Einer der größten Pluspunkte von Gomera als Wanderparadies ist – neben der landschaftlichen Schönheit und den tollen, abwechslungsreichen, meist gut gekennzeichneten Wanderwegen – die überschaubare Größe der Insel. Die schönsten Touren liegen oft nah beieinander und lassen sich mit Hilfe des Rother Wanderführers bestens verknüpfen und optimieren. Gerade wer schon einmal auf der Insel gewandert ist, kann sich sozusagen die Sahnestücke der Routen heraussuchen und miteinander verbinden.
Die hier vorgestellte Wanderung ist eine Kombination der Rother-Touren Nr.3 und Nr.6, die sicherlich zu den absolut schönsten Wegen auf Gomera gehören. Bei der Tour Nr.3, die ursprünglich von der Degollada de Peraza über La Laja und die Degollada del Tanque zurück zum Ausgangspunkt führt, lassen wir das, meiner Meinung nach, nicht so prickelnde Schlussstück weg und gehen am Agando vorbei ins bezaubernde Tal von Benchijigua hinunter und weiter nach Pastrana. Dort schenken wir uns die elend lange, unattraktive Straßenwanderung nach Playa de Santiago. Wer die Tour allerdings so puristisch und genussfreundlich gestalten möchte, muss sich ein Taxi nach Pastrana bestellen oder einen Abholservice organisieren. Mit dem Taxi kann man sicherlich recht günstig nach Playa de Santiago gelangen und von dort den Bus zum Ausgangspunkt zurücknehmen.
Will man diese Wanderung unternehmen, so sollte man über eine gute Kondition und etwas Trittsicherheit verfügen. Die reine Gehzeit beträgt für geübte Normalwanderer mindestens 4.30 Stunden. Es sind etwa 500 Höhenmeter im Aufstieg und 1300 Meter im Abstieg zu bewältigen. Der steile, erste Absstiegsabschnitt am Agando ist bei starkem Wind oder Nässe mit Vorsicht zu genießen.
Bei der Degollada de Peraza, 951 m, beginnt der alte, wunderschön angelegte Camino (PR LG 17, weiß-gelb markiert). In engen Kurven schlängelt sich der Pfad durch eine beachtliche Vielfalt an Trockenvegetation ins Tal von La Laja hinunter. Palmen, Agaven, Wolfsmilchgewächse, Zistrosen und Wildblumen, überall blüht und duftet es. Dieser Wegabschitt ist gerade im Frühjahr ein Hochgenuss.
Nach einer Weile tauchen die ersten Roques hoch oberhalb von La Laja auf und lassen den später folgenden steilen Anstieg erahnen. Dann, nach etwa 50-minütigem Abstieg, nähert man sich La Laja, 470 m, und jetzt heißt es aufpassen, denn links zweigt ein kleiner, recht schmaler Pfad ab, der La Laja oberhalb vom Dorf umgeht und so den Weg verkürzt. Nach wenigen Minuten vereinigt sich der kleine Abkürzungspfad wieder mit dem PR LG 17, um danach mit schönem Blick auf La Laja durch den Hang zu führen.
Kurz darauf gelangt man an eine weitere Verzweigung und nimmt den steilen, links in die Berge hinaufführenden Pfad. Nun ändert sich die Vegetation schlagartig und der Camino führt in einen der wenigen, etwas größeren Kiefernwälder Gomeras hinein. Während der herrlich würzige Duft der Kanarenkiefern in der Luft liegt, wandert man auf weichem Nadelfilz durch den lichten, aber schattenspendenden Bergwald. Immer wieder sieht man jetzt schwarzgebrannte Kiefernstämme und vereinzelte, abgestorbene Eukalyptusbäume, stumme Zeugen des verheerenden Waldbrandes von 1984. Während sich aber die an die stetigen Waldbrände gewöhnten Kanarenkiefern gut erholt haben, hatten die Eukalyptusbäume keine Chance und ragen nun fast wie kahle Mahnmale aus dem Wald.
Nach etwa zwei Stunden erreicht man dann die wunderschön gelegene Degollada de Tanque, 853 m. Von der stark verfallenen Steinhütte hat man einen grandiosen Ausblick auf die Roques sowie auf das kleine, idyllische, etwas unterhalb gelegene Tal. Als Rast- oder Schlafplatz taugt das Innere des kleinen Steinhauses aber nur bedingt, denn zumindest 2007 war es noch stark zugemüllt.
