El Hierro - primera vez

Was fasziniert Euch an den Schwesterninseln?

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Beitragvon Lee am Sa 15. Aug 2009, 12:51

El Hierro - primera vez

Im Land der Winde 2




Zwischen den Inseln



Wieder einmal saßen wir an einem letzten Urlaubstag auf La Palma frühstückend im Garten unseres Basislagers und genossen den wundervollen Meresblick unseres Urlaubsdomizils, aber dieses Mal war einiges anders. Während man sonst schweigend und lustlos das letzte Inselfrühstück verputzt hatte, so war die Stimmung heute eine ganz andere, zu groß der Appetit auf eine weitere Insel. El Hierro - kleinste und ursprünglichste der Kanaren, lange Zeit letzte bekannte Insel am Ende der Welt. El Hierro - Insel der Verbannten, Insel des gestohlenen Nullmeridians.

El Hierro - Neuland für uns.

Hinter uns lagen zwei tolle Wochen auf La Palma, in denen sich das Wetter allerdings nicht immer von der schönsten Seite gezeigt hatte. Aber das kannten wir schon aus den letzten beiden Urlauben auf La Gomera und La Palma, in denen sich die Temperaturen im Mai auf den Westseiten der Inseln nicht gerade kanarenlike gezeigt hatten.
In diesen Urlauben hatten wir allerdings fast immer Glück mit dem Wanderwetter gehabt, dieses Mal riss die Glückssträhne leider und wir mussten einige Touren bei bewölktem Himmel oder sogar Nieselregen absolvieren. Dafür konnten wir einige persönliche "Erstbegehungen" vermelden. Endlich haben wir einmal die gesamte Nordwestküstentour von Garafia nach El Tablado am Stück gehen können. Eine grandiose Tour, die für uns zu den absolut beeindruckendsten der Kleinen Kanaren zählt. Auch den Farnurwald im Cubo de la Galga haben wir endlich gesehen. Nicht ganz so faszinierend wie El Cedro oder Los Tilos, aber auch schön. Auf andere fantastische Touren (Tunneltour von Los Tilos, Caldera-Rundwanderung, Vulkanroute im Ganzen usw.) hatten wir dieses Mal ganz bewusst verzichtet, um sie nicht zu oft zu gehen und dadurch den Reiz zu schmälern. Außerdem mussten wir wieder einmal feststellen, dass zwei Wochen auf der Insel, wenn man Aktivurlauber ist, fast schon zu wenig sind. Wir waren nicht ein einziges Mal im Süden der Insel! Auch Santa Cruz, die schöne Inselhauptstadt, hat wieder einmal umsonst auf uns gewartet und selbst nach dem fünften Inselurlaub haben wir einige der Highlights noch immer nicht gesehen und sind nicht alle der sogenannten Muss-Wanderungen gegangen.



Tijarafe on my mind




Als wir uns dann Richtung Flughafen aufmachten und uns von unserer traumhaften Urlaubsbleibe und dem Dorf Tijarafe verabschiedeten, schwang natürlich schon etwas Wehmut mit, aber auch irgendwie die Gewissheit, dass es wichtig wäre, wieder einmal eine neue Kanareninsel kennenzulernen, neue Eindrücke zu sammeln, um ein Verfallen in Urlaubstrott zu verhindern. Zwei, drei der wundervollsten Plätze auf dieser Insel hatten wir vielleicht schon zu regelmässig in den letzten Jahren besucht und da wir dieses Gefühl während der Abfahrt, glaube ich, unausgesprochen teilten, war die gemeinsame Vorfreude auf El Hierro umso größer.



Der Fels in der Brandung
Am Puerto von Garafia, La Palma.



Aber was würde uns dort erwarten? Könnte El Hierro landschaftlich mithalten, würde mich die Insel genauso kicken, wie die beiden anderen Inseln der kleinen Kanaren? La Palma und La Gomera hatten die Messlatte schließlich sehr hochgelegt und selbst ausgewiesene El Hierro-Fans, mit denen ich im Vorfeld der Reise Kontakt hatte, betonten immer wieder, dass die Insel weniger spektakulär als die Nachbarinseln wäre. Würde El Hierro mehr als ein schönes Intermezzo sein können?

Aber erst einmal stand uns ja ein weiteres, reizvolles Abenteuer bevor: Unsere ersten Binterflüge! Wir hatten schon viel über diese Flüge in den relativ kleinen Propellermaschinen gehört. Die meisten Leute schwärmten von den Flügen, bei denen man sehr niedrig und aussichtsreich über den Inseln hinwegflog.
Von einigen Resis hatte ich allerdings auch gehört, dass es sich dabei um eine ziemlich wackelige Angelegenheit handeln konnte, eine Aussicht, die mir - als nicht völlig angstfreiem Gelegenheitsflieger - ein leicht mulmiges Gefühl in der Magengegend bescherte. Alles in allem überwog aber ganz klar die Vorfreude auf die beiden Flüge, die uns nach El Hierro bringen sollten. Zuerst würde es zum Nordflughafen von Teneriffa gehen, wo wir dann eine zeitlang auf unseren Anschlussflieger nach El Hierro warten sollten.

Vor dem Fliegen kommt aber bekanntlich immer das Einchecken und das dauert, da sich die Wege auf der Großbaustelle Flughafen La Palma deutlich verlängert haben, dort etwas länger jetzt. Der Weg vom neuen, völlig überdimensionierten Parkhaus zur Abfertigungshalle kann einem ganz schön lang vorkommen - erst recht, wenn man dringlichst ein gewisses Bedürfnis zu erledigen hat. Eine Toilette im Parkhaus wäre eine ganz gute Einrichtung, meine Damen und Herren vom Airport Management!

Wie man überhaupt den Sinn des gesamten Flughafenausbaus kräftig in Frage stellen kann. Wozu braucht eine Insel, auf der der Tourismus seit Jahren stetig zurückgeht, einen Airport, der in Zukunft fast die Ausmaße von Teneriffas Nordflughafen haben wird. Vielleicht wurden wieder einmal europäische Fördertöpfe gemolken, um die Taschen einiger ansässiger Bauunternehmer zu füllen. Bauen um des Bauens willen, ohne jegliche Dringlichkeit. Einzig positiver, aber sehr temporäer Effekt: Es entstehen ein paar Jobs für Einheimische in der Bauindustrie. Solche Projekte soll es laut Aussagen von Residenten auf allen Inseln geben und sie tragen nicht eben gerade zum Erhalt des Charmes der Inseln bei.

