Auf der facebook-Seite von "Isla de La Gomera" bin ich auf einen interessanten Text über den seinerzeit erfolgreichen Unternehmer Álvaro Gonzáles Castro gestoßen, der im Jahr 1927 für die Stromversorgung in San Sebastián ein Kraftwerk baute. Erschienen ist der Artikel am 11. Oktober 1927 in der Zeitschrift Hespérides.
Hier
Und hier ist mein Versuch einer Übersetzung:
Der Unternehmer Álvaro Gonzáles Castro
und sein Kraftwerk in San Sebastián
San Sebastián de la Gomera ist ein ruhiges Städtchen, geprägt von Traditionen, in dem bedächtig gelebt wird und in dem es bisher Fabriken und moderne industrielle Aktivitäten nicht gibt.
Doch nun werden auch hier gewisse Bestrebungen spürbar hin zu Veränderungen, hin zur Industrialisierung, hin zu einer Nutzung bisher brachliegender Ressourcen.
Don Álvaro Gonzáles Castro ist ein Mann voller Zielstrebigkeit, der nach und nach und in aller Bescheidenheit mit seiner Arbeitsamkeit, seiner Unrast und seiner Modernität Bemerkenswertes geschaffen hat. Don Álvaro González Castro ist ein Mann voller Aktivität und Entschlusskraft, ein Mann unseres Jahrhunderts, der Maschinen und das Dröhnen von Motoren um sich braucht, der eine optimistische Freude daran empfindet, zu arbeiten und zu gestalten.
Seine Mühlen werden von Motoren angetrieben, können alle Arten von Getreide mahlen und sind ständig in Funktion. Seine fortschrittlich ausgestattete Bäckerei beliefert mehr als die Hälfte der Bevölkerung von San Sebastián mit Brot. Außerdem betreibt Herr González Castro einen Laden für Stoffe und Lebensmittel und vetritt zusätzlich das bedeutende Unternehmen Hamilton & Co aus Teneriffa.
Aktuell baut Herr González Castro, und das ist sein wichtigstes industrielles Projekt, ein Kraftwerk (siehe Foto), das San Sebastián mit elektrischem Strom beliefern soll, der dort wegen seiner elementaren Bedeutung so dringend benötigt wird.
Die Anlage, so sagt uns Herr González Castro, wird Ende Oktober ihren Betrieb Arbeit aufnehmen, die Arbeiten sind bereits weit fortgeschritten. Die Tatsache, dass es bald in San Sebastián elektrisches Licht geben wird, hat bei all seinen Einwohnern größte Freude ausgelöst.
Die Anlage besteht aus einem 38 PS-Dieselmotor [un motor Diesel de 38 caballos vapor] und ist mit einer Turbine von 25 Ampere [una dinamo de 25 amperios] verbunden, was schon die Bedeutung der mit aller Sorgfalt errichteten Anlage verdeutlicht.
Neben der Belieferung der privaten Haushalte mit elektrischem Strom soll auch endlich die Misere des Fehlens jeglicher öffentlicher Straßenbeleuchtung beendet werden, die bis vor kurzem noch durch Karbidlampen aufrechterhalten wurde. Das Ayuntamiento strebt einen Vertrag an über die für die Bevölkerung höchst nützliche Straßenbeleuchtung als kommunale Dienstleistung.
Die elektrische Anlage des Herrn González Castro hat ausreichend Kapazität, um einen Teil des elektrischen Stroms an industrielle Mühlenbetriebe zu liefern, für Bewässerunganlagen und für die kleinen Schöpfräder [norias], die bisher von Pferden und Rindern angetrieben werden. All dies wird in starkem Maße zu einer Belebung des Wirtschaftslebens beitragen.
Der Bau des Kraftwerks ist eine der größten Verbesserungen, die heute in San Sebastián de la Gomera zu spüren sind, das so dringend solche Innovationen benötigt. So kann auch hier der Fortschritt Einzug halten, und so können die lange Zeit brachliegenden Energien in die richtige Richtung gelenkt werden. In unserem Jahrhundert kann ohne elektrischen Strom wenig ausgerichtet werden, muss alles unterentwickelt und ohne die Schnelligkeit bleiben, die die heutige Welt bestimmt.
Herr González Castro kann mit seiner Arbeit zufrieden sein. Bereits aufgrund des Berichteten wird er als einer der bedeutenden Unternehmer der Stadt angesehen. Seine Aktivität bringt ihn überall hin, und überall kann man die Wirkungen seiner Aktivität spüren. Auch in der Wassergesellschaft [en la Sociedad de aguas] "El Llano", in der er einer der Hauptaktionäre ist, hat er sich aufgrund seiner effektiven und kontinuierlichen Arbeit höchstes Lob verdient.


Ich versuchte gerade herauszufinden in welchem Jahr in Wien der Strom Einzug hielt, leider nichts gefunden, oder ich bin zu blöd zum Suchen.
Denn eigentlich ist 1927 doch eh zeitig. Ich glaube, viel früher gab es den bei uns auch noch nicht. 
Das Riesenrad im Prater wurde schon 1897 nicht von Hamstern sondern von 2 X 25 Kw Elektromotoren angetrieben.Ich vermute es war daher schon etwas früher Strom für wichtigere Sachen in der Stadt.

Bewegend, wie kostbar Strom damals war und wie sehr man sich dessen bewusst war. Heute geht das im Alltag völlig unter. Es lohnt sich, mal einen Tag lang zu schauen, was von den Dingen des täglichen Gebrauchs alles mit Strom betrieben wird.
