Verfasst hat es Francis Coleman Mac-Gregor, ein Deutscher schottischer Abstammung, der fünf Jahre lang auf Teneriffa als britischer Konsul tätig war. Mac-Gregor beschrieb in seinem Werk nicht nur Natur, Kultur und Sitten der Kanarischen Inseln, sondern analysierte auch die gesellschaftliche Struktur, die seiner Meinung nach eine Ursache für die desolate wirtschaftliche Situation auf den Inseln war.
Wer eine sehr interessante Zusammenfassung des Buches lesen möchte, kann sie hier
Vor einigen Jahren wurde das Buch auch erstmals ins Spanische übersetzt:
Und hier
Uns eGomera-Foristen interessiert natürlich vor allem unsere kleine runde Insel. Deshalb nun hier ungekürzt der Abschnitt "Die Insel Gomera" (Seite 320-326):
Seit dem Jahre 1405, wo Johann von Bethencourt die Insel Gomera ohne Widerstand der Einwohner eroberte, befindet sich dieselbe in den Händen der Spanier. Nachdem die Entdeckung Amerika's den Namen Columbus verherrlicht hatte, war es Gomera, die sich rühmte, ihn einige Zeit unter ihre Mitbürger gezählt und ihm zuerst den Weg nach der neuen Hemisphäre gezeigt zu haben. *
*Fußnote: Alonzo Sanchez de Guelva, ein Andalusischer Seefahrer, welcher mit den Canarien und Madera Handel trieb, ward von einem heftigen Sturm fortgerissen, der sein Schiff nach den Gewässern Amerika's verschlug, wo er jenes damals unbekannte Land zuerst entdeckte. Von dort zurückkehrend, lief er in San Sebastian auf Gomera ein, wo Cristoval Columbus (Span. Colombo, nicht Colon, welches nur eine Abkürzung ist), sowohl ihn als dessen krankes Schiffsvolk beherbergte und pflegte. Aus Dankbarkeit theilte Sanchez vor seinem Tode seinem Wirthe und Wohlthäter die gemachten Beobachtungen mit, und gab ihm Nachricht über den Cours, den er gesteuert, und über die Küsten, die er entdeckt hatte.
Gomera sah zu drei verschiedenen Malen die Flotte des Columbus im Hafen von St. Sebastian, dem besten auf sämmtlichen Inseln (obgleich der Hafen von Lanzarote sicherer ist: so können dort wegen der geringen Tiefe keine Kriegsschiffe einlaufen), vor Anker gehen, und viele ihrer Söhne, die dem Entdecker folgten, theilten den Ruhm und die Erfolge seines denkwürdigen Unternehmens.
Die Insel Gomera liegt südwestlich von Tenerife; sie beginnt im Süden unterm 28º 1' 30'' und endigt im Norden unterm 28º 13' nördlicher Breite. Sie erstreckt sich von Osten nach Westen vom 19º 28' bis 19º 44' westlicher Länge von Paris. Ihr kleinster Durchmesser von Mittag nach Mitternacht beträgt 4, und ihr größter von Morgen nach Abend 5 Deutsche Meilen.
Von Tenerife ist sie ungefähr 5, von Palma 10 und von Hierro 11 Seemeilen entfernt. Ihre vorzüglichsten Landspitzen heißen: Punta gorda im N.N.W.; del Viento im W.S.W.; von Ballegran im S.W.; del la Gavista im S.O.; de los Canarios im O.; de San Cristoval im O.N.O.; de Mahona im N.O.; und von St. Catalina im N.N.O.
Unter ihren Rheden und Landungsplätzen sind die vornehmsten: Die Playa de la Sepultura im Norden; die Bucht von Vallehermoso im Nordnordwesten; del Trigo im Westen und der Hafen von San Sebastian, welcher letztere der bedeutendste ist.
Obgleich die Berge der Insel von beträchtlicher Höhe sind: so findet man deren Gipfel doch nur selten mit Schnee bedeckt. Die Insel ist von unregelmäßig runder Form, und gleicht einer, nicht weit vom Fuße abgehauenen Säule, in deren Seitenwänden zahlreiche Barrancos tiefe Furchen gewühlt haben und deren obere Fläche mit dichter Waldung bedeckt ist. Ihre Küsten sind hoch und steil; ihre, den Einsturz drohenden Gebirge mit ihren hohen Bergzügen, und sich jäh erhebenden Spitzen, gewähren einen äußerst grotesken Anblick.
Alle diese Umstände machen die Insel zur holz- und wasserreichsten der Canarien, und das Clima derselben frisch und gemäßigt. Dessen ungeachtet ist sie eben nicht eine der gesündesten: denn die Lage ihrer bevölkertsten Ortschaften, in sehr tiefen und feuchten Schluchten, in denen freier Luftzug mangelt, erzeugt außer den auf den andern Inseln einheimischen Krankheiten, häufige und bösartige Faulfieber, kalte Fieber und Durchfälle.
