Nach steilem Treppenanstieg ging es dann erstmal eben auf der Teerstraße Richtung Roque San Pedro. Diese Strecke hätte ich gern vermieden und wäre mit dem Auto gleich zum Roque hinauf gefahren, wenn ich doch bloß die Abfahrt dahin nicht verpasst hätte. Na ja, wir wollten ja sowieso noch etwas laufen.
Nach gemütlichem Gang durch die Gärten wurde es dann ziemlich bald wild.
Im Barrancogrund und zwischen üppig grünen Terrassen ging es ganz gemütlich weiter bergan mit immer neuen Rückblicken auf den Roque San Pedro und die letzten Häuser von Hermigua. Aus dieser Perspektive versteckt sich der kleinere von den Pedros immer hinter dem großen.
Man könnte am besten Rückwärts gehen, so tolle Blicke taten sich auf, in immer wieder neuen Variationen.
Plötzlich taucht die Gewaltige Staumauer der Embalse de los Tiles auf und nach einem kurzen Anstieg rechts an der Staumauer eine Treppe hoch befindet man sich plötzlich in einem traumhaften Tal mit einem stillen See.
Der Blick zurück lässt See und Meer verschmelzen
Der Cedro Bach wird jetzt deutlich munterer und bereitet auf eines der Higlights dieser Wanderung vor.
Das Tal wird laufend enger und man fragt sich immer häufiger, wo es denn da wohl 'rauf gehen wird. Und immer wieder ein letzter Blick zurück.
Und dann plötzlich sehen wir ihn, den wir bislang nur auf kleinen Bildern gesehen haben: Ein unglaublicher Wasserstrahl ergießt sich von ganz weit übern eine senkrechte Wand hinab!
...und von nun an geht es zur Sache. Die steile Wand kann nur auf steilem Weg bezwungen werden. Ab hier wird es anstrengend. Gut dass der Weg zunehmend von Bäumen beschattet wird und ab und zu eine Wolke sich vor die Sonne schiebt.
Plötzlich ein kleiner Mirador und wir können weit unter uns sehen, wohin der Wasserfall denn fällt: In einen gaaanz kleinen See - scheint aber immer ziemlich genau zu treffen
Und schon wieder haben wir einen Grund zum Ausruhen: Hermigua präsentiert sich im Sonnenschein aus luftiger Höhe.
Und dann kommt, was kommen muss: Ein Geländer! Immerhin ist es eines von der stabilen Sorte, dem man wohl zutrauen kann, dass es 5 Jahre überdauert.
Weil unser Garmin uns ständig mit der Angabe über die Höhe versorgt, konnten wir rechtzeitig Hoffnung schöpfen, dass die Plackerei nun endlich bald vor bei wäre (so schön die Blicke auch waren). Das tatsächliche Ende überraschte dann aber doch wieder. Dieses ist das Zeichen, dass man sich entspannen kann, denn hinter dieser Ecke liegt der Weiler El Cedro und der restliche Weg dahin ist überaus bequem. Allerdings muss man sagen, das auch der Weg bis hierher problemlos zu gehen war.
Am Campingplatz vorbei, der noch reichlich Möglichkeiten bot, kamen wir dann zur Bar La Vista, die wir vor Jahren nur einmal für einen frisch gepressten Orangensaft besucht hatten.
Plötzlich hatte ich die Eingebung, dass wir der Bar doch mal die Ehre erweisen könnten und dort ein kleines Süppchen essen. Normalerweise gibt tagsüber bei uns immer nur die Reste vom Frühstück + Banane und getrocknete Feigen. Die Reste waren heute besonders kläglich und da die Uhrzeit für eine Pause gut passte gingen wir also hinein und wieder hinaus auf die Terrasse. Die Speisekarte las sich sehr ansprechen: Nur original kanarische Gerichte! Und es gab auch Kressesuppe. Das schien genau das richtige leichte Wanderermahl:
Gute Entscheidung! Und zum ersten Mal bekamen wir auch eine große Schale Gofio dazu. Gut, dass wir im Forum schon gelesen hatten, was man damit macht. Das Allergrößte, oder besser Allerkleinste war dann die Rechnung: 7 Euro und ein paar zerquetschte haben wir für zwei Potajes mit Gofio und zwei Wasser bezahlt! Toll! Bei einer Bar in dieser Lage und Mühsamkeit hätte ich mehr erwartet. Hoffentlich überleben sie damit.
