Die gesammelten Erkenntnisse und Beobachtungen dieser Reise legte von Fritsch in dem Buch “Reisebilder der Canarischen Inseln” vor, das erstmals im Jahre 1867 in Gotha erschien. Dabei waren die Kanarischen Inseln eigentlich gar nicht das Reiseziel des damals 24jährigen Forschers. Ursprünglich wollte er die Kapverdischen Inseln erkunden, aber eine auf Teneriffa ausgebrochene Gelbfieber-Epidemie hielt ihn während des Winters 1862 auf den Kanaren fest, so dass er die Kapverden schließlich gar nicht mehr erreichte. Für uns eGomera-Foristen ein glücklicher Zufall, dem wir die mittlerweile fast 150 Jahre alten Beschreibungen auch unserer kleinen Bananeninsel verdanken.
Hier nun einige Auszüge aus dem dem Buch „Reisebilder der Canarischen Inseln“. Die Beschreibungen der anderen Inseln habe ich weggelassen (sie sind hier nachzulesen), die Ausführungen über La Gomera aber habe ich ungekürzt übernommen.
Um den Europa so nahen und doch noch fast unbekannten Capverdischen Archipel geologisch zu untersuchen, verliess ich, begleitet von Hrn. Gärtner R. Scharf, im Juli 1862 Europa. Auf der Hinreise sollten Madeira und einige der Canaren besucht werden, theils damit wir dem Klima der Capverden besser trotzen könnten, theils um auf diesen viel bekannteren Inselgruppen praktische Vorstudien mit den vorhergegangenen theoretischen zu verbinden.
Das Gelbe Fieber, welches im Oktober 1862 in Santa Cruz de Tenerife ausbrach, hielt uns aber den Winter über auf den Canaren fest und das Reiseziel, die Capverden, wurde nicht erreicht.
Möge mir verstattet sein, in kurzen Zügen die Erlebnisse dieser Reise dem Leser vorzuführen, einige der Eindrücke zu schildern, welche der Besuch jener von der Natur mit so vielen Reizen geschmückten Inseln mir hinterlassen hat.
[In den nun eigentlich folgenden, von mir hier aber weggelassenen Kapiteln schildert Karl von Fritsch ausführlich seine Aufenthalte auf den Inseln Madeira, Lobos, Teneriffa und Lanzarote. Für uns eGomera-Foristen ist natürlich der Teil des Buches interessanter, in dem er uns von seinen Erlebnissen auf der Insel La Gomera berichtet. Damit geht’s jetzt weiter:]
Endlich am 25. November konnte ich Palma verlassen, um nach San Sebastian, der Hauptstadt Gomera's, zu fahren. Während der Quarantaine auf dem Schiffe, die uns dort auferlegt wurde, hatte ich Musse, den Hafen zu betrachten, wo Columbus vor der Entdeckung Amerika's zum letzten Mal den Boden der Alten Welt betreten hat. Ein alter Thurm am Strande erinnert an die Zeit, als dieser kleine, aber von Natur ausgezeichnet geschützte Hafen die Goldflotten von Mejico und Peru aufnahm, der aber jetzt nur unsere goleta, ein kleines Schiffchen und das Wrack eines vor mehreren Jahren in der Nähe Gomera's leck gewordenen und hierher geflüchteten Spanischen Kriegsdampfers, der „Cantabria", umschloss.
Die wenigen Häuser von San Sebastian liegen im Schatten hoher Palmen, deren köstliche Datteln ich bald kennen lernte. Sonst ist aber der untere Theil des breiten Thales, an dessen Mündung das Örtchen (2236 Einwohner) liegt, recht kahl, weil man sich nicht einmal die Mühe nimmt, den wasserreichen Bach, der eine halbe Stunde weiter aufwärts im Thalgerölle versiegt, nach der Stadt zu leiten. Dazu würde freilich Gemeingeist gehören, der im Allgemeinen den Bewohnern der Canaren fehlt.
