Auswanderung der Canarios im XX Jahrhundert

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Beitragvon La rana am So 26. Okt 2008, 16:07

Auswanderung der Canarios im XX Jahrhundert

Während der ersten Jahre des XX Jahrhunderts fand die Auswanderung in Richtung Kuba statt. Es waren hauptsächlich Männer zwischen den 15 und 30 Jahren. Die Lohnunterschiede zwischen den Kanarischen Inseln und Kuba waren der erste Anreiz (auf den Kanarischen Inseln verdiente man 1'5 Peseten im Vergleich zu den 25 oder 27 Peseten bei der Vereinigten Fruit Company von Kuba). Zwischen 1915 und 1920 verstärkte sich die Auswanderung der Canarios für andere Breiten, wegen der Auswirkungen des I. Weltkrieges bei der Inselwirtschaft. Dennoch findet in der Dekade der Zwanziger Jahre eine massive Rückkehr statt, wegen den kubanischen internen Krisen, wie z.B. der ernsten Steigerung des Zuckerpreises, der 1921 produziert wurde und "der Tanz der Millionen" genannt wurde. Das produzierte eine Reaktivierung der Wirtschaft der Kanaren dank der Auswanderer.

1930 schreibt die kubanische Regierung Gesetze vor, mit denen versucht wird, die Arbeit" zu nationalisieren, dadurch wurde der Eingang der Ausländer sehr eingeschränkt. Die Reaktion der Canarios, die noch in Kuba waren, war sich zu nationalisieren und so zu versuchen, nicht durch die kubanischen Gesetze beeinflußt zu werden.
In den 30er Jahren verschlechterte sich die Wirtschafts der Kanarischen Inseln, aber das Fehlen von einem lateinamerikanischen Ziel mit guter Perspektive hielt die Zahl der Auswanderer zurück und dieses erhöhte die Sozialkonflikte auf den Inseln. Nach dem militärischen Coup von 1936 fand eine ernste Krise auf den Kanarischen Inseln statt.
Zwischen 1941 und 1950 wanderten ungefähr 25.000 Canarios aus, von denen mehr als zweidrittel von den östlichen Inseln kamen, die hauptsächlich zu Zielen wie Sidni Ifni, der Westsahara und Guinea Ecuatorial gingen. Die Emigranten der westlichen Inseln gingen hauptsächlich nach Venezuela heimlich, verfolgt und bedroht. Dies ist die Zeit der »Geisterschiffe», wie die Telémaco oder die Doramas. In diesen Booten flüchteten nicht nur Hungeremigranten, sondern auch politisch Verfolgte.

Es ist notwendig zu betrachten, daß die spanische Gesetzgebung zwischen 1938 und bis 1946 die freie Auswanderung verbot, ausser zu den verbündeten Ländern, wie Nazi Deutschland. In diesen Jahren waren die kanarischen Emigranten auch nicht für die Immigrationpolitik von Venezuela attraktiv. Aber nachdem der militärische Coup von Delgado Chalbaud (1948) eine politisch benannte Änderung "der geöffneten Türen" ermöglichte, die jedoch auch nicht zu Nutzen der Canarios wurde, da sie illegal ankamen und sofort in Gefängnisse wie “Orchilla oder Guasina” gebracht wurden. Die Mannschaften der gefangen gesetzten Boote wurden repatriiert nach Spanien oder in “Dorado” festgehalten. Man vermutet, das zwischen 1949 und 1951 ungefähr 62 Segelboote und um 4000 Leute, diese Reise auf sich nahmen,die im Durchschnitt 40 Tagen dauerte.1951 änderte sich die spanische Auswandergesetzgebung und die Regierung von Venezuela, geführt vom Militär Perez Jiménez , ermöglicht die Ankunft von ungefähr 60.000 Canarios nach Venezuela bis 1958.

Landflucht(abstoßende Kräfte)

* Arbeitslosigkeit

* Bevölkerungsdruck durch hohe Geburtenraten

* unzureichende Ernährung

* mangelnde Dienstleistungen

* fehlende außerlandwirtschaftliche Arbeitsplätze

* fehlende Infrastruktur
* Abhängigkeit von Landbesitzern und Gläubigern
* niedriges Einkommen
* fehlende Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten
* mangelnde medizinische Versorgung

Landflucht(anziehende Kräfte)

