An Álvaro Rodríguez López jedoch erinnert heute nur noch wenig auf der Insel. Dabei war er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der wohl bedeutendste empresario auf La Gomera. Ihm gehörten weite Ländereien bei Playa de Santiago und die dortige Fischfabrik, er galt als der erfolgreichste Reeder der Kanarischen Inseln mit Schiffslinien zum spanischen Festland und zur afrikanischen Küste, und um komfortabler einmal pro Woche von seinem Firmensitz in Santa Cruz de Tenerife seine Betriebe auf La Gomera besuchen zu können, baute er kurzerhand einen eigenen, privaten Flugplatz, wobei er seine Mitarbeiter tüchtig mit anpacken ließ.
Um diesen Flugplatz, der ja schon von einigen Foristen (Hans Georg, woga, GoSch) erkundet wurde, soll es in diesem Beitrag ausführlicher gehen. Aber zunächst noch ein paar Sätze zu Álvaro Rodríguez López:
Selbst in Vueltas hat er seine Spuren hinterlassen.
Betrachtet man sich aufmerksam das Dach der alten Lagerhalle in der Bildmitte, kann man in riesigen, mittlerweile stark verwitterten Lettern mehr erahnen als wirklich lesen: "ALVARO RODRIGUEZ LOP". Das fehlende EZ am Ende wurde offenbar beim Bau des Columbus-Hauses Mitte der 80er Jahre abgeknabbert. Auf alten Fotos aber ist noch alles da:
Aber wer war nun dieser Álvaro Rodriguez López, der sich auf La Gomera den Luxus eines eigenen Flugplatzes leisten konnte? Zur Beantwortung dieser Frage habe ich ein bisschen herumgegoogelt.
Dabei habe ich herausgefunden, dass er aus einer Unternehmerfamilie auf Teneriffa stammte. Sein Vater hatte bereits die Reederei gegründet, die von ihm dann im Laufe der Jahrzehnte weiter ausgebaut wurde. Wer sich genauer über die Schiffsflotte von Rodríguez López informieren möchte, kann dies hier
Seine ersten unternehmerischen Erfolge verzeichnete Álvaro Rodriguez López jedoch in der Landwirtschaft auf La Gomera. Wie auch die Olsen-Familie kaufte er in der Umgebung von Playa de Santiago sukzessive große Landflächen auf, die von den Einheimischen aufgrund der Wasserknappheit für wertlos gehalten wurden. Im Jahr 1923 erhielt er, wie auch Fred Olsen, die Wasserkonzession für den Barranco de Santiago, und in der Folge wurden Tiefbrunnen gebohrt und Wasserstollen in die Berge getrieben, so dass nun selbst Bananen und Tomaten ausreichend bewässert und nach der Ernte im kleinen Hafen von Playa de Santiago verschifft werden konnten. Neben der künstlichen Bewässerung lässt sich als Grund für seinen enormen wirtschaftlichen Erfolg annehmen, dass es ihm gelang, in einem ländlichen Umfeld, in dem bisher nur das paternalistisch-feudalistische System bekannt war, eine perfekte kapitalistische Betriebsorganisation einzuführen.
Neben seinen großen Plantagenbetrieben, in denen Hunderte von landlosen Gomeros Arbeit fanden, gehörte Rodríguez López auch die Fischkonservenfabrik Santiagos, in der ein Großteil der Bevölkerung des Ortes tätig war. Diese und die großen Plantagen ließen Playa de Santiago explosionsartig anwachsen: Im Jahr 1900 hatte der Ort ganze 14 Einwohner, während 1950 dort 872 Menschen wohnten.
Am 8. August 1958 starb Álvaro Rodríguez López im Alter von 73 Jahren in Santa Cruz de Tenerife und musste so nicht mehr erleben, wie die landwirtschaftliche Krise der 60er und 70er Jahre die Erfolgsgeschichte seiner Firma beendete. Im Jahr 1978 ging die Firma Rodríguez López in den Bankrott, die Fischkonservenfabrik in Playa de Santiago wurde geschlossen, und der größte Teil der Ländereien wurde von der Olsen-Familie aufgekauft. Als Folge des Firmenzusammenbruchs setzte eine massenhafte Auswanderung der Einwohner von Playa de Santiago nach Teneriffa oder Südamerika ein.
Fährt man von Alajeró Richtung Playa de Santiago, kann man irgendwann rechts in weiter Ferne die Piste und ein paar Gebäude des Flugplatzes erkennen, den Álavaro Rodríguez López Ende der 50er Jahre, also in der Zeit, als La Gomera nur zweimal pro Woche vom Postschiff angelaufen wurde, in dem Gebiet von El Revolcadero (westlich von Playa de Santiago) errichten ließ.