Um so lieblicher sind die Landgüter höher oben im Thal, wo am Bache die schöne breitblättrige Colocasia antiquorum gezogen wird und in ihren unterirdischen Knollen eine wohlschmeckende Nahrung liefert, die ich wenigstens weitaus den süsslichen patatas (Convolvulus batatas) vorziehe. Malerisch schöne und fruchtbare Apfelsinenbäume umgeben die Landhäuser dieses Thales, in welchem deren Früchte, wie die Datteln und Bananen, besonders gut gedeihen. Eine Kokos-Palme in einem Privatgarten von San Sebastian reift auch ihre Früchte. Der Besitzer behauptet, in den ersten Jahren seien die Kokosnüsse vor der völligen Reife abgefallen, und sie blieben erst hängen, seit man einen grossen Nagel bis in das Kernholz eingetrieben hat.
Das tief eingeschnittene Thal des Barranco de la Villa folgt in einigen seiner Theile dem Verlaufe von vulkanischen Gesteinsgängen, welche, theilweise an der einen Seite dem Berghang angelehnt, an der anderen frei, als sonderbare, fast glatte und senkrechte Wände (taparuchas) ins Auge fallen oder ganz frei gelegt, bisweilen durch Felsthore durchbrochen, als Gangmauern aufragen. In seinem obersten Theil bildet das Thal einen grösseren Kessel, gleich den Thälern des Anaga- und Teno-Gebirges auf Tenerife, ähnlich der noch grösseren und regelmässigeren Caldera von Palma. Hier vereinigen sich die Bäche der Laja und der Aguajilva.
Dem letzteren folgend erstieg ich den Köhlerpass (Cumbre de la Carbonera) gegen Hermigua zu. Auf der Höhe betrat ich den so reizenden und frischen Wald, welcher den mittleren Theil Gomera's einnimmt und gut bewirthschaftet gewiss eine Holzwaaren-Industrie von nicht geringer Bedeutung ernähren würde, bei der die jetzt betriebene Töpferei und Köhlerei noch immer genug Material hätten. Die Köhler brennen auf sehr rohe Weise die Kohlen zum Kochen auf den im Süden so allgemein gebräuchlichen Kohlentöpfen. Sie tragen das Holz in kleine Gruben zusammen, zünden es an und ersticken nach einiger Zeit die helle Flamme durch aufgeworfene Erde.
Der Wald Gomera's besteht aus den schlanken, hochstämmigen Lorbeerarten der Canaren, zahlreichen Hayas (Myrica faya) und Mocanes (Visnea mocanera), untermischt mit Haidebäumen (Erica arborea und scoparia). Kleinere Dickichte bestehen auch wohl nur aus Haide; wo die Lorbeeren bis hoch über 30 Meter lange, schlanke Stämme bilden, unter ihrem immergrünen Laubdache die schönsten Partien Deutschen Buchen-Hochwaldes noch an Schönheit und Frische übertreffend, fehlen auch wohl die Eriken ganz.
Dem Walde verdankt Gomera seine Wasserfülle, die ihm den landschaftlichen Reiz prachtvoller Staubbäche verleiht, für den Ackerbau aber in weit ausgedehnterem Maasse, als es der Fall ist, benutzt werden sollte. Auch wäre diese Benutzung wohl erfolgt, wenn nicht gerade hier der Feudalismus und ungünstige Besitzverhältnisse die Bewohner mehr als auf mancher anderen Insel bedrückt und in ihrer Entwicklung zurückgehalten hätten.
