Wie konnte es bloß passieren, dass Frau Buba und ich in zwanzig Wanderurlauben auf La Gomera den wunderschönen Barranco de la Negra so komplett übersehen haben?
Aber wahrscheinlich geht es vielen anderen Gomera-Wanderern ganz ähnlich. Wenn man wie wir im Valle Gran Rey seine Bleibe hat, ist eine Tour im Inselsüden zwischen La Dama/Arguayoda und Alajeró mit recht großem logistischen Aufwand verbunden. Man hat lange Hin- und Rückfahrten mit dem Leihwagen. Und dann gibt es dort nicht einmal die Möglichkeit einer Rundtour. So ist all die Jahre der Barranco de la Negra für uns terra incognita geblieben.
Aber spätestens als wir die tollen Fotos
Und so studierten wir unsere diversen Wanderführer, aber weder im neuen Michael-Müller-Wanderführer noch im alten, grünen Goldstadt-Führer wurden wir fündig. Nur in den neueren Ausgaben des Rother-Wanderführers wird mit Tour 10 "Von Alajeró nach Arguayoda" eine Wanderung durch den Barranco de la Negra beschrieben, die übrigens ein Teilstück des die Insel umrundenden, offiziellen Fernwanderweges GR 132 ist. Aber auch die Rother-Wanderung Nr. 10 ist keine Rundtour, sondern man geht auf dem bereits bekannten Hinweg auch wieder zurück. Der Rother-Führer beschreibt sie als "leichte Wanderung, die aber Trittsicherheit und etwas Ausdauer erfordert".Am 1. Februar 2011 war es schließlich soweit!
Die Tour beginnt am Parkplatz in der Ortsmitte von Alajeró. Von hier aus wandern wir rechts am neuen Ayuntamiento vorbei die Straße hinauf.
Schon nach vielleicht 100 Metern zweigt in der Rechtskurve ein Sträßchen nach links ab, das uns, vorbei am Friedhof, aus dem Ort hinausführt. Ein Wanderschild "GR 132 Magaña-Arguayoda-La Dama" zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Gemütlich führt uns das Sträßchen in langem Rechtsbogen durch die Terrassen des Berghangs mit schönen Blicken nach links Richtung Meer.
Unvermittelt endet die schmale Straße und setzt sich als schöner Camino fort, der sich, vorbei an Mandelbäumen, in den Barranco de Charco Hondo hinunter schlängelt.
In der Ferne sehen wir bereits den Weg, der uns später an dem unter Palmen liegenden Gehöft Magaña vorbeiführen wird.
Aber zunächst erreichen wir (ca. 30 Minuten nach Beginn der Wanderung) am Barrancogrund einen kleinen, idyllischen Stausee.
Von dort aus steigt unser Camino stetig an bis zum Gehöft Magaña
und dann auf dem Bergrücken wieder etwas hinab, bis er an einem Haus mit merkwürdigen Zinnen auf eine Asphaltstraße stößt.
Diese wandern wir nun links bergauf
und erreichen nach vielleicht 10 Minuten das Ende der Straße an einem Wendeplatz, wo nun, durch ein Wanderschild ausgewiesen, unser Weg rechts abzweigt. Weit in der Ferne können wir bereits La Dama erkennen. Künstlerische Installationen und liebevoll gemalte Schilder zeigen uns, dass es nun nicht mehr weit bis zur Eremitage von Ernst
Und tatsächlich: Nach höchstens hundert Metern stehen wir vor dem Eingang zum kleinen "Anwesen" des Eremiten, der hier seit 12 Jahren ganz auf sich alleine gestellt lebt. "Nein, ihr stört überhaupt nicht." beruhigt er uns und fragt uns, ob wir etwas Limonengrastee trinken möchten.
Wir sitzen draußen am Tisch, und Ernst erzählt, dass soeben ein paar junge Leute das undichte Dach repariert hätten. Jetzt würden gerade Wände neu verputzt, weil durch das feuchte Klima hier im Winter der Putz heruntergefallen sei. Leider könne man deshalb nun nicht bei ihm übernachten. Als wir ihm erzählen, dass wir noch weiter bis La Dama wandern wollen, meint Ernst, auf der anderen Barrancoseite müsse man aufpassen, sich nicht zu verlaufen. Dort sei der Weg, so hätten ihm Wanderer erzählt, offenbar falsch ausgeschildert.
Gestärkt durch den leckeren Limonengrastee setzen wir unseren Weg fort, der zunächst ungefähr zehn Minuten auf dem Bergrücken leicht bergab führt. Dann teilt sich der Weg, und unser Camino zweigt am Wanderschild "GR 132 La Manteca-Arguayada-La Dama" nach rechts ab.