Aber zum Glück gibt es ja wenigstens auf den kleinen Kanaren noch einige unverbaute Ecken und der ursprünglichsten dieser Regionen kamen wir jetzt mit dem Erreichen des kleinen Binterschalters wieder ein Stückchen näher. Doch als ich das Binterlogo in der Abflugshalle erblickte, erinnerte ich mich plötzlich wieder des ganzen Flugheckmecks, der uns im Vorfeld unserer Reise soviel Nerven gekostet hatte. Nach langer Hin- und Herplanung hatten wir endlich eine von Hamburg aus halbwegs bezahlbare Möglichkeit gefunden, um La Palma und El Hierro zu verbinden. Die Kombination aus zwei Flügen bei verschiedenen deutschen Fluggesellschaften und drei Binterflügen war nur wenig teurer, als die (leider recht teuren) Hin- und Rück-Gabelflüge zwischen Hamburg und La Palma gewesen wären. Zudem konnten wir die Inselaufenthalte (14 Tage La Palma und 10 Tage El Hierro) von der Zeitdauer nach unseren Interessen gestalten, was bei den sehr spärlichen Armas-Fährverbindungen kaum möglich gewesen wäre. Alles schien eigentlich in Butter zu sein.



La cascada de El Paso
El Paso, La Palma.


Ein paar Tage nach der problemlos erfolgten Internet-Buchung bei Binter, bekam ich dann eine auf Englisch verfasste Mail der Fluglinie, dass der Flug von Santa Cruz de la Palma nach Teneriffa um 10 Minuten vorverlegt worden wäre. "No problem", dachte ich mir und bestätigte Binter per Antwortmail, dass das für uns keine Umstände machen würde. Außerdem dachte ich mir, dass dies eventuell nur ein Test von Binter sein könne, ob der Fluggast seine Mails auch checken würde und man ihm eine wirkliche Flugverlegung per Mail überhaupt mitteilen könne. Zwei Wochen später bekam ich dann eine weitere Mail von Binter, dass der Flug von Teneriffa norte nach El Hierro auch um 10 Minuten verlegt worden wäre. "Die nehmen's aber wirklich genau und man sollte vielleicht lieber auch im Urlaub alle paar Tage die Mails checken", dachte ich mir dieses Mal. Ein paar Wochen später bekamen wir dann eine erneute Mail, nun allerdings von T-Fly und unsere Contenance war sofort dahin. Uns wurde lapidar mitgeteilt, dass unser schon gebuchter und vor Wochen bezahlter Rückflug von Teneriffa Süd nach Hamburg aufgrund einer Umstrukturierung des Flugplans ersatzlos gestrichen werden würde. Man könne uns aber einen Flug von Köln!!! nach Teneriffa!!!! anbieten! Unglaublich, da wird man selbst, wenn man aus HH kommt zum HB Männchen. Es folgte eine tagelange Ungewissheit, in der wir nicht wussten, ob wir am Tag der geplanten Ankunft wirklich wieder in Hamburg sein würden. T-Fly bot uns zuerst einen Rückflug an, der unseren Urlaub um drei Tage verkürzt hätte und mit unserer ganzen Reiseplanung kollidiert hätte. Man musste jeder Info hinterher telefonieren und wurde mit niemandem verbunden, der irgend etwas entscheiden konnte. Man hörte immer nur, dass man der Fluglinie mailen solle und dann würden sie uns schon antworten. Das taten wir dann auch und bekamen prompt tagelang keine Antwort. Als ich dann zu einem Wutanruf ansetzte, schlug man uns einen Rückflug am geplanten Tag, aber nur bis Köln vor. Kein Wort darüber, dass wir bei der vorgesehenen Ankunftszeit weder mit einem Anschlussflug, noch mit einer Bahnfahrt am gleichen Tag nach Hamburg weiterreisen können würden. Auch die fällige Hotelübernachtung wurde mit keinem Wort erwähnt. Zum Glück hatten wir uns schlau gemacht und wussten von einem Air Berlin Flug, der am selben Tag zu nahezu gleicher Zeit auch nach Hamburg gehen sollte. Als wir diesen Flug ins Spiel brachten, bekamen wir erstaunlicherweise auch nicht sofort eine Zusage dafür, sondern wurden wieder dazu aufgefordert, unser Anliegen per Mail zu äußern. So setzten wir uns mit mittlerweile geballten Fäusten an den Computer und schrieben eine freundliche, aber bestimmte Mail mit der Aufforderung, uns auf Air Berlin umzubuchen. Nächsten Tag bekamen wir dafür die Bestätigung durch T-Fly. Warum die dafür eine Woche gebraucht haben, wird mir immer schleierhaft bleiben. Wenn der Air Berlin Flug, der ja auch schon lange angeboten wurde, zwischenzeitlich ausgebucht gewesen wäre, hätte ich, glaube ich, einen Tobsuchtsanfall bekommen.

In den nächsten Tagen rechnete ich nahezu jeden morgen beim Aufrufen meiner Mails mit einer weiteren Umbuchung einer unserer Flüge. Mittlerweile konnte man sich auch bei Air Berlin eine plötzliche Flugplanänderung vorstellen und dann gab es ja auch noch Binter, die lange nichts mehr von sich hatten hören lassen. Da sich aber in den darauf folgenden Wochen nichts dergleichen tat, stellte sich die pure Urlaubs-Vorfreude ein und der Termin der Abreise rückte immer näher.

Dann, am Tag vor der Abreise, kam ich nachmittags nach Haus und wollte gerade zum Packen für den von uns anvisierten Vorabend-Check in ansetzen, als ich bemerkte, dass sich eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter befand. "Bestimmt irgendeiner unserer Freunde, der uns eine gute Reise wünschen will", dachte ich mir. Als ich auf die Wiedergabetaste des Anrufbeantworters drückte, hörte ich aber eine mir unbekannte, total hektisch und atemberaubend schnell sprechende Frauenstimme sagen: "Heo, ths s Bintr Cnaris bla bla nöl blaba nöl flight nerv blabalbla bla nerv nöl". Selten bin ich so schnell an die Decke gegangen, wie beim Abhören dieser Nachricht. Am liebsten hätte ich den AB zertrümmert, aber das arme Gerät konnte ja nichts dafür, dass eine scheinbar komplett unfähige Binter-Schnepfe eine völlig unverständliche, aber scheinbar dringliche Nachricht auf ihm hinterlassen hatte. Also, "repeat, noch einmal anhören", sagte ich mir, vielleicht verstünde ich dann etwas mehr. Aber außer der Erkenntnis, dass es sich bei dem einen bla wohl um ein ba gehandelt haben musste, sprang auch kein größerer Erkenntnisschatz aus diesem Abhörversuch heraus. Hätte diese Frau Chinesisch oder Kisuaheli anstatt Englisch gesprochen, so hätte ich auch nicht weniger verstanden!