Der Export von Gomera beschränkt sich ausser auf etwas Seide hauptsächlich auf die Kartoffeln, welche auf den Canaren besser als anderwärts gedeihen, aber in so grosser Menge ausgeführt werden, dass den einheimischen Armen das aus den Wurzeln des Adlerfarns (Pteris aquilina) bereitete schwarze Brod ein Hauptnahrungsmittel ist. Diese Wurzeln werden ausgegraben, getrocknet und gemahlen, das Mehl zu flachen Brodscheiben gebacken, welchen man ganze Körner von Roggen oder Weizen beigiebt. Dieses Brod schmeckte mir mit einiger Salzzuthat, an der man es hatte fehlen lassen, ganz gut. Nur Schade, dass manche Adlerfarne bittere Wurzeln haben, welche sich im äusseren Ansehen kaum von den guten sollen unterscheiden lassen und welche das Brod leicht ungeniessbar machen. Durch bessere Behandlung (etwas mehr Hefe und Salz) würde man das Farnwurzelbrod zu einer sehr schmackhaften und nahrhaften Speise machen können.
Zuckerrohr-Plantagen und Weinbau haben auch auf Gomera fast gänzlich aufgehört und das Sammeln der Orseille-Flechte (Rocella tinctoria) beschäftigt nur noch wenige Arme. Die Cochenille-Zucht scheint den indolenten [arbeitsscheuen] Gomeros noch zu mühsam. Auf keiner der Canaren stehen so zahlreiche Dattelpalmen als auf Gomera, man gewinnt dort Palmwein und trefflichen Palmhonig (garapo), die Blätter werden wie auf Canaria zu hübschen Matten geflochten. Nur an einigen Orten der Insel aber reifen gute Datteln, bei denen meist der Kern verkrüppelt ist; die anderen kleinen und nicht schmackhaften Datteln sind Schweinefutter.
Das Thal von Hermigua ist durch Wald, Felsen und Wasserfalle geziert, im unteren Theile desselben befinden sich Buschwäldchen von Acacia Farnesiana, welche nirgends auf den Canaren so üppig gedeiht als hier. Die gelben Blüthenköpfe strömen köstlichen Duft aus, daher heisst der Strauch Aromal. In den stacheligen Zweigen finden kleine Singvögel, namentlich die Schaaren der Canarienvögel, Schutz gegen die verfolgenden Cernicalos (Falco tinnunculus) und andere Raubvögel.
Agulo, von sehr reichen und sehr armen Leuten bewohnt, liegt am Fusse einer steilen, waldgekrönten, halbkreisförmigen Felswand, deren Höhe ich auf etwa 300 Meter schätze und von der ein herrlicher Wasserfall herabstürzt, den ich später von der Gegend von Guia auf Tenerife aus (5 Deutsche Meilen weit) wieder sah. Leider rutscht das freundlich gelegene Agulo auf seiner thonigen Unterlage, so dass sich die Gebäude wie der Erdboden spalten.
Das Thal Valle hermoso ist in seinem oberen Theile zu einem grossen Kessel erweitert, zahlreiche Palmen (man sagt über 6000) stehen in der Tiefe, malerische Felsen erheben sich auf den Bergrücken des Thalkessels und den umliegenden, vielfach mit der Sabina (Juniperus phoenicea) bewachsenen Höhen. Der imposanteste dieser Felsen ist der riesige Roque del Valle. Sonderbare Felsbildung zeigt die benachbarte Seeklippe, der Orgelfels, los Organos.
Nach Westen hin ist Gomera von ungemein steilen und tief zerrissenen Klippen umgeben. Wir gelangten nach diesen wild schönen Partien über das waldbedeckte Mittel-Plateau der Insel hin und bei dem armen Orte Arure vorbei , welcher in der Nachbarschaft eines schönen Wasserfalles liegt. Von der romantisch gelegenen Ermita de San Salvador, einer Art Wildkirchli, blickten wir hinab in das palmenreiche Thal von Taguluche, dann vom Risco de America auf den fast senkrecht über 600 Meter tief unter unseren Füssen brandenden Ocean. Nicht ohne Schwierigkeiten gelangten wir bei Nacht von da hinab nach Valle gran Rey, einem Kirchspiel, dessen Häusergruppen in einem wasser- und fruchtreichen Thal verstreut liegen, dennoch aber arme Bewohner beherbergen.
