Der zweite Pescante von Hermigua, ein unvollendetes Bauwerk

Hier könnt Ihr sehen und beschreiben, wie die Insel sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat.

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Beitragvon Buba am Do 18. Aug 2011, 19:31

Wohl jeder, der sich etwas mit der Geschichte der Insel Gomera beschäftigt hat, wird schon einmal Fotos gesehen haben, auf denen der Pescante (Hafenausleger) von Hermigua mit der weit über das Meer ragenden Metallkonstruktion zu sehen ist, an der früher vor allem die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, aber auch Passagiere, zu den Schiffen herabgelassen wurden.

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Erst bei genauerem Hinsehen bemerkt man, dass der auf den alten Fotos gezeigte Metallausleger gar nicht auf den vier mächtigen Stelen ruhte, die heute schon von weitem (schon von Agulo aus!) deutlich zu erkennen sind, sondern auf einer Plattform, vor der sich nur eine einzige Betonsäule befand. Und wieso gibt es keine Fotos von einem Hafenausleger auf den vier Säulen? Hat es etwa dort nie einen Ausleger gegeben?

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Auf diese Fragen gibt der Artikel El Segundo Pescante de Hermigua. Una Obra Inacabada auf der Facebook-Seite von "Isla de la Gomera" Auskunft, dessen Inhalt offenbar dem Buch "Pescantes de La Gomera. Testimonios de la arqueología industrial de Canarias" (2008) entnommen wurde. Ich habe den Text, so gut es mir möglich war, übersetzt:
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Der zweite Pescante von Hermigua,
ein unvollendetes Bauwerk


In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre führten die wirtschaftlichen Erfolge der Exporteure in Hermigua zu dem Versuch ihrer Aktiengesellschaft "La Union", rechts vom bisherigen Pescante (Hafenanleger) im Abstand von etwa 30 Metern einen zweiten, noch größeren Pescante zu bauen. Der Kostenvoranschlag lag bei dem Fünffachen der Baukosten des ersten Pescante. Was für eine Herausforderung!

Mit dem Bau dieses zweiten Pescante würde man weiter von der Küste entfernt Schiffe be- und entladen und so durch die Erhöhung der Kapazität mehr Gewinne erwirtschaften können. Allerdings blieb das Projekt unvollendet. Ernteausfälle und der Wegfall der Märkte aufgrund der Weltwirtschaftskrise 1929, des spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs und die Konkurrenz aus anderen Ländern bremsten dieses ehrgeizige Projekt aus.

Von dem Bauprojekt stehen heute noch die vier riesigen, in einer Linie aufgereihten Stelen, die aus dem bewegten Wasser der Küste von Hermigua herausragen als treue und stille Zeugen einer gescheiterten Idee.

Die drei mal vier Meter dicken, ungefähr 30 Meter vom ersten Pescante entfernten Säulen wurden aus in Zementmörtel eingebetteten Steinen hergestellt. Man kann erkennen, dass die vierte Säule eine andere Färbung aufweist als die drei anderen, offenbar dadurch bedingt, dass man für die vierte Säule einen feinen Putz aus Mörtel verarbeitet hat.

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Nach Ángel Hernández Fagundo waren ursprünglich zwei weitere, aus Beton gegossene Stelen geplant, wofür man einen flachen Bereich hinter der vierten Säule seewärts ausnutzen wollte. Im oberen Teil der Betonmonolithen kann man Reste von einigen Stangen erkennen, an denen die Metallkonstruktion des Hafenauslegers befestigt werden sollte.

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Dieser sollte in einer Länge von ungefähr 150 Metern gebaut werden, viereinhalb mal so lang wie der Ausleger des ersten Pescante.


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Hier als Ergänzung eine Luftaufnahme des Pescante de Hermigua aus dem Jahr 1974.

Reste des Hafenauslegers in Hermigua 1974


Zwischen dem unvollendet gebliebenen Pescante links und dem alten Pescante rechts das Meerwasserschwimmbecken von Hermigua.
Nun bleibt nur noch zu klären, welche Funktion der dicke Pfeiler hatte, der auf dem Foto ganz rechts zu sehen ist. :gruebel
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Beitragvon Fritzlore am Do 18. Aug 2011, 20:52

Super! :freu :freu :freu
Wieder mal hoch interessant,was Ihr da ausgegraben habt!

Unvollendete, große Bauvorhaben - offenbar hat das Tradition auf der Insel. 1929 das hier und was fällt uns da noch so alles an
Bauruinen ein in den letzten Jahren?
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Beitragvon woga am Do 18. Aug 2011, 20:54

:freu ...und wieder hat La Gomera ein Geheimnis weniger :ausheck
und wir wissen ein wenig mehr :ausheck
Der dicke Klotz ist ja schon auf der alten Aufnahme, als der Pescante noch in Funktion war, zu sehen. Auch damals machte er einen unfertigen Eindruck. Vielleicht ein weiterer unvollendeter Versuch? :achselzuck
Auf La Gomera sind die Wege lang und umwegig. (Janosch)Bild
Aber schön! (woga) :wink
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Beitragvon herbi am Do 18. Aug 2011, 23:06

