Es war an meinem Geburtstag vor ein paar Jahren: Wir wollten eine leichte gemütliche Wanderung machen. Der Himmel war bedeckt, eigentlich ganz gut zum entspannt Wandern. Das Auto brachte uns nach Pastrana. So sparten wir uns den langweiligen Weg von Playa Santiago am Betonwerk vorbei. Kaum losgegangen, fing es ein paar tropfen an zu regnen, wurde aber nicht schlimmer. Wir hatten vor, nach Lo del Gato und wieder zurück zu gehen, ganz bis Benchijigua war uns zu weit. Es wurde unterwegs immer sonniger und dann kam ich auf die Idee, wir könnten doch den Weg bei Azadoe über Guarimiar/El Cabezo zurückgehen, dann müssten wir die selbe Strecke nicht zweimal gehen... Seitdem wird mir häufiger vorgehalten, ich würde die woga über Ziegenpfade lotsen...
Da Capo
Nun, viele Wanderungen später, war der Reiz wieder da, den schönen Weg durch den Barranco de Santiago zu einem Rundweg zu machen. Diesmal war die Vorbereitung perfekt! Alle verfügbaren Karten studiert, sogar einen GPS-Track hatte ich gezeichnet. So konnte denn auch der schlecht dokumentierte Verbindungsweg zwischen Lo del Gato und der El Palmarejo Höhe nicht mehr schief gehen. Diesmal auch kein Regen, sondern Sonne und Wolken, richtig ideal.
Wir fuhren wieder mit dem Auto Richtung Pastrana. Diesmal nahmen wir aber den Abzweig nach Taco/Guarimiar in den Barrancogrund hinunter und parkten dort, wo sich der Weg zwischen dem Barrranco de Santiago und dem Barranco de Guarimiar aufteilt. Den GPS-Track hatte ich auf den Garmin geladen und wollte ihn nun aktivieren, da sah ich dass der Trip-Computer noch die Werte vom Vortag hatte, also löschen. Alle Daten löschen? Klar, waren ja auf dem Notobook gesichert! OK...Äh, wo ist jetzt der Track? Weg, scheinbar. Was nun? Zurückfahren? Herumprobieren? Keine gute Idee, würde sicherlich die eine Hälfte der Wandertruppe nerven. Also, fröhliches Gesicht aufgesetzt und: "Ach, das geht auch so"!
Beim Weg durch den Barrancogrund (den kannten wir noch nicht) konnten wir die Reste einiger Modelle der PKW Produktion des letzten Jahrhunderts bewundern, aber auch dichtes Schilf, sowie Orangen-, Mango- und Nisperosbäume. Dort, wo die Wasserleitung die Straße in Pastrana zur Pumpenstation quert, kamen wir dann auf der Dorfstraße an und gingen auf bekanntem Weg die kurze Strecke bis zum Beginn des Weges nach Benchijigua. Traumhaftes Grün, beeindruckende Felswände, so gingen wir auf dem bequemen Wanderweg dahin, bis wir bei der Wassermühle dann im Barrancobett unseren Weg suchen mussten, was aber nicht wirklich schwierig ist.
Diesmal habe ich die Technik der Mühle ein wenig genauer in Augenschein genommen. Mit ein paar sportlichen Sprung- und Kletterübungen gelang auch ein Bild von der noch erhaltenen Turbine unter dem Haus. Danach ging's dann ein wenig konditionsfordernd bergauf, bis die Häuser von Lo del Gato auf der anderen Seite des Barranco in Sicht kamen. Sobald die zu sehen waren, ging auch gleich ein Pfad links bergab in den Barranco. Den darf man nicht verpassen, wenn man nach Lo del Gato will. Schnell wurden wir wieder an eine heikle Stelle erinnert, wo der Weg über mehrere Meter auf fast ganzer Breite abgerutscht ist. Ein Herz gefasst und konzentriert, dann ging's ganz gut da vorbei (es ging ja auch nur wenige Meter bergab). Von unten im Barranco geht dann ein traumhafter steiler gepflasterter Weg zwischen liebevoll angelegten Gärten mit allem, was das Herz begehrt, von Kartoffeln über Paprika und Tomaten bis zu Bananen, Papaya, Orangen, Mangos und Nisperos. Leider sah man den Gärten diesmal mangelnde Pflege an. Folge des Bevölkerungsschwundes? Waren vielleicht die alten Besitzer verstorben? Wir haben es nicht herausgefunden.