Auf dem nahen Riff Bajo del Secreto soll 1488 die Verschwörung dreier Brüder gegen den grausamen Grafen von Gomera berathen worden sein, von der sich die Sage in mannigfaltigen Variationen erhalten hat. Als bei der Rückfahrt von dem Riffe einer der drei die Furcht äusserte, der Plan könne verrathen werden, ertränkten ihn die zwei anderen Brüder, denn nur wer unter ihnen Verrath fürchte, sei des Verrathes fähig.
Der Weg von Valle gran Rey nach Chipude, dem höchst gelegenen (circa 1100 Meter) und ärmsten Orte Gomera's, führte wieder an einem Wasserfalle vorbei, der eben vom Sturme gepeitscht einen ganz eigenthümlich schönen Anblick gewährte. Der Wasserstrahl wurde erst in schönem Bogen seitwärts getrieben, dann vom Wind in einen Staubregen aufgelöst. In diesem zeigte sich ein glänzender Regenbogen. Die Wassertropfen sammelten sich endlich in grosser Tiefe, wohin der Wind nicht zu dringen vermochte, zu Hunderten von silbernen Fädchen, die am Felsen herabrieselten. Die Höhe der Wand, von der dieser Staubbach herabstürzte, dürfte 200 Meter erreichen.
Von Chipude aus besuchte ich den weithin (selbst in Palma) durch seine Form auffallenden Tafelberg, la Fortaleza, dessen Namen zu einer irrthümlichen Eintragung von Befestigungswerken auf Vidal's Karte verführt hat; dann bestieg ich den höchsten Gipfel Gomera's, den Alto de Garajonai. Dieser viergipfelige Rücken steht auf dem waldigen Hochplateau der Insel, in welches der Oberlauf der wasserreichen Thäler sanfte Mulden eingeschnitten hat und über dem sich nur wenige Hügel erheben.
Vom Alto überblickt man die ganze Insel; auf dem höchsten Gipfel (circa 1340 Meter) wächst noch ein kümmerliches moosbewachsenes Exemplar einer Pflanze, die man sonst nur in der Nähe der Küste sieht, hier zwischen Lorbeeren und Erica, eine Euphorbia regis Jubae.
Auf dem Höhenplateau liegt mitten im Walde der Rest eines alten, von einem niedrigen Wall umgebenen Kraters [der Autor meint damit offenbar La Laguna Grande], dessen ebener Boden unbewachsen ist und 250 Schritt im Durchmesser hält; er soll zum Exercirplatz der Milizen Gomera's dienen, wozu ihn seine mässige und ziemlich gleiche Entfernung von den Hauptorten recht geeignet macht. Ausser diesem erkennt man nur an wenigen Punkten der Oberfläche Gomera's Spuren von Kratern.
Vom Hochplateau stieg ich dann über Alajeró hinab zu den Thunfischerei-Anstalten von Cantera und Santiago. Die Westküsten von Gomera und Palma bieten im Sommer reiche Beute an Thunfischen, denen die gefrässigen Haie, sonst eine Seltenheit in diesen Meeren, nachziehen. Die Bewohner der Küstenorte, besonders Palmeser, ziehen dann auf den Fischfang aus. In den genannten Etablissements und in einigen anderen werden die Fische zerstückt, eingesalzen und meist nach Spanien versandt, da die Canarienser den atun nur frisch essen mögen und den eingesalzenen Fischen die getrockneten vorziehen, welche von Lanzarotenser Balandern an der Afrikanischen Küste gefangen werden.
Die erste Anstalt zum Einsalzen der Thunfische gründete auf Gomera an der Cantera der Genoveser D. Ambrosio Garcia, ein liebenswürdiger und gebildeter Mann, der mich in seiner rothen Garibaldi-Blouse freundlichst empfing. Freilich weckte die freudige Begeisterung, mit der er von der Wiedergeburt seines Vaterlandes reden konnte, in meinem Deutschen Herzen die Wehmuth und das Schamgefühl, dass unser Ringen nach Freiheit und Einheit sich immer und immer hat wieder unterdrücken lassen und dass die schwarz-roth-goldne Fahne selbst in der Heimath verlacht und verachtet wird.
