
"Dramaturgisch" lässt sich die Tour in drei Abschnitte aufteilen:
1. Etappe: Abstiegswanderung von Imada (870 m) durch den Barranco de Guarimiar bis El Rumbazo (ca. 200 m). Zunächst führt dieser Abschnitt fast wie ein Spaziergang durch das liebliche Hochtal südlich von Imada, dann geht' s spektakulär durch die enge Schlucht von Guarimiar und anschließend wieder gemütlich weiter bergab bis zum Dörfchen El Rumbazo, wo wir den tiefstgelegenen Punkt der Wanderung erreichen.
2. Etappe: Aufstiegswanderung von El Rumbazo (ca. 200 m) nach Benchijigua (ca. 600 m).
Dieser Abschnitt führt uns zunächst durch das idyllisch in einem Palmenhain gelegene Pastrana und dann, nach einem Stückchen im Barrancobett, durch den manchmal geradezu paradiesischen Barranco de Benchijigua stetig bergauf bis zum idyllisch gelegenen Weiler Benchijigua.
3. Etappe: Ab Benchijigua (ca. 600 m) zunächst gemächliches Genussbummeln, aber dann recht steiler und felsiger Aufstieg zur Kammhöhe (ca. 900 m) und weiter - ohne nennenswerte Steigungen oder Gefälle.- zurück nach Imada (870 m).
Die Tour ist "technisch" eher einfach. Aufgrund ihrer Länge (ungefähr 6 Stunden reine Gehzeit) erfordert sie aber eine gute Ausdauer. Vor allem das letzte Stück des Aufstiegs zur Kammhöhe bringt einen ganz schön ins Schwitzen. Selbst in den kühlen Wintermonaten unbedingt ausreichend Trinkwasser mitnehmen! Es gibt nur in Imada eine Bar!
Imada – El Rumbazo – Benchijigua – Imada
Wir beginnen die Wanderung ganz oben in Imada am kleinen Parkplatz rechts vom (vor der Bar Arcilia gelegenen) Wendehammer. Zwischen der Bar und dem Parkplatz wird übrigens gerade die ehemalige Dorfschule zu einem kleinen Hotel für Wandertouristen umgebaut.
Von dem Parkplatz aus geht' s - noch voller Energie – ein Stück die Dorfstraße hinab,
bis uns eine weiß-gelbe Markierung (PR LG 15) an der linken Straßenseite auf die untere Dorfstraße hinunter führt. Auf dieser wandern wir rechts aus dem Ort hinaus bis zu einem kleinen Treppenabstieg auf der linken Straßenseite. Eine dort angebrachte weiß-gelbe Markierung zeigt uns, dass hier der eigentliche Wanderweg beginnt.
Der recht holprige und nach Regenfällen an einigen Stellen auch etwas rutschige Camino führt uns nun - vorbei an alten Häusern und Mandelbäumen - gemütlich bergab in das wunderschöne Hochtal südlich von Imada.
Wir wandern auf schmalem Pfad zwischen Feldterrassen durch eine geradezu liebliche Terrassenlandschaft. Immer wieder bleiben wir stehen und schauen zurück auf das so schön gelegene Bergdorf Imada.
Nach und nach verengt sich das Tal, die Landschaft wird immer alpiner, und gut 30 Minuten nach Beginn der Wanderung erreichen wir nach einer langen Trockensteinmauer an einer Felsplattform den Barrancorand. Nun geht' s in Serpentinen hinab zu einem weiteren Felsplateau.
Die Blicke auf den so schmal aussehenden Gebirgspfad unter uns, auf dem wir gleich durch die düsteren Steilwände wandern wollen, können die Knie schon etwas zittrig werden lassen. Aber keine Angst. Er mag aus der Ferne zwar spektakulär aussehen, aber von nahem betrachtet ist er völlig unproblematisch.
In Serpentinen steigen wir hinab und schon bald haben wir den Pfad auf dem Felsband erreicht, das uns durch die senkrechten Felswände führt. Er ist wirklich überall ausreichend breit! Nur die Blicke hoch zu den teilweise überhängenden Felswänden lassen uns etwas schummrig werden. Hoffentlich fällt da nicht gerade jetzt ein Stein herunter!
Am Ausgang der Schlucht überqueren wir eine alte, gemauerte Wasserleitung und wandern dann ständig leicht bergab durch die Hänge des Barrancos.
Immer näher rückt der schon aus der Ferne gesichtete Weiler Guarimiar, und endlich (etwa 1 Stunde 30 Minuten ab Imada), nach Querung eines Nebenbarrancos, erreichen wir die ersten Häuser des hübschen, von Palmen umgebenen Dorfes.
Vor dem ersten Gebäude könnte man nun auf einem Pfad zum Barrancogrund absteigen und auf Asphaltstraßen bis Playa de Santiago laufen. Wir haben aber besseres vor und wandern direkt links des ersten Hauses geradeaus weiter. Schon bald stößt unser Camino auf eine neue Fahrpiste, die als Zufahrt zu einem Haus in den Hang gefräst wurde. Die Piste ein Stückchen weiter links schickt uns ein Wanderschild (PR LG 15 El Rumbazo) die Böschung hinauf, und wir sind wieder auf unserem schönen, alten Camino.
