Wenn besondere Orte solche sind, die besondere Emotionen bewirken, dann ist die Playa de Avalo für mich ein ganz besonderer Ort. Mich erfüllt der Anblick der Investitionsruine, die seit Jahren das schmale Tal nördlich von San Sebastián verschandelt, mit einer Gefühlsmischung aus Wut und Verzweiflung. Ich kann es kaum fassen, was hier (wahrscheinlich wieder einmal mit dem vorgeschobenen Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen) in einem eigentlich per Gesetz geschützten Naturreservat an Umweltzerstörung angerichtet wurde.
In dem für unseren ersten Gomera-Urlaub angeschafften Reiseführer (K. Stromer: La Gomera El Hierro, 1986) wurde die Playa de Avalo noch als der schönste Strand der Insel gepriesen:
„Die Playa de Avalo ist 3 km nördlich der Stadt in einer geschützten Bucht gelegen. Anfahrt über die Straße am Parador und Leuchtturm vorbei - rechts unten taucht dann bald die Bucht auf. Sie besteht aus einem 200 Meter langen, ca. 15 Meter breiten Steinstreifen. Bei schwacher Brandung rückt der Ozean ein paar Meter Sand heraus. Im Sommer (dann wie auch an Wochenenden stark von den Einheimischen frequentiert) herrscht meistens ruhige See, die Winterbrandung kann auch mutigen Schwimmern den Adrenalinspiegel hochjagen. Vorort auch eine kleine Bar, die aber nicht regelmäßig besetzt ist. Wenn, dann gibt es Erfrischungsgetränke zu zivilen Preisen sowie Antwort auf die Frage, wo denn die berühmte Süßwasserquelle zu finden sei. Ein kleiner Platz zum Zelten (vor den Palmen) oder als Alternative dazu die Schaumstoffmatratzen aus dem Lagerraum der Bar machen es möglich, hier ohne Vorbereitung eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Am Morgen darauf ist dann Schnorcheln oder Angeln angesagt. Wer bequem bleiben will, wartet auf den Fischer, der während des Tages vorbeikommt und frische Ware anbietet. Wenn dann die Sonne steigt, bieten die Palmen im kleinen Tal und die Bananenstauden Schatten.“
Die Geschichte kommt einem von anderen Orten der Insel bekannt vor: Irgendwann vor Jahren kursierte die Nachricht, Tony Palmer, der seit Jahren auf Teneriffa unbehelligt lebende Posträuber, wolle an der Playa de Avalo eine goße Timeshare-Anlage gründen. Ihm zuliebe wurde der gesetzlich geschützte Boden für urbanisierbar erklärt. Nachdem Palmer das Land weiterverkauft hatte, wollte nun eine internationale Hotelkette ein riesiges 5-Sterne-Hotel bauen (nach I. Gawin: Gomera, 2000).
Und tatsächlich wurde als infrastrukturelle Vorbereitung die Straße zur Bucht groß ausgebaut, mit seitlicher Mauereinfassung und alle paar Meter mit einer schönen schwarzen Straßenlaterne. Auch unten in der Bucht wurden Straßen angelegt mit Gehwegen, Blumenkübeln, und massenhaft kleinen Mülltonnen. Mit großem Aufwand wurde das Barranco-Bachbett in eine unterirdische Röhre verlegt, an den Hängen wurden die Bauplätze für die geplanten Gebäude ausgebaggert, eine Straße offenbar auf eine unterirdische Parkebene geführt.
Und dann war (ich zumindest weiß nicht, warum) plötzlich Schluss mit den Bauarbeiten. Seit vielen Jahren hat sich dort nichts mehr getan. Bereits bei unserem Besuch 2006 hingen die Laternenköpfe baumelnd an den Masten oder waren längst abgefallen.
Nach wie vor ist das Bauareal durch Zäune und Schranken abgeriegelt. Daneben führt eine Piste zum Strand am Ende der Baustellenbucht. Aber offenbar haben heute weder Touristen noch Einheimische mehr Lust auf den einstmals so schön gelegenen Strand. Zumindest haben wir bei unseren Besuchen dort keinen Menschen mehr gesehen.




Das erste ist schon um