Das Übel aber, von welchem die Einwohner am meisten zu leiden haben, ist die herrschende Armut und die allgemeine Noth. Viele sehen sich einen großen Theil des Jahres hindurch auf den Genuß des Brots aus den Wurzeln des Farrenkrautes beschränkt. Sie leben in Hütten, denen nicht allein alle Bequemlichkeiten mangeln, sondern die ihnen kaum Schutz gegen den Einfluß der schlechten Witterung gewähren. Dieser traurige Zustand drückt den Geist dieser Insulaner sehr nieder, und der wißbegierige Reisende, den weden die Mühseligkeiten einer Wanderung, noch die unwegsamen Pfade abschrecken, ihre Wohnungen zu besuchen, findet dort weder Zufriedenheit mit ihren Verhältnissen noch Frohsinn einheimisch.
Von 6000 Morgen Landes, welche dem Feldbaue gewidmet sind, werden beinahe 1000 Morgen zu Weinbergen benutzt, und kaum 5000 bewässert, obgleich bei dem großen Reichthum an Quellen in dieser Hinsicht ungleich mehr geschehen könnte. Der culturfähige Boden besteht grötentheils aus Thon, welcher, mit vegetabilischer Erde vermischt, von hoher Fruchtbarkeit ist. Diese Vernachlässigung ist überhaupt ein Übel, woran die vier mindern, oder sogenannten herrschaftlichen Inseln (Las Islas de Señorio; dieses sind: Gomera, Hierro, Lanzarote und Fuerteventura) besonders leiden.
Zu den physischen Ursachen dieses Übelstandes gehört vorzüglich der allgemein herrschende nachtheilige Gebrauch, die Felder, zum Besten der Heerden, ohne Befriedigung zu lassen, und der Mangel an wegsamen Straßen; die politischen Ursachen liegen theils in den mancherlei Beschränkungen des freien Verkehrs mit den Landeserzeugnissen; theils in dem Austhun der Ländereien durch die herrschaftlichen Erbpächter (Enfiteutas) an die Halbmeier, und dem hohen Erbzinse, der auf dem Boden haftet; endlich in der schlechten Vertheilung des Zehnten und dem zu bedeutenden Grundeigenthum in todter Hand.
Handelsverkehr findet hauptsächlich mit Tenerife statt, welche die beiden Inseln Gomera und Hierro mit Manufakturwaaren versorgt, und dagegen den Überfluß ihrer Produkte, namentlich Wein, Branntwein, Orseille, Seide und getrocknete Früchte wieder zurücknimmt, und in den Handel bringt.
Die Insel Gomera ist unter dem Titel einer Grafschaft eine Mediat-Besitzung Sr. Excellenz des Marquis von Belgida und San Juan, Grande von Spanien, er zu Madrid wohnt, aber seinen Bevollmächtigten auf der Insel hat. An der Spitze ihres Municipalraths steht ein Königlicher Alcalde, der jährlich von der Audiencia zu Canaria aus drei vorgeschlagenen Personen erwählt und vom Könige bestätigt wird. Den jedesmaligen Militair-Gouverneur, der zugleich die Landmiliz befehligt, ernennt der König auf Vorschlag des General-Commandanten. Der Bischof von Tenerife, zu dessen Sprengel die Insel gehört, hat seinen Vikar daselbst.
Auf einem Flächenraum von 7,770 Quadratmeilen enthält sie eine Villa, 5 Pueblos und 31 Dörfer und Weiler, worin 7 Kirchen, 20 Kapellen und 2 Klöster. In sämmtlichen Ortschaften zählt man 2120 Feuerstellen und eine Bevölkerung von 9000 Seelen.
Nach den vorhandenen Parochialkirchen wird die Insel Gomera in folgende sechs Kirchspiele eingetheilt; darin:
eine Villa und der Hauptort der Insel, liegt im Osten an der Ausmündung eines sehr tiefen Barranco, welcher einen guten Hafen bildet, der von zwei Batterien von 13 Kanonen und einem viereckigen Thurme vertheidigt wird, welchen Fernan Peraza, erster Herr von Gomera, am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts anlegte. Der Ort ist nur unbedeutend, hat aber reinliche Häuser und eine hübsche Kirche nebst zwei Kapellen. Hier ist der Sitz des Gouverneurs, des Alcalden und des bischöflichen Vikars. Das hiesige Kloster, dem heiligen Franciscus geweiht, wurde 1533 gegründet, 1571 von den Huguenotten auf ihrem Streifzuge nach Amerika verbrannt, nachmals wieder aufgebaut. Ein nahe gelegener Weiher macht den Ort zu gewissen Jahreszeiten durch seine Ausdünstungen ungesund, ungeachtet der Winde, welche besonders während des Frühlings und Sommers mit großer Heftigkeit durch den Barranco streichen. Das Kirchspiel umfaßt den Hauptort und 8 Dörfer und Weiler, mit 1 Kirche und 11 Kapellen, 350 Feuerstellen und 1500 Einwohnern.
