Die Bedürfnisse von Residenten (auf La Gomera heimischen Leuten) und Touristen sind dabei unterschiedlich, die Preise ebenfalls.
Wir hatten bei unserem letzen Aufenthalt auf La Gomera (November 2009), die Gelegenheit, die Verbindungen aus der Sicht beider Nutzergruppen kennenzulernen und haben die Fähren mehr als sonst reichlich genutzt. Hier also unsere Erfahrungen:
Wenn man mit dem Auto unterwegs ist und das von einer auf die andere Insel mitnehmen will, hat man grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Linien: Naviera Armas und Lineas Fred Olsen.
Naviera Armas
Armas bedient die Linie Los Cristianos - San Sebastián de la Gomera (und weiter nach La Palma) mit einem konventionellen Fährschif, der Volcan de Taburiente, 24,5 Knoten schnell und 2006 in Dienst gestellt. Die Fährgesellschaft gibt die Überfahrtzeit mit 55 Minuten an. Diese Zeit wurde jedoch auf keiner unserer Reisen eingehalten. Realistisch muss man mit 15 Minuten mehr rechnen. Diese Schummelei mit den Fahrzeiten gilt im Übrigen für beide Fährgesellschaften. Die Fähre fuhr während der Woche absolut pünktlich. Wer mit dem Auto mit will, muss eine Stunde vor Abfahrt bereitstehen. Dies ist ärgerlich, weil sich frühestens eine halbe Stunde vor Abfahrt Fährpersonal sehen lässt. Dies wird also in der Praxis wenig ernst genommen. Zum Problem kann es höchstens werden, wenn die Fähre ausgebucht ist, oder man noch keine Tickets hat.
Fahrplan
Die Fähre bedient La Gomera werktags drei mal täglich, von San Sebastián aus um 7, um 11:30 und um 18:30. Diese Zeiten sind günstig für Gomeros, die beruflich nach Tenriffa müssen. Wenn man für Besorgungen nach Teneriffa muss sind die Zeiten eher zu früh. Für Touristen Liegen die Abfahrtzeiten von Los Cristianos mit 14:00 und 18:30 günstig, leider jedoch nicht am Wochenende hier fährt sie nur ein- oder zweimal.
Zuverlässigkeit
Aufgrund ihrer Konstruktion ist die Fähre für das Seegebiet gut geeignet und kann auch hohen Seegang wegstecken. Stellt naturgemäß bei solchen Bedingungen aber hohe Anforderungen an die Seefestigkeit der Reisenden.
Ambiente
Das Ambiente ist angenehm schiffig, auf dem Achterdeck un im vorderen Salon kommt Kreuzfahrerathmosphäre auf. Die Pflege der sanitären Einrichtungen ist jedoch verbesserungswürdig. Legendär ist das Feeling das man in Terassenstühlen sitztend auf der Rückfahrt von La Gomera genießt. Da kommt Heimweh schon gleich nach der Abreise auf.
Preise
Wie auf allen Fähren nach La Gomera sind die Preise für Residenten subventioniert und damit erheblich günstiger als die für Touristen. Besonders praktisch und sicherlich gern genutzt ist das Sparpaket für ein PKW und 2 Insassen für 49,90€ (komplett hin- und zurück). Dieser Preis gilt jedoch nur, wenn gleichzeitig auch die Rückfahrt gebucht wird. Für Touristen gilt der doppelte Preis. Für Nichtresidenten ist dies die derzeit günstigste Möglichkeit mit dem Auto von und nach La Gomera zu kommen. (Stand Herbst 2009)
Lineas Fred Olsen
Olsen setzt auf der Linie sein größtes Schiff, die Benchijigua Express ein. Sie bedient außer Los Cristianos und San Sebastián de La Gomera auch nocht La Palma und El Hierro. Es ist ein Hochgeschwindigkeitstrimaran (3 Rümpfe), der 2005 gebaut wurde und 40 Knoten schnell ist. Die Fahrzeit wird mit 35 Minuten angegeben, die während keiner unserer Fahrten eingehalten wurde. Man muss normalerweise mit 45-50 Minuten rechnen. Man muss mit dem Auto 30 Minuten vor Abfahrt bereitstehen, das Boardig beginnt jedoch erst 15 Minuten vor Abfahrt. Das ist aktzeptabel.
