THE CANARY ISLANDS
AN EXPEDITION TO THE ISLAND OF GOMERA
Zweifellos hält die Insel La Gomera für Ornithologen vielerlei Attraktionen bereit, und dennoch hatte ich ursprünglich La Palma als Hauptziel meiner Expedition geplant.
Aber als ich hörte, welches SchicksaI kürzlich Neuankömmlinge dort ereilte, war ich sehr schnell bereit, alle Versuche, dort an Land zu gehen, aufzugeben.
Die Insel La Palma ist kein Kannibalenland, wie man aus dem letzten Satz folgern könnte, es ist sogar sehr viel zivilisierter als La Gomera, und rühmt sich sogar eines britischen Vizekonsuls.
Wie es aussieht, leben die Bewohner La Palmas aber zur Zeit in einer Todesangst vor der "Spanischen Grippe" und da sie hören mussten, dass die schreckliche Seuche die Bewohner von Gran Canaria und Teneriffa sterben lässt wie die Fliegen, sind sie entschlossen, diese Geißel nicht auf ihre Insel zu lassen, und so nahmen sie das Gesetz selbst in die Hand, in dem sie Schiffspassagieren die Einreise strikt verweigern. Sogar Waren dürfen in Santa Cruz de La Palma derzeit nicht an Land gebracht werden.
Mir kam die Geschichte zweier unglücklicher Menschen zu Ohren, denen es gelungen war, an Land zu kommen, und die sogleich von den gastfreundlichen Insulanern ins Meer geworfen wurden.
Unsere Entscheidung wurde bestärkt durch einen Brief des Vizekonsuls, der uns bat, gegenwärtig nicht zu versuchen, die Insel La Palma zu betreten, weil man uns dort sicherlich steinigen würde
So reisten wir stattdessen nach La Gomera.
In der Nacht des 14. März 1920 segelten wir von Santa Cruz de Tenerife mit der Leon y Castillo, einem der größten der komfortablen Postschiffe, die heute zwischen den Haupthäfen der Kanarischen Inseln verkehren, Richtung Nachbarinsel.
Am nächsten Morgen, kurz nach Tagesanbruch, lag der kleine Dampfer vor dem Dorf Playa de Santiago, nur ein Haufen von Häusern, gebaut zwischen einigen Palmen in einem Barranco an der Südküste von La Gomera. Grüne, aber baumlose Hügel erheben sich steil oberhalb der zackigen Felsen, die hier die Küstenlinie prägen. Nachdem ein paar wenige Passagiere für den winzigen Hafen ausgeschifft worden waren, fuhren wir mit unserem Dampfer dicht vor der Küste nach San Sebastián, dem Haupthafen La Gomeras.
Hier zogen sich die hohen Felsen auf einmal zurück und öffneten sich zu einem weiten Barranco, wo eine schwere Brandung einen steinigen Strand aufgehäuft hatte, stellenweise durch die Kraft der Wellen zu schwarzem, vulkanischen Sand zermahlen. Vom Meer aus betrachtet sieht San Sebastián gar nicht unmalerisch aus. Viele Dattelpalmen überraschen angenehm in der sonst baumlosen Landschaft, aber bei näherem Kennenlernen des Ortes löst sich dieses Wenige an Schönheit schnell auf.
Hinter einem schmalen Streifen von Tamarisken, die den Strand begrenzen, gibt es in gewissem Umfang landwirtschaftlichen Anbau. Das Dorf ist an der Ostseite des Tals gebaut und besteht aus drei langen, parallelen Straßen, die sich ungefähr eine halbe Meile vom Meer in den Barranco hineinziehen. Ein paar zumeist überaus arm und elend wirkende Häuser sind oberhalb der anderen am Osthang des Barrancos gebaut. Die Gebäude sind in unterschiedlichen Farben angemalt und haben alle rote Schornsteine, was - von weitem betrachtet - einen ganz gefälligen Eindruck vermittelt.