Die Start- und Landebahn wurde auf einem Bergrücken in 175 Metern Höhe mit Landerichtung 09/27 über dem Meeresspiegel errichtet, wobei das Terrain durch die Beschäftigten des Unternehmens Rodríguez López hergerichtet wurde. Die Piste hatte eine Länge von 513 Metern und war 40 Meter breit. Es gab daneben einen Hangar von 20 mal 30 Metern und außerdem ein kleineres Gebäude, das die Aufgaben eines Kontrollturms erfüllte, mit einer Radiostation und einem Windmesser [anemómetro]. Für die Energieversorgung der Flugplatzanlage sorgte ein Stromgenerator in einem separaten Gebäude.
Am 24. April 1959 genehmigte der Führungsstab der Luftwaffe den Luftverkehr auf dem Platz, aber erst am 15. Juli desselben Jahres landete zum ersten Mal auf der Insel La Gomera ein Flugzeug: Eine Piper PA-23 Apache (EC-ALQ), getauft auf den Namen "Miss Tecina", die Rodríguez López von der spanischen Flugzeugbaugesellschaft "Aerotécnica S.A." gekauft hatte.
An der Einweihung des Platzes nahm auch der "Aeroclub" von Teneriffa teil. Die hier von mir mitgeteilten Informationen, das letzte und die folgenden zwei Fotos habe ich übrigens einer Veröffentlichung des "Aeroclub" vom 11.04.2010 mit dem Titel "Inauguración de la pista del Revolcadero"
Das folgende Foto zeigt den Pfarrer von Playa de Santiago D. Jacinto, wie er die Piste segnet, einige Piloten des "Aeroclub" und den Meteorologen des Flughafens Teneriffa Nord.
Auf dem nächsten Foto sind einige Flugzeuge des "Aeroclub" zu sehen, die zu dem Einweihungsfest nach La Gomera gekommen waren.
Der Flugplatz wurde im Laufe der Zeit von diversen Flugzeugtypen genutzt wie Piper Navajo, Piper Apache, Piper Comanche, Britten-Norman Islander und Mitsubishi. Flugzeuge der von Rodríguez López gegründeten "Aerolíneas Canarias" (Aerocasa) brachten Touristen von Teneriffa, Lanzarote und Fuerteventura auf die Insel La Gomera.
Auch Firmen, die auf das Besprühen landwirtschaftlicher Flächen spezialisiert waren, wie zum Beispiel die 1965 in Córdoba gegründete Firma "Aerlyper", nutzten die Flugplatzpiste.
Im Februar 1960 startete vom Flugplatz El Revolcadero die Rodríguez López gehörende Piper Apache (EC-ALQ) "Miss Tecina" zu ihrem letzten Flug. An Bord waren neben dem dem Piloten Alfonso Cabello die drei Passagiere Conrado de los Rios, Manuel Bretón und Arístides Ríos. Bereits nach kurzer Flugzeit mussten sie wegen eines mechanischen Problems auf dem Wasser aufsetzen. Das Flugzeug versank im Meer, aber der Pilot und die drei Passagiere konnten gerettet werden, obwohl sich einer von ihnen, der kaum schwimmen konnte, länger als vier Stunden auf dem Rücken liegend über Wasser halten musste. Schließlich wurden sie von einer DC-3 der Iberia, die zu einer Suchaktion gestartet war, aufgespürt und von den Rodríguez López gehörenden Schiffen Santa Eulalia, Santa Elena und Santa Rosa gerettet, die sie zur Playa de Tapahuga brachten.
In unserem eGomera-Forum hat Hans Georg von seiner Wanderung zum alten Flugplatz von Gomera
Pistenbegrenzungspfosten und Halbbahnmarkierungen sind zum Teil noch sichtbar. Die Richtungsbezeichnungen an der Aufsetzschwelle sind noch lesbar. Theoretisch könnte man auf der Piste sogar noch landen, da hab ich in Deutschland schon schlimmere erlebt ;)
Der kleine Hangar ist verlassen und leer, im Wind bewegt sich n quietschendes Tor. Der Tower ist als solcher noch vorhanden, jedoch sind die Scheiben bereits kaputt. Ein paar Kabelenden zeigen wo früher mal die elektronischen Geräte installiert waren. Etwa zwei hundert Meter entfernt ist ein kleines Generatorhäuschen, es eignet sich gut für ne Vesperpause im Schatten. Eine alte Pistenwalze rostet vor sich hin.
In seinem Beitrag beschreibt Hans Georg auch ausführlich, wie man den alten Flugplatz erreichen kann, ergänzt durch Angaben von woga und GoSch.
Einen besonders abenteuerlichen Weg zum alten Flugplatz hat GoSch entdeckt. Er führt über die abgerundete Mauer dieses Stausees...






Haben sie ja einen dicken Deal gemacht damals!