Nach einer kurzen Abstiegskehre geht es nun 5 bis 10 Minuten fast ohne Steigungen oder Gefälle durch den Hang,
bis er sich schließlich an einem Bergrücken in vielen Kehren in den Barranco hinab windet. Was für eine fantastische Felslandschaft!
Unten im idyllischen Barrancogrund müssen wir neben einigen Tümpeln ein Bächlein überqueren
und dann geht es auf der anderen Barrancoseite
leicht ansteigend zum nächsten Bergrücken, an dem wir an dem verlassenen Bauernhof La Negra vorbei kommen.
Schon nach etwa 10 Minuten queren wir den nächsten Barranco mit einigen wassergefüllten Gumpen.
Der Camino steigt nun stetig leicht bergan, und nach ca. 15 Minuten erreichen wir eine Wegverzweigung mit einer schon etwas verblassten, auf einen Stein gemalten Markierung, die besagt, dass der GR 132 nach Arguayoda hier nach rechts abzweigt. Das ist aber, so finden wir, eindeutig falsch!!!
Folgt man nämlich der Markierung und wandert ab hier den Serpentinenweg hoch zu den Häusern von La Manteca (Casas de La Negra), stößt man dort kurz nach Beginn eines betonierten Weges auf ein GR 132-Wanderschild "Arguayoda", das den Wanderer scharf nach links abzweigen lässt. Folgt man diesem Schild, so befindet man sich schon bald in einem steilen, felsigen Hang, in dem kein Weg mehr erkennbar ist. Vielleicht hat es dort mal einen Camino gegeben, aber dann muss dieser irgendwann weggebrochen sein. Wir konnten nicht glauben, dass ein offizielles Hinweisschild Wanderer dermaßen in die Irre leiten kann und haben zwei Tage später noch einmal versucht, dort einen Weg aufzuspüren. Aber es gibt ihn definitiv nicht (mehr)! Allein die Vorstellung, dass hier Wanderer mit vollem Gepäck (immerhin ist der GR 132 der große Inselumrundungsweg La Gomeras) hart am Abgrund auf rutschigem Untergrund nach dem Weg suchen, lässt mich schwindelig werden! Aber Ernst, der Eremit, hatte uns ja schon gewarnt!
Also: An besagter Verzweigung besser der Beschreibung des Rother-Wanderführers und nicht der Markierung vertrauen und (trotz der gekreuzten Markierungsstriche) einfach geradeaus weiterwandern! Dann erwartet uns ein wunderschöner, gefahrloser Camino, der uns, zunächst fast ohne Steigung, durch die Hänge des Barranco de la Negra leitet. Wir ignorieren dabei einen links zum Barrancogrund abzweigenden Camino.
Außerdem passieren wir die Stelle, an der der "falsche", offenbar weggebrochene Weg wieder auf unseren Camino stoßen würde. Auch hier hat offenbar einmal ein offizielles Wanderschild gestanden, das aber (mit gutem Grund) aus dem Boden gerissen und nun so drapiert wurde, dass seine Hinweispfeile nun in die richtigen Richtungen weisen.
Der Weg steigt immer weiter bergan mit schönen Ausblicken in den Barranco de la Negra
und erreicht schließlich den Rand der Hochfläche von Arguayoda.
Unser weiß-rot markierter Wanderweg GR 132 biegt nun nach rechts ab und kreuzt wenige Minuten später die nach Arguayoda führende Asphaltstraße. Schon bald erreichen wir einen Treppenweg, der uns zum kleinen Platz an der Kirche des Dorfes leitet.
Die Beschreibung des Rother-Wanderung Nr. 10 sieht nun vor, auf demselben Weg wieder zurück nach Alajeró zu wandern. Für Hin- und Rückweg zusammen geben die Wolfspergers übrigens eine Wanderzeit von 6 Stunden an, für nur den Hinweg von Alajeró nach Arguayoda 2 Stunden und 50 Minuten.
(Wir sind übrigens nicht wieder zurück nach Alajeró gelaufen, sondern haben unsere Tour Richtung La Dama fortgesetzt. Aber die anderthalbstündige, erfolglose Wegsuche in La Manteca (Casas de La Negra) hatte unseren Zeitplan ziemlich durcheinander gebracht. Glücklicherweise hat uns dann unten in La Rajita (bei 19º C) ein nettes, schweizerisches Ehepaar in seinem Auto bis hoch zur Straßenverzweigung "Las Parades" (dort zeigte das Außenthermometer im Auto nur noch 6º C) mitgenommen. Aber oben in den Bergen fährt ja abends fast kein Auto mehr! Also sind wir losgelaufen Richtung Alajeró, dort stand ja unser Leihwagen. Es wurde dunkel, und zu allem Überfluss fing es auch nach an zu regnen. Schließlich hatte ein älterer Pickup-Fahrer aus Imada Erbarmen mit uns und hat uns sogar bis direkt zu unserem kleinen, blauen Fiat gebracht. ¡Otra vez muchas gracias, Señor!)
