Wir begannen unsere Wanderung schon sehr, sehr zeitig, da die Temperaturen im August ja nicht eben niedrig sind und wir die Morgenkühle nutzen wollten.
Nach einem Café bei Carlos ging's mit dem moto bis Los Granados. Es war noch dunkel und ich konnte mir nicht so recht vorstellen, wie ich den Weg finden sollte. Ich hätte es aber wissen müssen!
Es half nicht gerade, dass ich versuchte nebenbei noch Fotos zu machen. Wie man sieht!
Aber dann gings stetig und bei immer mehr Licht langsam hinauf. Schade, dass Worte Gefühle nur sehr unzulänglich wiedergeben können, denn der Aufstieg der Sonne entgegen, zuerst vorbei an Palmenhainen und Feldern, dann durch immer schroffer werdendes Gebiet, zusammen mit den Gerüchen und Geräuschen der Natur ließ mich zu mir kommen und mich konzentrieren auf nichts anderes als den nächsten Schritt.
Von Zeit zu Zeit zeigte mir Domingo Ausblicke aufs Tal, Tiere und Pflanzen, die ich wohl ohne seine Hinweise nicht unbedingt so wahrgenommen hätte.
Irgendwann erreichten wir den Berggrat und konnten die wunderbaren Ausblicke ins Tal genießen.
Auf der anderen Seite des Tals erstreckt sich der La Merica und ich war froh, dass wir den abwechslungsreichen Teguerguenche als Ziel gewählt hatten und nicht den La Merica, der mir vergleichsweise öde erschien.
Endlich erreichten wir die Bergspitze, von der aus sich ein unglaublicher Blick auf die Küste eröffnete. Atemberaubend!
Da die Sonne inzwischen sehr hoch am Himmel und die Temperatur ziemlich gestiegen war, zogen wir uns in die Cueva de las ovejas zurück und genossen den Schatten und den frischen, kühlen Wind. Auch die mitgebrachte Verpflegung kam jetzt gerade recht.
Domingo wollte eigentlich bis zum Abend warten mit dem Rückweg, gab dann aber meinem Wunsch nach, doch schon vorher wieder zurückzukehren. "Du wirst es bereuen", meinte er, "es ist noch sehr heiß!". Und auch da hatte er natürlich vollkommen recht.
Der Rückweg brauchte zwar weniger Zeit, aber mannomann, war das heiß! Gottlob kannte Domingo auch die kleinen Schattenstellen, in denen man rasten und Luft schöpfen kann.
Und so kehrten wir am späten Nachmittag glücklich wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück. Wie gesagt, Worte sind unzureichend für all die Eindrücke, die dieser Tag mir gebracht hat. Unbeschreiblich schön und hoffentlich auch noch lange unvergesslich.
Damit ist der eigentliche Reisebricht zwar zu Ende, aber ich habe noch ein Anliegen.
Unterwegs war uns nämlich ein Wanderer begegnet, der einen ziemlich erschöpften Eindruck machte. Trotz dieser Erschöpfung machte er Anstalten weiterzuwandern, mitten hinein in die glühende Hitze.
Dies gab Domingo den Anlass, ein wenig aus seinem Erfahrungsschatz zu erzählen. Wie auch andere Leute aus der Gegend und auch andere Mitglieder aus seiner Familie wurde und wird er häufig, auch nachts, zu Rettungsaktionen gerufen. Zusammen mit der Guardia Civíl suchen sie dann verunglückte oder verirrte Wanderer, manchmal müssen auch Tote geborgen werden. Bereits über hundert Leute hat Domingo über die Jahre aus dem Berg geholt. Und ich war entsetzt und konnte es kaum glauben, als er meinte, bisher hätte sich noch niemand von all diesen Geretteten einmal persönlich bei ihm bedankt.
Ich muss sagen, ich war fassungslos, denn ich hatte ja gerade wieder einmal selbst gemerkt, wie schnell etwas passieren könnte, man den Tritt verliert, den Weg....
Und wie hilfreich und beruhigend es ist, jemanden an der Seite zu haben, der sich auskennt und einen sicher führt.
Einen umsichtigeren und besonneneren Wanderführer hätte ich nicht treffen können. (Sorry, Chris, Sebastian, Jenny. Ihr seid auch toll, aber......
).Selten in meinem Leben habe ich mich so sicher und gut beschützt gefühlt wie an diesem Tag. Gracias, Domingo!
Und so möchte ich diesen Bericht einfach zum Anlass nehmen, um all den Leuten zu danken, die uns extranjeros helfen und uns aus unangenehmen oder gefährlichen Situationen helfen.





Klasse Kiwi,
Ein schönes Gefühl mit einem Kenner der Berge hoch zu steigen. 