 2009, 14,90 Euro) unternommen haben. Und unsere Bewertung fällt leider sehr negativ aus. Einige Verzweigungen, an denen sich der Wanderer für eine der Wegalternativen zu entscheiden hat, tauchen in der Tourenbeschreibung überhaupt nicht auf! Nachlässigkeiten, die böse Folgen haben können, zu einem Sich-Verlaufen führen können und/oder einen Abbruch, also möglicherweise eine Rückwanderung bis zum Startpunkt notwendig machen können, besonders in diesem unübersichtlichen, häufig im Wolkendunst liegenden Teil Gomeras.
Beispiele: Die Verzweigung zwischen dem Embalse de la Palmita und der Mirador-Baustelle wird im Buch mit keinem Wort erwähnt (hier haben wir uns zum Glück nach Studium der Kompass-Karte für die richtige Alternative entschieden).
Kurz danach ein ähnliches Problem: Kurz nach der Mirador-Baustelle teilt sich plötzlich der Pfad durch die rote Erosionslandschaft. Im Buch kein Wort darüber. Hier sind wir prompt in die falsche Richtung gelaufen, bis wir wieder das Meer vor uns hatten und so merkten, dass da etwas nicht stimmen konnte.
Den Weiterweg ab Besucherzentrum „Juego de Bolas“ beschreiben die Autoren lapidar:
„Wir wandern schließlich 10 Minuten auf der Asphaltstraße weiter und passieren dabei die Bar Juego de Bolas.“
Der Wanderer mit dem Wanderführer in der Hand fragt sich nun aber, in welche Richtung er weiterwandern soll, denn vom Besucherzentrum führen zwei Asphaltstraßen weg. Und hat er sich schließlich für die zutreffende Alternative entscheiden, weil er richtigerweise in dem Gebäude in der Ferne die benannte Bar vermutet, steht er bald ratlos vor der nächsten Straßenverzweigung. Soll er die größere Straße links, die vor dem Eingang der Bar entlang führt oder die Nebenstraße rechts wählen, die die Rückseite der Bar berührt? Dieser Straßenabzweig taucht in dem Buch überhaupt nicht auf! Schlicht vergessen? Richtige Antwort: Die Straße rechts.
In der Wegbeschreibung zwischen der Bar „Juego de Bolas“ und der „Finca Mariolga“ klafft eine so große Lücke, dass wir sogar den Eindruck hatten, dass den Autoren hier ein Blatt ihres Manuskripts verloren gegangen sein muss.
Um auch noch was Positives über das Buch zu berichten: Leute, die mit einem GPS-Gerät wandern, können auf einen besonderen Service zurückgreifen: Auf der Rückseite des Buchs kann ein Code freigerubbelt werden, mit dem man sich von der im Buch angegeben Website die GPS-Tracks und Waypoints herunterladen und ins persönliche GPS-Gerät eingeben kann.
Zum Abschluss ein Zitat aus einer Beurteilung des Wanderführers bei http://www.amazon.de, der wir voll zustimmen können:
„Es hat den Vorteil, dass es mit GPS-Tracks ausgestattet ist, aber leider weist es zahlreiche Fehler auf bei den Wegbeschreibungen, so dass es ohne GPS-Gerät nicht empfohlen werden kann. Außerdem ist die Tourenauswahl eher mäßig. In beiden Punkten ist der Rother-Wanderführer wesentlich besser, daher sollte man sich diesen unbedingt (zusätzlich, oder wenn man ohne GPS-Gerät unterwegs ist, dann nur den Rother) besorgen, dieser ist weiter unübertroffen!“


aber teilweise sind wir sie schon gelaufen, nur nicht an einem Stück! 