Nach wenigen Minuten ignorieren wir eine Abzweigung nach rechts (PR LG 15-1 Targa) und wandern weiter geradeaus. Blicken wir nach links über den Barrancogrund hinweg auf die gegenüberliegende Hangseite, sehen wir dort eine weitere Häuseransammlung und das hübsche Kirchlein von Guarimiar, hier mit Tele herangezoomt.
Gemütlich wandern wir auf dem stetig bergab führenden Wanderpfad dem Ausgang des Barranco de Guarimiar entgegen.
Ein zweites Mal ignorieren wir einen rechts nach Targa führenden Abzweig. Bald haben wir den Ort El Cabezo links neben uns auf der gegenüberliegenden Barrancoseite. Er liegt am Ende des Bergrückens, an dem sich die beiden Barrancos von Imada und Benchijigua zum Barranco de Santiago vereinen.
Kurz nachdem wir einen Stall mit Schafen und anderen Tieren passiert haben, erreichen wir das erste Haus von El Rumbazo. Der Wanderweg führt unmittelbar links am Gebäude entlang. Man hat das Gefühl, den Leuten über die Terrasse zu laufen, aber es geht nicht anders. Am Ende des Gebäudes stoßen wir auf ein Asphaltsträßchen, das uns zunächst sehr steil bergab und dann fast eben weiter führt, bis es auf eine Querstraße stößt. An der Straßenecke steht ein Schaukasten mit dem offiziellen Wanderwegenetz der Insel.
Den ersten Abschnitt unserer Rundtour haben wir geschafft! Rein theoretisch könnte man nun die Straße rechts bergab nach Playa de Santiago laufen. Aber das kommt natürlich gar nicht in Frage, denn dann würden wir ja die beiden nächsten tollen Tourabschnitte verpassen!!!
Also, auf geht' s! Wie folgen dem weißen Wanderschild PR LG 16 und wandern nun an der Verzweigung die Straße links leicht bergauf. Nach wenigen Minuten erreichen wir ein Gebäude mit großen Maschinen im Inneren, zu dem Rohre und Stromleitungen führen. Christoph könnte sicherlich sofort erkennen, ob es sich hier um ein kleines Kraftwerk oder ein Pumpenhaus handelt.
Aufgepasst! Unmittelbar vor diesem Gebäude zweigt rechts (Farbmarkierungen!) ein schmaler Camino ab, der uns in einigen Kehren steil hoch führt zur größeren Straße im Ort Pastrana. Oben angekommen wenden wir uns nach links und haben auch sofort das Ende der Aspaltstraße an einem Wendehammer erreicht.
Nun geht es über ein paar Stufen zu einem Betonweg hinunter, der bald in einen unbefestigten Wanderweg übergeht. Dann wandern wir auf einem wunderschönen, gepflasterten, von Trockensteinmauern eingefassten Camino durch die üppige Gartenlandschaft nördlich von Pastrana.
Schließlich senkt sich der Weg hinab zum Barrancogrund, der normalerweise völlig problemlos (durch Steinmännchen und Farbmarkierungen geleitet) zu passieren ist. Aber einmal haben wir nach einem heftigen Unwetter erlebt, dass aus dem sonst ausgetrockneten Barranco ein reißender Fluss geworden war und wir uns nicht trauten, von einem glatten Felsstein zum anderen zu springen. Da gab' s nur eins: Umkehren!
Auf der linken Seite des Barrancogrundes kommen wir an einer unscheinbaren, alten Wassermühle (El Molino de Pastrana) vorbei. Blickt man in den Ausfluss unterhalb der Mühle, kann man dort gut das alte Schaufelrad erkennen. Neben der Mühle liegt außerdem ein leider zerbrochener Mühlstein.
Nun müssen wir noch einmal den Barrancogrund nach rechts queren und laufen dann auf einem schön gepflasterten Camino an einem großen, runden Beton-Wasserbehälter vorbei und steigen, den Barranco links unter uns lassend, an der rechten Talseite bergauf.
Wir wandern durch einige Taleinschnitte, wobei sich fast ebene Passagen mit etwas steileren abwechseln, und können rechts hoch oben über uns eine alte, kunstvoll angelegte Wasserleitung bestaunen.
Vor uns haben wir dabei stets den gesamten Barranco de Benchijigua mit dem darüber thronenden Roque de Agando. Schräg links vor uns rückt das hübsche Dorf Lo del Gato immer näher, und wir erkennen bald einen Pfad, der von dem Dorf kommend auf unseren Weg stößt. Wir ignorieren ihn aber und laufen weiter rechtshaltend bergan.
Allmählich nähern wir uns immer mehr Benchijigua, das wir, eingebettet in eine zerklüftete Felslandschaft mit einem großen (Trocken-)Wasserfall, mehr erahnen als wirklich erkennen können.
