von Lee am Mo 30. Mai 2011, 21:15
Etwas erlebtes zum Thema:
An einem Abend wurden wir Augen-und Ohrenzeugen der "Klassischen" Parrandamusik bei Maria. Ein paar mehr oder oder weniger ältere Herren musizierten, relativ dezent elektrisch verstärkt draußen vor der Bar vor einem geneigten Publikum. Wir fanden die Darbietung recht nett, gut es war kein Jobim, de Lucia oder Getz(Ist ja auch eine andere Baustelle) unter ihnen und sie saßen auch irgendwie etwas unlocker auf ihren Stühlen und zeigten wenig Regung beim Musizieren, aber uns hat es gefallen. Ein paar Tage später unterhielt ich mich mit einer Vallekennerin über ihre Musik und sie konnte nicht ganz nachvollziehen was mir daran gefallen hatte. Sie meinte, die Musiker würden musikalisch kaum miteinander kommunizieren, es wäre keine Interaktion in ihrer Musik. Außerdem würden sie fast jeden Abend die gleichen Stücke spielen. Parranda wäre anders, vor allem lebhafter.
Ein paar Tage später fuhren wir weiter nach El Hierro. Am ersten Abend gingen wir an unserem Standort in Las Puntas in einen schlichten Kiosco. Das Lokal erinnert mehr an ein in die Jahre gekommenes Clubheim als an ein Restaurant, aber es gibt hier lecker und günstig eine große Fischauswahl und echtes kanarisches Ambiente. Dieser Kiosco hatte uns schon in unserem ersten Urlaub gefallen. Auf einem Tisch lagen schon damals immer diverse Instrumente herum, aber damals waren wir wohl an den falschen Tagen dort. Dieses Mal hatten wir mehr Glück. Wir hatten kaum bestellt als sich ein etwa 70 Jähriger eine der Gitarren griff und etwas Flamenco zum besten gab. Kurz darauf trudelte ein anderer Senior ähnlichen Alters ein und schnappte sich die 12- saitige. Nun änderte sich die Musik und es wurden Herrenisch/Kanarische Volkslieder angestimmt. Dabei riefen sie immer wieder den Namen eines am Tresen stehenden Mannes bis der sich endlich zu ihnen gesellte und den Vokalpart übernahm. Er war nicht der beste Sänger und mußte sich immer etwas in die Stücke hereinkämpfen, aber wenn er erst einmal drin war, war er wirklich grandios und außerdem ein großer Sympath. Dann kamen ein Blinder und seine Frau dazu. Der Blinde schnappte sich auch gleich ein Saiteninstrument und legte los als wenn nichts wäre, seine Frau übernahm eine der Vokalstimmen. Sie spielten sich daraufhin mit wachsender Begeisterung durch viele Stücke. Immer wieder mit Call and Response-artigem Gesangsstil bei dem Einer einen Satz singt und der Andere ihm dann antwortet. Die Texte müssen teilweise improvisiert und voller Anspielungen gewesen sein - das konnte man zumindest dem Gejohle der anderen Anwesenden entnehmen. Nach fast jedem Stück tauschten sie munter die Instrumente und es gesellten sich auch noch andere Sänger dazu. Jeder konnte mitmachen, niemand mußte perfekt sein, jeder durfte sich verspielen, denn sie spielten einfach nur zum Spaß und nur für sich selbst, nicht für die Touris.
Schon nach wenigen Stücken fielen mir die Anmerkungen der Vallekennerin ein und ich wußte genau was sie meinte. Claro, so hört sich wirklich lebendige kanarische Volksmusik an! Dagegen waren die Jungs bei Maria, obwohl gute Musiker, die reinsten Langweiler.
Wir erlebten die Jungs im Kisco dann noch einmal ein paar Abende später in veränderter Besetzung. Es war wieder sehr gut und sie wiederholten kaum ein Stück!
Solch Abende wird man natürlich auch auf La Gomera erleben können, aber es passt, finde ich, irgendwie...
Toda de las islas pequeñas es bonita y mágica!