Nachdem wir auf den Schultern eines Mannes vom Brandungsboot an Land getragen und mit unserem Hab und Gut am steinigen Strand abgeladen worden waren, bildeten wir sofort die Attraktion der bunten Menschenmenge, die sich versammelt hatte, um die Ankunft des Schiffes zu beobachten, und wir waren ziemlich erleichtert, als wir ihr auf fürchterlich gepflasterten Straßen zu dem uns zur Verfügung gestellten Haus entkommen konnten.
Der erste Eindruck, den wir von San Sebastián erhalten hatten, löste sich auch bei näherem Kennenlernen nicht auf. Es lässt sich nicht mit vielen Dörfern auf Gran Canaria und Teneriffa vergleichen und ist Arrecife oder Puerto Cabras, den Haupthäfen von Lanzarote und Fuerteventura, weit unterlegen. Ich kenne nur wenige Orte, die so völlig von der Welt verschlossen sind und die einen solchen Eindruck kompletter Isolation vermitteln.
[Der Autor beschreibt nun ausführlicher das Umland von San Sebastián, die dort betriebene Landwirtschaft und die zu seiner Enttäuschung nur wenigen von ihm aufgefundenen Vögel.]
Unglücklicherweise hielten uns die Umstände drei ganze Tage in San Sebastián fest, wobei die Nächte wegen des Hundegeheuls und des unaufhörlich blasenden Windes, der alle Türen und Fenster klappern ließ, entsetzlich waren. Aber schließlich hatten wir unsere Vorbereitungen abgeschlossen und brachen auf zwei elenden Ponies (den besten, die wir in San Sebastián hatten auftreiben können) auf, um die Insel nach Hermigua zu überqueren.
[Der Autor beschreibt nun den - für die Ponies zu steilen - Aufstieg auf schmalen Pfaden hoch in die Berge La Gomeras. Fasziniert zeigt er sich von der dort vorgefundenen Vegetation, aber bitter enttäuscht darüber, keinen der von ihm erhofften endemischen Vögel entdecken zu können. Es folgt die Beschreibung des steilen, beschwerlichen Abstiegs nach Hermigua. Wieder können die Ponies nicht geritten werden, sondern müssen mühsam die Pfade hinuntergeführt werden.]
Das obere Hermigua liegt ein Stück von der Küste entfernt, ungefähr 1000 Fuß hoch, und da sich das an uns vermietete Zimmer in einem Lagerhaus zum Verpacken von Früchten fast unten am Strand befand, hatten wir noch einen weiten Weg vor uns. Ein reißender Bach floss in der Mitte des Tals bergab, strudelnd über glatte Steine hinweg. [...]
Die Mündung des Tals ist ungefähr eine halbe Meile breit, steile Felsen steigen auf beiden Seiten auf. Der Strand ist steinig, der Sand schwarz und vulkanisch. Oberhalb der Hochwasserlinie erstreckt sich ein dichter, aber schmaler Streifen aus Tamarisken, der die sich bis an den Strand erstreckenden Bananenplantagen begrenzt. Der das Barrancobett hinunter fließende Bach ergießt sich hier, durch einen üppigen Bambusbewuchs hindurch, ins Meer.
Ein grober Pfad führt von den als Packerei dienenden Schuppen ein Stück die Felsen entlang, und es war ein malerischer Anblick, die Kamele zu beobachten, wie sie die großen Früchteballen zum Hafenausleger (pescante) brachten, von wo aus sie in kleinen Küstendampfern nach Teneriffa gebracht werden. Von dort werden die Früchte dann auf großen Dampfern nach England transportiert.
Der Anbau von Bananen hat sich in den letzten Jahren durch eine wohlbekannte britische Firma enorm entwickelt. Teneriffa und Gran Canaria sind die Hauptanbaugebiete für Bananen, aber nun gibt es auch viele tausend Bananenstauden auf den Inseln la Palma und La Gomera. Bereits im Vorwort zu dieser Auflage habe ich dieser Firma meinen Dank bekundet. Die nette und zuvorkommende Betreuung, die wir seitens der englischen und spanischen Mitarbeiter der Herren Fyffe erfuhren, ist nicht zu übertreffen. Besonderen Dank schulden wir Herrn C. J. Hamilton für die Gestaltung unseres Aufenthaltes auf La Gomera.