Unvermittelt stößt unser Camino auf eine Asphaltstraße, der wir vielleicht 70 Meter nach links folgen, bis sich rechts beim ersten Mäuerchen unser Camino fortsetzt. Er führt uns, zunächst etwas zugewachsen, in Kehren durch einen stark mit Kakteen bewachsenen Hang und an einem verfallenen Haus vorbei
hinauf nach Benchijigua mit seinen wenigen, aber sehr schön renovierten Häusern. Schließlich durchquert unser Pfad ein kleines Trockenbachbett und stößt dann nach einigen alten Eukalyptusbäumen auf einen Fahrweg. Diesen laufen wir etwa 70 Meter nach links und haben die Plaza mit der ehemaligen kleinen Bar (Schild "Benchijigua" links neben der Tür) erreicht.
Damit haben wir auch die zweite, etwas anstrengendere Etappe unserer Rundwanderung geschafft und uns eine Pause redlich verdient! Hoffentlich hat der durstige Wanderer bzw. die durstige Wanderin jetzt noch genug Trinkwasser im Rucksack, denn die Bar ist schon seit Jahren geschlossen! Ein geschäftstüchtiger Taxifahrer hat übrigens seine Telefonnummer auf ein Mäuerchen gemalt. Also, wer jetzt partout nicht mehr weiter laufen will...
Das letzte Teilstück unserer großen Rundtour beginnt ein paar Meter links der ehemaligen Bar. Zur Sicherheit zeigt uns auch ein Wanderschild, dass es hier nach Imada geht.
Wir wandern auf einem schönen Fahrweg zunächst unterhalb einiger Häuser entlang und dann gemütlich (eine Wohltat nach der langen Aufstiegswanderung) zu einem kleinen Bachbett in einer Linkskurve und weiter leicht bergauf, bis wir etwa 10-15 Minuten ab Benchijigua einen Abzweig nach rechts (ohne Wanderschild!) erreichen.
Der Weg geradeaus würde uns zum Stausee von Benchijigua bringen. Wir aber biegen rechts ab und wandern auf den Berghang zu mit immer wieder schönen Rückblicken in den Barranco de Benchijigua. Schließlich führt uns der Camino (etwa 30-40 Minuten ab Benchijigua) an einem einsam links liegenden Haus vorbei.
Der Weg wird nun steiler und steiniger. Der anstrengendste Teil unserer Rundwanderung beginnt: Der Aufstieg zur Kammhöhe, der eigentlich nicht schwierig und auch nirgends wirklich ausgesetzt ist, aber er ist steil und fordert nach der bis hierhin schon recht langen Wanderung noch einmal eine energiezehrende Anstrengung.
Nach vielen durchwanderten steilen Kehren rückt allmählich der Bergkamm immer näher, und kurz vor Erreichen der Kammhöhe stößt von links ein weiterer Pfad auf unseren Camino. Wir halten uns hier rechts und haben bald die Felsscharte auf der Passhöhe erreicht, einen idealen Platz für eine Rast mit letztem Blick auf den Roque de Agando und in den Barranco de Benchijigua.
Wohl dem, der jetzt immer noch ausreichend Wasser in der Trinkflasche hat!
Unmittelbar hinter der Felsscharte stößt unser Camino auf einen quer laufenden Weg, dem wir nun nach rechts folgen. Weit vor uns sehen wir schon (ungefähr auf gleicher Höhe) das Dorf Imada. Links unterhalb unseres Weges können wir einige verfallene Häuser des längst von seinen Bewohnern verlassenen Weilers El Azadoe erkennen. Etwa 5 bis 10 Minuten ab Felsscharte stößt von rechts ein schmaler Pfad auf unseren Weg, den wir aber ignorieren.
Verlaufen kann man sich nun eigentlich nicht mehr. Mit dem Dorf Imada immer mal wieder das Ziel unserer großen Rundtour vor Augen durchwandern wir noch einige Seitentäler, bis wir nach einer Rechtskurve von einem einsam stehenden Haus aus erstmals das gesamte Dorf und den Barranco de Guarimiar überblicken können.
Nun ist es nicht mehr weit, und bald stößt unser Camino auf einen neu angelegten Plattenweg mit massivem Holzgeländer, der uns komfortabel zum Dorf bringt.
Im eGomera-Forum ist übrigens zu lesen, dass beim Bau dieses Weges ein gewisser "woga" den zementsackschleppenden Esel mit leckeren Möhren verwöhnt haben soll!
Und wo kann sich nun der müde Wanderer und die müde Wanderin verwöhnen lassen? In der (hoffentlich geöffneten) Bar Arcilia.
¡Que aproveche!


Da habt Ihr ja zwei der schönsten Touren La Gomeras zu einer Runde verbunden! Ein Highlight jagt das nächste

(ein Beitrag von Autowanderen)
Werde ein Trainingslager machen müssen, um da so! mithalten zu können 
Und dann noch das ganze Wasser, was man mitschleppen müsste, normalerweise reichen mir auf langen Wanderungen locker immer 1,5 Liter, aber bei dieser Tour.