Vielleicht der erste Versuch eines Pescante und zu kurz geraten? :achselzuck :herbi :herbi :herbi
Besser is das!!(Werner)Ach was(Loriot)Sagen Sie nichts(Loriot)
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Beitragvon Margit P. am Fr 19. Aug 2011, 01:20

:freu Danke, wieder ein geschichtl. Zeitdokument mehr, welches ich in meine "es war einmal" Geschichten von La Gomera ablegen kann. :knuffel
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Beitragvon irmimel am Fr 19. Aug 2011, 17:49

Ähnliches nahm man sich vor in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts. Man fasste den ehrgeizigen Plan für Straßenverbesserundarbeiten 30 Millionen € auszugeben. Ein waghalsiges Vorhaben in einem kleinen Dorf wie Hermigua. Man stellte auch bald fest das die kleine Gemeinde, auch räumlich, nicht in der Lage war eine deratig große Menge Bauarbeiter und Maschinen aufzunehmen, wie es hätte sein müssen, wenn man in kurzer Zeit das Ziel erreichen und wirklich 30 Mio. € ausgeben will. Also machte man einen Kompromiss. Natürlich hielt man an der Menge Geld die auszugeben war fest. Aber man kaltulierte ein, das die Baumaßnahmen bis Ende der 20iger Jahres dieses neuen schönen Jahrtausends gehen werden.
Doch bis heute weiß noch keiner, wo diese wunderschöne Trasse, die man dort in den Bananen aufgeschüttet hat auch je eine Straße tragen wird. Oder ab man in 80 Jahren in einem Internetforum darüber spekulieren wird, was dieser künstlich angelegte Berg wohl für einen Sinn gehabt haben könnte.
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Beitragvon Buba am Fr 19. Aug 2011, 19:21

Ich habe soeben noch einmal in den Weiten des Netzes herumgeschnüffelt :lupe auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, welche Funktion wohl der einsame Pfeiler neben dem alten Pescante besessen haben kann. Um es vorwegzunehmen: Ich hab es nicht rausgekriegt! :menno :menno :menno

Aber ich hab während der Suche herausgefunden, dass sich der Baubeginn des ersten Pescante auf das Jahr 1907 datieren lässt, da 1912 der Oberst Ingenieur D. Manuel Acebal einen Bericht an den Herrn Militärgouverneur von Santa Cruz de Tenerife schickte, in dem es heißt, dass "im Ortsbezirk Hermigua der unterzeichnende Offizier, begleitet vom Bauleiter D. Domingo Pisaca sich an jenen Ort begab, wo er die Gelegenheit hatte, zu sehen, dass das Projekt, wie berichtet wird, seit fünf Jahren im Bau ist."

Und ich hab gelesen, dass der erste Pescante im Auftrag der Aktiengesellschaft "La Unión" gebaut wurde, in der sich Großgrundbesitzers des Tales und reiche Rückkehrer aus Kuba zusammengeschlossen hatten. An der Finanzierung beteiligten sich außerdem diverse ausländische Firmen wie die britische "Compañía Fyffes Limited", die schon seit Ende des 19. Jahrhunderts auf La Gomera Plantagen bewirtschaftete.

Der Pescante bestand aus einer Lagerhalle, einem Gebäude für Büros und dem großen Ausleger aus Metall. Es gab eine mit Dampf angetriebene Maschine, und später kam eine Transport-Seilbahn hinzu, die vom Strand die gesamte Bucht entlang führte bis zum Pescante.

Offenbar gibt es keine alten Aufzeichnungen über die Geschichte des Pescante. So beginnt Miguel Ángel Morales Mora seinen Aufsatz "Hermigua: Cien años de pescante" mit dem Satz : Wir müssen feststellen, dass bis vor wenigen Jahren nichts über diese Konstruktionen geschrieben oder publiziert wurde. Hemos de reconocer que, hasta hace pocos años, nada se había escrito o publicado sobre estas estructuras.

Ob der einsame Betonklotz vielleicht einen Mast der Seilbahn trug? Oder war es, wie herbi vermutet, ein erster, fehlgeschlagener Versuch eines Hafenauslegers?

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Vor dem Bau des Pescante wurden übrigens die landwirtschaftlichen Erzeugnisse (vor allem Tomaten und Bananen) auf dem Rücken oder auf dem Kopf den langen Weg bis zur kleinen Anlegestelle "Muelle de Lorenzo" getragen, die sich hinter einer Landzunge ein ziemlich weites Stück hinter der Playa de la Caleta befand. An dieser Stelle, die "Agua dulce" genannt wurde, war das Meer oft relativ ruhig.

Der alte Camino von der Playa de la Caleta zu den Resten der "Muelle de Lorenzo" und der Ruine des darüber liegenden Büros der Firma Fyffes ist offenbar gerade wieder neu hergerichtet worden. :elch :elch
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Beitragvon Fritzlore am Fr 19. Aug 2011, 20:12

Für mich sieht das so aus, als könnte das wirklich ein Träger für diese Seilbahn gewesen sein.
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