Als dann Nancy kurze Zeit später nach Hause kam und die Nachricht abhörte, wechselte ihr Gesichtsausdruck auch in Rekordzeit von einer lässigen, erwartungsfrohen Vorurlaubsmiene zu einer von Zornesröte untermalten Hasskappe - all der ganze Flugheckmeck der letzten Wochen kam unvermittelt wieder hoch. Auch sie verstand, obwohl der englischen Sprache sehr vertraut, kein Wort. Man konnte sich alles mögliche als Inhalt dieser Nachricht vorstellen, z.B. dass der Flugbetrieb zwischen Teneriffa und El Hierro eingestellt werden würde oder dergleichen - und das am Vorabend der Abreise! Also, was tun? Anrufen! Auf der Binter-Website wurden wir dann auch sofort fündig und fanden eine Telefonnummer, die man in solchen Fällen anrufen sollte. Wir wählten und bekamen keinen Anschluss. Uns wurde von einer automatischen Telefonansage mitgeteilt, dass diese Nummer nicht vergeben wäre. Häh, da müssen wir uns wohl verwählt haben. Nach ein paar kräftigen Flüchen und einem tiefen Durchatmen versuchten wir es noch einmal - mit demselben Resultat! Langsam wurden wir wirklich wütend und selbst die Flüche gingen uns aus. Als auch der dritte Anruf das gleiche Ergebnis brachte, war klar, dass mit der von Binter angegebenen Nummer nichts zu erreichen war. So langsam kam man sich wie im falschen Film vor oder fragte sich, wo die versteckte Kamera sei, die jetzt all unsere Wutausbrüche filmen würde. Bestimmt kämen gleich Kurt Felix und Konsorten rein und würden um die Freigabe des Filmmaterials bitten...

Wir hätten natürlich auch einfach bis zum nächsten Tag mit der Klärung dieser Angelegenheit warten können, schließlich wären wir dann ja nachmittags auf dem Flughafen von La Palma gelandet, wo es ja auch ein Binter-Büro gab, aber das war uns zu vage. Vielleicht hätten sie dann dort schon geschlossen gehabt oder dergleichen. Dann kam mir der Gedanke, doch einfach mal Frau Kamm von der Agentur auf El Hierro, über die wir unsere dortige Unterkunft gemietet hatten, anzurufen, um nach einer aktiven Binter-Nummer zu fragen. Glücklicherweise ging die gute Frau gleich ans Telefon und nachdem ich ihr unser Problem geschildert hatte, meinte sie nur, dass sie das in die Hände nehmen würde und uns gleich zurückrufen würde. Kurz darauf klingelte dann auch unser Telefon und Frau Kamm teilte uns mit, dass es keine Probleme mit unseren Flügen geben würde. Auf unsere Nachfrage nach dem Grund des Anrufs von Binter, antwortete sie nur lapidar, dass es scheinbar nicht so wichtig gewesen wäre.



Schöner forschen
Observatorien, La Palma.



Wir kamen zu dem Schluss, dass Binter uns wahrscheinlich nur die letzte Flugplanänderung noch einmal mündlich mitteilen wollte, ...nur so bringt man halt seine Fluggäste schon vor Antritt des Fluges an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Aber Dank der netten Hilfe von Frau Kamm hatte sich ja alles in Wohlgefallen aufgelöst und nun standen wir hier vor dem Binter-Schalter auf dem Flughafen von St. Cruz de la Palma, bereit einzuchecken, als mir ein Werbeflyer mit dem Titel "Binter Canarias - Airline of the year 2006" auffiel! "Na ja, bestimmt nicht aufgrund der Texte, die sie auf Anrufbeantwortern zurücklassen", murmelte ich sarkastisch vor mich hin, als ich von einer freundlichen deutschen Binter-Mitarbeiterin um die Tickets gebeten wurde. Das Einchecken im nahezu völlig verwaisten Flughafen ging dann auch reibungslos vonstatten und unser leichtes Übergepäck wurde klaglos akzeptiert. Als ich auf die Anzeigetafel mit den heute noch ausstehenden Flügen blickte, konnte ich nur 3 Flüge nach Teneriffa entdecken, keinen einzigen auf die Peninsula und auch nach Mitteleuropa ging an diesem Nachmittag keine Maschine mehr. Und diesen Flughafen bauen sie kräftig aus, unglaublich! Echt schade, denn dieser Airport strahlte bisher immer so eine gelassene Verschlafenheit und Provinzialität aus.

Die restliche Zeit bis zum Abflug verging dann regelrecht wie im Fluge und kurz darauf bestiegen wir auch schon die etwa 60-sitzige, zweimotorige Propellermachine von Binter. Als wir das Innere betraten, war es, als hätte man eine Zeitschleuse passiert und wäre irgendwo in den 60ern oder 70ern wieder ausgespuckt worden. Die ganze Inneneinrichtung der Maschine strahlte eine angenehme old-style Atmosphäre aus. Die Sitze wirkten zwar vom Design her, als hätten sie schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, waren aber in gutem Zustand und die dunkelroten Kunstlederbezüge sahen geradezu obercool aus. Nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten, machte sich bei mir meine leichte Flugangst in Form eines mulmigen Gefühls bemerkbar, doch als ich in die Gesichter unserer Mitreisenden blickte, meinte ich eigentlich überall Gelassenheit erkennen zu können, was mich etwas beruhigte. Um uns herum saßen nur Canarios, für die diese kurzen Inselflüge eine recht alltägliche Angelegenheit zu sein schienen, so wirkte es zumindest auf mich. Andere Touris außer uns konnten wir nicht ausmachen, allerdings waren auch einige Residenten an Bord.