Nach dieser Pause hat man dann nur noch einen relativ kurzen Anstieg durch Fayal-Brezal Wald vor sich, dann ist die Höhenstraße erreicht und der anstrengendste Teil der Wanderung bewältigt. Nun folgt die Wegführung der Höhenstraße für einige hundert Meter nach rechts bis zum imposanten Roque Agando. Schnell gelangt man zum Waldbranddenkmal, 1073 m, das an die Opfer der Brandkatastrophe von 1984 erinnert.
Hier beginnt der gepflasterte, sehr steile Abstiegsweg (PR LG 16, weiß-gelb) in das Tal von Benchijigua und vor allem bei Nässe sollte man diesen Teil des Caminos mit großer Vorsicht begehen. Aber zum Glück ist diese steile Passage schnell bewältigt und der Pfad verflacht sich etwas während er durch wunderschönen Kiefern- und Buschwald führt. Dann verlässt der Wanderweg den Waldabschnitt und gibt den Blick auf das idyllisch gelegene Benchijigua und über den grandiosen Barranco de Santiago frei. Was nun folgt, gehört zu Gomera at it’s best: Der aussichtsreiche Weg geht nun quasi in eine Agaven- und Palmen-Allee über und bietet immer wieder reizvolle Ausblicke auf das zauberhafte Hochtal von Benchijigua und den hinter uns liegenden Felsturm des Roque Agando. Und da auch die Vegetation den berauschenden Ausblicken in nichts nachzustehen wollen scheint und sich immer vielfältiger und faszinierender zeigt, ist das Wanderglück perfekt! „Genusswandern“ pur!
Dann erreicht man den zu einer Pause einladenden, fast verlassenen Weiler Benchijigua, 600 m. Als Rastplatz bieten sich hier der kleine Platz vor der Kapelle oder das etwas unterhalb des Ortes gelegene Staubecken an. Mit einer Karte und etwas Orientierungssinn findet der geneigte Wanderer zum traumhaft, inmitten üppigster Vegetation gelegenen Staubecken von Benchijigua. Wer sich den relativ verwachsenen Weg durch das hohe Schilf gebahnt hat und sich zudem trittsicher am Ufer des Stausees gezeigt hat, wird mit dem Genuss eines der wohl schönsten Rastplätze Gomeras belohnt. Hier auf der Staumauer, umgeben von einer bizarren, fast Statuen gleichenden Felsformation, schmeckt auch ein Manchego-Bocadillo geradezu fürstlich!
Nach dieser Pause geht man wieder in den Ort zurück und folgt weiter dem PR LG 16 in Richtung Playa de Santiago. Immer noch sehr aussichtreich führt der Camino nun immer weiter hinab. Bald machen sich die niedrigere Höhe und der zunehmende Einfluss des trockeneren Klimas, das hier im äußersten Süden herrscht, bemerkbar und die Vegetation wird spürbar karger. Nachdem man eine Felswand auf schmalem Pfad durchschritten hat, senkt sich der Weg zum Grund der Schlucht hinab und man gelangt in die wunderschön gelegene Palmenoase von Pastrana.
Hier sollte man sich, wenn man keine 1,5-stündige Straßenwanderung machen möchte, eine Taxe rufen und nach Playa de Santiago fahren lassen.
Taxenzentrale Alajero/Puerto de Santiago: Tel: 922 89 50 22 oder 89 53 00
Von Playa de Santiago kann man mit der Buslinie 3 zum Ausgangspunkt der Tour zurückfahren.
http://egomera.de/res/fahrplan.pdf
Fazit: Diese Tour am Stück - oder auch in zwei Wanderungen unterteilt - gehört zu den absoluten Insel-Highlights und reiht sich in unserer persönlichen „Best Caminos of La Gomera und La Palma-Liste“ unter den Schönsten ein. Traumhaft!


Free Sundown! Nieder mit der Trommel - und Didjeridoo Diktatur! Für musikalische Vielfalt - der Sonnenuntergang hat bessere Musik verdient.

Danke Lee!
das ist ja wie live dabei gewesen zu sein. Toll gemacht. 

S0, sind die Wanderberichte eigentlich nicht gedacht