Wir haben uns Gedanken gemacht, ob es nicht von Arguayoda aus die Möglichkeit einer Rundwanderung durch den Barranco de la Negra gibt.

Sowohl auf der Goldstadt-Wanderkarte als auch auf der KOMPASS-Karte ist ein Pfad eingezeichnet, der von der am Barrancoausgang gelegenen Playa de la Negra den gegenüberliegenden Barrancohang hochführt. Und dieser Pfad setzt sich, so zeigen die beiden Karten, oben an der Abbruchkante fort und senkt sich dann in den Barranco de la Negra ab. "Das könnten wir doch mal ausprobieren!"
Also sind Frau Buba und ich zwei Tage nach unserer oben beschriebenen Wandertour nach Arguayoda gefahren, haben dort das Auto geparkt und sind zunächst die uns schon bekannte, staubige Piste bis zum Abweig des Serpentinenpfad nach La Rajita gelaufen und dann weiter Richtung Playa de la Negra. Zu unserer Überraschung ging die Schotterpiste schon bald in eine steile, betonierte Fahrpiste
über, die in einigen Kehren bis kurz über dem Strand hinunter- und dann in den Barranco hineinführte. Wir überquerten den durch die Meeresbrandung ziemlich zugemüllten Strand und machten uns auf die Suche nach dem auf den Karten eingezeichneten Pfad. Frustrierendes Ergebnis: Es gibt ihn offenbar nicht mehr. Im oberen Bereich des Barrancohangs ist der Camino (direkt über der oberen Kehre auf dem Foto) deutlich zu erkennen, aber unten ist er schlicht verschwunden!
Irgndwann haben wir aufgegeben und uns wieder die ätzend steile Betonpiste hochgeschleppt, was in der prallen Februarsonne wirklich kein Vergnügen war. Und dann auf dem Schotter-Fahrweg wieder zurück nach Arguayoda.
Da wir schon einmal in Arguayoda waren, haben wir dort weiter nach Möglichkeiten einer Rundwanderung mit Arguayoda als Start/Ziel-Punkt geforscht und möchten nun hier folgenden Vorschlag präsentieren:
Ausgangspunkt ist das Dorf Arguayoda. Vom unteren Dorfteil mit der kleinen Plaza und der Kirche geht man den Treppenweg hoch zum höher gelegenen Dorfteil und biegt dort nach links in den Wanderweg GR 132-1 ein, der schon bald in ihrer Rechtskurve die Asphaltstraße berührt und dann stetig bergauf führt, bis nach den ersten Häusern des Weilers El Drago wieder die Asphaltstraße erreicht wird.
Hier verlassen wir unseren Camino und wandern nun die Straße wenige hundert Meter rechts bergab bis zur nächsten Rechtskurve. Direkt in der scharfen Kurve zweigt eine Piste ab, die - so ist auf einem Blechschild zu lesen - nach La Manteca führt. Auf einigen Karten heißt der Ort übrigens nicht La Manteca sondern Casas de la Negra.
Wir folgen der Piste, die schon nach vielleicht 150 Metern in einen gepflasterten Plattenweg übergeht, der uns nun in schönen Kehren durch das kleine Dorf La Manteca (Casas de la Negra) führt.
An den letzten Häusern folgen wir dem Wanderschild GR132 Los Almácigos-Alajeró (und nicht GR 132 Arguayoda-La Dama, dieser Weg endet im Nichts!) bergab, bis der Camino nach etlichen scharfen Kehren auf den uns aus der obigen Wanderbeschreibung bereits bekannten Wanderweg stößt, der links Richtung Alajeró und rechts Richtung Arguayoda führt.
Wir schlagen vor, weil dort der Barranco de la Negra vielleicht am schönsten ist, zunächst den Weg ein paar hundert Meter nach links zu wandern, bis er zum zweiten Mal den Barrancogrund quert.
Hier könnte man nun kehrtmachen und den stets deutlich erkennbaren Camino immer geradeaus wandern, bis die Hochfläche von Arguayoda erreicht ist. Hier rechts abbiegen, und nach wenigen hundert Metern ist wieder die Plaza von Arguayoda erreicht.
Wir schätzen die Dauer dieser Rundwanderung, auf der sich der Barranco de la Negra von seinen schönsten Seiten zeigt, auf etwa 2 Stunden.


Mal wieder eine super Beschreibung. Danke, Buba!
Wird baldmöglichst ausprobiert!


oder junge durch trainierte Wanderer.