Diesmal verliefen wir uns nicht zwischen den Feldern, sondern wussten, dass wir ganz dicht vor dem ersten Haus nach rechts gehen mussten, dann zwischen den eng stehenden Häusern hindurch, um zu einer Treppe zu gelangen, die auf den Wendeplatz der Straße führt. El Gato wies den Weg. Und nun? Wieder Ziegenpfade wollte ich nicht, also gingen wir die geteerte Straße entlang, um auf den Weg zum Embalse de Benchijigua zu kommen, der in der Kompass Karte dick rot verzeichnet ist. Die Stelle, wo er abgehen musste, haben wir gefunden, nur keinen Weg. Es machte den Eindruck, das er Einstieg bei der letzten Straßenverbreiterung zerstört worden ist, wie dies leider an vielen Stellen auf La Gomera der Fall ist. Um die Wanderwege kümmert man sich beim Straßenbau offensichtlich nicht.
Tja, was nun? Den weiten Weg über Benchijigua nehmen? Zurückgehen? Oder doch ohne GPS Track ein zweites Mal den Versuch wagen? Wir können ja mal gucken gehen. Wenn's blöd wird, kehren wir um. OK. Also gingen wir zurück zum Wendeplatz und dann die kleine Treppe hinauf hinter den oberen Häusern vorbei. Der weg führte in den Barranco hinein, das kannte ich noch vom letzten Mal, dann leicht bergab und den Barranco querend. Es war klar, dass wir nun irgendwie steil bergauf zu den Zinnen des Lomo de Azadoe mussten, deshalb nahmen wir nicht den Weg der bequem leicht bergab führte, sondern den steilen Pfad, der sich in engen Serpentinen den Berg hochwand. Es stellte sich Zuversicht ein (immer mal wieder zwischendurch) als sich der Pfad als ständig erkennbar zeigte. Ab und zu ein Steinmännchen. Irgendwann kam die Frage die ich gefürchtet hatte: "Sag mal, weißt Du eigentlich, ob wir hier noch richtig sind? Mit so fester Stimme, wie mir möglich war, sagte ich: "Na klar"! Und wenig später konnte ich zum Glück auf ein etwas angedeutetes Steinmännchen zeigen. Immer höher gehend konnten wir beim Verschnaufen die Blicke nach Lo del Gato hinunter genießen.
Nach Umrundung einer Felsnase lagen dann plötzlich ein wenig unter uns die Terrassen einer großen Weide, die man in dieser steilen Gegend nicht für möglich gehalten hätte. Hier haben wir damals beim ersten Mal Pause gemacht und uns gefragt, wie es wohl weitergehan mochte. Jetzt wussten wir natürlich, dass wir einfach nur irgendwie den Berg hinauf mussten, um auf den oberen Weg zu stoßen. Und wir waren auch jetzt auf einem deutlichen Weg in die richtige Richtung. Später am Abend bei der Auswertung des GPS sollte sich zeigen, dass wir hier wieder einen kleinen Fehler gemacht hatten und einen Abzweig zu der Weide gegangen waren, statt weiter oberhalb am Berg entlang. Jetzt merkten wir erstmal, dass wir diesen Fehler mit einiger Kletterei über eingestürzte Mauern von Terrassen bezahlen mussten. Wir waren aber offensichtlich nicht die ersten, die diesen Weg genommen hatten und es ging ganz gut. Dann endlich wieder ein klar erkennbarer Weg in die richtige Richtung und bald waren wir unter der Steilwand des Palmarejo angelangt und kamen auf den Weg von El Azadoe nach El Cabezo.
