Während dieser Tour gelangt man mitten im Nebelwald an eine Wallfahrtskapelle mit dem Namen "Ermita de Nuestra Señora de Lourdes", an der einige Bänke und Tische zu einer Rast einladen. Eine Gedenktafel neben der Tür erinnert an die 1964 verstorbene Engländerin Florence M. Stephen, der die Bewohner des Ortes El Cedro die Erbauung der Kapelle in den 30er Jahren verdanken.
Ich vermute, dass die Bubas nicht die einzigen Wanderer sind, die sich beim Lesen der Tafel die Frage gestellt haben, was eine Engländerin wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach La Gomera verschlagen und vor allem was sie wohl bewogen hat, gleich eine ganze Kapelle mitten im gomerischen Nebelwald zu spendieren.
Vor einiger Zeit bin ich auf der Facebook-Seite von "Isla de la Gomera" auf den Beitrag Homenaje A Florence Stephen, Una Inglesa Enamorada De El Cedro
Frau Buba und ich haben gemeinsam versucht, den Text zu übersetzen:
Die Engländerin Miss Florence M. Stephen hat, mit Unterstützung aus der Bevölkerung, im Jahre 1935 im Cedro die Ermita de Nuestra Señora de Lourdes erbauen lassen, und ihr ist auch die Marienfigur in eben dieser Kapelle zu verdanken.
Wie Frau Prof. Gloria Díaz Padilla in ihrem Buch „Pescantes de La Gomera“ schreibt, beschloss Miss Florence M. Stephen nach dem Ersten Weltkrieg, England zu verlassen, um die Schrecken des Krieges vergessen zu können. Zunächst zog sie auf die Insel Gran Canaria, wo einige englische Familien ihres Bekanntenkreises lebten.
Dort nahm der italienische Industrielle Mario Novaro Parosi sie als Erzieherin für seine zahlreichen Kinder unter Vertrag. Der auf Gomera verheiratete Italiener war Besitzer der Fischkonservenfabrik La Cantera im Süden La Gomeras. Dort in La Cantera, wohin Miss Stephen zu der Industriellenfamilie umzog, konvertierte sie nach einiger Zeit zum Katholizismus und legte am Karsamstag 1924 in der Gemeinde San Salvador de Alajeró das Glaubensbekenntnis ab.
Dona Florence bzw. Dona Florencia, wie sie von den Einheimischen genannt wurde, errichtete nach ihrer Pensionierung die „Casa de la Paz“ in Hermigua. Darüber hinaus widmete sie all ihre Energien dem Bau der Ermita de Lourdes in den Bergen des Cedro.
In Hermigua war Miss Florence offenbar sehr beliebt. Noch heute gibt es Zeichen ihres Wirkens wie das Haus „La Paz“, das sie im Ortsteil „La Punta“ gegenüber vom Pescante bauen ließ, wo damals die Küstenschiffe beladen wurden. Und eben die kleine Kapelle in dem „Pasada de los Yugos“ genannten Bereich des Nebelwaldes "El Cedro", deren Hauptförderer sie war und deren Marienfigur sie gestiftet hat.
In einem kleinen Artikel, der am 8. September 1935 in der „Gaceta de Tenerife“ erschien, wird von der ersten „Fiesta del Cedro“ anlässlich der Einweihung der Ermita berichtet, während derer die Bewohner der Señora Stephen ihre Dankbarkeit zum Ausduck brachten:
Am Ende der Messe hielt der Pfarrer der Kirchengemeinde Alajeró, José Trujillo Cabrera, eine Predigt. Wegen der Kürze dieses Berichtes ist es leider nicht möglich, die meisterhaft formulierten Gedanken dieses wortgewaltigen, ehrwürdigen Festredners wiederzugeben. Die Predigt dauerte etwa eine Stunde und war so bewegend, dass sich so manches unserer Augen mit Tränen füllte. Das Publikum, das mit großer Ehrfurcht zuhörte, war so begeistert, dass es dem Pfarrer am Ende seiner Predigt einen großen Applaus schenkte.
Links Frau Stephen mit Hut und rechts neben ihr der Bürgermeister von Hermigua, Gregorio Ascanio, mit Handstock
Anschließend führte die Prozession durch die bergige Landschaft bis zu den Häusern des Weilers El Cedro. Am Anfang das typische Zusammenspiel der Trommeln und Kastagnetten, begleitet von den traditionellen Mariengesängen. Dann die Madonnenfigur der Nuestra Señora de Lourdes, deren beide Bänder von Senorita Florencia M. Stephen und dem Bürgermeister Don Gregorio Ascanio gehalten wurden. Und schließlich, vor der riesigen Menge der versammelten Gläubigen, die Pfadfindergruppen aus San Sebastían und Valle Gran Rey mit ihren Trommlern und Trompetern.
anlässlich der Einweihung der Ermita
Nach der religiösen Zeremonie gab es Tanz mit Trommeln und Kastagnetten.
Zum Abschluss dieses Berichts möchte ich Senorita Florencia M. Stephen meine Glückwünsche aussprechen, der – unterstützt von vielen Gläubigen – der Bau der Kapelle gelungen ist. Ebenso gilt meine Anerkennung dem Priester José Serret y Sitia und dem Bürgermeister von Hermigua, die alle erdenkliche Hilfe gewährt haben, um den Bau dieses neuen Tempels zu ermöglichen und der Bevölkerung von Hermigua zur Verfügung zu stellen. Diese hat sich mit ihrem selbstlosen Patriotismus und ihrem katholischen Glauben ebenfalls hilfreich eingebracht.
Jedes Jahr am 28. August wird übrigens an der Ermita im Cedro das Fest "Romería en honor a Nuestra Señora de Lourdes" gefeiert. Aus Hermigua strömen dann Wallfahrer zu Fuß, per Auto oder Bus zur Waldkapelle. Messe ist gegen 13 Uhr, danach gibt's Tanz, von traditionellen Instrumenten begleitet, und großes Picknick.



Ziehe den Hut.

dem Buba-Team
eine importierte Erzierherin verwendet sich für den Bau einer Ermita im Cedro. 