Der Bau eines Kraftwerks in San Sebastián 1927

Hier könnt Ihr sehen und beschreiben, wie die Insel sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat.

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Beitragvon Buba am Mi 27. Jul 2011, 17:31

Und noch ein Beitrag über ein gomerisches Kraftwerk! Nach Playa de Santiago und Hermigua ist nun endlich San Sebastián an der Reihe!

Auf der facebook-Seite von "Isla de La Gomera" bin ich auf einen interessanten Text über den seinerzeit erfolgreichen Unternehmer Álvaro Gonzáles Castro gestoßen, der im Jahr 1927 für die Stromversorgung in San Sebastián ein Kraftwerk baute. Erschienen ist der Artikel am 11. Oktober 1927 in der Zeitschrift Hespérides.

Hier kann man sich den Text auf spanisch durchlesen.

Und hier ist mein Versuch einer Übersetzung:


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Der Unternehmer Álvaro Gonzáles Castro
und sein Kraftwerk in San Sebastián


San Sebastián de la Gomera ist ein ruhiges Städtchen, geprägt von Traditionen, in dem bedächtig gelebt wird und in dem es bisher Fabriken und moderne industrielle Aktivitäten nicht gibt.

Doch nun werden auch hier gewisse Bestrebungen spürbar hin zu Veränderungen, hin zur Industrialisierung, hin zu einer Nutzung bisher brachliegender Ressourcen.

Don Álvaro Gonzáles Castro ist ein Mann voller Zielstrebigkeit, der nach und nach und in aller Bescheidenheit mit seiner Arbeitsamkeit, seiner Unrast und seiner Modernität Bemerkenswertes geschaffen hat. Don Álvaro González Castro ist ein Mann voller Aktivität und Entschlusskraft, ein Mann unseres Jahrhunderts, der Maschinen und das Dröhnen von Motoren um sich braucht, der eine optimistische Freude daran empfindet, zu arbeiten und zu gestalten.

Seine Mühlen werden von Motoren angetrieben, können alle Arten von Getreide mahlen und sind ständig in Funktion. Seine fortschrittlich ausgestattete Bäckerei beliefert mehr als die Hälfte der Bevölkerung von San Sebastián mit Brot. Außerdem betreibt Herr González Castro einen Laden für Stoffe und Lebensmittel und vetritt zusätzlich das bedeutende Unternehmen Hamilton & Co aus Teneriffa.

Aktuell baut Herr González Castro, und das ist sein wichtigstes industrielles Projekt, ein Kraftwerk (siehe Foto), das San Sebastián mit elektrischem Strom beliefern soll, der dort wegen seiner elementaren Bedeutung so dringend benötigt wird.

.


Die Anlage, so sagt uns Herr González Castro, wird Ende Oktober ihren Betrieb Arbeit aufnehmen, die Arbeiten sind bereits weit fortgeschritten. Die Tatsache, dass es bald in San Sebastián elektrisches Licht geben wird, hat bei all seinen Einwohnern größte Freude ausgelöst.

Die Anlage besteht aus einem 38 PS-Dieselmotor [un motor Diesel de 38 caballos vapor] und ist mit einer Turbine von 25 Ampere [una dinamo de 25 amperios] verbunden, was schon die Bedeutung der mit aller Sorgfalt errichteten Anlage verdeutlicht.

Neben der Belieferung der privaten Haushalte mit elektrischem Strom soll auch endlich die Misere des Fehlens jeglicher öffentlicher Straßenbeleuchtung beendet werden, die bis vor kurzem noch durch Karbidlampen aufrechterhalten wurde. Das Ayuntamiento strebt einen Vertrag an über die für die Bevölkerung höchst nützliche Straßenbeleuchtung als kommunale Dienstleistung.

Die elektrische Anlage des Herrn González Castro hat ausreichend Kapazität, um einen Teil des elektrischen Stroms an industrielle Mühlenbetriebe zu liefern, für Bewässerunganlagen und für die kleinen Schöpfräder [norias], die bisher von Pferden und Rindern angetrieben werden. All dies wird in starkem Maße zu einer Belebung des Wirtschaftslebens beitragen.

Der Bau des Kraftwerks ist eine der größten Verbesserungen, die heute in San Sebastián de la Gomera zu spüren sind, das so dringend solche Innovationen benötigt. So kann auch hier der Fortschritt Einzug halten, und so können die lange Zeit brachliegenden Energien in die richtige Richtung gelenkt werden. In unserem Jahrhundert kann ohne elektrischen Strom wenig ausgerichtet werden, muss alles unterentwickelt und ohne die Schnelligkeit bleiben, die die heutige Welt bestimmt.

Herr González Castro kann mit seiner Arbeit zufrieden sein. Bereits aufgrund des Berichteten wird er als einer der bedeutenden Unternehmer der Stadt angesehen. Seine Aktivität bringt ihn überall hin, und überall kann man die Wirkungen seiner Aktivität spüren. Auch in der Wassergesellschaft [en la Sociedad de aguas] "El Llano", in der er einer der Hauptaktionäre ist, hat er sich aufgrund seiner effektiven und kontinuierlichen Arbeit höchstes Lob verdient.
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Beitragvon Fritzlore am Mi 27. Jul 2011, 18:26

Buba! :freu :freu :freu :freu
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Beitragvon woga am Mi 27. Jul 2011, 22:56