Inselhopper



Dann erblickten Nancy und ich die beiden Stewardessen und konnten uns ein leises WOW nicht verkneifen. Zwei bildhübsche Frauen mit Modelmaßen kamen den Gang entlang und guckten, ob bei den Passagieren alles in Ordnung sei. Sofort fiel mir die Kleidung dieser Schönheiten auf: Was für ein wohltuender Gegensatz zu den meisten heutigen Stewardessen, die oft etwas "billig" gekleidet daherkommen. Nicht so diese beiden Binter-Ladies, sie trugen sehr klassische, eng geschnittene Früh-Sixties Kleider in einem schönen, dunklen Blauton und dazu relativ lange blaue Lederhandschuhe. Sexy, was für ein cooles Outfit, dafür könnte man in den hippen Szeneläden des Hamburger Schanzenviertels garantiert einiges verlangen. Als dann auch noch eine der beiden nach vorne ging, um die obligatorischen Sicherheitsanweisungen durchzugeben und vorzuführen, ertappte ich mich, dass ich dieses Mal für diese Anweisungen ganz Ohr und Auge war. Dann wurde mir plötzlich wieder bewusst, dass ja mein Freundin neben mir saß, während ich hier gerade ziemlich intensiv eine andere Frau betrachtete. Ich schaute zu Nancy rüber, in der Erwartung einen missbilligenden Blick oder gar den erhobenen Zeigefinger zu sehen, aber auch ihr Blick schien förmlich an der Stewardess zu kleben und so dachte ich mir, dass in diesem Moment die alte Regel "nur Gucken, wenn Nancy nicht guckt" wohl irgendwie ausser Kraft gesetzt sei und ein bisschen Umgucken durchaus erlaubt sei.

In den Genuss dieses unverhofften Privilegs kam ich allerdings nicht allzu lang, denn kurz darauf begann die Maschine, ihre Startposition einzunehmen und die junge Dame nahm auch Platz. Dann beschleunigte der Pilot und unter großem Schlingern und Röhren nahm die Propellermaschine Tempo auf. Ein so wackeliges Beschleunigungsmanöver hatten wir bisher noch nicht erlebt. "Das kann ja heiter werden und hoffentlich ist der Flug ruhiger als der Start", murmelte ich vor mich hin, während meine Hand nach Nancys griff. Als das Flugzeug abhob, verstärkte sich wie immer der Druck, der auf der Magengegend lastete und plötzlich tauchten alte, lang verschüttete Erinnerungen an meine ersten, etwas unangenehmen Achterbahnbesuche auf dem Hamburger Dom vor meinem geistigen Auge auf. Dieses leicht beklemmende Gefühl wich aber zum Glück sehr schnell, da das Flugzeug schon nach relativ kurzem Steigflug seine maximale Flughöhe von etwa 5000 Metern erreichte.

Der Rest war Genuss, was für ein Ausblick! Eben noch konnte man während des Aufsteigens grandiose Ausblicke über La Palma erhaschen und nun schien es, als wäre der ganze tiefblaue Atlantik wie ein roter Empfangsteppich vor uns ausgerollt worden. Eine ganze Welt in Blau, nur durch einige weiße Passatwolkentupfer aufgehellt. Plötzlich durchzuckte mich ein Gedanke und instinktiv wendete ich den Kopf noch mehr nach rechts, um unter dem Tragflügel des Flugzeugs zurückblicken zu können, denn in diese Blickrichtung vermutete ich La Gomera - doch auch dort waren nur noch das Blau des Ozeans und ein paar Wolken auszumachen. Gomera lag schon hinter uns.



Inselhopper 3
Teneriffa.


Ich kam allerdings nicht lange dazu, mich über diesen fehlenden schönen Anblick zu ärgern, denn als ich mich wieder umdrehte, stand plötzlich eine dieser Miss-Binter vor mir und fragte, ob ich Orangensaft oder Wasser wolle. "Is mir eigentlich egal", dachte ich mir im ersten Moment, doch dann hörte ich mich mit brüchiger Stimme so etwas wie, "Agua, por favor", stammeln. Als sich dann die Stewardess der Getränkeversorgung der nächsten Reihe widmete, merkte Nancy nur ganz trocken an, dass ich aber leicht rot angelaufen wäre, als mir die Stewardess mit ihren blauen Lederhandschuhen das Wasser gereicht hätte!

Ja ja, so langsam konnte ich verstehen, warum Binter zur Fluggesellschaft des Jahres 2006 gewählt worden war.


Doch dann schob sich langsam eine andere spanische Schönheit, die man zwischendurch schon aus der Distanz hatte bewundern können, mehr und mehr ins Blickfeld: Der mächtige Teide, höchster Berg Spaniens - von manchen auch ob seiner Form, als schönster Busen seines Heimatlandes tituliert. Schon kurz darauf konnten wir einzelne Barrancos, Bergspitzen und ganze Städte erkennen, wie in Zeitlupe schien der grüne Norden Teneriffas an uns vorbeizuziehen. Was uns allerdings auch auffiel und die Faszination durchaus etwas schmälerte, war die dichte Besiedelung der Insel. Auch auf La Palma gibt es zwei Regionen um die beiden größten Städte herum, die relativ zersiedelt sind, aber auf Teneriffa haben Zersiedelung und Bevölkerungsdichte leider ganz andere Dimensionen angenommen. Wir hatten eigentlich immer mit dem Gedanken gespielt, auch einmal auf Teneriffa zu urlauben, aber seit diesem Überflug und der 10 Tagen später folgenden Busfahrt vom Nordflughafen zum Südflughafen, sind wir davon nicht mehr so ganz überzeugt. Der Bustrip durch den gesamten Inselsüden kam uns wie eine abturnende Reise durch geknechtetes, geschundenes Ödland vor. Bezeichnend für die ganze Tristesse dieser Landschaft fand ich die Erkenntnis, dass die unmittelbare, von Menschen gestaltete Umgebung des Südflughafens fast der schönste Landschaftsteil war, den man auf der ganzen Busfahrt zu Gesicht bekam. Natürlich wird es auf Teneriffa auch wunderschöne, naturbelassene Gegenden geben und Landschaften, wie die Canadas oder das Anagagebirge würden mich schon einmal reizen, aber die aus der Luft gut auszumachenden, ausufernden Ballungsräume haben uns schon ein wenig abgeschreckt. Trotzdem war der Flug über Teneriffa ein echtes, wenn auch recht kurzes Vergnügen, denn schon bald überflogen wir in einer Schleife den Nordosten der Insel und setzten zur Landung an. Wobei zum Landen ansetzen vielleicht eine etwas untertriebene Umschreibung ist; gingen steil runter, müsste es viel mehr heissen, denn der Landeanflug dieser Propellermaschinen erscheint mir viel abrupter und vor allem steiler von statten zu gehen als bei den großen Jets. Mein Magen machte diesen angedeuteten Sturzflug (Achtung: Übertreibung des Autors, liebe Binterflugwilligen!) aber zum Glück ganz gut mit, mir wurde nicht übel. Wobei ich aber auch anfügen muss, dass ich das Gefühl hatte, dass wir bei all unseren drei Binterflügen wohl eher ruhiges Flugwetter hatten...der Schaukelfaktor kann auf diesen Flügen bestimmt deutlich höher sein.