Links haltend gings jetzt nur noch bequem bergab. War auch gut so, denn die Beine wurden langsam müde. Der Roque Agando erfreute uns mit seinem Spiel mit den Wolken und wir wurden mit traumhaften Blicken nach Pastrana und später in den Barranco de Guarimiar belohnt.
Der weitere Weg war ohne Schwierigkeiten und führte uns bis nach El Cabezo. Wir mussten entscheiden, den Rest auf der Straße zu gehen, oder der Beschreibung aus dem Rother zu folgen. Da wir noch ein wenig Kondition übrig hatten und gern auch noch durch El Cabezo gehen wollten, entschieden wir uns als für nochmal etwas bergauf. Im Dorf angekommen, hatten wir zwar eine Vermutung, wo der Weg weitergehen würde, waren uns aber nicht ganz sicher. Als ein Bewohner aus seiner Haustür trat und offensichtlich zu seinem Auto wollte, fasste ich mir ein Herz und testete meine Spanischfähigkeiten. Er verstand mich sogar und ich ihn auch und wir folgten einem engen Weg an einem lieblichen Garten vorbei, wo ein alter Mann gerade beim Gießen war. Er bemerkte uns nicht und so gingen wir weiter aus dem Dorf hinaus. Plötzlich vor uns lautes aggressives Hundegebell. Zwei kräftige gomerische Hunde der größeren Art kläfften uns an. Beide an der Kette. Der eine an kurzer Kette an einem Laufseil, dass genau Parallel zu unserem Weg ging Ich schätzte, dass die Kette so lang sei, dass er mit seiner Schnauze ungefährt 10 cm von meinem Bein weg wäre, wenn ich vorbei ginge. Links der Hund, rechts ein Abhang mit Opuntien. Und wenn die Laufleine doch mehr nachgibt, wenn der Hund in der Mitte dran zieht? Wir prüften. ob es vielleicht einen Weg etwas weiter unten am Hang gäbe? Ging aber nur zu einem Ziegenverschlag. Was tun?...Naja, wir hatten dann doch Abenteuer genug für heute und zogen uns zurück. Als wir wieder am Garten vorbeikamen, sprach uns der alte Mann freundlich an. Fragte etwas, was ich überhaupt nicht verstand. Er hatte noch maximal drei Zähne im Mund. Ich antwortete mehrfach mit "Gracias", dachte, dass ich damit am wenigsten falsch machen könnte und fragte der Guten Ordnung halber noch einmal nach dem Weg nach Pastrana (hatte ja schon einmal geklappt) und er bedeutete uns, die Straße herunter zu gehen (hatten wir ja auch vor). Hinterher meinte die woga, dass eins der Wörter wie "bebida" (Getränk) geklungen hätte, aber letztlich blieb das Rätsel ungelöst.
Zurück am Auto hatten wir müde Füße, waren aber glücklich und zufrieden und hatten in 4:45 Stunden mit allen kleinen Umwegen 8,7 km hinter uns gebracht. Erstaunt stellten wir am Abend bei der Auswertung des GPS Track fest, dass wir nur diesen einen kleinen Fehler bei der Weide oben auf dem Berg begangen hatten und sonst genau dem vorbereiteten Track gefolgt waren. Und wieder waren wir mit allen Pausen 2 km/h schnell. Das scheint irgendwie unsere Wandergeschwindigkeit zu sein. Praktisch. In Zukunft brauchen wir nur die Länge der Strecke zu kennen, dann wissen wir, wie lange wir unterwegs sein werden. Der vorbereitete Track war übrigens 6,5 km lang unser Umweg auf der Teerstraße nach Lo del Gato war also rund 2 km lang. Eine dreiviertel Stunde Wanderzeit kann man also abziehen, wenn man auf Umwege verzichtet.


Dazu sa


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Und ich dachte schon jetzt kommt eine wohldosierte Kritik wegen unserer Leichtsinnigkeit
)