Buba! :blumen
Tolle Geschichte! Mal zum Vergleich: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus in D ist heutzutage mit 25 Ampere abgesichert. Ein üblicher Dieselgenerator, der auf La Gomera ein Haus versorgt, leistet 4kW, das sind bei 230V rund 17 Ampere. Wobei wir ja nicht wissen, ob damals schon mit 220-230 Volt gearbeitet wurde, oder noch mit 110V. Das würde die Leistungsfähigkeit der Anlage noch einmal halbieren. Damals freute man sich, dass man damit eine ganze Stadt einschließlich Industrie versorgen konnte. Unvorstellbar aus heutiger Sicht.
Auf La Gomera sind die Wege lang und umwegig. (Janosch)Bild
Aber schön! (woga) :wink
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Beitragvon Margit P. am Mi 27. Jul 2011, 23:06

:freu Danke Buba, da hast du wieder einen Schatz gefunden. :hut Ich versuchte gerade herauszufinden in welchem Jahr in Wien der Strom Einzug hielt, leider nichts gefunden, oder ich bin zu blöd zum Suchen. :menno Denn eigentlich ist 1927 doch eh zeitig. Ich glaube, viel früher gab es den bei uns auch noch nicht. :howdoi
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Beitragvon herbi am Mi 27. Jul 2011, 23:24

Margit :roll1 Das Riesenrad im Prater wurde schon 1897 nicht von Hamstern sondern von 2 X 25 Kw Elektromotoren angetrieben.Ich vermute es war daher schon etwas früher Strom für wichtigere Sachen in der Stadt. :ausheck :herbi :herbi :herbi
Besser is das!!(Werner)Ach was(Loriot)Sagen Sie nichts(Loriot)
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Beitragvon Margit P. am Do 28. Jul 2011, 00:01

herbi hat geschrieben:Margit :roll1 Das Riesenrad im Prater wurde schon 1897 nicht von Hamstern sondern von 2 X 25 Kw Elektromotoren angetrieben.Ich vermute es war daher schon etwas früher Strom für wichtigere Sachen in der Stadt. :ausheck :herbi :herbi :herbi

:schäm :lol :schäm So weit hab ich in meinem Staunen gar nicht gedacht. Danke für dein zurückführen in die Wirklichkeit. :shock: Dachte nur daran, dass ich auf Bildern von der Kaiserzeit noch Gas-Strassenlaternen gesehen hatte. :angel
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Beitragvon Buba am Do 28. Jul 2011, 00:18

Margit P. hat geschrieben: Denn eigentlich ist 1927 doch eh zeitig. Ich glaube, viel früher gab es den bei uns auch noch nicht. :howdoi


Während seiner beiden letzten Lebensjahre habe ich fast jeden Morgen mit meinem Vater, der dann im Rollstuhl saß, einen längeren Spaziergang unternommen, und bei der Gelegenheit hat er mir oft und viel aus seiner Kindheit und Jugend erzählt. Unter anderem, wie der Bauernhof, auf dem er in Norddeutschland aufgewachsen ist, Ende der 20er Jahre an das Stromnetz angeschlossen wurde. Bezeichnenderweise sagte er "Dann bekamen wir endlich elektrisches Licht", denn mit dem Strom wurden damals auf dem Hof keine Maschinen betrieben, sondern zunächst nur eine einzige Glühbirne! Zwischen der Diele mit den Kühen und der Stube gab es einen Mauerdurchbruch, und dort wurde die Glühbirne hineingehängt, denn so konnte die Familie mit nur einer Glühbirne auskommen und teuren Strom sparen!
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Beitragvon vida llena am Do 28. Jul 2011, 14:30

:idee Bewegend, wie kostbar Strom damals war und wie sehr man sich dessen bewusst war. Heute geht das im Alltag völlig unter. Es lohnt sich, mal einen Tag lang zu schauen, was von den Dingen des täglichen Gebrauchs alles mit Strom betrieben wird. :idee
Seid zur Heiterkeit bereit [...] Wer eine schöne Stunde verschenkt, weil er an Ärger von gestern denkt, oder an Sorgen von morgen,der tut mir leid [...]

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Beitragvon Fritzlore am Do 28. Jul 2011, 14:44

Genau!
Ein Leben ohne Strom können wir uns doch gar nicht mehr vorstellen.
Wie unbesorgt wir damit umgehen!

Ich selber auch: wir hatten ja mehr als 25 Jahre lang Dienstwohnungen, da war Strom und Heizung immer inklusive. Das heißt, egal, ob ich viel oder wenig
verbraucht habe, es kostete immer das gleiche. Über die Jahre haben wir uns lauter blöde Sachen angewöhnt: Wohnung überheizen, alles auf
stand by und Trockner anwerfen für ein Teil trotz Sonnenschein und großer Terrasse, wo man es draußen hätte trocknen lassen können.
Dann zogen wir vor einem Jahr in eine "normale" Wohnung und ich habe mich umstellen müssen. Plötzlich kostete Strom und Heizung was,
und nicht zu knapp. Also wurde ich zum Energie-Spar-Experten. Nach Fukushima erst recht! Und siehe da: es geht. Man kommt mit
deutlich weniger Energie aus, wenn man es nur will! Aber wie Bubas Vater, mit einer Glühbirne für das ganze Haus? Nein, das möchte ich
dann lieber doch nicht......
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Beitragvon wulf am Do 28. Jul 2011, 17:41

vida llena hat geschrieben::idee Bewegend, wie kostbar Strom damals war und wie sehr man sich dessen bewusst war. Heute geht das im Alltag völlig unter. Es lohnt sich, mal einen Tag lang zu schauen, was von den Dingen des täglichen Gebrauchs alles mit Strom betrieben wird. :idee


das können wir hier ja bei starken Regenfällen öfters erleben :baehregen
Auch aus diesem Grund habe ich einen Gasherd :ja
das Lächeln das du aussendest, kehrt zu dir zurück
(Birmanische Weisheit)
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