Inselhopper 5
Teneriffa



Inselhopper 6
Teneriffa.


Dann setzen wir auf der Landebahn von Teneriffas Nordflughafen auf und verliessen kurz darauf die Maschine. Die größte Kanareninsel empfing uns mit blauem Himmel und frischer, aber kühler Luft. Auf La Palma waren wir bei starker Bewölkung und recht kühlen 20 Grad losgeflogen, aber hier waren es trotz Sonnenschein noch ein paar Grade weniger, was ob der Höhenlage des Flughafens allerdings nicht weiter verwunderlich war. Als ich über das Rollfeld hinaus in die Landschaft blickte, stellte ich mir kurz die Frage, ob wir nicht im falschen Flieger gesessen hätten und jetzt auf einem unbekannten süddeutschen Regionalflughafen in der schwäbischen Alb oder so gelandet wären, denn der Flugplatz schien weitgehend von sanften, bewaldeten Kuppen und grünen Wiesen umgeben zu sein, was so gar nicht kanarenlike aussah.

Das Innere des Airport strahlte dann allerdings nicht mehr die Ruhe einer deutschen Mittelgebirgslandschaft oder des Flughafens von La Palma, von dem wir ja losgeflogen waren, aus, denn hier herrschte, ganz im Gegensatz zu unseren letzten beiden Urlaubswochen, durchaus hektische Betriebsamkeit! Ganze Reisegruppen standen um die Cafeterias herum und man sah Reisende gehetzt zum Einchecken eilen. Ein kurzer Blick auf die große Anzeigetafel mit den anstehenden Abflügen zeigte uns dann endgültig, dass wir die Welt der Kleinen Kanaren zwischenzeitlich verlassen hatten: Es sollten an diesem Nachmittag noch etwa 50 Maschinen starten und nicht nur auf die Nachbarinseln, sondern auch auf die Peninsula, ja selbst einige Städte in Mitteleuropa wurden offensichtlich von Teneriffas kleinem Flughafen aus angeflogen.

Da das Gepäck praktischerweise in die nächste Maschine durchgecheckt wurde, konnten wir unsere gut einstündige Wartezeit ganz gelassen mit Kaffee und Orangensaft überbrücken und voller Vorfreude in unseren El Hierro-Reiseführern blättern. Zehn Tage später sollten wir noch einmal auf diesem Flughafen sitzen, dann allerdings nicht ganz so relaxt und mit viel weniger Vorfreude auf das, was kommen würde. Das einzig aufheiternde an diesem letzten Urlaubstag sollten dann die farbenfrohen Trikots der verschiedenen Kanaren-Fußballteams sein, denn Samstags scheint der Nordflughafen den Fußballern zu gehören. Schon in unserem Flugzeug von El Hierro nach Teneriffa war die Mannschaft von Athletico El Pinar mitgeflogen, ein Team von Zwergen im Gegensatz zu den anderen Teams, auf die wir kurz darauf trafen. Ich fragte mich die ganze Zeit, ob das wirklich Fußballer sein könnten, denn sie waren alle recht kleinwüchsig für diese Sportart, niemand hatte z.B. die klassische Abräumerstatur. Nur was sollten sie sonst sein; für Lucha Canaria Kämpfer waren sie einfach zu wenig stämmig und dass die kleine Gemeinde El Pinar ein Hockey-Team oder dergleichen zusammenbekommen hätte, konnte ich mir nicht vorstellen. Also was blieb: Fußballer. Die Leute von El Pinar sollen jahrhundertelang als Gebirgshirten gelebt haben und diesen Völkerschaften sagen ja manche durchaus nach, dass sie nicht unbedingt die Größten an Länge sein sollen. Vielleicht ist ja das die Erklärung für diese ungewöhnlich kleinwüchsige Mannschaft. Ich begebe mich hier gerade auf Glatteis, ich weiß, aber ist mir halt so aufgefallen. Wir hatten nach der Landung noch ca. 2 Stunden Zeit, um uns die potentiellen Konkurrenten von Athletico El Pinar anzuschauen und der Größenunterschied war wirklich frappierend. Während wir auf den Bus warteten, der uns zum Südflughafen bringen sollte, tauchten andauernd farbigst gekleidete Teams auf, die für alle möglichen Kanareninseln eincheckten. Alle schienen sich untereinander zu kennen und die Begrüßungen waren äußerst herzlich, von Rivalität nichts zu spüren. Auch die Spieler von einem der beiden Hauptstadtklubs La Palmas waren anwesend und unterhielten sich angeregt mit einer anderen Mannschaft, während sie auf ihren Heimflug warteten. Die Trikots der anderen Mannschaft konnte ich leider nicht zuordnen, aber es werden bestimmt nicht die des verfeindeten Lokalrivalen aus Santa Cruz gewesen sein...die Antipathie dieser beiden Clubs soll innigst sein.

Aber wir sollten ja gerade erst nach El Hierro aufbrechen und nach dem Erlebnis unseres ersten Binterfluges, stellten sich vor unserem zweiten natürlich zwei Fragen:

1. Würden die Stewardessen wieder so schön und gutgekleidet sein?

2. Würde ich dieses Mal La Gomera aus der Luft sehen?

Die Hälfte der ersten Frage wurde schon beim Einsteigen mit einem klaren Ja beantwortet, eine charmant lächelnde, sehr stilvoll gekleidete Stewardess begrüßte uns freundlich und wies uns den Weg zu unseren Plätzen. "So, kann's weitergehen", dachte ich mir. Kurz nachdem wir uns hingesetzt hatten, übernahm dann die zweite Stewardess - eine bildhübsche, großgewachsene Mulattin - das Sicherheitsbriefing und dieses mal hatte ich das Gefühl, dass selbst die männlichen kanarischen Vielflieger äußerst aufmerksam folgten. "Männer", hörte ich Nancy ein wortgewordenes Kopfschütteln flüstern. Sie schickte dann allerdings noch den mittlerweile durchaus verständlichen Einwand hinterher, dass sich nun ruhig mal die Cockpittür öffnen könne, denn wenn die Piloten nur halbwegs so attraktiv wie die Flugbegleiterinnen aussähen, würden sich wenigstens die weiblichen Passagiere auch am Kollektivgestarre beteiligen können ...und, liebe Foristinnen, falls Sie jetzt auch hoffen, dass die Cockpittür aufging und ich gleich einen attraktiven, wettergegerbten, sonnenbebrillten Haudegen der Lüfte oder dergleichen beschreibe, so muss ich Sie leider enttäuschen, die Tür ging nicht auf.

