Der Hafen in Vueltas

Hier könnt Ihr sehen und beschreiben, wie die Insel sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat.

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Beitragvon Buba am So 22. Mai 2011, 16:50

Der Hafen in Vueltas


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Der erste Hafen in Vueltas wurde 1909, allerdings ohne behördliche Genehmigung, als Privatunternehmen von Salvador Casanova Roldán gebaut. Auch die Hafenmole von Alojera befand sich damals übrigens in Privatbesitz.

Salvador Casanova Roldán


Zwei Jahre später gab der Ingenieur Oberst Luis Durango, der im Auftrag der Behörden das Bauwerk zu inspizieren hatte, die Länge der auf felsigem Grund gebauten Hafenmole mit 44 m an mit einem zusätzlichen Fortsatz ins Meer von 7 m und einer Wassertiefe bei Ebbe von 2,40 m. Die Mole bestand damals aus zwei Ebenen mit einem Meter Höhenunterschied, die über eine Steintreppe miteinander verbunden waren. Die eigentlichen Hafenarbeiten geschahen auf der unteren Plattform, wobei für das Be- und Entladen der Boote eine Treppe benutzt wurde. Auf der Meerseite gab es eine 40 m lange Brüstungsmauer von 0,5 m Höhe und 0,5 m Breite.

Da Anfang des 20. Jahrhunderts in zunehmendem Maße Landwirtschaft nicht mehr nur für den Eigenbedarf, sondern vor allem für die Ausfuhr (agricultura de exportación) betrieben wurde, stellten die Gemeinden Arure und Vallehermoso (das Valle Gran Rey war damals noch keine selbständige Gemeinde) beim Verkehrsministerium den Antrag, wegen öffentlichen Interesses die Hafenanlage zu enteignen. Dieser Antrag wurde 1917 seitens der Inselregierung unterstützt.

1923 wurden wegen massiver Beschädigungen der Hafenmole Bauarbeiten nötig, deren Finanzierung von dem neuen Besitzer, dem Arzt Antonio Trujillo Díaz aus Vallehermoso, übernommen wurde, woraufhin das Ministerium ihm für ein letztes Mal den privatwirtschaftlichen Betrieb des Hafens übertrug.

Dieses Vorgehen erzeugte in der Bevölkerung großen Unmut. Schließlich wurden 1932 größere Umbauarbeiten an der nun öffentlichen Hafenmole in Vueltas genehmigt, die von einem mallorquinischen Unternehmen durchgeführt wurden.

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Wie wichtig der Hafen von Vueltas für die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse war, belegen ältere Fotos. Auf ihnen sind in Hafennähe mehrere große, teilweise heute noch existierende Hallen zu sehen, in denen offenbar die Früchte vor dem Verschiffen verpackt und gelagert wurden. Auf einem der Hallendächer ist in großen Lettern der Schriftzug des damaligen Großgrundbesitzers Rodriguez Lopez zu erkennen.

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Die Transportschiffe ankerten etwas außerhalb auf dem Meer, und die Waren wurden auf Booten von der Hafenmole dorthin transportiert.

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Das folgende Foto zeigt eine politische Demonstration (1.Mai ?) auf der Hafenplattform während der unruhigen Zeit der zweiten Republik (1931-1936), in der die spanische Gesellschaft extrem polarisiert war.

Anfang der 30er Jahre


Bis in die 70er Jahre lief auch der größte Teil des Personenverkehrs von und nach dem Valle Gran Rey über den Hafen von Vueltas. Ab 1949 gab es zwar die Carretera del Norte von San Sebastián nach Vallehermoso, die viel später gebaute Straße vom Valle Gran Rey Richtung Vallehermoso endete aber noch in Arure. Und die Carretera del Centro wurde erst in den 70er Jahren fertiggestellt. So erledigten vor allem die Postschiffe (los correíllos), die zweimal pro Woche von Los Cristianos über San Sebastián nach Vueltas kamen, bis in die 70er Jahre den Güter- und Personenverkehr.

In der Zeitspanne zwischen den dreißiger Jahren und Ende der siebziger Jahre scheint sich, nach Fotos zu urteilen, an der Hafenanlage in Vueltas nicht viel verändert zu haben.

Die folgende Luftaufnahme von 1965 zeigt die Hafenplattform mit dem Kranfortsatz an der rechten Ecke. Da es noch keine schützende Mole gab, mussten die Fischerboote mühsam auf die betonierte Fläche hochgezogen werden.

1965


Am Rande der Hafenplattform wurden die gefangenen Thunfische mit Hilfe des Hafenkrans auf einer Waage gewogen.

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Das folgende Foto von 1977 hängt in Pitis Yesca-Bar in Vueltas. Es zeigt den Hafen kurz vor dem Bau der neuen Mole mit der bald danach abgerissenen Hafenbar von "el mago" (dem "Magier") an der Ecke der Hafenplattform. An der Stelle des heutigen Kreisverkehrs in Vueltas fand die Mago-Bar eine neue Bleibe, bis sie Anfang der 90er Jahre, bis dahin legendär gewordener Mittelpunkt des Nachtlebens im Valle Gran Rey, auch dort weichen musste.