Fahrplan
Die Fähre bedient die Linie ebenfalls dreimal täglich, allerdings im Gegensatz zu Armas 7 Tage die Woche. Die Abfahrtzeiten liegen unterschiedlich, jedoch meist ca. 1 Stunde später, als Armas. Für Gomeros, die auf Teneriffa arbeiten, ist dies sicherlich ungünstger, wenn man Besorgungen machen will sind diese Fährzeiten jedoch günstiger, weil die meisten Geschäfte erst um 10::00 aufmachen und man abends eine Stunde länger Zeit hat.
Zuverlässigkeit
Obwohl ein Trimaran dieser Bauart auf starken Sturm und hohen Seegang empfindlicher reagieren dürfte, sind mir keine Wetterprobleme bekannt. Jedoch dürfte sich der Fahrzeitvorteil bei Seegang deutlich vermindern.
Ambiente
Wenn man die Fähre betritt, hat man eher das Gefühl, sich in einem überdimensionalen Flugzeug zu befinden, als auf einem Schiff. Dieser Eindruck wird durch die Ausstattung von Olsen systematisch unterstützt. Das ist gewiss Geschmackssache und soll wohl den Eindruck hoher Geschwindigkeit hervorrufen, der defakto aber nicht gegeben ist. Der Unterschied beträgt unter nomalen Verhältnissen gerade mal 15-20 Minuten. Das Schiff wirkt allerdings gepflegter, als die Volcan de Taburiente, besonders deutlich ist der Unterschied in den sanitären Anlagen. Wie auf allen Olsen Fähren kann man über Wi-Fi mit eigenem Notebook kostenlos ins Internet. Das funktioniert problemlos, ist manch mal allerdings wahrscheinlich abhängig von der Zahl der Nutzer sehr langsam.
Preise
Die Konkurrenz zwischen den Fähren ist hoch. Dies merkt man daran, dass Olsen für Residenten das gleiche Angebot vorhält, wie Armas, nämlich 49,90€ für PKW + 2 Personen. Für Nichtresidenten beträgt der Preis jedoch 120€. Daran sieht man schon, dass es sich bei dem Preis für Residenten um reines Dumping in der Konkurrenz handelt. Unangenehm für Touristen ist auch, dass man bei Olsen kaum längere Zeit im Voraus buchen kann. Im Dezember 2009 (Stand 20.11.09) ist der reduzierte Preis nicht mehr buchbar, während dies bei Armas problemlos möglich ist.
Wenn man nicht mit dem Auto unterwegs ist, hat man noch eine 3. Wahl, den Benchi Express. Benchi Express wird von Lineas Olsen betrieben und bedient außer den oben genannten Häfen noch Playa de Santiago Valle Gran Rey auf La Gomera. Sie ist ein Hochseekatamaran (2 Rümpfe) die als SNAV Aquila 1993 gebaut wurde und von Olsen 2009 übernommen und umgebaut wurde. Wir haben Erfahrungen bislang nur mit dem Vorgänger, Garajonay Exprés, machen können. Im Gegensatz zum Vorgänger haben wir beobachten können, dass die Boardingeinrichtungen professioneller gestaltet sind. Der Fahrplan


obwohl die Zeiten für uns günstiger gewesen wären). Dabei erlebten wir, dass die Fähre ziemlich voll war und wir mit dem Auto in Deck 5 standen. Da dauerte es eine geschlagene halbe Stunde, bis wir die Fähre in Los Cristianos verlassen konnten. Mit 15 Minuten Verspätung bei der Abfahrt war das eine 3/4 Stunde mehr als geplant. Das hätte im Falle der Rückreise ins Auge gehen können!