Auf unserem zehn Tage später folgenden Rückflug von El Hierro sollten dann aber auch die männlichen Passagiere mit nicht mehr ganz so exquisiten Ausblicken erfreut werden: Die Binter-Stewardessen dieses Fluges waren einfach "nur" hübsch und auch weniger stilvoll gekleidet - als wolle der letzte Urlaubstag den nun folgenden Alltag schon etwas vorwegnehmen...und auch an diesem Tag sollte Nancy der Blick auf das männliche Flugpersonal verwehrt bleiben. Die Welt kann so gemein sein.

Aprospos gemein, Inseln können manchmal auch ganz schön gemein und etwas zickig sein. Als wäre sie eingeschnappt, versteckte sich La Gomera erfolgreich vor mir. Frei nach dem Motto, wenn Du mich schon nicht besuchen kommst, zeig ich Dir nur einen Zipfel von mir, hatte Gomera scheinbar dafür gesorgt, dass wir auf der falschen Seite des Flugzeugs saßen. Manche werden mich jetzt vielleicht für übergeschnappt halten, aber ich traue eingeschnappten Inseln mittlerweile so einiges zu, zumindest die Gabe, sich in eine große Pöh-Wolke zu verhüllen. Dieses Verhalten war uns schon auf Gomera aufgefallen, als wir drei Wochen in Alojera mit eigentlich bestem La Palma-Blick wohnten, aber die von uns geliebte Insel fast nie zu Gesicht bekamen. Auf diesem Flug konnte ich nur indem ich meinen Hals zur anderen Seite des Flugzeugs rüberreckte einen kurzen, aber grandiosen Blick auf La Gomera werfen. Pech gehabt, denn die Sicht schien heute grandios zu sein! Ich hatte für einen Moment einzelne Barrancos und Dörfer, ja sogar Straßen erkennen können. Ich überlegte kurz, ob ich aufstehen sollte, aber die Sitzplätze auf der anderen Seite waren komplett besetzt und zudem sollte man ja eigentlich angeschnallt bleiben. "Na ja, wir haben ja noch eine Chance beim nächsten Flug", sagte ich mir, noch nicht wissend, dass La Gomera scheinbar nicht so schnell vergisst, denn auch auf El Hierro sollten wir in den nächsten Tagen, wenn wir in Wanderbeschreibungen so etwas in der Art lasen, wie: "...der Weg führt mit grandioser Aussicht auf La Gomera abwärts...", nur irgendwelche Wolkenschlösser sehen, aber nicht die schöne Nachbarin.



Inselhopper 2



Inselhopper 7
La Palma.


Inselhopper 8
Landeanflug auf El Hierro.


Also widmete ich mich in den nächsten Minuten unseres Fluges dem Anblick La Palmas, das von unserer Seite durch das leider etwas verschmutzte Flugzeugfenster recht gut, aber aus relativ großer Distanz zu betrachten war. Die Isla Verde versteckte sich nicht vor unseren Blicken, vielleicht aber auch nur, weil sie ja gerade mit unserem Aufenthalt beehrt worden war und dementsprechend besänftigt war. Wer weiß, wer weiß...

Kurz darauf wurde dann aber der Ausblick auf La Palma durch die kleinste der Kanaren ersetzt, El Hierro rückte ins Blickfeld. Schon aus der Ferne konnte man erkennen, wie schroff sich der jüngste Kanarenspross aus dem Atlantik erhob. Dann ging wieder alles ganz schnell und ehe wir uns versahen, befanden wir uns im Landeanflug auf El Hierro. "Mann, ist die Landbahn kurz", schoss mir noch durch den Kopf, als ich den kleinen Inselflughafen aus der Luft erblickte, doch dann landete die kleine Propellermaschine auch schon sicher auf dieser für uns bisher unbekannten Insel. Kurz darauf standen wir auf dem Rollfeld und atmeten zum ersten mal die Luft El Hierros ein. Es war sonnig und warm, etwa 24 Grad, aber sehr windig. Nancys Haarschopf hing flatternd im Nordostpassat und plötzlich fiel mir diese blöde "Drei Wetter Taft" - Werbung ein, drei Flughäfen - drei verschiedene Wetter. In den letzten drei Stunden hatten wir diese drei Inselwetter erlebt: Santa Cruz de la Palma - stark bewölkt, 20 Grad, nahezu windstill. Teneriffa Norte - sonnig, 16 Grad kalt, leicher Wind. El Hierro, sonnig, 24 Grad, starker Wind. Einer unserer persönlichen Alternativnamen für die Kanaren ist seit Jahren die "Aus - und Anzieh -Inseln" ; an diesem Tag sahen wir uns in dieser Namensgebung wieder einmal bestätigt.

Als wir den kleinen Terminal von El Hierro betraten, hatte ich plötzlich die Assoziation, dass jemand gerade einen Schalter umgelegt und dadurch das ganze Personal, die Gepäckwagen usw. zum Leben erweckt hätte. Die komplette Szenerie wirkte irgendwie etwas unwirklich auf mich, so als wenn man schon lange auf uns gewartet hätte und dieser verschlafene, sympathische Regionalflughafen nur für uns aus seinem Dornröschenschlaf gerissen worden wäre. Dementsprechend herzlich fühlten wir uns dann auch empfangen. Als wir durch die kleine, aber feine Flughafenhalle zum Gepäckband schritten, wurde uns von mehreren Personen ein freundliches Lächeln und "Buen dia" entgegen geworfen. Während wir auf unser Gepäck warteten, konnten wir schon einmal die Formalitäten mit unserem Autoverleiher erledigen, da sich deren Büro praktischerweise fast neben dem Gepäckband befand. Auch eine Beschreibung des Weges zu unserem Ferienhaus und eine Liste mit wichtigen Adressen und Telefonnummern wurde uns noch ausgehändigt. Als wir nach der ja noch fälligen Bezahlung des Hauses fragten, wurde nur abgewunken und uns mitgeteilt, dass wir Frau Kamm schon irgendwann treffen würden. Andere Inseln, andere Sitten - das hatten wir so auf La Palma und La Gomera noch nicht erlebt, dort hatte man am Ankunftstag bezahlt oder, weil man sich schon von ein paar Urlauben her kannte (La Palma), nach ein paar Tagen. Aber auf El Hierro scheint das Vertrauen selbst zu Fremden noch sehr ausgeprägt zu sein, denn noch nach fünf Tagen in unserem schönen Basislager, hatten wir noch keinen Cent dafür bezahlt. Wir trafen uns dann letztendlich erst nach einer Woche mit der ausgesprochen netten und hilfsbereiten Frau Kamm, über deren Agentur wir das Haus der auf Teneriffa lebenden Besitzerin angemietet hatten. Auf El Hierro ticken die Uhren wohl einfach noch ein wenig anders und vielleicht zeigt das eben geschilderte auch ein bischen, wie wenig die Insel im Gegensatz zu La Palma und La Gomera bisher vom Tourismus verändert worden ist. Dann machten wir uns mit unserem Gepäck auf den Weg zum Parkplatz, wo unser Mietwagen stehen sollte. Nach ein paar Metern kamen wir an der Touristen-Information vorbei und wurden von einer freundlichen Dame herangewunken. Da es ja noch recht früh war, liessen wir uns nicht zweimal bitten und kamen somit in den Genuss einer Rundum-Inselpräsentation. Alle erdenklichen Insel-Highlights wurden auf charmante Art vorgestellt und zum Schluß gab es noch eine Restaurantliste, einen Reiseführer, eine Wanderkarte und einen Inselvideo als Präsent für uns. Hätte die gute Dame noch einen mit Inselspezialitäten überbordenden Picknikkorb unter ihrem Tresen herbeigezaubert und uns zukommen lassen, so hätte und das mittlerweile auch nicht weiter verwundert.