liegt im Nordosten, 4 Leguas vom Hauptorte entfernt, in einem tiefen und feuchten Thale, rings umgeben von hohen Bergen, von welchen sich zahlreiche Wasserfälle ergießen, deren Gewässer den Boden äußerst fruchtbar machen. Der Ort hat eine Kirche, die 1650 gebaut wurde, und am Strande eine Kapelle, der heiligen Catharina geweiht. Das hiesige Dominikanerkloster des Apostels St. Petert wurde 1611 für zwölf Mönche gegründet. Es hat eine angenehme Lage und eine reizende Aussicht auf das romantische Thal, welches reich an Früchten aller Art ist, und vormals viele Zuckerpflanzungen enthielt. Zum Kirchspiele gehören 4 Weiler und es zählt 370 Feuerstellen nebst 1550 Einwohnern.
Dieses Kirchspiel, in einer Entfernung von einer halben Stunde und nördlich vom letzterm Orte gelegen, hat die gesündeste Lage auf der Insel, und gehörte früher zum Sprengel von Hermigua. Die artige Kirche wurde 1739 erbaut, und es sind 3 Weiler bei derselben eingepfarrt; das Ganze zählt 160 Feuerstellen und 670 Einwohner. Der vorzügliche Landungsplatz in diesem Bezirke heißt die Playa de las Sepulturas. Die hiesigen Ländereien, die drei Ernten des Jahres liefern, wenn sie nicht zu nahe am Meer liegen, werden von zwei Bächen bewässert, welche einige Mühlen treiben und sich hernach in einen großen Behälter ergießen, von wo aus das Wasser in die Gärten und Pflanzungen geleitet wird.
sieben Leguas vom Hauptorte entfernt, hat den bedeutendsten Umfang von allen und liegt im Nordwesten, in dem unwegsamsten und gebirgigsten Theile der Insel. Seine Lage zwischen hohen Felsen und tiefen Schluchten, in denen wenig Luftdurchzug stattfindet, macht die Gegend feucht und ist der Gesundheit wenig zuträglich. Das Pfarrdorf wird durch den Barranco von Moncayo in zwei Hälften getheilt, und hat eine Kirche, welche 1672 gebaut wurde. Das ganze Kirchspiel begreift 5 Ortschaften mit 5 Kapellen, 580 Feuerstellen und 2500 Einwohnern.
Die zum Bezirk dieses Kirchspiels gehörigen Ortschaften liegen im Westen und Südwesten in einer sehr hohen Gegend, und ihr Clima ist daher gesund, obgleich das kälteste der Insel. Das Pfarrdorf, dessen Kirche 1655 gebaut wurde, erhebt sich am Abhange eines Berges, der mit dichtem Gehölz bewachsen ist. Es wird durch einen Gießbach von dem Dörfchen Arure getrennt, in welchem sich eine Filialkirche befindet. Der ganze Sprengel besteht aus 6 Ortschaften, mit 2 Kirchen, 2 Kapellen, 440 Feuerstellen und 1850 Einwohnern.
im Süden der Insel, ziemlich hoch und luftig gelegen, mit Ausnahme des Kirchdorfes, welches sich in dem tiefen Barranco von St. Jago befindet. Der Ort hat einen kleinen Hafen, der sehr besucht, und durch die tiefe Höhle merkwürdig ist, in welcher man alles Getreide aufbewahrt, was verschifft werden soll. Dieses Kirchspiel, welches reich an Quellen ist, zählt 8 Ortschaften, worin 1 Kirche,1Kapelle, 220 Feuerstellen und 9030 Einwohner.



Hallo woga! Sprich doch einfach mal St. Jago nicht spanisch sondern deutsch aus, also mit weichem J! Alles klar?
Iaaaah 
du hast es verdient Don Historico, welche Schätze,
Wieder zu Hause werde ich mich auch über die anderen Inseln her machen. Hab' mir aber von der Neugierde getrieben, die Beschreibung La Gomeras schon mal durchgelesen. Für mich hoch interesant, dass die Feuerstellen eine wichtige so wichtige Rolle spielten, dass sie in selben Atemzug mit Einwohner genannt werden. Bedeutet vielleicht Häuser od. Familien? Vielen Dank Buba für diesen Beitrag.