Bis zur Ermita de Santa Clara haben wir uns mit dem Auto hinaufgequält (das Arme). Kalt und zugig war's da oben. Das ganze Drama fing dann schon damit an, dass die Plastiktüte von meinen Schuhen aus dem Kofferraum davonflog und ich übereifrig umweltbesorgt hinterhersauste. Der Wind wollte mich an der Nase herumführen und das ließ ich mir natürlich nicht bieten! Das endete dann so, dass ich in dem Moment, wo ich in vollstem Lauf die Tüte erfasste, auch schon stolperte und heftigen Bodenkontakt bekam. Ich wusste gar nicht mehr, dass ich das Abrollen bei solchen Ereignissen noch beherrschte. Zum Glück kullerte ich eine Drehung über den Schotter und konnte so die schlimmsten Abschürfungen vermeiden. Aber die Laune war erstmal dahin!
Der Wegweiser links neben der Ermita Santa Clara zeigt übrigens auf den Wanderweg, den vida llena hier
Nicht verzagt, Fleecejacke zu- und lange Beine angezippt! Los ging's ein paar Meter Richtung Ermita de Coromoto auf dem Fahrweg entlang. Und dann diese Pracht von Wegweisern! Da fühlt man sich ja geradezu gedrängt, zu folgen. Richtig vertrauenenweckend sah das da abwärts allerdings nicht aus. Zum Glück war die lehmige Erde trocken. Zunächst ging's über einen kleinen Lomo moderat bergab, aber schon ziemlich bald konnte die Steilheit des Weges einer schwarzen Skipiste gut Konkurrenz machen. Geröll und Lehm und kaum ein bereiteter Weg. Nur mit äußerster Konzentration kamen wir in Serpentinen voran und dann geschah es auch schon : die woga zog die Backenbremse (oder umgekehrt). Zum Glück auch hier nur ein Schreck und schlechte Laune, aber keine Schäden. Eigentlich eine Frechheit von einem Weg. Weiter unten durften wir dann auch noch eine Runde klettern.
Die Laune war schon ziemlich am Tiefpunkt, als wir plötzlich vor einem umfriedeten Gehöft mit blühenden Blumen und bestellten Feldern mitten im Barranco de los Guanches standen. Keineswegs verlassen und maximal weit weg von allen Fahrwegen. Nicht zu glauben, wie jemand das heute noch bewirtschaften kann. Respekt! Unten im Barranco angekommen, ging's dann endlich auf gut begehbarem Weg sogar ohne nennenswerten Höhenunterschied in Richtung Vallehermoso an der Flanke des Lomo San Pedro entlang bis zu einem tollen Aussichtspunkt, von dem man guten Überblick über das Tal von Vallehermoso hatte. Eigentlich hatten wir geplant,in dieser Gegend auf einen anderen Weg zu wechseln, der nur in der Wanderkarte von Turquesa verzeichnet war, um wieder zurück zur Ermita de Santa Clara zu komme. Aber unser Bedarf an Abenteuer war für heute erstmal gedeckt! Und die Vorstellung, auf halbem Wege vielleicht umkehren zu müssen, ließ uns den Entschluss fassen, den gleichen Weg zurück zu gehen. Wie man sich vorstellen kann, ließ sich die schwierige Strecke bergauf deutlich besser bewältigen. Eine kleine Warnung zum Schluss: Genusswandern auf La Gomera hat diese Wanderung im Programm (Nr. 13)! Und zwar ist dort dieser Teil abwärts beschrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Autoren den Weg wirklich so gegangen sind. Also wenn, dann sollte man den Weg nur die Wanderung aufwärts gehen!
Später habe ich auf einer älteren Karte gesehen, dass der Weg da an einem weiteren Gehöft entlangging, zu dem ein Fahrweg führte. Nicht ausgeschlossen, dass der Besitzer die Wanderer nicht so nah bei sich haben wollte und dass der Weg in neuerer Zeit verlegt wurde.
4 Stunden haben wir gebraucht für 7,6km, sagt mein Tamagotchi von Garmin.
P.P.: Zwei Gutes hatten die Wegweiser: Ich brauchte mir nicht sagen: Wieso hast Du Dir wieder diesen blöden Weg ausgesucht?
Und die Woga hat nicht gesagt: Wieso lotst Du mich wieder über Ziegenpfade? 




Als sei es gestern gewesen!...Nur das Wetter war besser 