So langsam bekamen wir das Gefühl, das wir hier "Herzlich Willkommen" geheißen wurden.

Nachdem wir uns mehrere Male bedankt hatten, zogen wir von dannen, um kurz darauf in unserem gemieteten VW Polo gen Golfo-Tal zu starten. Sofort fiel beim Fahren die völlig andere Insel-Orografie auf. Wo man auf La Gomera und La Palma erst einmal viele Serpentinen langsam durchfahren musste, um in die Berge zu gelangen, gab man auf El Hierro einfach kurz Gas, fuhr einige weite Kehren und Geraden hinauf und war schon auf der Hochebene. Schneller als gedacht erreichten wir Valverde, die auf einer Hochebene gelegene Hauptstadt El Hierros. Als wir auf der Hauptstraße durch die nordöstlichen Ortsteile Valverdes fuhren, war schnell klar, dass es am Rand dieser Capitale keine Ausfahrt Valerde-Norte oder dergleichen geben würde. Wobei man anfügen muss, dass es sich bei der Hauptstadt El Hierros eigentlich um ein 2.000 Einwohner zählendes Dorf mit kleinstädtischen Zügen handelt. Das kanarische Unikum, die Hauptstadt ins Landesinnere zu verlegen, ist übrigens der permanenten Gefahr durch Piratenüberfälle geschuldet, jahrhundertelang waren die Kanaren eines der bevorzugten Ziele für britische und französiche Freibeuter. In unserem Reiseführer wurde ein erfolgreiches Beispiel für diesen herrenischen Hauptstadt-Schachzug geschildert: Der berühmte englische Seeräuber Francis Drake soll 1595 mit 3000 (Die letzte Null bezweifle ich stark) Mann auf der Insel gelandet sein, sich aber aufgrund des anstrengenden Aufstiegs entnervt und unverichteter Dinge wieder getrollt haben.



Valverde
Das schöne Valverde.


Nach Valverde fuhren wir durch den ländlich geprägten Norden El Hierros und auch hier fielen sofort die eklatanten Unterschiede zu den Nachbarinseln auf. Während im Norden La Palmas und Gomeras ab einer gewissen Höhe üppigster Pflanzenwuchs und sogar tiefe Wälder die Vegetation bestimmen, nimmt sich die vom Passat verwöhnte Region El Hierros im Vergleich dazu relativ karg aus. Eine leichte Ernüchterung machte sich bei mir ob des zwar ganz schönen, aber nicht so wirklich prickelnden Landschaftsbilds breit. Da wir vor ein paar Tagen noch durch den wildromantischen, sehr ursprünglichen, von beeindruckenden Urwaldschluchten zerfurchten Norden La Palmas gefahren waren und auch meine Erinnerung an die zauberhaften, von Bergen eingefassten Palmentäler Vallehermosos und Hermiguas nicht im geringsten verblasst war, kam mir diese von keinerlei Barrancos zerfaltete Landschaft doch recht unspektakulär vor. In diesem Moment wusste ich allerdings noch nicht, dass auf El Hierro von "sieht ganz schön aus" über "ist nicht so klasse hier" bis "Wow, was für eine grandiose Landschaft", alles noch näher beieinander liegt, als auf den Nachbarinseln. Die verschiedenen Landschaften wechseln auf El Hierro vielleicht noch abrupter als auf La Gomera und La Palma, außerdem sind sie viel kleinräumiger. Schon zwei Tage später solten wir wissen, dass sich hinter den unscheinbaren Vulkankuppen in einem Kilometer Entfernung die wunderschöne, irisch anmutende Meseta de Nisdafe verbergen sollte und am Ende des Urlaubs sollte gar unsere persönliche, imaginäre Liste mit Lieblingslandschaften auf den Kleinen Kanaren um ein paar weitere, die es so nur auf El Hierro gab, angewachsen sein.



Fehlt nur King Kong...
Barranco del Agua, La Palma.



Bezauberndes Vallehermoso
Vallehermoso, La Gomera.



Meseta de Nisdafe
Meseta de Nisdafe.



Was uns allerdings sofort positiv auffiel, waren die schönen, knorrigen Zedern, die wir während unserer Fahrt immer wieder am Straßenrand sahen. Sie scheinen einer der bevorzugten Straßenbäume zu sein und es gibt sie auf El Hierro - im Gegensatz zu La Palma und La Gomera - noch recht häufig. Umso verwunderlicher, da sie doch eigentlich die namensgebenden Bäume für Gomeras wundervollen Wald sind, dort aber kaum mehr vorkommen.

Wir durchfuhren danach noch einige recht unscheinbare Dörfer und gelangten in Küstennähe zu El Hierros größtem Straßenbauprojekt aller Zeiten, dem etwa zwei Kilometer langen Tunnel, der die Golfosteilwand durchsticht. Dieser moderne, erst vor ein paar Jahren fertiggestellte Tunnel wirkte fast wie ein Ufo auf uns, auf dieser ansonsten so ursprünglichen und wenig entwickelten Insel. In den nächsten Tagen sollten wir dieses äußerst praktische Bauwerk allerdings noch schätzen lernen, denn es verkürzte die Fahrtzeit von unserem Basislager in einige Regionen El Hierros doch ungemein.