[Der Autor beschreibt nun ausführlich einen allerdings nur mäßig erfolgreichen ornithologischen Ausflug in die Berge oberhalb von Hermigua.]
Die unerwartete Ankunft eines kleinen Küstendampfers für den Transport von Früchten am 19. März führte zu unserem Entschluss, in zwei Tagen nach Teneriffa zurückzukehren. Die Schiffsmannschaft versprach, uns auf ihrer Rückreise von Vallehermoso hier in Hermigua abzuholen.
Die Alternative wäre gewesen, auf einem Ruderboot die Küste entlang bis San Sebastián zu fahren, um von dort aus die dreitägige Reise mit dem interinsularen Postschiff durch den halben kanarischen Archipel nach Santa Cruz de Tenerife zu unternehmen. Eine Fahrt in einem kleinen Ruderboot die Küsten entlang ist aber selbst für einen guten Seemann kein einfaches Unterfangen. Sowohl das Ein- als auch das Ausschiffen sind oft außerordentlich schwierig und bei rauem Wetter ganz unmöglich.
[...]
Wie versprochen lief am Morgen des 21. März 1920 der kleine Früchtedampfer Taoro○ Hermigua an. Ein gemächlich sich bewegendes Kamel wurde für unser Gepäck gebracht, und man setzte uns an den Felsen ab, von denen aus wir eingeschifft werden sollten. Meine Frau und ich haben schon auf vielerlei Arten die Küsten der Kanarischen Inseln betreten und verlassen. Manchmal sind wir hoch auf den Schultern von Männern durch die Brandung getragen worden und dann in ein kleines Boot gepurzelt, oder wir mussten von einem Felsen springen, um von den Händen eines muskulösen Fischers aufgefangen und aus der Reichweite der Wellen getragen zu werden.
Die Methode aber, mit der man in Hermigua Früchte und Passagiere einschifft, ist nach unserer Erfahrung wirklich einzigartig. Eine Piste ist in die Felsen geschlagen worden, die zu einem etwa 150 Fuß über dem Meer auf einer Steinplattform gebauten Früchteschuppen führt. Von dieser Plattform aus streckt sich, von einem steinernen Pfeiler getragen, eine Skelettkonstruktion aus Eisen ein beträchtliches Stück hinaus über die Wellen. Und dieses Eisengestell entlang läuft an Schienen hängend ein mechanisch angetriebener Korb, an einem einzigen Seil hängend. Der Korb wird, nachdem er von den Arbeitern des Hafenauslegers mit Früchteballen gefüllt wurde, in die Luft geschwungen, läuft dann die Schienen entlang hinaus über das Meer und wird dann zu einem Boot, das darunter wartet, hinabgelassen.
Wir waren nicht die einzigen Passagiere, die diese Gelegenheit der Abreise von Hermigua nutzen wollten. Der kleine Landungssteg auf den Felsen war gefüllt mit Männern, Frauen und Kindern, die nach Kuba emigrieren wollten und die alle eine Deckpassage auf der Taoro nach Santa Cruz de Tenerife gebucht hatten. Sehr viele Männer emigrieren jedes Jahr von den Kanarischen Inseln nach Kuba in der Hoffnung, dort innerhalb von wenigen Jahren ihr Glück machen zu können. Wenn sie verheiratet sind, lassen sie ihre Frauen und Familien auf den Inseln, bis sie ausreichend viel Geld gespart haben, um sie nach Kuba nachkommen zu lassen, vorausgesetzt natürlich, dass sie nicht inzwischen jenseits des Meeres eine andere Ehefrau gefunden haben.
Eine Frau mit einem kleinen Jungen und zwei kleinen Mädchen, deren Mann ihr in der Ferne offenbar treu geblieben war, war nun hier, um nach Kuba aufzubrechen. Sie trug alles bei sich, was sie an irdischen Gütern besaß.
