Rother 9 mit Abwandlung: Taco - El Rumbazo - Targa - Imada - Barranco de GuarimiarAuf den freundlichen Hinweis des Herrn Lee (schon wieder)

wurde diese Tour mit ins Programm aufgenommen. Ich könnte ja jetzt behaupten, das wäre sie aufgrund der Lage ohnehin, aber man weiß ja nie. So stand sie als fixer Termin im Programm und wurde als solcher gleich zu Beginn im Vollbesitz aller Kräfte angegangen. Diesmal musste der Mumerick auf Filifjonka aufpassen, während Mymla mit kommen durfte. Aus den Erfahrungen der Vorwanderung schlauer geworden haben wir uns dann auch zu einem sehr frühen Beginn überwunden, Treffpunkt um 07:00 Uhr beim Frühstücken (vorher machte das Restaurant einfach nicht auf

). Also haben wir den Wecker beinahe unmenschlich früh gestellt, was aber für einen Wanderurlaub nicht wirklich tragisch war. Komisch war nur der Umstand, dass wir ganz alleine in dem riesigen Speisesaal waren und die Kellner auch eher neugierig interessiert geguckt haben, wie wir angezogen waren. Scheint nicht so oft vor zu kommen, dass so seltsam gewandetet Menschen so früh in Fred seinem Speisesaal hocken. Aber da konnten sie sich schon mal dran gewöhnen, das sollte nicht das einzige Mal bleiben.

Nach einem kurzen Frühstück ging es dann auch schon los in Richtung Taco/Pastrana, den Weg kannte ich ja schon. Hier das Auto wieder am Wanderparkplatz abgestellt und los ging es auf die mit 4.10 Std ausgewiesene Rundtour. Mit den jeweils 20 Minuten Hin- und Rückweg von unserer Variante aus zu dem eigentlichen Weg waren wir inkl. Sicherheitszuschlag auf etwas über 5h eingestellt.
Der Zustieg von Taco ging direkt in den Weiler von El Rumbazo, den wir in absoluter Stille durchwandern konnten. Dort erblickten wir auch schon die erste Sehenswürdigkeit, eine Freiluftküche. Die gefiel dem Snork-Fräulein ungemein (mir im Übrigen auch), wenngleich die Enttäuschung groß war, als klar wurde, dass ich die in meiner Wohnung nicht anbauen würde.

Rother 9 - offene Küche in El Rumbazo
Kurz hinter El Rumbazo verlief dann ein leicht ansteigender Camino in Richtung Tal-inneress, dem man problemlos folgen konnte (schwieriger war da eher der Einstieg in den Wanderweg von Taco nach El Rumbazo, da waren wir auf die freundliche Mithilfe eines Einheimischen angewiesen, der aus dem Fenster guckend uns mit einem gutmütigen *Hrmpf* und seinem Fingerzeig andeutete, wir müssten vor seinem Fenster vorbei – und nicht ums Haus rum). Dieser Weg führte gut 20 Minuten stetig in Richtung Guarimiar, bis wir auf den offiziell im Rother beschriebenen Rundweg stießen. Hier ging es dann an der Gabelung (Hinweis: Immer dem in den Felsen getackerten Schild Beachtung schenken

) nach links und in die Steilwand. Der stetig ansteigende Camino wurde so relativ zügig ein sich steil nach oben windender Camino, was uns angesichts der direkten Sonneneinstrahlung auf der anderen Barranco-Seite Dankeshymnen auf die frühe Aufbruchszeit ausstoßen lies.
Rother 9 - Camino nach Targa
Aber dennoch war der Aufstieg nicht von schlechten Eltern. Gute 1,5 h wand sich der Weg nach oben, immer die Felswand hinauf in Richtung Targa. Ging es zuerst noch durch Palmenhaine, so machten diese dann bald ersten Agaven und Kakteen (Achtung: Spitz!