Bald hatten wir auf stetig hinabführender Tunnelstraße den Höhenunterschied zwischen Hochebene und Golfotal überwunden und gelangten wieder ans Tageslicht. Vor uns öffnete sich das grandiose, sichelförmige, von 1000 Meter hohen Steilwänden umrandete Golfotal. "Wow, da haben die Reiseführer zur Abwechslung mal nicht zuviel versprochen", dachte ich mir. Unter uns breitete sich La Frontera, der Hauptort des Tals, aus und dahinter erhoben sich die nebelwaldbestandenen Steilwände der Riscos de Tibataje. Rechts von uns konnte man die Felseninseln der Roques de Salmor erkennen, die sich beeindruckend aus dem Atlantik erhoben, dahinter war, wie als I -Tüpfelchen, La Palma zu erkennen. Dieses faszinierende, an eine Halb-Caldera erinnernde Tal sollte uns schnell in seinen Bann ziehen und bleibenden Eindruck hinterlassen.

Dann gelangten wir nach La Frontera und Tigaday, die hübschen und recht belebten Zwillingsorte des Golfotals und fanden schnell die Straße, die uns zu unserem Urlaubsdomizil bringen sollte. Die Casa entpuppte sich, wie versprochen, als schönes, altes, restauriertes Natursteinhaus. Es lag auf etwa 350 Meter Höhe am Ortsrand und war von einem großen und recht schönen Garten umgeben. Von der geräumigen Terrasse aus bot sich ein weiter Blick auf das grandiose, östliche Golfotal und La Frontera Downtown lag ausgebreitet unter uns. Als wir dann das innere der kleinen Finca betraten, die geschmacksvollen alten Holzmöbel und all die liebevollen Deko-Details sahen, wurde uns schnell klar, dass wir uns hier wohlfühlen würden.

In den nächsten Tagen sollte uns unser Bassislager und vor allem die Insel El Hierro Stück für Stück verzaubern...




La Frontera
La Frontera, El Hierro.



Im Land der Winde
La Dehesa, El Hierro,



bosque - bizarre 14
Nebelwald, El Hierro.



Erfrischung gefällig?
La Maceta, El Hierro.



Bitte nicht rüberlehnen...
Blick ins Golfotal.



Der beste Freund...
Am Basislager.



Schwertfisch
Abendstimmung im Golfotal.



bosque-bizarre 3
El Pinar.



La Frontera 4
La Frontera.



La Frontera 3
Golfotal, El Hierro.
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Beitragvon La rana am Sa 15. Aug 2009, 13:19

:freu Don Lee :freu muchas gracias! :blumen
¡¡¡Pa´delante!!!

¡genial!
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Beitragvon Muminpapa am Sa 15. Aug 2009, 16:14

Wow - sauber, Herr Lee :hut

Das ist wieder ein weitere Punkt auf der nächsten Urlaubsliste. Das Snork-Fräulein schwankt ohnehin schon zwischen Madeira und El Hierro, vllt. sollte ich sie mal dringend das hier lesen lassen :wink


Danke schön! :pray
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Beitragvon herbi am Sa 15. Aug 2009, 17:38

:freu :freu :muetze Danke Lee für den schönen Bericht.Aber du weißt ja,im Januar ist das nichts für uns. :ausheck :herbi :herbi :herbi
Besser is das!!(Werner)Ach was(Loriot)Sagen Sie nichts(Loriot)
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Beitragvon woga am Sa 15. Aug 2009, 22:13

Hach! :blume Schön geschrieben. Und gleich am Beginn das Powerbild! Danke, Lee :blumen Ganz anders, als wir es im November erlebt haben und auch schön. Einige Schönheiten haben wir wohl noch für später übrig gelassen :ausheck
Für Nancy wollte ich schon den Flug von Las Palmas nach La Gomera empfehlen: 19 Plätze, 2 Piloten, offene Cockpittür, keine Stewardessen, aber den gibt's ja nicht mehr :achselzuck Ladies-Flüge lohnen sich wohl doch nicht so :angel
Auf La Gomera sind die Wege lang und umwegig. (Janosch)Bild
Aber schön! (woga) :wink
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Beitragvon la isla am Sa 15. Aug 2009, 22:42

:freu Danke für den ausführlichen Bericht. :hut :knuffel Mit den Fotos hast Du El Hierro klasse eingefangen. :hurra2 Im Frühling erscheint mir die Insel noch ein wenig interessanter zu sein als im November, als wir dort waren. Aber wir waren damals ja auch :oops: "nur" :strahl auf der Durchreise nach La Gomera. :angel :lach
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Beitragvon Lee am So 16. Aug 2009, 12:23

Eines hab' ich ganz vergessen, wir buchten alles über diese Seite:

http://www.myhierro.com/
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Beitragvon almogrote am So 16. Aug 2009, 17:08

:freu :freu Danke Lee, das war wirklich unglaublich ausführlich geschrieben. Tja, nachdem wir schon x-mal auf Gomera und auch auf La Palma waren steht El Hierro schon lange auf unserer "watchlist". Wenn nur die umständliche Anreise nicht wäre. Aber Du hast ja einige wertvolle Tipps mit in Deinen Bericht verpackt.
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Beitragvon Lee am So 16. Aug 2009, 17:41

almogrote hat geschrieben: Wenn nur die umständliche Anreise nicht wäre. Aber Du hast ja einige wertvolle Tipps mit in Deinen Bericht verpackt.


Das Zürückkommen ist relativ easy, das funktioniert problemlos an einem (langen) Tag. Wenn man den ersten Flug auf El Hierro nimmt, hat man auf Teneriffa viel, viel Zeit, wenn man erst nachmittags fliegt. Ich war sogar noch versucht am Nordflughafen einen Leihwagen zu nehmen um noch mal in die Cañadas zu fahren :ausheck

Wir hätten dafür 4 Stunden gehabt, wäre relativ günstig gewesen :freu

An einem Tag von Deutschland nach El Hierro zu kommen, ist wohl eher der Knackpunkt ...aber auch das ist mit Binter eventuell zu schaffen :wink
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Beitragvon vida llena am So 16. Aug 2009, 22:05

:dd Lee für diesen wortgewaltigen Auftakt. :knuffel

Und es ist noch sooooooooo viel zu beschreiben :ausheck :kiwi
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