Die Männer machten einen ganz unbekümmerten Eindruck, aber einige Frauen, die gekommen waren, um die Abfahrt ihrer Söhne und Ehemänner zu beobachten, erhoben ihre Stimmen in lautem Wehklagen. Besonders eine alte Dame, deren Sohn ihrem Schmerz nicht die geringste Beachtung schenkte, hing über dem Geländer und erfüllte die Luft mit ihrem durchdringenden Geheul und ruderte aus Verzweiflung wie wahnsinnig mit den Armen über dem Kopf.
Schließlich waren alle Früchte fertig verladen, und nun wurde das Gepäck der Emigranten in den Korb gepackt. Ein junger Mann weigerte sich standhaft, seine Gepäckkiste alleinzulassen, und gerade, als der Korb begann, vom Boden hochgezogen zu werden, sprang er auf das Gepäck und wurde, festgeklammert an dem Seil, hochgezogen in die Luft. In dieser recht prekären Lage wurde er zum Boot hinabgelassen, während der Korb in Schwindel erregender Weise herumwirbelte. Der junge Mann aber, der seinen Willen durchgesetzt hatte, schien bestens zufrieden.
An Stelle des Gepäckkorbs wurde nun eine hölzerne Kiste mit Sitzen und niedrigen Wänden angehängt, und in ihr wurden die Emigranten, jeweils vier auf einmal, und schließlich wir selbst zu dem unten wartenden Boot hinabgelassen. Dann wurden wir zur Taoro hinausgerudert, wo wir an einer Strickleiter zum Deck hochklettern mussten. Als alle an Bord waren, ließ die Taoro einen grellen Pfiff ertönen, die Ankerkette wurde eingerollt, und langsam kehrten wir La Gomera unseren Rücken, der Insel, die ihre ornithologischen Geheimnisse so gut im Herzen ihrer meist unzugänglichen Wälder zu bewahren weiß.
Die Überfahrt auf der Taoro gehört zu meinen schönsten Reiseerinnerungen. Der kleine Dampfer fuhr Richtung Westküste Teneriffas, bis wir uns dem Dorf Guía gegenüber befanden, und änderte dann seinen Kurs. Nun steuerte die Taoro Richtung Süden, nahe und unter dem Schutz der Küste. Dieser Tag war einer der herrlichsten, an die ich mich erinnern kann. Vollkommen still und friedlich, das Meer wie ein Spiegel, die heiße Sonne brannte herunter, und ein seltsamer grauer Dunst hing über dem Wasser.
Der leichte Fahrtwind reichte grade, um uns an Bord angenehm zu kühlen. Wir hatten Hermigua um etwa 14 Uhr verlassen, so dass die Hälfte der Reise bei Tageslicht stattfand und wir einen schönen Eindruck von der West- und der Südküste Teneriffas gewinnen konnten. [...]
Als die Sonne unterging, verlor Teneriffa plötzlich all seine Schönheit. Nun erschien die Insel als große, graue Masse, der weiße Teide blinzelte gerade noch durch die zunehmende Dunkelheit.
Die nach Kuba auswandernde Frau und die drei Kinder lagen dicht beieinander auf dem Deck, völlig eingewickelt in einem großen Tuch, das die Familie von Kopf bis Fuß bedeckte.
Der Mann am Steuerrad begann mit tiefer Stimme vom vergangenen Ruhm Spaniens zu singen, als es noch "von Buenos Aires bis Peru" herrschte. Nach und nach begannen die Lichter der Dörfer hoch oben in den Bergen zu funkeln, und wir folgten dem Beispiel der Auswanderin, wickelten uns in unsere Mäntel und ließen uns von der Bewegung des Schiffes, begleitet vom Gesang des Steuermannes, in den Schlaf wiegen.
Infos
Das Buch "The Canary Islands" von David A. Bannerman erschien 1922 im Verlag Gurney and Jackson in London.
Hier
Wer das Buch gerne auf englisch lesen möchte, kann es auf der Web-Site Memoria Digital de Canarias
Übersetzung: Buba