Als ich dann zwischen Alajeró und Santiago hinschritt, hatte ich Gelegenheit, eine eigene Art der Verständigung auf weite Fernen, eine förmliche Fernsprache der Gomeros kennen zu lernen, die Mittheilung durch Pfeifen. Das Hirtenvolk Gomera's hat in die Pfiffe auf dem Finger so viele Modulationen zu bringen gewusst, dass man sich über die tiefen Barraneos hinüber zu rufen und mancherlei Fragen und Antworten auszudrücken vermag. So erzählten mir glaubwürdige Personen, dass sie bei entfernt ihre Heerden weidenden Hirten auf solche Weise Milch bestellt haben. Ein Spanischer Militär-Kommandant, dem die Sache unglaublich erschienen war, hatte zwei Gomeros in beträchtlicher Entfernung von einander aufgestellt und liess durch Pfeifen fragen, ob Jose den Engländer N. in Orotava kenne. Die Antwort wurde ihm übersetzt: „Ich habe ihn nicht gesehen noch gekannt." Nun ging der Offizier auf den Gefragten zu und liess sich von diesem Frage und Antwort mündlich wiederholen. Bei Kriegen soll diese, natürlich nur dem Eingeweihten verständliche, Mittheilungsweise der Gomeros den Spaniern bisweilen Vortheile gebracht haben.
Die Insulaner haben aber in früheren Jahren an Weihnachten, dem Hirtenfest, in der Kirche Freudenpsalmen gepfiffen und der dabei vorkommende Unfug veranlasste das Verbot, welches im Jahre des Heiles 1862 vom Altar her unter Androhung schwerer Strafe ausgesprochen werden musste, aber nicht ausführbar gewesen wäre, hätten nicht die Väter der Stadt San Sebastián sich in der Kirche vertheilt und während der Weihnachtsmesse die Thüre schliessen lassen. Vorher und nachher wurde aber in den Strassen um so lauter gepfiffen.
Wundervolle Felspartieen am zuckerhutförmigen Roque de Agando und an den mehr gerundeten Roques de Ojila schmücken die östliche Hälfte des Kesselthales, dessen Ausfluss bei San Sebastian mündet, und seine Umwallungen.
An wenigen Punkten habe ich so schön wie auf dem Vorlande der Ermita de Guadelupe [der Autor meint wahrscheinlich die Eta. de N.S. de Guadelupe an der Punta Llana nördlich von San Sebastián], am Fusse einer steilen Felswand, das Leben der Meerthiere in den bei Ebbe weithin gangbaren Strandfelsen beobachten können. Da bewegen die röthlichen Polypen ihre Arme in den zurückbleibenden ruhigen Lachen des Seewassers, Echinen und Seesterne sieht man zwischen den zart gefiederten grünen und bräunlichen Meeres-Algen, Holothurien kriechen umher und flinke Fische schnellen in den Wasserbecken hin, während die Krabben und Muschelkrebse wieder an anderen Orten die Augen auf sich ziehen.
Wider Willen musste ich von einer angetretenen Seereise nach Canaria zurückkehren, vom Nordoststurm zurückgetrieben, vor dem wir uns wegen Aufhebung des Verkehrs mit Tenerife in keinem Hafen jener Insel bergen durften; so sehr mich Anfangs diese Unannehmlichkeit ärgerte, erkannte ich doch bald darin einen glücklichen Zufall, da gerade Ende Dezembers auch auf Canaria einige vereinzelte Fälle vom Gelben Fieber vorkamen.
Allgemeine Notizen über Gomera:
Gomera ist eine kleine Insel von nur 384 QKilometer (nach Olive 378) oder noch nicht ganz 7 geographischen Quadrat-Meilen mit 11.360 Einwohnern, von denen 10.616 weder lesen noch schreiben können. Es giebt 5 Knabenschulen (129 Schüler), gar keine Mädchenschule.