* Hoffnung auf Arbeitsplätze

* bessere Verdienstmöglichkeiten

* medizinische und soziale Versorgung

* Bildung und Aufstiegchancen

* Wohnkomfort

* Freizeitangebot

* Teilnahme am Konsum

* wirtschaftliche und soziale Unabhängigkeit


(Diesen Artikel habe ich heute in meinen Übersetzungsarchiven wiedergefunden, der Originlatext erschien in der Zeitschrift Tagaragunche )
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Beitragvon woga am So 26. Okt 2008, 23:00

La rana hat geschrieben:Zwischen 1941 und 1950 wanderten ungefähr 25.000 Canarios aus, von denen mehr als zweidrittel von den östlichen Inseln kamen, die hauptsächlich zu Zielen wie Sidni Ifni, der Westsahara und Guinea Ecuatorial gingen. Die Emigranten der westlichen Inseln gingen hauptsächlich nach Venezuela heimlich, verfolgt und bedroht. Dies ist die Zeit der »Geisterschiffe», wie die Telémaco oder die Doramas. In diesen Booten flüchteten nicht nur Hungeremigranten, sondern auch politisch Verfolgte.


Da fühlt man sich unweigerlich an die Cayucos von heute erinnert. :shock:
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Beitragvon La rana am So 26. Okt 2008, 23:28

Passend zum Thema habe ich grade folgendes gefunden:

Insgesamt 2.983 Emigranten kehrten im Laufe des Jahres 2007 auf die Kanaren zurück. In ganz Spanien waren es 35.129 Emigranten.

Canarias ist die 5. Autonome Komune mit Rückkehrern, nach Madrid 7.089, Galicia 6.203, Cataluña 4.645 und Andalucia mit 4.006 Rückkehrern.
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Beitragvon woga am So 26. Okt 2008, 23:35

Irgendwann kommen sie zurück, unsere Kinder, sagen die Alten, nicht wahr? Im Moment scheint die Entwicklung ihnen recht zu geben.
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Beitragvon Fritzlore am Mo 27. Okt 2008, 10:44

Zu diesem Thema möchte ich Euch folgende Geschichte erzählen:
Wir haben das Dorf eher zufällig bei einer Entdeckungstour gefunden. Es war ein Montag Morgen und es war kein Mensch in diesem Dorf.
Wir haben eine Infotafel gefunden, die von den Auswanderern und den Rückkehrern erzählte. Und da haben wir uns auf die Suche gemacht. Wir haben viele
verfallene Häuser gefunden, aber auch einige, die wieder neu aufgebaut worden waren. Mitten in Ruinen stand eine Satellitenschüssel und auf dem Kirchplatz hatten in der vergangenen Nacht Menschen zusammen gefeiert, die Asche im Grill war noch warm. Das ganze hatte eine irre Stimmung! So kehrt also langsam das Leben in ein verlassenes
Dorf zurück. Anscheinend erst mal nur an den Wochenenden, die Leute scheinen bisher noch woanders zu wohnen und zu arbeiten und sich die Häuser langsam wieder herzurichten. Fand ich irgendwie total toll! Aber ich habe mir auch vorgestellt, wie das damals gewesen sein muss, so ohne Straße, Autos, Strom usw. Kein Wunder, dass die Menschen
versucht haben, so einem harten, abgeschiedenen Leben zu entfliehen. Auf dem Rückweg haben wir oberhalb des Dorfes noch einen uralten Mann mit seiner kleinen Ziegenherde getroffen. Er schien der einzige Mensch weit und breit zu sein.
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Das verlassene Dorf

Ins verlassene Dorf kehrt das Leben zurück

Ein verlassenes Haus
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Beitragvon Mafalda am Sa 11. Jul 2009, 17:11

War 1997 in Igualero. Es war gespenstisch. Teilweise sahen die Häuser aus, als hätte von jetzt auf gleich die Flucht begonnen. In vielen Häusern die ähnlichen Medizinfläschchen. Ob es eine Krankheit war, die die Menschen u.a. aus dem Dorf trieb?
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Beitragvon La rana am Sa 11. Jul 2009, 21:09

Mafalda hat geschrieben:Ob es eine Krankheit war, die die Menschen u.a. aus dem Dorf trieb?

Nein, es gab halt nur damals kaum Medizin. Die Gründe für das Verlassen der Dörfer und das "Wie" kannst Du u.a. hier: Die Reisen der telemaco... und Die unveröffentliche Reise... nachlesen.
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Beitragvon Mafalda am So 12. Jul 2009, 10:34

Danke @ la rana! Finde sehr spannend, was Du insgesamt zusammengestellt hast. Welches sind Deine Quellen?
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