Gestärkt ging es dann noch wieder bergauf. Jetzt kam der Fritzlore-Gedächtnis-Abschnitt. Zunächst die steile Asphaltstraße hinauf, dann rechts ab auf den Lehmweg und schließlich in den Wald auf steinig steilem Weg weiter bergan. Da Fritzlore ihr Erlebnis mit diesem Weg gerade gepostet hatte, habe ich ihn besonders wahrgenommen. Wir hatten trockenes Wetter und der Weg war steil, aber noch ganz gut bergauf zu gehen. Wenn ich mir aber vorstellte, das ich dort bei feuchtem Wetter hätte bergab gehen sollen, wäre ich wohl auch auf den Horror gekommen. Besonders der Lehmweg hätte sich in eine irre glatte Rutschbahn verwandelt und es gibt kein Ausweichen.
Oben angekommen wurden wir dann wieder mit traumhaften Blicken in den Lorbeerwald und einem fast ebenen Pfad belohnt. Ich erinnerte mich, dass wir diesen Weg vor Jahren schon einmal gegangen waren; da kamen uns zwei Mountainbiker von oben
Nach gemütlicher Tour blinzelte uns dann unvermittelt die Sonne wieder an und ein Wegweiser zeigte in die Richtung, aus der wir kamen: El Cedro - ach ja, richtig.
Links des Weges konnte man die verstreuten Häuser auf der Hochebene von Los Aceviños sehen und es schritt sich frisch voran. Gute Entspannung nach den ganzen Mühen des Aufstiegs.
Auf der rechten Seite zeigte sich dann bald die bekannte Silhouette des Enchereda Massivs - Heute mit Mütze
...und von nun an ging's bergab, zunächst weiter in Serpentinen auf dem Forstweg. Dann aber erreichten wir einen nicht sehr klar weisenden Wegweiser, aber unser Garmein meinte, nur Mut, dort geht's lang.
Dieses kleine Schild am Pfahl verschaffte uns ein ein klein wenig mulmiges gefühlt, erinnerte ich mich doch, gelesen zu haben, dass der Weg dort hinunter in keinem guten Zustand sein sollte. Mit dem Taxi von Los Aceviños zurück wollte ich nun wirklich nicht, also, Nur Mut!
Der Weg erwies sich aber als ganz gutartig und je weiter wir kamen, desto deutlicher wurde, dass er kürzlich saniert worden war.
Streckenweise ging es ganz schön steil bergab. Die Knie fingen an, sich zu beschweren, aber zwischendurch gab es immer wieder Entlastung und Strecken über Forstwegabschnitte. Plötzlich zeigte sich dann auch Hermigua wieder in ganzer Schönheit.
Ganz am Ende des Forstweges zweigte wieder ein schmaler Pfad ab. Hier konnte man noch überdeutlich die Schäden des letzten Feuer sehen. Allerdings war die Natur schon wieder ordentlich am Reparieren.
Und dann die Offenbarung: Ein Geländer! Und was für eines
Endlich mal eines nach meinem Geschmack! Zierlich, unauffällig, haltbar für viele Jahre ohne Pflegeaufwand. Schaut Euch das an, Ihr Wegebauer von La Gomera
Auch den Waldbrand hat das Geländer selbstverständlich überstanden, einiges andere ist eher zum Kunstwerk geworden
Von oben hatten wir sie schon ganz klein gesehen un langsam langsam wurde sie größer, bis sie endlich in voller Schönheit vor uns lag, die Ermita de San Juan.
Einziger Wermutstropfen war, dass es mittlerweile so spät am Tag war, dass die Sonne schon hinter den Bergen verschwunden war. Schön zu lesen übrigens, dass Bauarbeiten unsere Freude trüben sollten, na ja, nix gemerkt
Von der Ermita de San Juan ging es dann weitgehend auf Teerstraße zurück zu unserem Startpunkt. MM-Wandern schlägt eine Abkürzung durch die Gärten vor, die zwar noch mal ein paar Meter 'runter und 'rauf bedeuten, ist aber netter, als die Straße. Das folgende Bild von beiden Pedros zeigt den ganzen Rest vom Rückweg. Beidem weißen Haus in der unteren Bildmitte kommt man wieder auf die Straße, die dort am Hang entlang führt und auf der wir die Wanderung begonnen haben.
Anstrengend war, aber schön und ohne wirkliche Schwierigkeiten. 10,3 km sind wir gelaufen in 5 Stunden und 50 Minuten einschließlich aller Pausen und Kressesuppe, runde 760 m 'rauf und wieder 'runter.


Sehr einladend geschrieben
Vielen Dank, Ministro. 
Schaun mer mal...
Der Fritzlore Gedächtnis-Abschnitt muß bei Nässe aber echt heftig sein.
Da sollte man sich wirklich erst einmal in der Bar Lavista stärken. Wir fanden es dort auch oberlecker
und schön warm. Das Kaminfeuer tat echt gut.