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Auf dem nächsten Foto sehen wir die Bauarbeiten an der Hafenmole im Jahr 1979. Ein großer Kran setzt die zuvor gegossenen Betonquader an die für sie vorgesehenen Stellen. Es lässt sich (im Vergleich zur Luftaufnahme von 1965) aus der Vogelperspektive schön erkennen, wie beiderseits der bisherigen Hafenplattform das Terrain durch Aufschüttungen angehoben wurde. Auch westlich des Ortes, wo sich heute die Kirche mit Dorfplatz und die Straße vom Kreisverkehr zum Hafen befinden, wurden große Flächen, die auf dem Foto von 1965 noch vom Meer überspült waren, durch Anhebung trockengelegt und mit einem Wall aus Felsbrocken gegen die Brandung gesichert. Wie Beate und Christian aus Erinnerung berichten können (Forentreffen April 2011 in Hagen), wurden damals die für diese Projekte benötigten Gesteinsmassen von der Playa del Ingles per LKW herüber geschafft.

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Die Quader für den Bau der Mole wurden in einem eigens errichteten Betonwerk ungefähr dort gegossen, wo sich heute der Parkplatz und die Straße vor dem Hotel Gran Rey befinden. Links oben auf dem Foto, wo sich zwei runde Stümpfe von Windmühlen erkennen lassen, liegt heute übrigens die Anlage "El Molino".

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Nach Fertigstellung der Mole entwickelte sich Vueltas schnell zu einem kleinen Fischereihafen. Von hier liefen die Kutter zum Thunfischfang aus, vor allem für die Fischkonservenfabrik in La Rajita.

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Nachdem 1984 die Konservenfabrik in La Rajita in Konkurs gegangen war, wurde es ruhiger im Hafen von Vueltas.

Eine Personenfähre zwischen der Inselhauptstadt und dem Valle Gran Rey gab es damals noch nicht. Lediglich Capitano Claudio sorgte mit seiner legendären MS Alcatraz für einen Linien-Schiffsverkehr zwischen Vueltas und San Sebastián, bis diese wegen Altersschwäche ihren Dienst einstellen musste.

alte Hafenmole 2002


Um das Jahr 2000 war zu vernehmen, der Hafen in Vueltas solle riesig ausgebaut werden mit einem Anleger für große Fähren und Kreuzfahrtschiffe. Daneben solle hier einer der größten Yachthäfen der Kanaren entstehen. Und zwischen Hafen und Kreisverkehr solle Vueltas außerdem einen aufgeschütteten Badestrand mit schicker Promenade spendiert bekommen. Natürlich alles mit großzügiger Unterstützung durch die EU.

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2002 wurde tatsächlich mit dem Bau der neuen Mole begonnen. Und für Jahre versank Vueltas in Staub und Lärm.

Bau des neuen Hafens 2004


2004 konnte man sich die Dimensionen des neuen Hafens schon gut vorstellen.

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2006 war die gigantische Hafenplattform endlich fertig. Für den Aufbau einer für den Betrieb eines Hafens notwendigen Infrastruktur fehlte nun aber offenbar das Geld. Keine Kreuzfahrtschiffe, keine Autofähren, kein Yachthafen und kein Badestrand.

Vielleicht sollte man sich mal über alternative Nutzungen Gedanken machen:

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Infos


Auf der Facebook-Seite von "Isla de La Gomera" kann man auf spanisch etwas über die Geschichte von "El Muelle de Vueltas" nachlesen.

Aktuelle und historische Luftaufnahmen der Insel La Gomera kann man auf der GRAFCAN-Seite der kanarischen Inselregierung (Gobierno de Canarias) finden.
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Beitragvon Fritzlore am So 22. Mai 2011, 17:10

Buba, Du bist einfach spitze! :freu :knuffel :freu
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Beitragvon herbi am So 22. Mai 2011, 23:29

:hurra2 :hurra2 :hurra2 :freu :freu :muetze Klasse recherchiert :herbi :herbi :herbi
Besser is das!!(Werner)Ach was(Loriot)Sagen Sie nichts(Loriot)
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Beitragvon Mafalda am So 22. Mai 2011, 23:46

Buba - :blumen :herz für Deine "Ausgrabungen".
Ay, die "Unmute", die ich merk(t)e, bekommen Konturen bzw. ich bekomme ein Bild von den "Raices", den Wurzeln. War viel im Hafen in letzter Zeit.
"Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann."
Francis Picabia, französischer Schriftsteller, Maler und Grafiker (22.1.1879 - 30.11.1953)
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Beitragvon lenamar am Di 7. Feb 2012, 00:48

Wie so oft, wenn neu gebaut wird, wirkt das reichlich überdimensioniert.
Es war ja mal die Rede von Jachthafen und neuem Strand an der neuen Mole.

Ist denn in diese Richtung etwas gemacht worden?

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Beitragvon lenamar am Do 23. Feb 2012, 22:54

Der alte Herr von der Candelaria (derzeit mein Nachbar) sagte heute:
El puerto es bueno para la gaviotas, nada mas.

Die Riesenmole ist an sich schon recht scheusslich, aber man wundert sich ja vor allem ueber den ganzen Platz rechts von der Auffahrtstrasse.
Neben dem Bau bei Maria (Playa) jedenfalls noch so ein "Ausblickversauer" allererster Guete.

lg lenamar
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