) Platz und wir wären bei einer späteren Aufbruchszeit voll in der Sonne gewesen. Aber auch ohne Sonne forderte das hastig zu sich genommene Frühstück und die Anstrengung bei der Mymla Tribut. Schnell wurde der Kokosjoghurt als der Übertäter ausfindig gemacht und zwang die Mymla immer wieder zu mehr oder minder längeren Pausen. Irgendwann ging es dann schon wieder einigermaßen und wir konnten die Aussicht auf diverse Wasserstollen genießen.
Rother 9 - Wasserkanal in der Felswand
Als wir uns dem oberen Ende der Steilwand näherten, wechselte wieder einmal die Farbe und wir kamen wieder an Palmen und Büschen vorbei.
Rother 9 - Farbänderung vor Anstiegsende
Der Ausstieg des Barrancos wurde dann aber doch mittlerweile von uns allen heftigst herbei gesehnt, so dass wir uns auch gemeinsam freuen konnten, den Ortsrand von Targa erreicht zu haben. Rückblickend sah das dann aber dennoch grandios aus und vermittelte einen unglaublichen Tiefblick.
Rother 9 - Rückblick kurz vor Targa
Durch Targa, immer der Beschreibung im Rother und den Markierungen folgend, hindurch ging es dann in Richtung Alajero weiter hinauf. Hier war die Trockenheit schon deutlich sichtbar, wobei sich die blühenden Disteln sehr schön in Szene setzten.
Rother 9 - Blick von Targa aus Richtung Küste
In Alajero direkt gegenüber der Bar Palmeras endete der Camino dann an der Hauptstraße und der doofe Teil der Wanderung ging los. An der Straße entlang. Hurra! Hier geht es direkt an der Hauptstraße (glücklicherweise war nicht viel los) durch Alajero bergauf, bis wir die Ortschaft fast gänzlich hinter uns gelassen hatten und rechts auf einen Camino abzweigen konnten. Der schraubte sich dann die restlichen Höhenmeter bis zu einem Kamm hinauf (höchster Punkt der Tour mit fast 1000m), von wo es dann wieder der Straße folgend nach Imada hinab ging. Glücklicherweise muss man hier nicht auf der Straße gehen, sondern kann per Camino die meisten Schleifen abkürzen. In Imada angekommen haben wir uns dann unsere verdiente Pause gegönnt und dabei überlegt, wie wir weiter vorgehen. Nach der offiziellen Tourbeschreibung wären wir jetzt nämlich am Ausgangspunkt und hätten Zeit, den Gelüsten der Damen zu frönen. Die hatten während des Aufstiegs durch Alajero andauernd von einer eiskalten Cola geschwärmt, diese Chance hatten sie jetzt. Allerdings haben sie keine Lust gehabt, in dem Ort nach einem Laden zu suchen, sie wollten lieber weiter wandern, so lange die Füße noch fit waren und sich dann lieber eine Erfrischung am Pool gönnen. Nun gut, ihre Entscheidung

Nach unserer Rast ging es dann also an den Abstieg, das eigentliche Highlight unserer Tour. zuerst führte uns ein breiter Camino sanft am Hang entlang bergab, so dass wir alle Zeit hatten, die Terrassenfelder zu bewundern (was rückblickend dann noch besser ging

)
Rother 9 - Blick zurück nach Imada
Irgendwann verkleinerte sich dann der Weg (etwa 30 Min später) und es gab den ersten Gegenverkehr des Tages. Schafe und ein Esel. Während sich der Esel nicht von uns stören ließ, liefen die Schafe wild blökend vor uns davon und wieder bergab.
Dies gefiel dem nachfolgenden Schäfer gar nicht, was uns auch eine nicht unerhebliche Standpauke einbrachte, v.a. weil die Schafe versuchten, vom Weg weg in die Botanik zu hüpfen, was aufgrund der scharfen Palmen- und Agavenblätter wohl ein beträchtliches Verletzungsrisiko für die Füße darstellte. Ich habe es dann auch vermieden, irgendwelche Kommentare im Sinne von „Was können wir denn dafür?“ zu bringen, sondern habe mich einfach nur höflich entschuldigt, was ihn zur Frage „Aleman?“ veranlasste. Unsere bejahende Antwort führte dann zu einem belustigten „tipico“ und er zog von dannen. Naja, wenn er sich dann besser fühlt