Unter den Einwohnern sind
5310 Männer (1504 verheirathet, 156 verwittwet),
6050 Frauen (1605 verheirathet, 391 verwittwet).
Unter der Bevölkerung sind 807 Grundbesitzer, 485 Pachter, 12 Kaufleute, 7 Matrosen, 217 Personen sind dienstpflichtig in der Miliz, aber nur 25 unter Waffen.
Von den Gomeros sind 15 taubstumm, 82 blind und Krüppel, 47 leiden an Elephantiasis.
Es giebt keinen Advokaten, Schreiber, Notar, eben so wenig einen Arzt und Apotheker.
Im Durchschnitt fielen von 1857 bis 1861 jährlich 406 Geburten, 66 Eheschließungen, 150 Todesfälle, 89 Auswanderungen nach Amerika vor.
Der Viehbestand belief sich 1859 auf 56 Pferde, 66 Maulthiere, 363 Esel, 900 Schweine, 1278 Rinder, 1714 Schafe, 2830 Ziegen.
Der Wald ist offenbar grossentheils Privateigenthum, nur 16 Waldgrundstücke mit 3,27 QKilometer gehören den Gemeinden.
Bewässert sind 163,5 Hektaren Land zum Feldbau.
Der Ertrag war nach dem Durchschnitt der Jahre 1857 bis 1861 circa:
1667,75 Hektoliter Weizen, 393 Hektoliter Roggen, 2662 Hektoliter Gerste, 2268 Hektoliter Mais.
Über die von Gomera ausgeführte Cochenille enthält Olive’s Diccionario keine Angabe.
Nur ausnahmsweise legen noch jetzt grössere Schiffe in Gomera an, dagegen kommen jährlich etwa 50 bis 80 Cabotage-Schiffe und kleinere Fahrzeuge mit etwa jährlich 321 Passagieren dahin und ist von hier, im Gegensatz zu den meisten anderen Inseln, der Werth der durch Cabotage exportirten Waaren (1862 für 190.863 Frcs.) über doppelt so hoch als der der eingeführten Artikel. Ende 1861 besass die Insel 1 Cabotage-Schiff mit 6 Matrosen und 13 Fahrzeuge zum Fischfang mit 65 Mann Bemannung; letztere lieferten in jenem Jahre circa 182.000 Kilogramm Fische im Werthe von über 121.000 Frcs.
Die Insel hat 26 Vicinal-Wege in einer Länge von 40 Leguas (222,6 Kilometer).
Die Post beförderte im Jahr 1862 1885 Briefe und verbrauchte 1756 Briefmarken.
Nur 4 Kanonen in der Batterie Los Remedios bei San Sebastián sollen die Insel vertheidigen.
Bemerkungen zu den Karten:
Standen mir auch bei Anfertigung derselben neben den nach meinen Erfahrungen recht genauen Küstenumrissen der Englischen Admiralitäts-Karten von Vidal und Arlett eine Anzahl an Ort und Stelle gemachter Croquis, Zeichnungen und Boussolen-Messungen zu Gebote, so bin ich mir doch recht wohl bewusst, wie unzureichend solche Hilfsmittel sind, zumal selbst die Boussole auf dem magnetitreichen Boden der vulkanischen Gesteine sehr viel von ihrer Zuverlässigkeit verliert. Nur lange Arbeit mit genaueren Instrumenten wird später im Stande sein, ein genaues Bild jener Inseln zu geben. [...] Für Gomera und Hierro erlaubte die Englische Karte auch für das Innere einen näheren Anschluss, denn die Inseln lassen sich vom Meere aus ziemlich überblicken, so dass verhältnismässig Weniges zu ändern blieb und die Arbeit fast nur auf Nachtragung von Orten, Darstellung der Kesselthäler von Gomera und genauere Einzeichnung der Schluchten (barrancos) nach meinen Zeichnungen sich beschränkte.



Free Sundown! Nieder mit der Trommel - und Didjeridoo Diktatur! Für musikalische Vielfalt - der Sonnenuntergang hat bessere Musik verdient.
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