Der Weg wechselte auch bald von gemütlich hin zu „schön - aber aufpassen“, da wir uns der Schlucht näherten. Eine erste Felsplattform bot dann auch schon einen ersten, ganz netten Tiefblick, die nächste Felsplattform weiter vorne sah dann noch viel versprechender aus.
Rother 9 - Ab in den Barranco
Bei der zweiten Felsplattform angelangt, waren wir in der Tat versucht, dem Weg nach rechts in den Hang zu folgen, wovor Wolferspergers allerdings warnten, weshalb wir dann auch lieber den Weg nach unten nahmen. Auch wenn er auf den ersten Blick nicht vertrauenerweckend aussah. Und wie läuft das ab, wenn es nicht so sicher ist? Der Troll geht vor und guckt mal. Und als er dann direkt am Abhang stand und ein Weg sichtbar war, kamen auch die Damen nach. Der Weg war weiterhin gut zu gehen, nur ging es halt links ein bisserl bergab. Gut, es war ein bisserl sehr viel, aber nicht wirklich schlimm. Und schön war es. V.a. als sich dann das Felsband zeigt, auf dem wir die Felswand durchqueren sollten.
Rother 9 - Der Weg zur Felswand
Je näher man kam, desto gefährlicher sah das ganze dann aus,
Rother 9 - Der Weg durch den Fels
wobei es letztlich nicht tragisch war. Der Troll ging also mal wieder gucken und da der Weg gut und gerne 1,5m breit war, konnte auch die vorher etwas zögerliche Mymla problemlos durch die Felswand steigen (sie konnte sich dann sogar zu „dramatischen“ Angeberfotos positionieren, um den Mumerick zu beeindrucken. Der hat das dann zwar nicht geglaubt, weil er meinte, so ein Fürchtekuchen wie sie würde das nie wirklich machen, aber lustig war es trotzdem

). Der Weg war schon wirklich atemberaubend und sehr schön von der Landschaft. Nachdem unten in der Schlucht dann auch noch der Fluss vor sich hin plätscherte, war das ganz sehr idyllisch. Und wirklich sehr empfehlenswert!
Langsam aber stetig schraubte sich der Pfad dann in den Barranco hinab, bis wir nach weiteren 1,5 Stunden dann wieder die Abzweigung erreichten und den Rundweg in Richtung Taco verließen. Zwischen drin haben wir dann ein Ehepaar getroffen, die in der Mittagshitze erst den Aufstieg Richtung Imada begonnen hatten und anscheinend bei jeder Palme im Schatten Rast machen mussten. Ich bin mir zwar nicht sicher, aber ich hatte den Eindruck, die Dame war nicht mehr so begeistert von der Idee ihres Gatten und drängte auf einen Abbruch.
Insgesamt haben wir dann etwas über 6h gebraucht, was sicherlich den Anfangsproblemen der Mymla geschuldet sein mag, aber auch der Tatsache, dass es wie immer ein Wolfersperger’sches Zeitlimit ist, das einfach schwierig einzuhalten ist. Aufgrund unserer Erzählungen und der Fotos war allerdings der Mumerick Feuer und Flamme und meinte nur mit einem knappen Kopfnicken: „Da lasse ich mich nächste Woche vom Troll durch ziehen, die 4,10 h werden wir pulverisieren.“ – Mumintours at it’s best!
Zusammenfassend kann ich nur sagen: Beste Tour, die ich überhaupt auf der Insel gegangen bin. Gut, der Straßenteil in Alajero ist doof, aber erträglich. Der Rest (sowohl der Aufstieg als auch v.a. der Abstieg) ist dagegen wirklich schön. Viel Abwechslung, ein wenig Herausforderung, aber nie grenzwertig. Genau so mag ich die Rundtouren mit Frau

Die TUI nennt das Ding „Dolomitenpfad“ und geht es wohl nur von Taco bis nach Imada hoch – das wäre mir aber zu langweilig. Das würde man ja den Aufstieg von Taco nach Targa verpassen und das ist beinahe wie die Rote Wand von Agulo – nur länger und besser…
"Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie!" (Bernd das Brot)